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Besitzansprüche

Chapter 37 by Levantin Levantin

Das Klacken der Absätze auf den Steinstufen des Treppenhauses erstarb direkt vor der Wohnungstür. Ein kurzes, forderndes Klopfen, dann schob Emma das schwere Türblatt vollends auf.

Sie stand im Türrahmen, den beigen Mantel selbstbewusst offen, die Hände lässig in die Taschen geschoben. Auf ihren Lippen lag dieses überhebliche, giftige Schulhof-Lächeln – fest entschlossen, die neue Herrin über mein Schicksal zu werden.

„Na, John, hast du dir schon überlegt, wo du den Schlüssel—"

Emma brach mitten im Satz ab. Ihr Blick prallte frontal auf Loona, die mitten im Flur stand, die Arme vor der Brust verschränkt, eine Augenbraue spöttisch hochgezogen.

Für einen Moment war es totenstill. Emmas selbstsichere Fassade bekam die ersten Risse. Sie musterte die fremde junge Frau vor sich – den winzigen Faltenrock, die Overknees, das bauchfreie Top und diesen eiskalten, herablassenden Blick, der Emma von oben bis unten scannte wie ein lästiges Insekt.

„Wer… wer bist du denn?“, brachte Emma heraus, bemüht, die Härte in ihrer Stimme wiederzufinden. Sie warf einen kurzen Blick an Loona vorbei in die Küche, wo ich wie ein Häufchen Elend stand, den Blick starr zu Boden gerichtet. „Geh mal beiseite. Ich habe mit John was zu klären.“

Da standen sie nun. Die beiden Machtpole meines Lebens, Auge in Auge im selben engen Flur. Die beiden Frauen, die mich in den letzten Wochen nach Belieben gebrochen, gedemütigt und geformt hatten, prallten mit voller Wucht aufeinander. Die schiere Wucht dieser Konfrontation, das absurde Ausmaß meiner eigenen Erniedrigung und die dunkle, perverse Faszination dieses Moments raubten mir fast den Atem. Mein Herz pochte wie wild gegen meine Rippen, während mein Schwanz krampfhaft gegen das Plastik ankämpfte, anschwoll und verzweifelt versuchte, die unnachgiebigen Streben des Harzkäfigs zu sprengen.

Loona lachte leise auf. Ein raues, amüsiertes Geräusch.

„Du bist also die kleine Göre mit der Tierkamera“, sagte sie mit schneidender Gelassenheit, trat einen Schritt vor und stieß die Wohnungstür mit dem Fuß hinter Emma ins Schloss. Der Riegel fiel mit einem satten, endgültigen Knall zu. „Emma, richtig?“

Emmas Augen weiteten sich minimal, doch sie fing sich sofort wieder. „Aha. Hat das Weichei also direkt gepetzt. Dann weißt du ja Bescheid. Ich will den Schlüssel zu dem Ding zwischen seinen Beinen. Sofort. Ansonsten landet der Clip in zwei Minuten in der Stufengruppe. Mal sehen, wie gern er dann noch zur Schule geht.“

Loona rührte sich nicht. Sie lächelte einfach nur weiter, trat noch näher an Emma heran und zwang sie durch ihre bloße Präsenz dazu, einen halben Schritt zurückzuweichen.

„Glaubst du wirklich, du hast hier irgendetwas zu melden?“, flüsterte Loona, und ihre Stimme troff vor Verachtung. „Lass uns mal ganz kurz die Realität klären, bevor du dich noch lächerlicher machst: § 201a StGB. Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Dazu Erpressung nach § 253. Was meinst du wohl, was passiert, wenn ich heute Abend deinen Eltern – die feinen Herrschaften, die bis acht im Büro sitzen – und der Schulleitung einen kleinen Besuch abstatte? Volljährig oder nicht, glaubst du im Ernst, deine saubere Zukunft übersteht ein handfestes Ermittlungsverfahren wegen Erpressung mit intimen Aufnahmen? Dein Abitur kannst du vergessen, Emma. Deine Eltern können zusehen, wie sie den Schadenersatz blechen, während dein Name durch den Dreck gezogen wird.“

Jedes einzelne Wort traf Emma wie ein gezielter Schlag in die Magengrube. Die Farbe wich schlagartig aus ihrem Gesicht. Ihre Lippen öffneten sich, doch kein Laut kam heraus. Der juristische Hebel, die absolute Selbstverständlichkeit, mit der Loona sie deklassierte – der Boden unter Emmas Füßen war mit einem Schlag pulverisiert.

