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Weinflasche,Wahrheit und eine Mutter zu viel

Chapter 6 by Hammersbald

Cornelius von Felsenstein stöhnte theatralisch und richtete sich langsam auf, eine Hand an seiner Stirn, wo sich eine beeindruckende Beule bildete.

„Was… was ist passiert?“ murmelte er verwirrt.

Edmund trat mit der Eleganz eines Beerdigungsunternehmers heran und reichte ihm ein Tuch. „Sie wurden niedergeschlagen, mein Herr. Mit diesem hier.“ Er deutete auf eine zerbrochene Weinflasche neben Cornelius – ein 1982er Château Margaux, wie Ferdinand mit seinem geschulten Blick erkannte. Mindestens zweitausend Euro. Jetzt Tatwaffe.

„Wer?“ Cornelius‘ Augen waren glasig. „Wer hat…?“

„Das versuchen wir gerade rauszufinden“, sagte Katharina scharf. Ihre Haare waren zerzaust, Mascara verschmiert, und Ferdinands viel zu große Jacke ließ sie gleichzeitig hilflos und gefährlich aussehen – eine Kombination, die Ferdinand den letzten Rest seines Verstandes raubte.

Helena stürzte zu ihrem Schwiegervater. „Papa Cornelius! Oh mein Gott, sind Sie –“

„Ich lebe“, unterbrach er sie schwach. „Aber mein Kopf…“

„Wer war im Raum, als es passierte?“ Ferdinand trat vor, versuchte professionell zu klingen, obwohl sein Kopf immer noch das Bild von Katharinas nackten Brüsten abspielte wie eine Endlosschleife.

Schweigen.

Dann Markus: „Wir waren alle hier. Cornelius sagte, er würde eine Flasche aus dem Nebenraum holen. Dann hörten wir einen Schlag und er… er lag am Boden.“

„Der Weinlagerraum“, murmelte Ferdinand. „Direkt neben dem Salon.“

„Jemand hat auf ihn gewartet“, sagte Katharina und kniff die Augen zusammen. „Aber wer? Und warum?“

Brigitte schluchzte in ihrem Taschentuch. „Vielleicht… vielleicht derselbe, der Johanna getötet hat!“

„Oder“, Katharina fixierte sie kalt, „jemand wollte verhindern, dass Cornelius etwas verrät.“

Die Spannung im Raum war mit den Händen zu greifen.

„Edmund“, sagte Katharina schließlich, „bringen Sie alle zurück in ihr Zimmer. Niemand verlässt sie ohne meine Erlaubnis. Herr Baumann und ich werden weiter herausfinden.“

Als die Verdächtigen abgeführt wurden, drehte Katharina sich zu Ferdinand um. „Ich muss mich umziehen. Dieses Kleid ist ruiniert und ich friere mir den Arsch ab.“

Bitte nicht. Bitte zieh dich nicht um. Mein Herz hält das nicht aus.

„Natürlich“, presste er hervor.

„Kommen Sie mit. Mein Zimmer ist im zweiten Stock. Wir können dort in Ruhe reden.“

NEIN. NEIN. SCHLACHTE IDEE.

"Darm."

Katharinas Zimmer war genau so, wie Ferdinand es sich vorgestellt hatte – elegant, teuer, und voller Beweise, dass sie eine Frau mit Geschmack war. Ein riesiges Himmelbett mit seidenen Laken. Ein antiker Schminktisch. Und überall dieser Duft – Jasmin, Vanille, Sünde.

„Warten Sie hier“, sagte sie und verschwand hinter einem Paravent in der Ecke des Zimmers.

Ferdinand stand da wie angewurzelt.

Von hinter dem Paravent hörte er das Rascheln von Stoff. Ein Reißverschluss. Das Kleid, das zu Boden fiel.

Sein Mund war staubtrocken.

