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Tagebucheintrag neuer Tag, endlich was geschafft

Chapter 4 by Peter_ENF

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Heute fühlt sich die Wohnung zum ersten Mal an wie ein Glashaus, das nur nach außen hin Glas ist. Nach innen gehört es mir. Ich habe die Folie geklebt. Den ganzen Vormittag auf den Knien. Danach bin ich runter und habe geprüft. Von der Straße sah ich nichts. Vielleicht ein paar Umrisse. Aber niemand kann Details erkennen. Silke war wieder da. Ich durfte in ihr Haus. Es war wunderschön eingerichtet aber irgendwie wirkte es zu groß als wäre sie allein. Ich muss sie mal kennen lernen und fragen. Vielleicht sucht sie ja auch eine Freundin.
Bei Silke auf der Terrasse war es dasselbe. Spiegel. Wolken. Kein Zimmer. Ich habe sogar erzählt, dass mir in der ersten Nacht das Handtuch runtergerutscht ist und ich mich furchtbar erschrocken habe. Dass ich schüchtern bin. Sie hat genickt und gesagt, dass hier abends sowieso niemand ist. Es war erleichternd, das auszusprechen und danach nichts Unangenehmes zu spüren.

Den Nachmittag habe ich gelebt, als wäre die Angst wirklich draußen geblieben. Das ist neu. Früher bin ich durch Räume gegangen und habe innerlich mitgezählt, wer mich sehen könnte ob er da war. Heute nicht. Heute war da dieses ruhige Sicherheitsgefühl, das nicht laut ist und trotzdem alles verändert. Keine Scham mehr und laute Musik.

Abends musste ich das Licht anmachen. Die Sonne war weg. Die Folie wurde innen zum Spiegel, klarer als der kleine im Bad, der immer beschlägt. Ich war erst verweundet weil ich so nicht rausgucken kann. Aber irgendwie fühlte es sich gut an. Als wäre da eine Wand und keiner kann durchgucken und das dunkle bleibt draußen.
Und es ist praktisch. Ich bin vor dem Spiegel im Bad stehen geblieben und habe mich angesehen. Die Scheibe ist jetzt wie ein Spiegel.

Ich bin nicht überschwänglich. Ich stelle mich nicht aus und halte keine Rede vor mir selbst. Aber da war genug Zufriedenheit, dass es mir beim Anblick ein Lächeln auf die Lippen gezogen hat. Ein kleines. Eines, das nicht um Erlaubnis fragt. Wohlfühlend im eigenen Körper, und zugleich ein bisschen bewundernd, zumindest so weit, dass ich nicht sofort wegschauen musste. Als würde etwas in mir sagen: Das reicht. Das darf so sein.

Ich merke, wie sehr mir das gefehlt hat. Nicht das Gesehenwerden. Das Gegenteil. Der Raum, in dem ich mir selbst gehören kann. In dem ich nicht zusammenzucke, wenn ein Zug durchs Fenster kommt. In dem ich nicht sofort denke, ich müsse dankbar sein für jede Wärme, die man mir übrig lässt. Hier war ich einfach da. Unbekümmert. Fast leicht.

Silke war heute wieder die Freundliche. Die, die mir das Gefühl gegeben hat, dass Nachbarschaft nicht automatisch heißt, dass jemand etwas von mir will. Ich will das behalten. Das Licht, das Lächeln vor der Scheibe. Das Gefühl, dass die Wohnung schließt, obwohl sie voller Fenster ist.

Wenn das Glashaus so bleibt, kann ich hier wirklich neu anfangen.

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