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Rapport hinter Kacheln

Chapter 42 by Levantin Levantin

Die schwere Holztür der Toilettenkabine im alten Trakt fiel mit einem dumpfen Hallen ins Schloss. Ich schob den verrosteten Riegel vor, lehnte mich mit dem Rücken gegen die kühlen Kacheln und atmete zum ersten Mal seit zwei Stunden tief aus.

Aus den Urinalen draußen roch es nach scharfem Putzmittel und feuchtem Beton. Meine Beine zitterten noch immer leicht. Bei jedem Schritt durch das Treppenhaus hatte der Harzzylinder unnachgiebig gegen mein überreiztes Schambein gedrückt. Die Phantomschmerzen der verhinderten Erektion von vorhin saßen tief in meinen Lenden wie ein glühender Stachel.

Mein Smartphone summte in der Hand. Nicht per WhatsApp. Das Display zeigte einen ankommenden Anruf.

Loona.

Mein Magen zog sich zusammen. Ich wischte das grüne Symbol zur Seite und presste den Hörer ans Ohr. „Hallo?“

„Du hast getrödelt“, kam ihre Stimme sofort durch die Leitung. Kühl, klar, vollkommen gelassen, im Hintergrund das leise Gemurmel des Mädchen-Aufenthaltsraums. „Kein Textbericht. Was ist los, John? Hat dir die kleine Emma die Zunge abgeschnitten?“

„Nein“, flüsterte ich hastig und starrte auf die bekritzelte Innenseite der Kabinentür. „Ich… ich bin auf der Toilette. Konnte nicht eher schreiben.“

„Dann sprich. Wie war die Übergabe?“

Ich biss mir auf die Unterlippe. Mein Kopf suchte fieberhaft nach einer Möglichkeit, die Szene abzukürzen, die nackte Härte abzufedern. Aber der Gedanke daran, was sie mit mir anstellen würde, wenn sie über Umwege die Wahrheit erfuhr, erstickte jede Ausflucht im Keim.

„Ich habe ihr die Mappen gegeben“, brachte ich mühsam heraus. „Sie… sie war nicht allein.“

„Wer war dabei?“

„Leon. Aus dem Basketball-Team.“ Meine Stimme klang viel zu dünn. „Sie hat ihm die Geschichtsmappe gegeben. Einfach so. Vor meinen Augen.“

Am anderen Ende der Leitung entstand eine kurze Pause. „Und weiter?“

„Er hat sich bedankt. Er hat sie… an sich gezogen. Ihn geküsst. Vor mir. Beide Hände an ihrem Hintern, richtig fest. Und Emma hat mich dabei angesehen. Sie hat gesagt… ich sei nur zum Arbeiten da, nicht zum Anfassen.“

Für zwei quälend lange Sekunden herrschte absolute Stille. Ich hielt den Atem an, rechnete mit einem scharfen Wutausbruch, mit einem Zischen über Emmas Dreistigkeit.

Stattdessen erklang ein trockenes, amüsiertes Lachen.

Es begann leise und wuchs zu einem echten, belustigten Kichern heran, das mir wie eiskaltes Wasser über den Rücken lief.

„Oh Gott, John“, hauchte Loona, und ich konnte ihr breites, spöttisches Grinsen förmlich durch den Lautsprecher sehen. „Das ist ja brillant. Das kleine Miststück ist gerissener, als ich dachte.“

„Was…?“, stammelte ich perplex.

„Hör dir doch mal zu!“, fuhr sie herablassend fort, und der Spott in ihrer Stimme schnitt tiefer als jede Rüge. „Emma weiß ganz genau, dass sie mich nicht angreifen darf. Sie hält sich peinlich genau an mein Verbot: Sie fasst dich nicht an. Sie nimmt brav deine Schularbeiten. Aber sie nutzt deine jämmerliche Schwäche eiskalt aus, um an die dicken Schwänze der Oberstufe ranzukommen – finanziert mit deiner harten Arbeit. Und als Sahnehäubchen demütigt sie dich direkt vor Ort, um ihr eigenes gekränktes Ego dafür zu rächen, dass ich sie vorhin auf die Knie gezwungen habe. Ein Geniestreich auf deine Kosten. Und das alles völlig reglementkonform.“

Die Worte trafen mich mit voller Wucht. Meine Hand verkrampfte sich um das Telefon.

„Und du?“, flüsterte sie leise, ihre Stimme sank in ein intimes, bösartiges Schnurren. „Du standest daneben wie ein begossener Straßenköter, der zusehen muss, wie der Nachbarshund den Knochen kriegt, nicht wahr? Sag mir die Wahrheit, John. Was hat dein Schwanz gemacht, als Leon ihr in die Hose gegriffen hat?“

Mein Gesicht brannte. Mein Hals schnürte sich zu. „Loona, bitte…“

„Sag es mir. Sofort.“

„Er… er wollte hart werden“, presste ich hervor, während die Scham mir die Kehle zuschnürte. „Es hat wehgetan. Der Käfig… er hat mich abgedrückt.“

Loona stieß ein zufriedenes, leises Seufzen aus. „Wunderbar. Genau da gehörst du hin. Prall gefüllt mit Frust, eingesperrt hinter Harz, während die echten Männer den Spaß haben. Ein perfekter kleiner Noten-Knecht.“

Sie räusperte sich kurz, ihr Tonfall schlug wieder in das gewohnte, geschäftsmäßige Diktat um.

„Aber du warst ehrlich zu mir. Kein Ausweichen, kein Versteckspiel. Und weil du mir so brav Bericht erstattet hast, kriegst du deine Belohnung.“

Ich horchte auf, überrascht von der plötzlichen Wendung.

„Du hast den Nachmittag frei“, sagte sie trocken. „Die Küche bleibt dir heute erspart, kochen musst du auch nicht. Ich treffe mich heute Abend sowieso mit Nadja in der Stadt und komme spät. Du darfst nach der Schule an deinen Rechner. Schmeiß Discord an, setz dein Headset auf und zock den ganzen Abend online mit Timo. Bestellt euch virtuell eine Pizza, tut, was auch immer unreife Jungs im Netz tun.“

Ein winziger Funke von Erleichterung keimte in mir auf – bis ihre Stimme noch einmal absackte, eisig und unmissverständlich.

„Aber bilde dir bloß nichts darauf ein. Das Schloss bleibt absolut unangetastet. Wenn ich heute Nacht nach Hause komme, will ich dich schlafend in deinem Bett finden, mit dem Bügel genau da, wo ich ihn festgemacht habe. Machst du auch nur den kleinsten Fehler, ziehe ich die Leine so kurz, dass du nicht mal mehr deinen Bildschirm ansehen darfst. Haben wir uns verstanden?“

„Ja, Herrin“, flüsterte ich heiser gegen die Fliesen.

„Brav. Und jetzt wisch dir das Pipi aus den Augen und geh in den Unterricht.“

Das Knacken in der Leitung signalisierte das Ende des Gesprächs. Ich starrte auf das schwarze Display, spürte das dumpfe Pochen in meinen Lenden und schloss für einen langen Moment die Augen. Freiheit für ein paar Stunden – doch die Leine war keine Sekunde länger geworden.

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