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Chapter 5 by Daemony Daemony

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Wo Schatten sich erinnern

Der Herbst kam früh dieses Jahr.

Die Blätter vor dem Pfarrhaus fielen lautlos, wie Gedanken, die sich aus einem Geist lösten. Thomas saß in der Sakristei, die Hände gefaltet, die Stirn an das kühle Holz der Kniebank gepresst. Er betete nicht, nicht wirklich. Er versuchte zu vergessen. Oder sich zu erinnern – er wusste es selbst nicht mehr.

Jede Nacht roch er wieder die Rosen. Hörte ihr Lachen. Spürte den Druck ihrer Hüften auf seinen, ohne zu wissen, ob dies jemals geschehen war. Mit jeder Nacht wurde das Echo schwächer – und gleichzeitig sein Angst, es endgültig zu vergessen, immer größer. Es war, als hätte Eleonore etwas mitgenommen, als sie verschwand: seinen Frieden. Seine Reinheit. Seine Gewissheit.

Er versuchte, seine Pflicht zu tun. Die Messe lesen, die Beichte abnehmen, die **** taufen. Aber seine Stimme war brüchig, und wenn er Wasser in das Becken goss, sah er manchmal etwas anderes darin: die Spiegelung von silbernem Haar und mondblasser Haut.

Eines Abends hielt er es nicht mehr aus.

Der Nebel lag tief über den Feldern, als er sich auf den Weg machte. Barfuß wie ein Büßer. Schweigend. Wyndgrace House erhob sich wie ein Schattenriss gegen den dämmernden Himmel, kein Licht in den Fenstern, kein Laut hinter den Mauern. Die Tür stand offen. Er trat ein.

Der Salon war leer. Staub lag auf dem Porzellan, der Kamin war kalt. Und doch war da etwas. Ein Gefühl. Eine Bewegung im Augenwinkel. Das leise Klirren einer Teetasse.

„Eleonore?“, flüsterte er.

Keine Antwort. Nur der Geruch – süß, berauschend, alt wie eine Erinnerung, die nicht vergeht. Er stieg die Treppe hinauf, seine Finger glitten über das Geländer, als könnte es ihn führen wie ein Gebet. Im Schlafzimmer lag das Bett unberührt. Doch als er sich dem Spiegel näherte, hielt er den Atem an.

Dort war sie. Nicht in Fleisch und Blut. Nicht als Abbild. Nur ein Hauch – ein Umriss, flüchtig, wie Atem auf kaltem Glas. Ihre Augen trafen seine. Ein Blick – jenseits von Raum und Zeit.

„Du bist zurück“, sagte er. Oder dachte er es nur?

„Ich war nie weg.“

Er streckte die Hand nach ihr aus. Ihre Gestalt flackerte. Und dann – Wärme. Haut. Sanfte Berührung. Der Hauch eines Kusses auf seiner Stirn. Er schloss die Augen, ließ sich auf das Bett sinken, betete nicht mehr, flehte nicht mehr. Nur ein leiser Seufzer entwich ihm.

„Hol mich zu dir“, flüsterte er. „Oder lass mich endlich frei.“

Und dann hörte er sie wieder – ihr Lachen. Zärtlich. Traurig. Unendlich. Frei. Sein Körper wurde leicht.

Die Dorfbewohner fanden ihn am nächsten Morgen – ruhig liegend, wie ein Mann im Schlaf. Ein sanftes Lächeln auf den Lippen, als träume er von etwas Schönem. Oder von jemandem.

Sein letzter Traum war ein Kuss aus Schatten. Und der Duft von Rosen.

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