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Zu besuch 2

Der Samstagmorgen brach mit erbarmungslosem Licht über Berlin herein. Ich hatte die ganze Nacht kaum ein Auge zugetan; die akustischen Echos aus dem Zimmer nebenan hatten sich wie glühende Nadeln in mein Gehirn gebohrt. Um kurz nach acht stand ich in der Küche, mechanisch funktionierend.

Die Kaffeemaschine gurgelte heiser, während in der gusseisernen Pfanne Rührei mit Schnittlauch und Speck brutzelte. Nach außen hin bot ich das gewohnte Bild des aufmerksamen WG-Hosts im bequemen grauen Sweatshirt und einer weiten Jogginghose. Doch unter dem weichen Baumwollstoff lauerte die unnachgiebige Realität: Die burgunderrote Spitze schnitt prall zwischen meine Gesäßhälften, und der schwere Zylinder scheuerte bei jedem Schritt gegen mein geschrumpftes, fieberndes Fleisch. Das kleine Vorhängeschloss pendelte im Takt meiner Bewegungen und erinnerte mich unaufhörlich an die stählerne Zelle, die mir jede Regung verwehrte.

Hinter mir schlurften schwere, nackte Schritte über die Dielen.

Die Küchentür flog auf. Timo stand im Rahmen – bekleidet nur mit einer ausgebeulten grauen Boxershorts. Die Haare standen ihm wild zu Berge, sein breiter Oberkörper trug noch die roten Striemen der Nacht, und sein Gesicht strahlte vor jener unverschämten, satten Zufriedenheit, die ein Mann nur nach stundenlanger, hemmungsloser Eroberung besitzt.

„Morgen, Bro!“, dröhnte Timo heiser, trat von hinten an den Herd und haute mir mit der flachen Hand so wuchtig auf den Rücken, dass der Zylinder tief in mein Schambein gerammt wurde. Ich musste die Zähne zusammenbeißen, um nicht vor Schmerz und Übelkeit aufzustöhnen.

„Morgen, Timo“, brachte ich hervor und zwang mich zu einem breiten, kumpelhaften Nicken, während ich das Rührei mit dem Holzspatel wendete. „Kaffee ist gleich durch. Gut geschlafen?“

„Geschlafen? Alter, machst du Witze?“, lachte Timo schallend, zog sich einen Stuhl heran und ließ sich breitbeinig darauf fallen. Er lehnte sich zurück, verschränkte die muskulösen Arme hinter dem Kopf und grinste mich an. „Bro, ich schwöre dir bei allem, was mir heilig ist: Deine Stiefschwester ist keine Frau, die ist eine absolute Naturgewalt! Ein verdammter Vulkan!“

Mein Magen krampfte sich mit solcher Wucht zusammen, dass mir der kalte Schweiß auf die Stirn trat.

„Wahnsinn, was?“, heuchelte ich und stellte zwei Becher auf die Arbeitsplatte.

„Wahnsinn ist gar kein Ausdruck, Mann!“, prahlte Timo ungeniert weiter, seine Augen glänzten vor triumphierender Lust. „Wie die sich bewegt… wie gierig die ist! Kaum dass wir gestern Abend nach neun drüben die Tür zugemacht haben, ging das schon los – und ich dachte um vier morgens, mir fallen die Lenden ab, aber die wollte einfach nicht aufhören! Hat mich am Nacken gepackt, die Nägel in meinen Rücken gerammt… Bro, ich habe sie die halbe Nacht durchgenommen, bis das ganze Bett gequietscht hat wie eine rostige Schaukel! Du hast doch hoffentlich tief und fest geschlafen, oder? Nicht, dass wir dich geweckt haben!“

„Nein, nein… alles gut“, log ich mit belegter Stimme, goss den dampfenden Kaffee ein und stellte ihm einen vollen Becher hin. „Ich habe… ich habe einen tiefen Schlaf.“

„Bester Mann!“, rief Timo, nahm einen gierigen Schluck und schob sich eine Gabel heißes Rührei in den Mund. „Echt, John, danke, dass du da so unfassbar entspannt bist. Jeder andere Stiefbruder würde ein Drama draus machen, aber du… du bist einfach der beste Wingman aller Zeiten!“

In diesem Moment glitt die Küchentür vollends auf.

