What's next?

Zwei Stimmen, ein Schloss

Loona tippte eine kurze, beiläufige Antwort in ihr Telefon, verabredete das Treffen für Dienstagabend und legte das Gerät mit dem Bildschirm nach unten auf die Kante des Nachttischs. Das feine, aufgeregte Glühen in ihren Augen verblasste nicht völlig, doch die berechnende Schärfe wich langsam einer tiefen, warmen Sanftheit.

„Aber darum kümmern wir uns, wenn es so weit ist“, murmelte sie, zog das weite T-Shirt über ihren Kopf und warf den Stoff achtlos zur Seite.

Sie rutschte tiefer unter die Decke, strich mit beiden Händen über meine nackte Brust und zog mich sanft nach unten, bis mein Kopf wieder auf ihrem Kissen lag. Ihr Körper war warm, samtig und roch nach Schlaf und vertrauter Nähe. Draußen stieg die Morgensonne langsam höher, aber die schweren Vorhänge hielten den Tag draußen und hüllten das Zimmer in eine geschützte Dämmerung.

Der restliche Sonntag gehörte ganz dieser ungestörten Zweisamkeit. Es gab keinen Druck mehr, keine fordernden Blicke und keine neuen Prüfungen. Am späten Vormittag stand Loona kurz auf, um eine Tube Wundsalbe und eine Schale mit warmem Wasser aus dem Bad zu holen. Sie schlug die Decke zurück, setzte sich im Schneidersitz zwischen meine Beine und musterte die Spuren der letzten Tage mit einer Gründlichkeit, die nichts Demütigendes hatte.

Ganz behutsam tupfte sie die geröteten Ränder an meinem Schambein ab. Ihre Fingerspitzen waren kühl, als sie die weiße Creme mit kreisenden, bedächtigen Bewegungen in die gereizte Haut einmassierte. Sie strich den breiten Silikonring glatt, prüfte den Sitz der Scharniere und tastete die empfindliche Unterseite ab, um sicherzugehen, dass nichts scheuerte oder einklemmte. Kein spöttisches Wort, kein schmerzhafter Zug am Gehäuse. Nur ihre sicheren Hände, die mir jede verbliebene Hektik nahmen und die Qual der Nacht in eine seltsame, vollkommene Ruhe verwandelten.

„Alles gut so?“, flüsterte sie, während sie den Zylinder sanft in eine bequemere Position bettete.

„Ja“, brachte ich heraus. Die Anspannung fiel mit einem Mal so tief ab, dass mir fast die Stimme versagte.

Den Nachmittag verbrachten wir fast ausschließlich im Bett. Loona holte frische Trauben und Toast aus der Küche, lehnte sich mit dem Rücken an meine Schulter und las leise Passagen aus einem Buch vor, während meine Finger gedankenverloren durch ihre dunklen Spitzen strichen. Unter der Bettdecke war das kühle Metall längst auf Körpertemperatur angewärmt. Es pulsierte nicht mehr feindselig, sondern lag wie ein schweres, vertrautes Siegel auf meinem Schoß.

Als die Dämmerung am Sonntagabend das Zimmer schließlich in tiefes Blau tauchte, zog sie meinen Arm fest um ihre Taille.

„Schlaf, John“, flüsterte sie in mein Nackenhaar, während ihre Hand ruhig auf dem verschlossenen Gehäuse ruhte. „Hier bist du sicher.“

Mit diesem Gewicht an meinem Fleisch und ihrem gleichmäßigen Atem an meiner Schulter sank ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Am Montagabend schlug die Realität mit der Wucht eines stumpfen Schlags zurück.

Der Monitor im Arbeitszimmer flackerte in grellen Blautönen. Ich saß auf dem harten Drehstuhl, das Headset über die Ohren geklemmt, die Hände verkrampft um den Controller. Unter meiner engen Jeans brannte der Käfig nach einem langen Tag in den Vorlesungssälen mit schneidender Präsenz; jede Gewichtsverlagerung auf dem Polster trieb den oberen Bogen direkt in mein Schambein.

Über den Voice-Chat drang das laute, selbstgefällige Lachen von Timo durch meine Kopfhörer, untermalt vom dumpfen Dröhnen virtueller Schüsse.

