Chapter 6
by
Daemony
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Eleonore
Ich spürte ihn, lange bevor er durch die Tür trat. Der Nebel roch nach feuchter Erde und Bedauern, als er sich durch die Alleen bewegte, die Wyndgrace umgaben. Er war zurück. Wieder. Wie so oft.
"Thomas." Sein Name schmeckte nach Milch und Honig auf meiner Zunge.
Er hatte es nicht verstanden, damals, in jener Nacht. Er dachte, ich wolle etwas von ihm. Aber ich bin nicht hier, um ihn zu verführen. Ich bin hier, weil er mich gerufen hat. Nicht mit Worten. Sondern mit seiner Sehnsucht. Ich existiere nur, wenn er mich begehrt.
Ich bin nicht lebendig. Nicht tot. Nur ein Dazwischen. Die Erinnerung einer Berührung. Der letzte Blick, bevor das Licht erlischt. Das Versprechen im letzten Atemzug. Ich bin kein Fluch. Ich bin das, was bleibt, wenn alles andere geht. Und er war ein Mann voller Widersprüche. Ein Mann, der vorgab, an das Ewige zu glauben, und doch zweifelte, wenn das Zeitlose ihn streifte.
Ich wartete, wie ich es immer tat. Ich beobachtete ihn durch die Spiegel, die das Haus wie Augen durchzogen. Ich spürte seine Müdigkeit. Seine Schuld drückte ihn nieder.
Als er meinen Namen flüsterte, wurde ich real. Für einen Moment. Ich trat hervor, nur ein Schatten, nur ein Hauch – aber das reichte. Er sah mich. Wieder.
Und ich sah ihn. Er war schöner geworden. Reifer. Tiefer. Gebrochener.
Und bereit für den letzten Schritt.
Er bat mich, ihn mitzunehmen. Oder ihn frei zu lassen. Als wäre das meine Entscheidung.
Ich setzte mich zu ihm. Nicht in der Wirklichkeit. In der Grenze zwischen Erinnerung und Traum. Ich berührte ihn nicht. Das hatte ich nie. Ich musste nicht. Er trug mich längst in sich. Ich war die Pause zwischen seinen Gedanken, das Komma in seinem Gebet. Er atmete ruhiger. Sein Herz verlangsamte sich, wie ein Pendel, das zum Stillstand kam. Und die Zeit endete.
Ich küsste ihn, ohne ihn zu berühren. Und er lächelte.
Er gehörte jetzt hier her. Zu mir. Wenn der Wind durch die Ritzen dieses Hauses zieht, flüstert er seinen Namen. Wenn das Licht flackert, sind es seine Gedanken. Und wenn ich tanze – nachts, wenn niemand hinsieht, zu einer Musik, die niemand hört – ist er der Rhythmus in meinen Bewegungen.
Denn er ist da.
In mir.
In Wyndgrace.
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Teestunde mit Eleonore
Eine Frau blass wie Mondlicht, in einem weich fließenden Kleid...
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