What's next?
Zuschauen und Dienen
Der Sonntag zog sich wie zäher Teer. Bis tief in die Nacht hatte ich über den Büchern gesessen, die Augen brennend, die Finger krampfend von den handschriftlichen Ausarbeitungen. Jeder Positionswechsel auf dem Schreibtischstuhl war eine kleine Qual gewesen: Der frisch verriegelte Harzkäfig scheuerte unnachgiebig gegen das gereizte, überempfindliche Fleisch. Am späten Vorabend hatte Loona die beiden Mappen mit spitzer Zunge und genüsslicher Gründlichkeit zensiert, jeden Beistrich korrigiert und mir süffisant über den Scheitel gestrichen, bevor sie mich mit den Worten entließ: „Makellos. Bring es pünktlich hinter dich, mein Guter.“
Nun stand ich am Montagmorgen im schwach beleuchteten Seitengang des Oberstufentrakts, unweit der verschlossenen Tür zum Kunstraum. Die Luft roch nach Bohnerwachs, feuchten Winterjacken und alter Kreide. Meine Finger umklammerten die beiden Schnellhefter – eine tiefblaue Mappe für die Deutsch-Analyse, eine rote für die Geschichtsquellen. Unter dem festen Stoff meiner dunklen Jeans drückte das Schloss bei jeder Gewichtsverlagerung hart gegen meine Leiste.
Gedämpfte Schritte hallten über das Linoleum. Ich hob den Kopf, und mein Magen zog sich schlagartig zusammen.
Emma bog um die Ecke. Doch sie war nicht allein.
Neben ihr ging Leon – breite Schultern, die offene Collegejacke lässig über das weiße Shirt geworfen, die Hände in den Taschen seiner lockeren Cargohose. Ein Typ, der in jeder Pause im Mittelpunkt stand, Kapitän der Basketball-Auswahl und gewohnt, dass ihm alles zufiel. Emma lehnte sich im Gehen fast beiläufig an seinen Oberarm. Sie trug eine hautenge, dunkle Stoffhose, die jede Kontur ihrer Hüften nachzeichnete, und einen feinen Strickpullover mit weitem Ausschnitt. Als sie mich bemerkte, blitzte in ihren dunkel geschminkten Augen ein amüsierter Funke auf.
„Da steht ja unser Musterschüler“, sagte sie laut, ihre Stimme zuckersüß und voller schneidender Verachtung. Sie blieb einen Schritt vor mir stehen. Ihr penetrantes Rosenparfum drängte sofort die kühle Flurluft beiseite und ließ mir die Scham heiß in die Schläfen steigen.
Leon musterte mich von oben herab, die Mundwinkel zu einem trägen, desinteressierten Halblächeln verzogen. „Der Kerl aus dem Mathekurs? Wirklich?“
„Er war so nett, uns ein bisschen Vorarbeit abzunehmen“, säuselte Emma, trat heran und riss mir die Hefter ohne ein Wort des Dankes aus den Fingern. Sie klappte die rote Geschichtsmappe auf, überflog die dichten, sauberen Textblöcke und nickte anerkennend. „Saubere Quellenkritik. Sogar die Fußnoten passen.“
Mit einer fließenden Bewegung drehte sie sich ganz zu Leon um, schob ihm die Mappe gegen die breite Brust und sah mit einem aufreizenden Augenaufschlag zu ihm auf.
„Hier, Süßer. Wie versprochen. Damit rettest du deine Vornote vor der Zeugniskonferenz, ohne einen Finger krumm zu machen.“
Leon grinste breit, nahm die Mappe und warf sie achtlos auf die Fensterbank hinter sich. „Du bist der absolute Wahnsinn, Em.“
„Ich weiß“, hauchte sie.
Was dann geschah, traf mich wie ein Schlag in die Magengrube.
Leon packte Emma mit einer rücksichtslosen, selbstverständlichen Selbstsicherheit an der Taille. Seine großen Hände glitten über ihren Rücken hinab, packten unverhohlen durch den dünnen Stoff in ihren Hintern und zogen ihren Körper fest an sich. Emma wehrte sich nicht im Geringsten. Sie stieß ein leises, kehligen Kichern aus, warf die Arme um seinen Nacken und drückte ihre Lippen auf seine.
