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Chapter 12 by Hammersbald Hammersbald

Die Lüge

Vorbereitung

Der Raum war ein Gefängnis aus Licht und Schatten. Ferdinand Walters hing an seinem Träger, sein Körper ein Verrat an seinem Geist. Die Lust, die sie ihm geschenkt hatte, war eine Welle, die zurückgegangen war und ihn nackt und zitternd auf dem trockenen Sand der Verzweiflung zurückgelassen hatte. Jeder Muskel schrie, jede Faser seines Seins schämte sich für die Reaktion, die er nicht hatte kontrollieren können. Er blickte zu ihr auf, diese Göttin des Schmerzes und der Lust, und in seinem Blick lag nicht mehr nur Widerstand, sondern eine tiefe, quälende Frage.

„Wer… bist du?“, presste er hervor, seine Stimme ein heiseres Krächzen, kaum mehr als ein Hauch. Es war keine Frage nach ihrem Namen. Es war ein Flehen. Ein Versuch, dieses unheimliche, perfekte Wesen in eine Schublade zu stecken, es zu verstehen, um es bekämpfen zu können.

Ein Lächeln, so kalt und schön wie ein Eisblatt, breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Sie trat näher, ihre nackten Füße machten kein Geräusch auf dem staubigen Boden. Sie nannte sich nicht bei einem Namen. Sie definierte sich durch ihre Funktion.

„Ich bin diejenige, die die Regeln schreibt, Ferdinand“, flüsterte sie, ihre Stimme war wie Seide, die über eine Klinge glitt. „Ich bin die Architektin des Schicksals in dieser kleinen, schmutzigen Stadt. Die Leute wie du und Katharina von Blaustein, ihr seid die Schauspieler auf der Bühne. Ihr denkt, ihr habt freien Willen, ihr denkt, eure Entscheidungen treffen die Geschichte. Aber ich bin die Regisseurin. Ich gebe die Stichworte. Ich ziehe die Fäden. Und wenn ein Schauspieler nicht mehr ins Stück passt…“ Sie machte eine schnelle, schneidende Bewegung mit ihrer Hand. „…dann schreibe ich ihn aus dem Skript.“

Sie strich mit einem Finger seine Wange entlang, eine Berührung, die gleichzeitig zärtlich und demütigend war. „Du bist ein guter Schauspieler, Ferdinand. Ehrlich. Tapfer. Aber dein Charakterbogen ist zu vorhersehbar. Du stehst der wahren Protagonistin im Weg. Und Lydia… Lydia ist ein interessantes Wildcard, aber sie ist zu emotional. Sie liebt ihre Schwester, und sie liebt dich, auf ihre eigene, zerstörerische Art. Das macht sie unzuverlässig.“

Sie zog sich zurück und ihre Augen funkelten im grellen Licht. „Aber du willst einen Namen, nicht wahr? Etwas, das du in deine Akten schreiben kannst. Nenn mich… Isolde. Eine Figur, die aus Liebe und Verrat besteht und am Ende alles zerstört, was sie berührt. Passend, findest du nicht?“

Isolde. Der Name hallte in seinem Kopf nach, ein Fluch und ein Versprechen zugleich.

In Lena Weiss' Wohnung war die Luft dick von der Feuchtigkeit eines frischen Bades und der subtilen Spannung, die zwischen den beiden Frauen lag. Lena Weiss hatte sich in einen Seidenbademantel gehüllt, ihre Hände zitterten kaum merklich, als sie eine Tasse Tee einschenkte, den sie Katharina anbot. Katharina lehnte ab. Sie war nicht hier für Tee. Sie war hier für die Wahrheit.

„Ich verstehe Ihre Sorge, Frau von Blaustein“, sagte Lena, ihre Stimme war ruhig, fast mitleidig. „Ferdinand Walters ist… ein Fanatiker. Ein guter Polizist, ja, aber er ist besessen. Er sieht Verschwörungen, wo es nur Pech gibt. Er sieht Monster, wo es nur Menschen sind.“

Sie setzte sich gegenüber von Katharina auf ein schlichtes, modernes Sofa. Ihr Blick war direkt, offen, und in ihren Augen lag eine Spur von echtem ****. „Er war heute Nachmittag hier. Er hat mich verhört. Über Arthur Struck. Er glaubt, ich hätte ihm etwas gegeben, irgendeine Beweise, die ihn umbringen ließen. Er hat mich bedroht, Frau von Blaustein. Er hat gesagt, wenn ich nicht kooperiere, würde er dafür sorgen, dass meine Karriere und mein Leben vorbei sind.“

Katharina spürte, wie eine Welle des Zweifels durch sie schoß. Lena wirkte so überzeugend. Ihre Angst war echt, ihre Verletzlichkeit spürbar. Konnte Ferdinand wirklich so weit gegangen sein?

