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Reviergrenzen

Chapter 36 by Levantin Levantin

Der Heimweg fühlte sich an wie der Gang zum Schafott.

Meine Turnschuhe schlurften über den Asphalt, der Kopf dröhnte, und jeder Schritt erinnerte mich mit einem dumpfen Scheuern daran, was Emma im Kunstraum gesehen hatte. Sie wusste es. Und sie saß jetzt mit Sicherheit vor ihrem Handy oder Laptop, tippte die Begriffe ein und begriff Stück für Stück, was dieser schwarze Zylinder an meinem Körper zu bedeuten hatte.

Als ich den Schlüssel in das Schloss unserer Wohnungstür im dritten Stock des großen Mehrfamilienhauses steckte, zitterte meine Hand. Im weitläufigen Flur der Eigentumswohnung roch es nach frischem Lavendelreiniger – Arisa, die Putzfrau, war heute da gewesen und hatte alles auf Hochglanz poliert. Mein Vater war wie immer noch auf der Arbeit, seine Rückkehr vor dem späten Abend ausgeschlossen. Absolute Stille.

*Ich muss es ihr sagen*, hämmerte es in meinem Schädel, während ich die Schuhe von den Füßen streifte. Die Panik schnürte mir die Kehle zu. Loona war grausam, unnachgiebig und forderte meine totale Unterwerfung – aber ihre Kontrolle hatte ein klares Ziel. Sie besaß mich, und genau darin lag eine perverse, tröstliche Sicherheit. Wenn ich ihr beichtete, dass Emma ein Video besaß und nun auch vom Käfig wusste, würde Loona toben. Vielleicht würde sie mich bestrafen, mich noch härter anpacken. Doch sie würde niemals zulassen, dass ein fremdes Mädchen aus meiner Klasse ihr das Spielzeug streitig machte. Sie würde Emma zermalmen.

*Aber was, wenn sie mich fallen lässt?*, flüsterte die andere Stimme, kalt und vernichtend. Was, wenn sie mich dafür verachtete, dass ich mich vor Emma so jämmerlich blamiert hatte? Wenn sie den Schlüssel nahm, ihn vor meinen Augen wegwarf und mich der Lächerlichkeit der ganzen Stufe überließ?

„Du bist spät dran, mein Guter.“

Die kühle Stimme kam aus dem offenen Wohnbereich.

Loona lehnte an der Küchentheke, und der Anblick raubte mir auf der Stelle den Atem. Sie trug einen winzigen, schwarzen Faltenrock, Overknee-Strümpfe, die knapp über ihren Oberschenkeln endeten, und ein enges, bauchfreies Top, das ihren flachen Bauch und die Taille betonte. Um ihren Hals glänzte die zarte Silberkette mit dem kleinen Messingschloss-Schlüssel.

Mein Herz stolperte. Das Blut schoss mir augenblicklich in die Wangen und weiter hinab in die Leiste. Das Glied drückte mit brutaler Härte gegen die Streben des Gehäuses.

„Tut mir leid“, presste ich hervor und ging langsam auf sie zu, den Blick unterwürfig auf ihre Beine gerichtet. „Julian hat mich noch kurz aufgehalten.“

*Sag es ihr. Sag es jetzt.* Die Worte lagen mir auf der Zunge, brannten wie Säure. *Loona, Emma erpresst mich. Sie weiß vom Käfig.*

Doch als ich vor ihr stand und sie den Kopf schief legte, versagte meine Stimme vollkommen. Ihre dunklen Augen musterten mich mit jener herablassenden Schärfe, die mich jedes Mal gleichzeitig zittern und vor Lust vergehen ließ.

„Du bist ganz blass“, stellte sie fest, trat einen Schritt näher und legte zwei kühle Fingerspitzen an mein Kinn, hob mein Gesicht an. „Und du siehst völlig fertig aus. Zeig mir dein Handy.“

Mit fahrigen Fingern reichte ich es ihr. Sie überflog die Schritt-App und steckte das Gerät in ihre Tasche.