„Und was deinen lächerlichen Anspruch auf den Schlüssel angeht…“, fuhr Loona fort.

Sie griff mit zwei Fingern in ihren Ausschnitt, zog die feine Silberkette hervor und ließ den kleinen Messingschlüssel im Flurlicht aufblitzen.

Emmas Atem stockte. Sie starrte auf das Metall, dann hinüber zu mir, dann wieder zu Loona. Das Verständnis traf sie mit voller Wucht.

John“, befahl Loona, ohne den Blick von Emma abzuwenden. „Komm her. Knie dich vor mich. Hose runter.“

Mein Verstand war längst ausgeschaltet, mein ganzer Körper gehorchte nur noch ihren Befehlen. Ich trat vor, sank auf das Parkett direkt zu Loonas Füßen, öffnete die Jeans und zog sie samt Unterwäsche hinab. Das schwarze Harzgehäuse glänzte im Halbdunkel, spannte bis zum Bersten vor Emmas fassungslosen Augen. Es war die totale Zerstörung meines Stolzes – und gleichzeitig schoss die Hitze mit einer solchen Gewalt durch meine Adern, dass mir kurz schwarz vor Augen wurde.

Loona legte mir beiläufig eine Hand in den Nacken, kraulte mich wie einen abgerichteten Hund und sah Emma dabei direkt in die Augen.

„Siehst du das?“, raunte Loona grausam. „Er gehört mir. Jeder Zentimeter von ihm. Er funktioniert nur, wenn ich es erlaube. Er spritzt nur ab, wenn ich es befehle. Und ein kleines, verzogenes Ding wie du spaziert ganz sicher nicht hier rein und fasst mein Eigentum an.“

Emma stand wie gelähmt da. Die Hände zitterten leicht, die Arroganz war vollends aus ihren Zügen gewichen.

„Ich… ich lösche es“, flüsterte Emma mit heiserer, brüchiger Stimme und tastete nach ihrer Tasche. „Ich lösche das Video, okay? Sofort.“

„Löschen?“, wiederholte Loona, und ihre Augen blitzten dunkel auf. Sie löste die Hand aus meinem Haar, richtete sich auf und trat so nah an Emma heran, dass fast kein Raum mehr zwischen ihnen war.

Langsam hob Loona die Hand. Mit dem Zeigefinger strich sie Emma quälend langsam über die Wange, fuhr die Linie ihres Kiefers nach und tippte ihr leicht gegen das Kinn – eine Berührung, so beiläufig und absolut herablassend, dass Emma unwillkürlich den Atem anhielt und die Augen aufriss.

„Nein, Schätzchen“, hauchte Loona, während ihre Finger von Emmas Wange glitten und sie die Handfläche fordernd öffnete. „Du gibst mir dein Handy. Jetzt. Entsperrt.“

Emma wagte es nicht zu widersprechen. Mit zitternden Fingern entsperrte sie ihr Smartphone und legte es in Loonas Hand.

Loona tippte routiniert auf dem Bildschirm herum. „AirDrop an mich. So… gesendet. Und die Datei auf deinem Speicher landet jetzt im Papierkorb. Endgültig gelöscht.“

Sie steckte ihr eigenes Handy wieder ein, behielt Emmas Gerät aber noch fest in den Fingern und musterte das zitternde Mädchen mit einem eisigen Lächeln.

„Die einzige Kopie dieses Videos liegt ab jetzt bei mir“, stellte Loona unmissverständlich klar. „Und die bleibt auch da. Als kleine Lebensversicherung, falls du jemals auf die Idee kommen solltest, dein hübsches kleines Maul aufzureißen.“

Sie beugte sich vor, ihr Atem strich über Emmas Ohr:

„Aber… da du offenbar Spaß daran hast, meinen kleinen Bruder zu quälen, machen wir einen Deal. In der Schule darfst du ihn weiter herumkommandieren. Er macht deine Hausaufgaben. Er trägt deine Mappe. Er spurt für dich, damit er lernt, was sein Platz ist. Aber sein Körper gehört mir. Wenn du ihn noch ein einziges Mal ungefragt da unten anfasst… benutze ich das Video gegen dich. Haben wir uns verstanden?“

Emma schluckte schwer und nickte hastig, fast panisch. „Ja. Ja, verstanden.“

„Brav.“ Loona drückte ihr das stumme Handy zurück in die Hand, öffnete die Wohnungstür wieder einen Spaltbreit und deutete auf das Treppenhaus. „Und jetzt verschwinde. Wir haben hier noch etwas zu erledigen.“

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