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[POV Stiefschwester] Cocktails und Kalkül

Chapter 43 by Levantin Levantin

Das sanfte, gedämpfte Licht der Loungebar tauchte den Raum in tiefe Bernsteintöne. Leise Bassläufe schwebten durch die Luft, vermischt mit dem Klirren von Gläsern und dezentem Gelächter. Auf der gepolsterten Lederbank saß Loona, die Beine übereinandergeschlagen. Ihr enges, schwarzes Kleid schmiegte sich makellos an ihre Figur, der Saum reichte kaum bis zur Mitte der Oberschenkel, wo der feine Glanz ihrer halterlosen Strümpfe im schummrigen Scheinwerferlicht aufblitzte.

Gegenüber nippte Nadja an ihrem Martini. Sie sah umwerfend aus – ein tief ausgeschnittenes, dunkelrotes Satintop, die Haare in perfekt fallenden Wellen über die Schulter gelegt.

„Du meinst also ernsthaft, dieses kleine Flittchen denkt, sie hätte jetzt Oberwasser?“, fragte Nadja amüsiert, während sie ihr Glas abstellte und die lackierten Fingernägel über den Tischrand gleiten ließ.

Loona lächelte dünn, nahm einen Schluck von ihrem Cocktail und lehnte sich entspannt zurück. Ihre Augen blitzten im Halbdunkel. „Emma glaubt es nicht nur, sie feiert sich dafür. Sie hat heute vor seinen Augen die Geschichtsmappe an Leon abgetreten, sich von ihm an den Arsch fassen und abknutschen lassen. Sie wollte John zeigen, wer die Belohnung bekommt und wer nur der Lieferant ist.“

Nadja lachte leise und schüttelte den Kopf. „Und du lässt sie gewähren? Normalerweise zerlegst du solche Gören, bevor sie überhaupt Luft holen können.“

„Weil es mir im Moment perfekt in die Karten spielt“, erwiderte Loona kühl und drehte ihr Glas am Stiel. „Emma ist durchschaubar, laut und vollkommen fixiert darauf, ihr ramponiertes Ego zu retten. Sie hält sich peinlich genau an die Grenze, die ich ihr gesteckt habe: Sie rührt ihn nicht an. Dass sie ihn für Schularbeiten einspannt, sorgt dafür, dass er auch tagsüber diszipliniert bleibt. Er lernt, er funktioniert, und er bekommt vor Augen geführt, was passiert, wenn man sich Frauen ohne Verstand nähert.“

„Ein teures Lehrgeld für ihn“, bemerkte Nadja mit einem vielsagenden Blick. „Und wenn sie doch zu weit geht? Wenn sie meint, ihn wieder antatschen zu müssen?“

„Dann ziehe ich die Schlinge zu“, sagte Loona ohne das geringste Zögern. Ihre Stimme war samtweich, doch in ihren Augen lag eine eiskalte Härte. „Ich habe ihr Original-Video und genug gegen sie in der Hand, um sie von der Schule zu fegen. Ich lasse sie nur spielen, solange es mir nützt. John ist mein Projekt. Er wird das Abitur mit Bestnoten abschließen, sportlich in Topform sein und perfekt parieren. Ich habe zu viel Zeit und Energie in seine Erziehung gesteckt, als dass ich ihn von einer hysterischen Oberstufen-Zicke ruinieren lasse.“

Nadja grinste breit. „Du bist besitzergreifend geworden, Liebes. Fast schon fürsorglich – auf deine ganz eigene, kranke Art.“

„Ich bin gründlich“, korrigierte Loona gelassen. „Und er weiß genau, wer am Ende den Schlüssel hält.“

Ein Kellner trat diskret an ihren Tisch und legte die lederne Rechnungsmappe ab. Der Abend war exklusiv gewesen: mehrere Designer-Cocktails, kleine Häppchen, exzellenter Service. Auf dem weißen Zettel prangte ein dreistelliger Betrag.

Loona warf einen flüchtigen Blick auf die Summe. Kein Zögern, kein Griff nach dem Portemonnaie. Stattdessen strich sie ihr Kleid noch ein winziges Stück glatt, streckte ihre langen, makellos bestrumpften Beine so aus, dass die spitzen Heels und der geschwungene Oberschenkel perfekt im warmen Lichtkegel lagen, und legte die Rechnung daneben auf den Tisch. Mit der linken Hand formte sie Daumen und Zeigefinger zu einem perfekten L direkt über dem Beleg.

Mit der rechten Hand zückte sie ihr Smartphone. Die Kamera fokussierte: Die teure Summe, die glänzenden Beine, die herablassende Geste.

Klick.

Ein paar routinierte Fingertipps auf dem Display. App öffnen, Bild anhängen, Text einfügen:

„Pay up, losers. “

Auf „Posten“ gedrückt.

Sie legte das Telefon lässig mit dem Bildschirm nach oben auf die glatte Tischplatte und hob ihr Glas, um den letzten Schluck zu trinken.

Keine zwei Minuten vergingen. Das sanfte Surren des Geräts vibrierte kurz über das Holz. Das Display erwachte zum Leben.

Eine Push-Benachrichtigung ihrer Banking-App schob sich ins Blickfeld:

Sofortüberweisung eingegangen: +240,00 €

Absender: Anonym

Verwendungszweck: Für deine Drinks, Göttin.

Nadja warf einen Blick auf das Display, lehnte sich kopfschüttelnd zurück und stieß ein kehliges Lachen aus. „Unfassbar. Sie lernen es nie.“

Loona schob ihr Smartphone elegant in die Handtasche, ein spöttisches Lächeln auf den rot geschminkten Lippen. „Warum auch? Manche existieren eben nur dafür, die Zeche für uns zu zahlen.“

Nadja warf den Kopf in den Nacken und stieß ein hemmungsloses, tiefes Lachen aus, das die Blicke der umliegenden Tische auf sich zog. Sie kippte den letzten Rest ihres Martinis hinunter, stellte das Glas mit einem deutlichen Klacken ab und strich sich mit einer lasziven Bewegung durch ihre Haare.

„Herrlich“, grinste sie, beugte sich über den Tisch und sah mich mit blitzenden, verruchten Augen an. „Aber jetzt haben wir genug rumgesessen und Strategien gewälzt. Los, pack deine Sachen, wir ziehen weiter in den Club.“

Sie glitt geschmeidig von der Lederbank, zog ihr knappes Satintop zurecht und zwinkerte mir vielsagend zu.

„Ich habe keine Lust, den Abend nur mit Reden zu verbringen. Die Drinks sind bezahlt, und ich will mir heute definitiv noch einen richtig dicken Schwanz suchen, den ich reiten kann, bis mir die Beine zittern.“

Ein leises, spöttisches Schmunzeln trat auf meine Lippen, während ich meine Tasche griff und mich ebenfalls erhob. Die Absätze unserer Schuhe klickten im perfekten Gleichschritt über das edle Parkett der Bar, während John zuhause brav in seinem Harzkäfig vor dem Rechner schmorte.

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