What's next?
Vor die Tür gesetzt
Das Essen stand dampfend auf dem Küchentresen, als der Wohnungsschlüssel sich im Schloss drehte.
Loona betrat den Raum mit lautlosen Schritten. Sie trug ihren langen Wollmantel noch offen über einer dunklen Bluse, die Tasche lässig über der Schulter. Sie blickte nicht auf den gedeckten Tisch, nicht auf die Pfannen, die ich auf Hochglanz geschrubbt hatte. Ihr Blick fand sofort mein Gesicht, und auf ihren Lippen lag ein kaltes, amüsiertes Lächeln, das mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Sie zog ihr Smartphone aus der Tasche, drehte den Bildschirm kurz zu mir und sperrte ihn wieder. Auf dem Display war die Weitwinkelaufnahme des Wohnzimmers zu sehen gewesen – exakt der Moment, in dem Vanessas bestrumpfte Füße auf meinen nackten Oberschenkeln ruhten und das dünne Geschirrtuch gefährlich weit verrutscht war.
„Du warst also fleißig, während ich weg war“, flüsterte sie und schloss die Tür hinter sich. Sie trat an mich heran, bis ihr Parfüm die Luft um mich herum verdrängte. „Und? Was schuldest du mir?“
Meine Hände zitterten, als ich in die Tasche meiner Jogginghose griff. Ich zog den faltigen Zwanzig-Euro-Schein heraus, sank langsam auf die Knie und legte das Geld mit beiden Händen auf ihre flache Handfläche.
„Sie… sie hat es mir für die Massage gegeben“, brachte ich heiser hervor, den Blick starr auf ihre Stiefelspitzen gerichtet. „Und… sie meinte, mein Vater sei ständig weg. Sie hat gesagt… dass sie untervögelt ist.“
Ein schneidendes Lachen entwich ihrer Kehle. Sie strich den Schein glatt, faltete ihn sorgfältig und steckte ihn ein.
„Natürlich ist sie das“, spottete sie, trat einen Schritt näher und packte mein Kinn, um meinen Kopf nach oben zu zwingen. „Und vor wem klagt sie ihr Leid? Vor einem nackten, willenlosen Wrack auf dem Boden, das sich hinter einem Spültuch verstecken muss. Sie sieht dich nicht als Mann, John. Du bist für sie genau das, was du für mich bist: ein Haushaltsgerät. Ein praktischer Automat für müde Füße.“
Sie löste den Griff von meinem Kinn, beugte sich hinab und fasste ohne jede Vorwarnung mit voller Hand zwischen meine Schenkel. Ihre Finger schlossen sich fest um das eisige Edelstahlrohr, zerrten einmal scharf daran und rissen das Vorhängeschloss brutal gegen mein Schambein. Ein erstickter Schrei blieb mir in der Kehle stecken; der schneidende Schmerz ließ mir augenblicklich das Wasser in die Augen schießen.
„Sitzt bombenfest“, stellte sie kühl fest, strich mit einem Finger über den Rand des geschwollenen Fleisches und richtete sich auf. „Und da bleibt er auch. Morgen früh wird er deine einzige Stütze sein.“
Sie ging ins Schlafzimmer und kam einen Augenblick später mit einem Kleidungsstück zurück, das sie mir direkt vor die Knie warf: eine tiefblaue, extrem schmal geschnittene Slim-Fit-Jeans aus festem Denim ohne jeglichen Stretchanteil.
„Die ziehst du morgen an, wenn du zu Nadja fährst. Jeder einzelne Schritt wird dich daran erinnern, wie winzig du geworden bist. Du wirst dort Möbel schleppen, Kisten tragen, ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen – und keinen Ton über deine Situation verlieren. Wenn sie dich bittet, bleibst du höflich, stumm und nützlich.“
Die Nacht verging für mich in unruhigem Dämmern, getrieben von dem ständigen, pulsierenden Druck des Metalls.
Am Freitagmorgen gab es kein Beintraining. Der Tagesplan war ein anderer – und weitaus grausamer.
„Aufstehen, John“, befahl Loona um Punkt acht Uhr.
Ich musste das große Doppelbett frisch beziehen: die feinen, weißen Satintücher glattstreichen, bis keine einzige Falte mehr zu sehen war. Auf ihren Nachttisch musste ich eine Flasche gekühltes Wasser, zwei Gläser und eine ungeöffnete Packung Markenkondome legen – exakt platziert, direkt neben der silbernen Lampe. Jeder Handgriff brannte sich wie glühendes Eisen in mein Bewusstsein ein. Ich richtete eigenhändig das Bett her, in dem ein anderer Mann meine Existenz vollkommen auslöschen würde.
Als die Uhr elf schlug, stand ich angezogen im Flur. Die enge Jeans presste den Edelstahlkäfig so gnadenlos gegen meinen Knochen, dass jedes Aufsetzen des Fußes einen stechenden Impuls durch mein Becken jagte. Meine Hände waren eiskalt.
Loona trat aus dem Bad, eingehüllt in einen kurzen seidenen Morgenmantel, das Haar glänzend, die Lippen dunkelrot geschminkt. Sie musterte mich mit schneidender Zufriedenheit.
„Schlüssel auf die Kommode“, sagte sie leise.
Ich legte meinen Hausschlüssel ab. Das scharfe Klicken des Metalls klang wie ein endgültiges Urteil.
Genau in diesem Augenblick riss der Summer der Gegensprechanlage die Stille in Stücke. Zwei lange, fordernde Töne. Timo.
Ein grausames Lächeln glitt über ihr Gesicht. Sie trat dicht an mich heran, legte eine Hand auf meine Wange und flüsterte so leise, dass nur ich es hören konnte:
„Er ist da. Geh durch die Tür, John. Und wag es nicht, vor heute Abend zurückzukommen. Die Wohnung gehört jetzt uns.“
Sie öffnete die Wohnungstür, drückte den Summer für den Hauseingang unten und stieß mich mit einer kühlen, beiläufigen Bewegung auf den Treppenabsatz hinaus, ehe das Holz mit einem satten, endgültigen Schlag hinter mir ins Schloss fiel.
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