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Chapter 3

Wen ruft Scheibner an?

Silvia geht ran

Scheibner musste es eine ganze Weile klingeln lassen, ehe am anderen Ende jemand ranging. Er erkannte Silvias Stimme sofort. Sie klang allerdings ein wenig atemlos. Im Hintergrund vermeinte er zudem gedämpftes Kichern zu vernehmen. Von mehreren verschiedenen Stimmen. Aha, Frau Silvia war offensichtlich beschäftigt gewesen. Er hoffte nur, dass sie nicht schon welche von den Bewerberinnen "testete", bevor diese auch nur einen Mietvertrag hatten. Na, wenigstens hatte sie abgenommen und den Anruf nicht einfach auf die Mailbox laufen lassen. Damit wollte er sich jetzt aber nicht aufhalten. Ohne lange Vorrede kam er zur Sache.

"Du, ich schaff's heute nicht mehr. Wir müssen die Termine leider absagen."

...

"Ja, ich weiß. Ist blöd, geht aber heute wirklich nicht. Aber ich habe eine andere Idee: Die Neuen sollen mir per E-Mail eine schriftliche Bewerbung schicken."

...

"Warum nicht? Heutzutage macht man doch alles elektronisch."

...

"Klar, Datenschutz und so. Kenn ich. Also die Unterlagen bitte nicht zu explizit und freizügig. Aber schon so, dass ich eine qualifizierte Auswahl treffen kann. Du verstehst schon, was ich meine. Geh bitte zu den Wartenden und erklär es ihnen. Alles soll an meine dienstliche E-Mail-Adresse geschickt werden, die steht auf der Homepage meiner Firma. Jede Bewerbung, die bis morgen früh 8 Uhr eingeht, wird berücksichtigt.

...

"Das ist knapp, zugegeben. Aber so habe ich wenigstens die Sicherheit, dass es keine Fake-Profile oder so sind. Ich will die Leute schließlich so kennenlernen, wie sie wirklich sind. Diejenigen, die geeignet scheinen, bekommen dann von mir eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch. Sagst du ihnen das bitte?"

...

"M-hm. Das ist nicht unsere gewöhnliche Vorgehensweise, aber manchmal ist es auch ganz gut, ausgetretene Pfade zu verlassen und etwas Neues auszuprobieren. Also, ich verlass mich auf dich. Danke. Und viel Spaß noch."

Er legte zufrieden auf. Problem gelöst! Warum sollte das nicht funktionieren? Meller hatte ihm während seiner Abwesenheit ausdrücklich freie Hand bei der Auswahl neuer Mieterinnen gegeben. Und Scheibners Meinung nach umfasste das nicht nur, wen er auswählte, sondern auch, auf welche Weise.

Er war sehr zufrieden mit sich und auf dem Rückweg zum Wagen pfiff er schräg aber fröhlich eine kleine Melodie. Es war vermutlich sogar besser, bei der Auswahl neuer Mieterinnen ausnahmsweise mit dem Kopf und nicht mit dem Schwanz zu denken. Wenn sich das bewährte, würde er Meller vorschlagen, es zukünftig immer so zu machen. Seine miese Laune war vollständig verflogen.

Während der Heimfahrt übermittelte er dann noch per Sprachsteuerung eine neue Aufgabe in den Tagesplan seiner Assistentin. Sie sollte die eingehenden Bewerbungen sichten und vorsortieren. Die Kriterien dafür umriss er grob. Sie würde schon verstehen, worauf es ankam. Ursprünglich hatte er sie allein wegen ihres heißen Aussehens und ihrer tollen Figur eingestellt. Bald aber bewies sie, dass sie in ihrem hübschen Köpfchen auch einen hellen Verstand hatte. Win-win für ihn. Inzwischen konnte er sich gar nicht mehr vorstellen, wie er ohne sie auskommen sollte.

Welche Bewerberinnen bekommen eine Einladung?

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