„Was haben Sie ihm gesagt?“, fragte Katharina, ihre Stimte war neutral, aber ihr Verstand arbeitete auf Hochtouren.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich nichts weiß“, sagte Lena und eine Träne rollte über ihre Wange, die sie schnell wegwischte. „Aber er hat es nicht geglaubt. Er ist… durchgedreht. Er hat mich geschubst, hat meine Akten vom Schrank geworfen. Er hat nach etwas gesucht, ich weiß nicht nach was. Ich habe mich eingeschlossen und die Polizei gerufen, aber bevor sie kamen, ist er gegangen.“

Sie holte tief Luft, ihre Schultern sackten ein. „Ich habe ihn danach noch einmal gesehen. Er hat mich angerufen. Er hat gesagt, er wüsste, wo er die Wahrheit finden würde. Er hat von einem alten Lagerhaus im Osten gesprochen, in der Nähe des Parks. Er hat gesagt, er würde dorthin gehen, um… Beweise zu sichern. Er hat klingeln gehört, ich glaube, er hat Angst, dass ich die Polizei gerufen habe. Er ist verrückt geworden, Frau von Blaustein. Er ist ein Mann, der von seinem eigenen **** gejagt wird, und er sieht jetzt überall Feinde.“

Katharina starrte sie an. Die Geschichte war so detailliert, so emotional, so perfekt. Es gab keine Widersprüche, keine Lücken. Es war die Geschichte einer Frau, die von einem fanatischen Polizisten terrorisiert wurde. Und ein Teil von ihr glaubte es. Ein Teil von ihr sah Ferdinand vor sich, wie er die Kontrolle verliert, getrieben von dem Gedenken an seine tote Frau und Tochter.

„Wo ist dieses Lagerhaus?“, fragte Katharina, ihre Stimme war jetzt fest, entschlossen.

Lena nannte ihr eine Adresse, eine Straße in einem verlassenen Industriegebiet. „Seien Sie vorsichtig, Frau von Blaustein“, sagte sie, ihre Stimme war ein leises, besorgtes Flüstern. „Wenn er wirklich so ist, wie er mir schien… dann ist er gefährlich. Nicht nur für sich selbst.“

Katharina stand auf und verließ die Wohnung, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Draußen in der Kälte der Nacht zog sie ihr Handy heraus und wählte Antons Nummer. Es klingelte, aber niemand nahm an. Sie rief erneut an. Das gleiche Ergebnis. Sie wusste, warum. Lydias Regel. Kein Telefon während eines Meetings. Anton war bei Lydia. Und Lydia war ihre einzige andere Hoffnung.

Sie war allein. Allein mit der Information, die sie bekommen hatte, und dem nagenden Zweifel, ob es die Wahrheit war. Sie stieg in ihren Wagen und fuhr in Richtung Osten, in das dunkle Herz der Stadt, wo die Wahrheit auf sie wartete, oder eine Lüge, die sie in den **** locken würde.

In dem alten Büro hing Ferdinand immer noch an seiner Decke, sein Körper war ein einziger, schmerzender Muskel. Isolde stand vor ihm, wieder angezogen, ihr Lederbody schien sie wie eine zweite Haut zu umhüllen. Sie hatte ihm nichts mehr getan. Sie hatte nur gewartet. Gewartet, bis die Verzweiflung in ihm so groß wurde, dass er bereit war, alles zu sagen.

„Also, Ferdinand“, sagte sie, ihre Stimme war wieder kalt und geschäftsmäßig. „Lydia Voss. Was weißt du über sie? Wo ist sie? Was ist ihre Verbindung zu dir?“

Ferdinand schloss die Augen. Er dachte an Claras Gesicht, an Sophias Lachen. Er dachte an die Freundschaft, die er mit Lydia hatte, eine Freundschaft, die aus demselben **** geboren war. Er konnte sie nicht verraten. Er konnte nicht.

Er schwieg.

Isolde seufzte. „Na gut. Dann auf die harte Tour.“ Sie zog ein kleines, silbernes Kästchen aus ihrer Tasche und öffnete es. Darin lagen Nadeln, Spritzen und eine kleine Ampulle mit einer klaren Flüssigkeit. „Das ist ein spezielles Serum. Es wird nicht töten. Aber es wird dich alles vergessen lassen. Wer du bist. Was du geliebt hast. Es wird dich zu einer leeren Hülle machen. Einem vegetativen Körper

Katharina

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