„Also“, kam Katharinas Stimme gedämpft, „was halten Sie von Cornelius' Angriff?“

„Äh…“ Ferdinand starrte an die Decke. Ein Zauberstab. Überall hin, nur nicht zum Paravent. „Ablenkungsmanöver. Jemand wollte uns beschäftigen.“

„Oder jemand wollte Cornelius zum Schweigen bringen.“

Der Schatten hinter dem Paravent bewegte sich. Katharinas Silhouette – hob sie gerade die Arme? Zog sie etwas über den Kopf?

Ferdinand schluckte hart.

„Baumann? Hören Sie mir zu?“

„Ja! Absolut!“

„Was habe ich gerade gesagt?“

„…Cornelius?“

Ein leises Lachen. „Sie sind so ein mieser Lügner.“

Dann – und Ferdinand wusste später nicht, ob es Absicht oder Zufall war – trat Katharina hinter dem Paravent hervor.

Komplett nackt.

Für drei Sekunden stand sie einfach da, offenbaren auf dem Weg zu ihrem Kleiderschrank, scheinbar völlig unbewusst, dass Ferdinand…

Die Zeit steht still.

Ferdinand sah alles. ALLES.

Die langen, blonden Haare fallen über ihre Schultern. Die perfekten Brüste mit den rosafarbenen Brustwarzen. Die schmale Taille. Die geschwungenen Hüften. Die rasierten Schamlippen, Die endlosen Beine.

Perfektion in Menschenform.

Sein Gehirn explodierte.

Sein Schwanz war so hart, dass er dachte, seine Hose würde Platzen.

Dann bemerkte Katharina ihn – und kreischte.

„BAUMANN! Was zum—“ Sie griff nach einem Kissen vom Bett und drückte es vor sich. „Ich dachte, Sie stehen am Fenster!“

„Ich… ich… Sie sagten… Paravent…“ Er brachte keinen zusammenhängenden Satz heraus.

Ihre Wangen waren knallrot. „DREHEN SIE SICH UM!“

Er hörte sofort, das Herz hämmerte so laut, dass er dachte, es würde aus seiner Brust springen.

Hinter ihm hektisches Rascheln. Fluchen. Schubladen, die aufgerissen wurden.

„Okay“, sagte sie, schließlich die Stimme eine Oktave zu hoch. „Sie können… Sie können sich umdrehen.“

Ferdinand drehte sich langsam um.

Katharina trug jetzt einen schwarzen Rollkragenpullover und eine enge Jeans, die ihre Kurven genauso obszön betonte wie das zerstörte Kleid. Deine Haare waren immer noch zerzaust, ihr Gesicht gerötet.

„Das“, sagte sie mit gefährlich leiser Stimme, „war NICHT—“

Ein Klopfen an der Tür unterbrach sie.

„Katharina, Liebling? Bist du da?“

Beide erstarrten.

„Oh nein“, flüsterte Katharina. „Das ist…“

Die Tür öffnete sich.

Eine Frau Ende fünfzig, elegant gekleidet, mit denselben blonden Haaren wie Katharina, nur hochgesteckt, betrat den Raum. Sie trugen einen Pelzmantel und den selbstgefälligen Ausdruck von jemandem, der gewohnt war, dass ihr die Welt zu Füßen lag.

"Mama!" Katharina klang plötzlich wie ein erappter Teenager.

Die Frau – Gräfin Magdalena von Blaustein, wie Ferdinand sofort wusste – ließ ihren Blick zwischen ihrer Tochter und Ferdinand hin und her wandern.

„Katharina.“ Ihre Stimme war Eis und Samt gleichzeitig. „Willst du mir nicht deinen… Gast… vorstellen?“

„Das ist Hauptkommissar Baumann vom BKA“, sagte Katharina hastig. „Er ermittelt im Mordfall von Tante Johanna.“

Magdalena musterte Ferdinand von Kopf bis Fuß. Ihr Blick blieb an seinem Schlauch hängen – genauer gesagt, an der sehr offensichtlichen Beule darin.