Loona trat herein. Sie trug einen bodenlangen, perlmuttfarbenen Seidenmorgenmantel, der nur locker um ihre schmale Taille geknotet war und bei jedem Schritt den Blick auf ihre glatten Oberschenkel freigab. Ihr langes, tiefschwarzes Haar war zu einem hohen Pferdeschwanz nach hinten gebunden; nur eine einzelne feine Strähne hatte sich gelöst und fiel ihr weich an der Schläfe vorbei. Ihre Züge wirkten erholt, kühl und unantastbar. Ihre Lippen waren leicht geschwollen, und aus ihren durchdringenden, smaragdgrünen Augen sprach jene gefährliche, glasklare Wachheit, die mir schon bei unserem ersten Aufeinandertreffen den Boden unter den Füßen weggezogen hatte.

„Guten Morgen, Jungs“, schnurrte sie leise.

Timos Blick klebte sofort an ihr. Er streckte eine Hand aus, packte sie im Vorbeigehen am Saum des Seidenstoffs und zog sie forsch an sich. „Na, ausgeschlafen, wilde Katze?“

Loona kicherte, strich sich mit einer eleganten Bewegung die lose Haarsträhne aus der Stirn und ließ sich kurz auf seinen Schoß ziehen. Sie küsste ihn schmatzend auf die Lippen und fuhr ihm mit ihren kühlen Fingern durch den Nacken. „Mit dir kann man gar nicht ausschlafen, Timo. Du hast mich völlig kaputtgemacht.“

Über Timos breite Schulter hinweg trafen ihre durchdringenden grünen Augen die meinen.

Kein Kichern mehr. Kein Funken Mitleid. Der Blick, den sie mir schenkte, war von einer schneidenden, absoluten Schärfe. Ihre Brauen hoben sich um einen Millimeter; das leuchtende Grün ihrer Iriden bohrte sich in mein Gesicht, wanderte dann prüfend an meinem Sweatshirt herab, suchte die verborgenen Konturen meines Schritts und verlangte lautlose, bedingungslose Unterwerfung. *Haltung*, befahlen ihre Augen. Nicht wanken. Du bist das Dienerstück.

Sie löste sich geschmeidig von Timo, setzte sich an den Tisch und schlug die nackten Beine übereinander. Unter der Holzplatte glitt ihr Fuß nach vorn. Ihre zarten, nackten Zehen fanden zielsicher mein Schienbein, wanderten langsam aufwärts und drückten mit spürbarer Härte gegen das stählerne Gehäuse unter meiner Jogginghose. Der Zylinder rammte sich tief in mein gereiztes Schambein.

„Kaffee für mich, John“, befahl sie mit honigsüßer Stimme, ohne mich anzusehen. „Und stell den Toast auf den Tisch. Timo hat heute schließlich Bärenhunger.“

„Sofort“, erwiderte ich demütig, füllte ihre Tasse und servierte den Teller. Unter dem Tisch hielten ihre Zehen den stählernen Druck aufrecht, zwangen mich in eine ständige, krampfhafte Spannung, während Timo ungeniert weiter über seine sexuellen Heldentaten referierte und Loona ihm spöttisch lächelnd zunickte. Ich stand daneben, schöpfte nach, wischte Krümel auf – der kastrierte Hausknecht, der seinem besten Freund das Festmahl bereitete.

Nach dem späten Frühstück zog Loona ihre weiße Sportkleidung an, packte ihre Tennistasche und verabschiedete sich mit einem flüchtigen, strahlenden Lächeln in Richtung Grunewald. Ein kurzer, prüfender Blick aus ihren durchdringenden grünen Augen traf mich im Flur – ein lautloses Kommando, die Haltung zu bewahren, bevor die Wohnungstür ins Schloss fiel.

Für Timo und mich bedeutete ihr Aufbruch die willkommene Rückkehr alter Kumpel-Rituale.

„Endlich sturmfrei, Alter!“, rief Timo, warf sich auf die breite Wohnzimmercouch, legte die nackten Füße auf den Couchtisch und griff nach dem PlayStation-Controller. „Komm schon, John, mach die Konsole an! Zeit für eine Abreibung in FIFA!“

Ich setzte mich neben ihn, bemüht, die Beine nicht zu eng aneinanderzupressen, um keinen Verdacht zu erregen. Doch jede Bewegung auf dem weichen Polster war eine Gratwanderung: Der schwere Zylinder bohrte sich bei jeder Gewichtsverlagerung in mein Schambein, und die burgunderroten Spitzenbänder scheuerten bei jeder Drehung an meinen Hüften. Wenn ich das Gesicht verzog, tat ich es als Frust über einen vergebenen Torschuss ab.

