Kapitel 2

Spurensuche mit Nebenwirkungen

Chapter 2 by Hammersbald

Der Wintergarten war inzwischen zum provisorischen Tatort erklärt worden. Edmund hatte auf Katharinas Anweisung hin alle Gäste in den großen Salon verfrachtet – vermutlich, um sie dort mit seinem Totengräber-Blick zu bewachen.

Katharina kniete neben der Leiche, ihr smaragdgrünes Kleid spannte sich dabei über ihren Hintern wie eine Verheißung. Ferdinand, der neben ihr stand und eigentlich den Brieföffner untersuchen sollte, starrte stattdessen auf die perfekte Rundung ihres Pos, der sich unter dem dünnen Satin abzeichnete wie eine Todsünde in Echtzeit.

Konzentrier dich, du Idiot, befahl er sich selbst. Du bist hier, um eine Statue zu klauen, nicht um…

“Sehen Sie das?” Katharina beugte sich weiter vor.

Ja. Oh Gott, ja, er sah es. Den kleinen G-String, der sich unter dem Kleid abzeichnete. Seine Hose wurde verdächtig eng.

“Was… was genau?” Seine Stimme klang eine Oktave zu hoch.

“Die Einstichwinkel!” Sie drehte sich zu ihm um, die blauen Augen funkelnd. “Der Täter muss größer als 1,80 gewesen sein. Sie sind wie groß?”

“1,85”, antwortete er automatisch und versuchte unauffällig, seine Aktentasche vor seinen Schritt zu halten.

Sie musterte ihn mit diesem durchdringenden Staatsanwältinnen-Blick. “Interessant.”

Ferdinand wandte sich hastig der Vitrine zu, in der die Venus-Statuette gestanden hatte. “Das Schloss wurde professionell geknackt. Kein Einbruch, keine Gewaltanwendung.”

“Ein Profi also.” Katharina stand auf – diese geschmeidige Bewegung, die ihre Brüste kurz gegen den Stoff drücken ließ. Ferdinand spürte, wie sein Problem südlich des Äquators sich verschärfte.

Er räusperte sich und trat demonstrativ hinter einen Palmfarn. “Definitiv. Vermutlich jemand aus der… äh… internationalen Kunstszene.”

“Sie schwitzen ja, Herr Hauptkommissar.” Katharinas Stimme troff vor Spott. “Ist Ihnen heiß?”

Du hast keine Ahnung, dachte er verzweifelt.

“Die Heizung hier ist ein bisschen… enthusiastisch”, log er und zog sein Jackett aus, das er sich dann strategisch über den Arm legte – direkt vor die verräterische Beule.

Katharina kam näher. Viel zu nah. Ihr Parfüm – irgendetwas Teures mit Jasmin und gefährlichen Absichten – vernebelte seine Sinne.

“Sie sind eigenartig, Baumann.” Sie tippte mit einem perfekt manikürten Fingernagel gegen seine Brust. “Erst tauchen Sie als Fotograf auf, dann plötzlich als BKA-Mann. Ihre Geschichte hat mehr Löcher als Schweizer Käse.”

“Undercover”, presste er hervor und wich einen Schritt zurück – direkt gegen die Vitrine. Scheiße. Jetzt saß er in der Falle. “Deshalb die… Tarnung.”

Sie lehnte sich an die Glasscheibe neben ihm, eine Hand in die Hüfte gestemmt. Das Kleid rutschte minimal höher und gab den Blick auf einen endlos langen, makellosen Oberschenkel frei.

Ferdinand biss sich auf die Innenseite der Wange. An tote Katzen denken. An Steuererklärungen. An Edmund.

“Zeigen Sie mir nochmal Ihren Ausweis”, forderte sie.

“Jetzt?”

“Ja, jetzt.”

Verdammt. Der gefälschte BKA-Ausweis steckte in seiner Innentasche. Wenn er das Jackett bewegte, würde sie seine… Situation… sofort bemerken.

„Ich… muss kurz…“ Er versuchte, sich seitlich wegzudrehen.

„Bleiben Sie stehen!“ Ihre Stimme hatte diesen Ton – den Ton, der Kriminelle zum Weinen brachte. Den Ton, der ihn nur noch mehr erregte.

Er war am Arsch.

Plötzlich ging die Tür auf. Olga, die Pflegerin, stürmte hierin und feuerte eine Salve Polnisch ab, während sie wild gestikulierte.

„Was wird sie?“ Ferdinand nutzte die Ablenkung, um sich endlich hinter einen großen Farn zurückzuziehen.

Katharina seufzte genervt. „Keine Ahnung. Ich spreche kein Polnisch. Edmund!“

Der Butler erschien wie ein Geist aus dem Nichts. „Die Dame berichtet, dass Frau von Felsenstein senior in Tante Johannas Schlafzimmer herumgeschnüffelt hat.“

„Ach, wie spannend.“ Katharina griff nach ihrer Clutch. „Kommen Sie, Hauptkommissar. Wir statten Brigitte mal einen Besuch ab.“

Ferdinand nickte stumm, das Jackett jetzt fest vor sich gepresst wie ein Schutzschild.

Als sie an ihm vorbeirauschte, blieb sie kurz stehen und flüsterte: „Übrigens, Baumann… Ihre Manschettenknöpfe. Das 'FB' – steht das für Ferdinand Baumann oder Ferdinand Becker?“

Sein Blut gefror.

Sie lächelte – dieses raubtierhafte, gefährliche Lächeln – und ging zur Tür. „Ich hab Sie noch nicht durchschaut. Aber ich werde es. Und wenn ich rausfinde, dass Sie mich anlügen…“ Sie drehte sich um, die Hüften schwingend. „…dann werde ich sehr, sehr ungemütlich.“

Ferdinand blieb zurück, zwischen einer Leiche, einer gestohlenen Statue, einer schmerzhaften Erektion und dem wachsenden Verdacht, dass diese Frau entweder sein Untergang oder seine Erlösung sein würde.

Vermutlich beides.

“Scheiße”, murmelte er.

Von draußen ertönte Helenas hysterisches Kreischen. Irgendwas von „Mein Hochzeitstag ist ruiniert!“

Ferdinand atmete tief durch, wartete, bis sein Körper sich beruhigt hatte, und folgte dann Katharina.

Es würde eine lange Nacht werden.

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