What's next?
Flucht in die Legende
Das dumpfe Klacken meiner mechanischen Tastatur und das monotone Surren des Rechnerlüfters füllten mein abgedunkeltes Zimmer. Auf den beiden Monitoren vor mir flackerten die Lichter des Spiels, doch meine Konzentration war längst zerbröselt.
Jedes Mal, wenn ich mein Gewicht auf dem Bürostuhl verlagerte, bohrte sich der feste Harzring unbarmherzig in meinen Schritt. Die Enge schnitt mir beinahe die Luft ab. Mein Körper war nach den Schikanen des Vormittags völlig überreizt, die Haut unter dem Plastik wund und gereizt.
Im Discord ertönte das vertraute Ploppen, als sich die anderen beiden Jungs aus unserer Runde verabschiedeten.
„Bin pennen, morgen früh Vorlesung.“
„Jo, haut rein.“
Ein kurzes Signal, dann herrschte Stille auf dem Server. Nur noch zwei grüne Kreise leuchteten in der Sprachkanalliste auf: meins und das von Timo.
Ich atmete durch, wollte gerade ankündigen, dass ich mich ebenfalls auslogge, als Timos Stimme trocken durch das Headset schnitt.
„So, John. Jetzt sind wir allein. Ziehst du heute wieder denselben Film ab wie die letzten Wochen?“
Ich zuckte unwillkürlich zusammen. „Was meinst du?“
„Verarsch mich nicht“, murrte Timo, und ich hörte das metallische Klicken einer Coladose im Hintergrund. „Du hängst seit Tagen wie eine Leiche in den Runden. Deine K/D ist komplett im Arsch, du hast dunkle Ränder unter den Augen und sobald dein Handy auf dem Schreibtisch vibriert, zuckst du zusammen, als hätte dich ein Weidezaun erwischt. Und das Beste: Vorhin warst du wieder punktgenau auf Abruf, weil Madam außer Haus ist. Was geht da eigentlich ab zwischen dir und Loona? Du hast null Zeit mehr für irgendwas.“
Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Mein Blick wanderte unwillkürlich zur geschlossenen Zimmertür, als könnte sie jeden Moment auffliegen.
„Da ist nichts“, wich ich leise aus. „Nur… Stress. Schule, der Haushalt—"
„Laber keinen Müll, John. Für die Schule musstest du noch nie lernen und schreibst trotzdem überall deine Einsen. Das zieht bei mir nicht.“ Timos Stimme bohrte sich unnachgiebig in mein Ohr. „Du bist dauernd abgemeldet, völlig verplant und rennst sofort los, sobald sie irgendwo auftaucht. Warum gibst du dir das?“
Die Enge schnürte mir die Kehle zu. Seine Nachbohrerei traf mich empfindlich, und die Scham kroch glühend heiß an meinem Hals herauf. Ich wollte nicht mehr als der gestresste Sonderling dastehen, der sein Leben nicht im Griff hatte.
Und dann schoss mir ein verhängnisvoller Gedanke durch den Kopf: Wollte Loona nach außen hin nicht genau diesen Eindruck erwecken? Niemand durfte von dem Käfig wissen. Niemand von den Fesseln, dem Lecken, der stummen Katzenkamera. Eine angebliche Affäre würde alles lückenlos erklären. Es würde erklären, warum ich keine Zeit hatte, warum ich sofort abhaute, sobald sie da war, und warum ich körperlich so durch den Wind wirkte.
In mir explodierte ein gefährlicher, berauschender Drang nach Ruhe und verbotener Bestätigung.
Ich atmete tief ein, schluckte den Kloß hinunter und senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern.
„Okay. Halt einfach die Klappe, Timo. Ich… ich erzähle es dir, aber wenn du auch nur ein einziges Wort weitergibst, bringe ich dich um.“
Am anderen Ende der Leitung herrschte schlagartig absolute Stille. „Ich schwöre, Mann. Was ist los?“
„Ich schlafe mit ihr“, flüsterte ich ins Mikrofon.