Timo schöpfte nicht den geringsten Verdacht. Für ihn war meine Zurückhaltung der pure Ausdruck gastfreundlicher Fürsorge.

„Bro, du bist echt der entspannteste Gastgeber aller Zeiten“, stellte er nach zwei Stunden fest, lehnte sich behaglich zurück und deutete auf die leeren Flaschen neben der Konsole. „Holst du uns noch zwei Helle aus der Küche? Und hast du noch von den gesalzenen Pistazien?“

„Klar, bin schon unterwegs“, erwiderte ich, stand vorsichtig auf und unterdrückte ein Stöhnen, als das kühle Metall gegen mein empfindliches Fleisch schlug. In der Küche schenkte ich ein, öffnete die Flaschen, stellte Nüsse in kleine Schalen und trug alles auf einem Holztablett ins Wohnzimmer. Für Timo war es der beste WG-Service unter Freunden; für mich brannte jeder Handgriff als stumme Erinnerung an meine tatsächliche Rolle in dieser Wohnung.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach draußen. Timo brauchte frische Luft und wollte durch die Straßen rund um den Winterfeldtplatz schlendern, einen Döner essen und das Treiben beobachten. Ich trug eine weite Cargohose und eine dicke Daunenjacke, um jede verdächtige Kontur zu kaschieren. Während Timo lautstark über Studentinnen auf den Gehwegen witzelte und mir kameradschaftlich die Faust gegen den Oberarm stieß, kostete mich jeder Schritt bewusste Beherrschung. Das Vorhängeschloss pendelte im Takt meiner Schritte, ein unsichtbares, eiskaltes Gewicht zwischen meinen Beinen, während die Passanten ahnungslos an zwei scheinbar unbeschwerten Studenten vorbeizogen.

Gegen neunzehn Uhr kehrten wir in die Wohnung zurück. Kurz darauf schloss auch Loona die Haustür auf.

Sie hatte das Tennisdress gegen eine enge schwarze Jeans und ein dunkelgrünes Seidentop getauscht, das ihre Augen zum Leuchten brachte. Ihr langes schwarzes Haar war frisch gewaschen und fiel ihr glatt über den Rücken. In den Händen trug sie zwei schwere Papiertüten eines italienischen Feinkostladens.

„Na, habt ihr beiden euch gut amüsiert?“, fragte sie mit honigsüßer Stimme und stellte die Tüten auf der Küchenanrichte ab.

„Hervorragend, Traumfrau“, grinste Timo, trat sofort von hinten an sie heran, schlang die Arme um ihre Taille und küsste ihren Hals. „John hat mich rundum versorgt. Aber jetzt habe ich Hunger wie ein Wolf.“

Loona kicherte leise, lehnte sich kurz in seine Umarmung und strich ihm über den Bart, ehe sich ihre grünen Augen über seine Schulter hinweg auf mich richteten. Der Blick war schneidend, präzise und voller unerbittlicher Befehlskraft.

„John, hilf mir beim Auspacken“, sagte sie mit beiläufiger Selbstverständlichkeit. „Stell die Antipasti auf den großen Teller, mach die Oliven warm und deck den Tisch im Wohnzimmer für uns drei. Timo soll sich ausruhen.“

„Mach ich“, brachte ich hervor und trat an die Küchenzeile.

„Alter, du verwöhnst mich echt zu sehr“, rief Timo lachend, klopfte mir noch im Vorbeigehen auf die Schulter und schlenderte mit einem Bier zurück ins Wohnzimmer.

Kaum war er außer Hörweite, trat Loona dicht an mich heran. Ihre Hand glitt unter den Saum meines Sweatshirts, fuhr über meinen Rücken und wanderte nach vorn, bis ihre kühlen Finger mit gezielter Härte über den Bund meiner Cargohose strichen. Sie drückte ihre Fingernägel genau gegen die Wölbung des stählernen Gehäuses. Ein dumpfer Schmerz schoss mir in die Leiste.

„Braver Junge“, raunte sie mir ins Ohr, während ihr warmer Atem meine Wange streifte. „Du hast die Rolle heute perfekt gespielt. Jetzt noch das Abendessen. Halt durch, John. Nur noch ein paar Stunden…“

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