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Der Freifahrtschein 2

Die Worte hingen wie schwerer Rauch im abgedunkelten Wohnzimmer. Ich starrte zu ihr hoch, die Knie taub vom kalten Holz, die Hände auf den Oberschenkeln verkrampft.

„Ich… ich mache es“, presste ich hervor. „Ich sage es ihm.“

Ein feines, unerbittliches Lächeln glitt über Loonas Lippen. Sie zog die Finger nicht von meinem Kinn zurück. Stattdessen strich ihre Kuppe langsam meine Kieferlinie hinab, über die Halsschlagader, die wild und unregelmäßig gegen ihre Haut hämmerte, bis sie den Kragen meines T-Shirts erreichte.

„Braver Junge“, flüsterte sie, und die Wärme ihrer Stimme stand in absolutem Widerspruch zu der Grausamkeit ihrer Augen. „Du weißt eben doch, wo dein Platz ist.“

Mit einer langsamen, fast beiläufigen Bewegung griff sie in die kleine Vordertasche ihrer Stoffhose. Das feine, helle Klimpern von Metall hallte durch den leeren Raum. Vor meinen geweiteten Augen zog sie den kleinen, glänzenden Zylinderschlüssel hervor, an dem ein schmales, schwarzes Lederband hing.

Sie ließ ihn vor meinem Gesicht baumeln.

Mein Atem setzte aus. Der Schlüssel hing keine zehn Zentimeter von meiner Nase entfernt, drehte sich träge im gedämpften Licht der Straßenlaternen, die durch die Altbaufenster schienen. Vierzehn Tage purer Entzug, vierzehn Tage stumpfes Pochen im Harzgehäuse – gebündelt in einem winzigen Stück Messing, das über meine gesamte Existenz entschied.

Instinktiv hob ich die Hand, ein zuckender Reflex puren Verlangens, doch noch ehe meine Finger den Schlüssel berühren konnten, schnappte ihre Hand zu.

Sie schloss die Faust um das Metall und schlug mir mit der flachen Rückseite ihrer Finger hart gegen die Wange. Nicht mit voller Kraft, aber mit einer schallenden, erniedrigenden Schärfe, die meinen Kopf zur Seite riss.

„Pfoten weg“, zischte sie eiskalt.

Die Wange brannte heiß. Ich presste die Hände sofort wieder auf meine Oberschenkel, den Kopf gesenkt, die Zähne fest zusammengebissen.

„Du fasst ihn erst an, wenn ich es dir erlaube. Und du weißt ganz genau, was der Preis dafür ist.“ Sie beugte sich weiter vor, ihr Atem strich warm und betörend an meinem Ohr vorbei. „Morgen, wenn Timo hier sitzt. Du wirst ihm zusehen, wie er lacht, wie er sich aufplustert, wie er glaubt, er hätte hier die Fäden in der Hand. Und du wirst ihm die Tür öffnen, John. Du wirst ihm sagen, dass es für dich völlig in Ordnung ist. Du wirst ihm sogar Mut zusprechen.“

Ihre freie Hand glitt über meinen Oberschenkel nach innen, fand zielsicher den starren Zylinder unter dem festen Denim und umschloss ihn mit festem, unnachgiebigem Griff. Der Druck presste die hintere Halterung tief in mein Schambein. Ein ersticktes Keuchen entwich meiner Kehle.

„Spürst du das?“, raunte sie und verstärkte den Griff minimal, gerade so viel, dass der Schmerz jede Faser meines Körpers elektrisierte. „Das ist das Einzige, was dir gehört: die Enge. Timo bekommt morgen alles, wovon du seit Wochen nur phantasierst – und er muss dafür keinen Finger krumm machen. Er muss nicht auf Knien betteln, er muss keine Kisten schleppen, er muss sich nicht von mir einsperren lassen. Er nimmt es sich einfach, weil er ein Mann ist. Und du… du bist mein kleiner Hausgeist, der dafür sorgt, dass die Bettwäsche frisch bezogen ist.“

Jedes einzelne Wort traf mich wie ein Hieb in die Magengrube. Die Scham und die Eifersucht schnürten mir die Kehle zu, während gleichzeitig eine dunkle, verzweifelte Erregung durch meine Adern pulsierte, angefacht von ihrer Nähe, ihrer Verachtung und der brutalen Aussicht auf das, was morgen geschehen würde.

Sie löste ihren Griff so unvermittelt, dass ich fast vornüberkippte.

Mit einer eleganten Bewegung lehnte sie sich zurück, steckte den Schlüssel wieder in die Hosentasche und griff nach ihrem Smartphone, das auf dem Couchtisch lag. Das Display leuchtete grell auf und beleuchtete ihr Gesicht, das wieder vollkommen gleichgültig, fast gelangweilt wirkte. Der Moment war vorbei; sie hatte mich benutzt, meinen Willen zerschlagen und schaltete mich ab wie ein Gerät.

„Mach das Licht aus, wenn du gehst“, sagte sie, ohne aufzusehen, während ihre Daumen über die Tastatur flogen. „Und wehe, morgen steht nicht pünktlich der Kaffee auf dem Tisch. Ab in dein Zimmer, John.“

Ich brauchte zwei Versuche, um mich auf die zitternden Beine zu stemmen. Mein Körper schmerzte, die Leiste glühte, und im Kopf drehte sich alles um den morgigen Tag, Timos Ankunft und das grausame Spiel, aus dem es kein Entkommen mehr gab.

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