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Chapter 4 by Geilspecht99 Geilspecht99

Thea

tropft vor sich hin

Thea erlebte in diesen Minuten eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle, sie tropfte einerseits vor Vorfreude auf das, worauf sie schon so lange warten musste. Und andererseits wusste sie, dass sie nur garantiert überleben würde, solange die Prophezeiung nicht eintratt. Und wenn man morgen die zwei Männer tot auffinden würde, könnte auch der Kaiser sie nicht mehr retten, auch wenn sie nur gefesselt im Raum hing. In ihrer Lage beschränken sich ihre Einflussmöglichkeiten darauf, ihre Erregung loszuwerden, denn sie rechnete mit einem Übergriff der beiden Männer und wenn sie dabei Spaß hätte, wäre die Prophezeiung erfüllt.

Aber auch wenn sie nicht hingerichtet würde, bliebe bei dieser Anklage eigentlich nur ein Leben im Kerker, keine schöne Aussicht. Und all das natürlich unter der Annahme, dass sie die Prophezeiung richtig interpretierte. Dies war das einzige, worauf sie sich verlassen wollte und auch musste.

Die Möglichkeit ihres nahenden Endes senkte ihr Hitzelevel etwas ab, trotzdem kämpfte sie mit den Tropfen zwei bis fünf, welche dabei waren, sich auf den Weg zu machen und sich nur mehr um die Startnummern stritten.

*tropf*

Gerade als die Silbermedaille feststand, kam von viel näher vor ihr, als sie erwartet hatte das Krächzen des alten Mannes:
„Ich muss mir ihre Augen ansehen“

Ruckartig fuhr Thea mit aller Kraft, die ihr Körper noch hatte, nach hinten, um der Stimme auszuweichen. Die Fesselung ließ ihr dazu zwar nur ein paar Finger breit, aber diese nützte sie voll aus.

„Mach! Es wird sowieso Zeit, ich habe noch genug mit den anderen Prozessen zu tun“, erwiderte die dunkle Stimme des Praioten. Als er dann noch ergänzte;
„Thea, wir nehmen dir die Augenbinde ab, öffne deine Augen nur langsam“, entspannte sie sich wieder etwas und ihre Erregung sank weiter ab.
Sie fühlte Hände an ihrem Hinterkopf, sie nahmen ihr die Augenbinde ab.
Langsam öffnete sie die Augen.

Der Raum, in dem sie sich befand, oder besser gesagt, in dem sie hing, war etwa 4 Schritt breit, sieben Schritt lang und etwa 3 schritt hoch. Sie hing ein, zwei Schritt vor der Rückwand in der Mitte des Raumes, sie war so angebunden, dass ihre Füße etwa einen halben Schritt über dem Boden hingen. Sie sah einen großen und, ja es lässt sich nicht anders ausdrücken, fetten, aber sehr gepflegten Mann im Ornat des Sonnengottes an einem Tisch neben der Türe sitzen und sie aufmerksam beobachten. Sie brauchte etwas, um zu erkennen, dass dem Mann der, ohne den Blick von ihr abzuwenden, mit seinem Dolch einen Apfel aufschnitt. Dies machte er nur mit einer Hand und er komplettierte die Jause die er vor sich auf dem Tisch ausgebreitet hatte, seine linke Hand war ihm anscheinend abhandengekommen.

Sie war einigermaßen erstaunt über das freundliche Lächeln, dass der junge Praiot, sie schätzte in auf knapp unter 30ig, ihr schenkte, denn sie sah darin Interesse und nicht einen arroganten, vorwurfsvollen, an einen unwürdigen Sünder gerichteten Blick.

Als sie dann nachschaute, wo sich der andere Mann befand, musste sie feststellen, dass dieser alte, in ein einfaches Tuch gewickelte Mann höchst abgelenkt war. Er beobachtete fasziniert, wie sich die beiden Kandidaten für den letzten Stockerlplatz freundschaftlich verbrüderten und gemeinsam einen schleimigen Faden bildend, dem Boden, des bis auf zwei Tropfen leeren Eimers entgegenstrebten.

*tropf*

Damit fiel Theas Erregung innerhalb von Sekundenbruchteilen von sechs auf minus eins auf ihrer zehnteiligen Skala, was sie sogar ganz unerwartet erleichtert lächeln ließ. Selbiges blieb ihr aber schon fast im Ansatz im Halse stecken, als sie daran dachte, wie sich für die beiden Männer die Situation darstellen würde. Aber der Alte hatte dem Praioten ganz bewusst die Sicht verstellt und lächelte ihr verschwörerisch zu.

So machte ihr immerhin der Blick des Praioten keine unmittelbare Angst, sie beruhigte sich etwas, die beiden würden sie wohl genau so wenig verführen, wie **** und das waren derzeit die schlimmsten Dinge, die sie sich vorstellen konnte.

Aber da war ja noch der Alte

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