„Achtzehnhundert Schritte fehlen noch bis zu deinem Tagesziel“, murmelte sie. Sie musterte die tiefen Schatten unter meinen Augen, den Schweiß auf meiner Stirn und mein leichtes Zittern. Ihr Blick wurde eine Spur weicher, fast fürsorglich auf diese dunkle, besitzergreifende Art. Sie wollte mich brechen, ja, aber nicht zerstören – sie formte mich zu etwas Besserem, zu ihrem perfekten, belastbaren Spielzeug. „Aber du hast die ganze Woche erstaunlich brav durchgezogen. Für heute schenke ich dir den Rest. Du gehst mir sonst noch ein.“

Sie deutete mit dem Zeigefinger auf den Boden vor sich. „Knie dich hin.“

Ich sank sofort vor ihr auf das helle Parkett. Meine Knie berührten das Holz, und als Loona die Hand ausstreckte, erlaubte ich mir endlich, die Arme vorsichtig um ihre bestrumpften Oberschenkel zu legen. Der weiche Strick der Strümpfe unter meinen Handflächen, die Wärme ihrer Haut – ich presste meine Wange gegen ihren Stoff und atmete zittrig aus. Eine gewaltige Welle der Erleichterung schwemmte über mich hinweg.

Loona ließ es geschehen. Mit langsamen, sanften Bewegungen strich sie mir mit ihren lackierten Nägeln durch das Haar, kraulte meinen Nacken und massierte die steifen Muskeln an meinem Halsansatz.

„Braver Junge“, raunte sie leise. „Ganz ruhig. Du gehörst mir, erinnerst du dich? Hose auf.“

Ich löste die Hände von ihren Beinen, öffnete zitternd den Gürtel und zog Jeans und Boxershorts herunter. Das schwarze Harzgehäuse spannte bis zum Zerreißen, die Haut an den Rändern war gereizt von der tagelangen Folter.

Loona beugte sich vor, griff nach der Kette um ihren Hals und hielt das kleine, glänzende Messingstück nur wenige Zentimeter vor den Zylinder.

„Du hast die ganze Woche nur an diesen Schlüssel gedacht, nicht wahr? An mein Versprechen für das Wochenende.“

„Ja… bitte, Loona…“, wimmerte ich leise, das Gesicht fast auf ihren Knien. Jedes Geheimnis, jede Angst vor Emma schmolz in diesem einzigen, glühenden Moment dahin. Ich wollte nur ihr gehören. Nur von ihr erlöst werden.

„Heute Abend“, flüsterte sie und ließ den Schlüssel mit einem leisen Klimpern wieder auf ihr Dekolleté fallen. „Nach dem Essen. Wenn du mich vorher massierst und—"

Das schrille, unbarmherzige Summen der Gegensprechanlage zerriss die Stille der Wohnung.

Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Das Blut wich mir schlagartig aus den Adern.

Zweimal hintereinander. Kurz, fordernd, penetrant. Jemand stand unten an der Haustür des Mehrfamilienhauses.

Loona runzelte irritiert die Stirn, löste ihre Hand aus meinen Haaren und richtete sich auf. „Wer zur Hölle ist das denn jetzt?“

Sie trat an die Wand neben der Wohnungstür, wo der kleine Videobildschirm der Gegensprechanlage aufleuchtete.

Mein Magen sackte ins Bodenlose. Über die Kamera der Eingangstür konnte ich es von meinem Platz auf dem Boden aus genau erkennen: Unten vor der Haustür stand ein Mädchen im beigen Mantel, das Kinn trotzig vorgeschoben, eine Hand ungeduldig auf die Klingel gepresst.

Emma.

Mein Atem setzte vollständig aus. Die Hose lag immer noch unten an meinen Knöcheln, das schwarze Harzgehäuse glänzte entblößt im Licht des Flurs, während der kleine Monitor an der Wand das Gesicht zeigte, das meinen Ruin bedeutete.

Emma hatte keine Sekunde verschwendet. Sie hatte recherchiert, begriffen und war hergekommen, um die Beute einzufordern.