Ein wissender Ausdruck huschte über ihr Gesicht.

„Hauptkommissar“, sagte sie mit einem Lächeln, das zu viel wusste. „Wie… engagiert von Ihnen, so spät noch zu ermitteln. In meiner Tochters Schlafzimmer.“

Ferdinand spürte, wie er rot anlief. „Wir haben gerade… den Fall besprochen…“

Plötzlich tippte ihm jemand von hinten auf die Schulter.

Er fuhr herum.

Niemand da.

Einen Moment der Verwirrung – dann erkannte er: Magdalena stand jetzt direkt hinter ihm. Sie musste sich lautlos bewegt haben wie eine Raubkatze.

„Sie sind nervös, Hauptkommissar“, schnurrte sie. „Warum?“

Ihr Blick bohrte sich in seinen. Dieser Blick – er kannte diesen Blick. Der Blick einer Frau, die genau wusste, wenn jemand log.

„Mama, bitte“, sagte Katharina genervt. „Wir haben keine Zeit für dein Spielchen. Da draußen wurde jemand ermordet!“

„Johanna“, sagte Magdalena und ihr Gesicht wurde hart. „Meine Schwester. Glauben Sie wirklich, ich wüsste das nicht? Ich bin extra aus Wien angereist, sobald ich es gehört habe.“

„Du… du warst nicht auf der Hochzeit?“

„Nein. Ich hasste Johanna.“ Magdalena zuckte elegant mit den Schultern. „Aber das bedeutet nicht, dass ich zulasse, dass ihr Mörder davonkommt.“

Sie trat näher zu Ferdinand, so nah, dass er ihren Atem spürte – Zigaretten und Chanel Nr. 5.

„Und Sie, Herr Hauptkommissar“, flüsterte sie, „haben das Gesicht eines Mannes, der Geheimnisse hütet. Große Geheimnisse.“

Ihr Finger tippte gegen seine Brust – genau dort, wo sein gefälschter Ausweis in der Innentasche lag.

Ferdinands Blut gefror.

„Mama, lass ihn in Ruhe!“

Magdalena lachte – ein tiefes, wissendes Lachen. „Wie du meinst, Liebling. Aber pass auf.“ Sie warf Ferdinand einen letzten, durchdringenden Blick zu. „Auf dieser Hochzeit ist nichts so, wie es scheint. Und niemand.“

Sie rauschte zur Tür, blieb aber nochmal stehen.

„Ach übrigens, Katharina – dein Kleid. Was ist damit passiert?“

„Es… ist gerissen.“

„Mmh.“ Ein vielsagendes Lächeln. „Wie unglücklich. Viel Erfolg bei euren… Ermittlungen.“

Die Tür fiel ins Schloss.

Ferdinand und Katharina standen da, beide atemlos.

„Ihre Mutter ist…“, begann Ferdinand.

„Schrecklich. Ich weiß.“ Katharina rieb sich die Schläfen. „Aber sie hat recht. Hier stimmt was nicht. Cornelius wird niedergeschlagen, genau als wir weg sind. Die Statue taucht wieder auf. Und irgendwer…“

Sie sah ihn an.

„…irgendwer spielt ein sehr gefährliches Spiel.“

Ferdinand nickte. Sein Schwanz war endlich wieder halbwegs unter Kontrolle, aber sein Kopf wirbelte.

Das Bild von Katharinas nacktem Körper.

Magdalenas wissender Blick.

Die Venus-Statuette im Pavillon.

Johannas Leiche.

„Wir müssen zur Statue zurück“, sagte er. „Bevor jemand anderes sie findet.“

„Einverstanden.“ Katharina griff nach einer Jacke. „Aber Baumann?“

„Ja?“

„Wenn Sie nochmal so auf mich starren, schneide ich Ihnen die Eier ab. Verstanden?“

„Kristallklar.“

Sie lächelte – dieses gefährliche, sexy Lächeln.

„Gut. Dann los.“

Ende Kapitel 6

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