„Okay. Halt einfach die Klappe, Timo. Ich… ich erzähle es dir, aber wenn du auch nur ein einziges Wort weitergibst, bringe ich dich um.“
Am anderen Ende der Leitung herrschte schlagartig absolute Stille. „Ich schwöre, Mann. Was ist los?“
„Ich schlafe mit ihr“, flüsterte ich ins Mikrofon.
„HA! Ich wusste es!“, brüllte Timo triumphierend ins Headset, sodass die Membran schepperte, gefolgt von einem harten Schlag auf seinen Schreibtisch. „Ich verdammter Prophet! Ich hab es dir doch gesagt! Die ganzen Fotos, ihre Blicke, dieses ständige Getue von wegen ‚Haushalt‘ – als ob du freiwillig den Putzlappen schwingst! Mann, ich wusste, dass du mir die ganze Zeit was vormachst!“
Ein bitterer, heißer Stolz flutete für einen Wimpernschlag meine Brust. Zum ersten Mal seit Wochen war ich in den Augen meines Kumpels kein Getriebener, sondern der absolute Macher, der endlich mit der Sprache herausgerückt war. Doch direkt dahinter kroch ein eisiges, schmutziges Gefühl herauf: Ich belog meinen besten Freund schamlos und fütterte seinen Verdacht mit einer gefährlichen Illusion.
„Alter, ich fass es nicht“, lachte Timo begeistert und lehnte sich hörbar in seinem Gaming-Stuhl zurück. „Du ziehst dir echt Loona rein. Die mit Abstand schärfste Braut weit und breit. Jetzt musst du aber auch auspacken, John. Rück raus mit der Sprache! Wie ist sie drauf? Wie fickst du sie? Geht sie laut ab? Wie fühlt es sich an?“
Mein Mund war trocken wie Pergament. Ich begann zu sprechen, erfand dreiste, versaute Lügen über die Nächte, spinnte eine verwegene Fantasie zusammen, wie ich sie mir holte, wie sie unter mir stöhnte und nicht genug bekommen konnte.
Und genau in diesem Moment rächte sich mein eigener Körper mit brutaler Grausamkeit.
Die detaillierten Bilder, die ich vor Timos Ohren ausbreitete – Loonas Kurven, ihre Schenkel, der Duft ihrer Haut –, jagten eine gewaltige Hitzewelle direkt in mein Becken. Mein Schwanz füllte sich unkontrolliert mit Blut, wollte mit aller Macht anschwellen, detonieren, sich aufbäumen.
Klick.
Der Kopf rammte mit voller Wucht gegen die unnachgiebige Kappe des Harzkäfigs. Der Basisring schnitt sich tief in mein Fleisch.
Ein stechender, atemberaubender Schmerz schoss mir durch die Leiste. Mir traten die Tränen in die Augen, und mitten im Satz musste ich erstickt nach Luft schnappen. Mein Glied pochte wie verrückt im Schraubstock, bestraft von seiner eigenen, erzwungenen Geilheit. Ich log darüber, wie ich sie nahm – während ich in Wahrheit wie ein wehrloses Haustier in meinem eigenen Saft schmort, verriegelt und ihrer Gnade ausgeliefert.
„…und dann… hört sie einfach nicht auf“, presste ich mit heiserer, brüchiger Stimme hervor, die Finger krampfhaft in die Kante der Tischplatte gekrallt.
„Alter, du lebst den absoluten Traum“, schwärmte Timo vollkommen ahnungslos über das Headset. „Ich nehme alles zurück. Du bist eine verdammte Legende.“
Ich starrte mit rasendem Puls auf den Monitor, während mein Schritt wie Feuer brannte. Sollte Loona jemals erfahren, welche Worte ich gerade über sie in die Welt gesetzt hatte, würde sie mich nicht bloß bestrafen.
Sie würde mich bei lebendigem Leib häuten.
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