Loona starrte mit gerunzelter Stirn auf das flackernde Schwarz-Weiß-Bild. Ihr Blick glitt von dem Mädchen im Mantel hinab zu mir, wo ich wie ein Häufchen Elend auf dem Parkett kauerte, zitternd, das Gesicht leichenblass.

„Kennst du die?“, fragte sie kühl. In ihrer Stimme schwang kein Zweifel mit, nur messerscharfe Beobachtung. Sie sah sofort, wie das Blut aus meinen Lippen gewichen war. „John. Wer ist das?“

„Das… das ist Emma“, brachte ich heiser heraus. Jeder Muskel in meinem Körper spannte sich krampfhaft an. „Aus meiner Stufe.“

Wieder summte der Summer, diesmal länger, fordernder.

Loona drückte nicht auf den Hörer. Sie verschränkte langsam die Arme vor der Brust, lehnte sich mit der Schulter gegen die Wand neben der Gegensprechanlage und musterte mich von oben herab. Das sanfte Streichen durch meine Haare von eben war wie weggewischt; ihre Miene wurde hart, berechnend, fast unbarmherzig.

„Und warum steht ein Mädchen aus deiner Stufe unangemeldet an unserer Haustür und stürmt die Klingel?“, hakte sie nach, die Stimme gefährlich leise. „Hast du mir irgendetwas zu erzählen?“

Der Moment der Wahrheit war da. Die Lüge starb mir im Hals ab, noch bevor ich sie formen konnte. Wenn ich jetzt schwieg und Emma oben vor der Wohnungstür den Mund aufmachte, war ich vollkommen erledigt.

„Sie… sie war heute im Kunstraum“, stammelte ich, die Tränen der totalen Überforderung brannten mir in den Augenwinkeln. Ich krallte die Finger in das Holz des Bodens. „Sie hat nach mir gegriffen. Durch die Hose. Sie hat den Käfig gespürt… und mich gezwungen, ihr das Schloss zu zeigen. Sie hat ein Video von mir, Loona. Von letzter Woche bei ihr. Sie erpresst mich.“

Die Worte fielen wie rohe Steine zwischen uns auf den Boden.

Einen langen, quälenden Moment herrschte absolute Stille in der Wohnung. Ich rechnete mit einem Wutausbruch, mit einem Tritt gegen meine Rippen, mit der ultimativen Demütigung. Doch Loona rührte sich nicht. Kein Muskel in ihrem Gesicht zuckte.

Ihre dunklen Augen verengten sich lediglich zu schmalen Schlitzen. Ein langsames, bösartiges Lächeln stahl sich auf ihre Lippen – nicht wütend auf mich, sondern amüsiert, fasziniert von der Dreistigkeit einer Fremden, die es wagte, in ihr Revier einzudringen.

„Sie erpresst dich also“, murmelte Loona, und ihre Finger wanderten beiläufig an den Ausschnitt ihres Tops, strichen über die Kette mit dem kleinen Messingschlüssel. „Und jetzt hat sie im Internet nachgelesen, wozu das Spielzeug da unten gut ist, und will sich den Schlüssel abholen. Glaubt wahrscheinlich, du hast ihn in deinem Schreibtisch versteckt.“

Sie stieß ein leises, kehliges Lachen aus, das mir einen Schauer über den Rücken jagte.

Mit einer fließenden Bewegung drückte sie auf den Knopf des Türöffners. Das laute Summen der Hauseingangstür hallte durch die Gegensprechanlage nach oben.

„Hose an, John“, befahl sie mit ruhiger, unerbittlicher Stimme. „Aber den Gürtel lässt du offen. Und dann stellst du dich brav hinter mich in die Küche. Wag es ja nicht, ein einziges Wort zu sagen.“

Sie ging zur Wohnungstür, entriegelte das Schloss und zog das schwere Holzblatt einen Spaltbreit auf. Das ferne Klacken von Absätzen im Treppenhaus verriet, dass Emma die Stufen hinaufstieg – fest entschlossen, die neue Herrin über mein Leben zu werden, ohne die geringste Ahnung, in wessen Vorhof sie gerade trat.

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