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[POV Stiefschwester] Cappuccino in Schöneberg

Das Klirren von Espressotassen und das gedämpfte Gemurmel der Mittagsgäste bildeten eine angenehme Geräuschkulisse in dem kleinen Café in Schöneberg. Die Sonne fiel durch das große Schaufenster und malte helle Streifen auf den Holztisch.

Ich rührte langsam mit einem kleinen Löffel in meinem Eiskaffee, sah den schmelzenden Würfeln dabei zu, wie sie im dunklen Glas kreisten, und lehnte mich zurück. Mir gegenüber saß Nadja. Sie hatte ihre Sonnenbrille ins blonde Haar geschoben, nippte an einem Cappuccino und musterte mich mit einem forschenden, aufmerksamen Blick.

„Du wirkst erstaunlich gefasst“, begann Nadja leise, stützte die Ellbogen auf die Holzplatte und sah mir fest in die Augen. „Kein Vergleich zu letzter Woche. Wie läuft es wirklich mit John?“

Ich hielt inne, der Löffel in meinem Glas verstummte. Ein feiner, schmerzhafter Zug legte sich um meine Mundwinkel, ehe ich den Kopf schüttelte.

„Er schlägt sich bemerkenswert“, sagte ich leise. „Vor allem nach allem, was passiert ist. Das Wochenende mit Timo war hart, aber John hat draußen auf dem Sofa die Fassade gehalten, keinen Fehler gemacht und mir danach genau die Hingabe gezeigt, die ich brauchte. Aber… ich weiß, worauf du anspielst.“

Nadja senkte den Kopf leicht, ihre Miene wurde ernst. „Auf Emma.“

Ein kalter Schatten glitt über meine Gedanken. Die Erinnerung an den Salon, an die Party und an das, was danach im Uni-Trakt geschehen war, schnürte mir für einen Moment die Kehle zu.

„Ich habe die Kontrolle verloren, Nadja“, gab ich mit tonloser Offenheit zu. „Ich war so besoffen von meiner eigenen Macht, so gierig darauf, Emma spüren zu lassen, dass ich sie durch das Material komplett in der Hand habe. Ich dachte, ich könnte sie als mein Werkzeug benutzen, um John zu testen. Aber ich habe sie von der Leine gelassen, ohne zu begreifen, wie vergiftet sie von ihrem eigenen Druck war. Sie hat John auf der Party fast vor allen Leuten bloßgestellt. Und als ich sie dafür vor seinen Augen bestraft habe, dachte ich naiv, die Lektion säße.“

Ich atmete tief ein und presste die Finger um das kalte Glas.

„Stattdessen hat sie ihn im Institut in die Toilettenkabine gezerrt. Hat den Käfig brutal in die engste Rille gerissen, Fleisch eingeklemmt, ihn gedemütigt und als reines Ventil missbraucht, nur um sich an mir zu rächen. Sie hat ihn fast zugrunde gerichtet. Und das nur, weil *ich* unvorsichtig war. Weil mein Ego wichtiger war als seine Sicherheit.“

Nadja hörte stumm zu. Kein Vorwurf lag in ihren Zügen, nur dieses ruhige, unnachgiebige Verstehen. Sie griff über den Tisch und legte ihre Hand fest auf meinen Unterarm.

„Aber du hast die Reißleine gezogen, Loona“, sagte sie mit Nachdruck. „Du hast eingesehen, worauf ich dich damals gestoßen habe. Du hast Emma komplett den Riegel vorgeschoben, ihr jeden Kontakt zu ihm verboten und die Zügel wieder selbst in die Hand genommen. Das ist der Unterschied zwischen blindem Sadismus und echter Führung. Du hast gemerkt, dass John zerbrochen wäre, wenn du nicht dazwischengegangen wärst. Und dass du ihn jetzt am Wochenende aufgefangen hast – dass du ihn danach gehalten, gepflegt und ihm wieder Halt gegeben hast –, zeigt mir, dass du wieder die Kontrolle hast. Nicht die Macht über dich, sondern du über die Dynamik.“

Ein Hauch von Erleichterung löste die Anspannung in meinen Schultern.

„Ich werde niemanden mehr zwischen uns lassen, der ihn zerstören will“, flüsterte ich fest. „Er braucht Grenzen, er braucht die Enteignung, aber er braucht auch den Schutz davor. Er gehört mir. Und ich lasse ihn nicht mehr zum Freiwild machen.“

„Gut“, erwiderte Nadja sanft und zog die Hand langsam zurück. Ein vertrautes, feines Blitzen kehrte in ihre blauen Augen zurück. „Denn genau deshalb helfe ich dir. Nicht, um ihn zu brechen wie diese durchgeknallte Emma, sondern um ihn in einem sicheren Raum dorthin zu führen, wo er sein will. Was machen wir heute Abend am Maybachufer?“

Mein Blick klärte sich, das vertraute, souveräne Lächeln kehrte auf meine Lippen zurück.

„Heute Abend führst du den Tanz“, raunte ich leise. „Er glaubt felsenfest daran, dass du völlig ahnungslos bist. Er denkt, du bist einfach meine hübsche, unschuldige Freundin, die ihn ein bisschen necken will. Nach dem Albtraum mit Emma hat er panische Angst vor jedem neuen Fehler, vor jeder Berührung unter der Hose. Er fürchtet sich davor, dass du merkst, was unter seinem Reißverschluss vor sich geht.“

Nadja kicherte leise in ihren Cappuccino. „Er saß damals bei mir in Prenzlauer Berg schon da wie ein verängstigtes Reh, als ich ihm die Hand auf den Arm gelegt habe.“

„Genau da setzen wir an“, nickte ich. „Zieh die Schlinge behutsam an. Such seine Nähe, streife sein Knie, lob ihn für seine ruhige Art. Lass ihn spüren, wie haarscharf er vor einem Outing steht – aber halt die Grenzen sicher. Bring ihn ins Schwitzen, Nadja. Er soll glauben, er wandelt auf glühenden Kohlen, während du jeden einzelnen seiner Schritte schon im Voraus kennst.“

Nadja hob ihr Glas, prostete mir mit einem verschwörerischen Zwinkern zu und nahm einen Schluck.

„Verlass dich auf mich, Süße“, flüsterte sie leise. „Ich hole das Beste aus deinem kleinen Stiefbruder heraus. Ganz ohne spitze Absätze.“

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