„Alter, ich schwöre dir, ich bin gestern erst gegen zwei richtig klargekommen“, polterte seine Stimme über die Leitung, gefolgt von einem tiefen Schluck aus einer Dose. „Mein Rücken ist komplett zerkratzt. Loona hat am Samstag echt gedacht, sie müsste mir die Haut abziehen.“

Meine Finger erstarrten für den Bruchteil einer Sekunde auf den Triggern. Mein In-Game-Charakter blieb ungedeckt im offenen Feld stehen und fing sofort ein Dutzend Treffer ein.

„Pass mal auf da vorne, John! Du pennst ja schon wieder“, lachte Timo rau, ohne Verdacht zu schöpfen. „Aber im Ernst… ich wusste ja, dass deine Stiefschwester verdammt gut aussieht, aber was die da im Bett abgezogen hat… Jesus. Ich hab sie von hinten genommen, die Hände in ihren Hüften vergraben, und sie hat geschrien wie am Spieß. Die ganze Wand hat gewackelt. Hast du das drüben auf dem Sofa eigentlich noch mitbekommen?“

Mein Hals war wie mit trockenem Sand zugeschüttet. Die Erinnerung an den Geschmack auf meinen Lippen – die weiße, zähe Feuchtigkeit, die ich am frühen Sonntagmorgen andächtig von ihren Schamlippen geleckt hatte – schoss wie siedendes Blei durch meine Adern. Das Fleisch im Käfig suchte instinktiv nach Raum zum Wachsen, hämmerte gegen die Stahlwände und wurde sofort von dem unnachgiebigen Zylinder erstickt.

„Ja“, presste ich mühsam hervor, bemüht, die Reibeisenstimme wie ein beiläufiges Kichern klingen zu lassen. „War… schwer zu überhören, Alter.“

„Dacht ich mir!“, grölte Timo und stieß ein dreckiges, siegessicheres Lachen aus. „Der absolute Wahnsinn. Ich muss mir das definitiv bald wiederholen. Die Frau braucht einfach jemanden, der sie mal richtig anpackt.“

Er redete sich weiter in Rage, schilderte Einzelheiten, beschrieb das Zittern ihrer Schenkel und wie er sie auf die Matratze gedrückt hatte, während er nebenbei Munition aufhob. Jeder einzelne Satz war ein gezielter Schlag gegen meine Schläfen. Doch während das Metall unter dem harten Denim unbarmherzig quetschte, mischte sich unter die brennende Scham ein völlig neues Gefühl: eine finstere, triumphale Genugtuung.

Er hielt sich für den unangefochtenen König. Er saß an seinem Schreibtisch und glaubte, sich an meiner Stiefschwester bedient zu haben – vollkommen blind dafür, dass er nur ein Statist in einem Raum war, dessen Schlüssel längst vergeben waren.

„Hörst du noch zu, John?“, riss mich Timos Stimme wieder aus den Gedanken. „Du bist heute echt verdammt ruhig. Was geht bei dir eigentlich die Woche?“

„Nicht viel“, erwiderte ich und zwang meine Spielfigur hinter die nächste Mauer, während ich versuchte, meiner Stimme einen ganz beiläufigen Ton zu geben. „Morgen Abend treffe ich mich mit Nadja auf einen Kaffee. Am Maybachufer.“

Über das Headset ertönte ein langes, anerkennendes Pfeifen, gefolgt von einem scheppernden Lachen.

„Mit Nadja? Nicht schlecht, Alter!“, frotzelte er trocken. „Die sah am Samstag schon ziemlich scharf aus auf der Couch. Na siehste, wird Zeit, dass du auch mal wieder ran darfst. Kannst dir ja ’ne Scheibe von mir abschneiden – lass dich bloß nicht zu lange bitten.“

Ich starrte stumm auf das Fadenkreuz auf dem Bildschirm, meine Knöchel traten weiß am Controller hervor, während der Stahl zwischen meinen Beinen wie glühendes Eisen pulsierte.

Timo dachte an ein ganz normales Date zweier junger Leute. Er ahnte nicht im Geringsten, dass ich unter meiner Jeans in eisernen Banden steckte – und dass Loona mir genau vorgeschrieben hatte, wie ich mich verhalten durfte, während Nadja mir gegenübersaß.

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