Der Kuss war nass, fordernd, schmatzend. Leons Finger gruben sich tief in ihr Fleisch, kneteten es ohne jede Zurückhaltung, während Emma sich gegen seine Leiste presste und sich leise stöhnend in die Berührung hineindrehte. Ihre Augen waren halb geschlossen – doch mitten in der Bewegung hob sie die Lider und fixierte mich.
Über Leons breiter Schulter hinweg sah sie mir direkt ins Gesicht.
Ihr Blick troff vor purer Schadenfreude, während Leons Zunge in ihren Mund drang. Sie genoss jede Sekunde meiner Anwesenheit. Sie zeigte mir nicht nur, wie völlig wertlos ich als Mann war, sondern führte mir die nackte, unüberbrückbare Distanz vor Augen: Ich war der unberührbare, stumme Knecht, der die Nächte durcharbeitete, um ihre Gunst zu bedienen – und dieser Typ bekam ihren Körper, ihre Küsse und die Früchte meiner Arbeit einfach so geschenkt.
Tief in meiner Hose reagierte mein Körper auf die grausamste, verräterischste Weise.
Das Bild von Emmas gepacktem Hintern, das schmatzende Geräusch ihrer Lippen und die offene Demütigung jagten eine glühende Hitzewelle durch mein Becken. Mein Glied versuchte mit aller Macht anzuschwellen, pumpte sich voll Blut – und knallte sofort gegen das unnachgiebige, eiskalte Harzgehäuse. Der Ring an der Basis schnitt sich schmerzhaft in die Haut, die Wände pressten mein Fleisch brutal zusammen. Es war eine atemberaubende Mischung aus Eifersucht, brennendem Schmerz und einer kranken, erniedrigenden Erregung, die mir den Atem raubte.
Nach endlosen Sekunden löste sich Leon langsam von ihren Lippen. Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und klopfte Emma noch einmal fest auf den Hintern. „Guter Deal, Babe. Wir sehen uns in der Pause.“ Er griff nach der roten Mappe, nickte mir im Vorbeigehen spöttisch zu („Danke, Kleiner“) und schlenderte mit wiegenden Schritten den Flur hinunter.
Emma blieb stehen. Ihre Wangen waren gerötet, die Lippen feucht und glänzend vom Kuss. Sie strich ihren Pullover glatt, klemmte sich die blaue Deutsch-Mappe unter den Arm und trat einen halben Schritt näher an mich heran.
Ihr Blick glitt an meinem Oberkörper hinab, wanderte zielgerichtet zu meinem Schritt, wo sich mein Körper unter dem Denim verkrampft abzeichnete. Ein böses, wissendes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
„Guck dich an, John“, flüsterte sie leise, sodass nur ich es hören konnte. „Du zitterst ja schon wieder. Stehst daneben wie ein begossener Pudel und machst dicke Backen, hm?“
Sie beugte sich vor, ihr heißer, nach Minze und Kaffee riechender Atem streifte mein Ohr.
„Du bist zum Arbeiten da, nicht zum Anfassen. Wenn der Aufsatz mir heute eine Eins einbringt, darfst du nächste Woche wieder antanzen. Und jetzt geh in den Raum, bevor es klingelt.“
Sie wandte sich um und stolzierte mit wiegenden Hüften davon.
Ich stand wie betäubt an der Wand, die Nägel in die Handflächen gegraben, unfähig, die Knie durchzudrücken. Der Käfig pulsierte, heiß und beengend.
Plötzlich durchzuckte ein langes, vertrautes Vibrieren meine Oberschenkeltasche.
Mit zittrigen Fingern zog ich mein Smartphone heraus. Auf dem Bildschirm leuchtete eine Benachrichtigung von Loona auf:
„Es hat geklingelt. Mappen übergeben? Wie hat sie dich behandelt? Erstatte mir sofort Bericht.“
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