What's next?
Sieglindes nächtliche Ausflüge
Am nächsten Morgen sagte zwar niemand vom Personal etwas, aber Vicky und James bekamen den Eindruck, dass alles sie beim Liebesspiel gehört hatten.
In den nächsten Tagen spielt sich so etwas wie Routine ein. Vicky begutachtete den Haushalt, sah sich die Zahlen des Gutes an und überlegte, wie diese zu optimieren wären, während James sein Gut besichtigte und sich die Grundlagen des Weinanbaues erklären ließ.
Die Ergebnisse dieser Begutachtungen waren durchwegs zufriedenstellend, zwar wurde schon länger nicht mehr investiert, doch das Personal war eingespielt und hielt alles gut in Schuss. James nahm dies zum Anlass ein Fest für den kommenden Rahja-Tag zu organisieren, es würde die perfekte Gelegenheit bieten, um seine Untertanen zu belohnen und auf seine Pläne einzustimmen.
Vicky war aufgefallen, dass Sieglinde und Tamira mehrmals spät abends heimgekommen waren und dabei sehr befriedigt ausgesehen hatten, sie behielt diese Beobachtung jedoch noch für sich.
Das Herrscherpärchen nutzte nicht nur die Morgen- und Abendstunden, um Rahja zu huldigen, auch für eine schnelle Nummer zwischendurch nahmen sie sich die Zeit und wurden dabei immer frecher. Vicky trug immerzu das Holzteil in ihrem Hintern, dass James nach wie vor ignorierte, aber es schien ihn auch nicht mehr zu stören. Eines Tages schoben sie eine wilde Nummer in Vickys frisch eingerichtetem Büro; zwar waren sie leise und allein, aber dadurch, dass Vicky ihr ‚verziertes‘ Gesicht erst in ihrem Zimmer säuberte, hatte sie den Geruch ihres animalischen Treibens im ganzen Schloss verteilt. Als sie auf dem Weg nach oben an Sieglinde vorbei stolzierte, war sie sich nicht sicher, ob ihre Haushälterin das Sperma nicht nur gerochen, sondern auch gesehen hatte. Sie nahm sich vor, Sieglinde nach ihrem nächsten nächtlichen Ausflug abzufangen, um herauszufinden, was das Personal vor ihnen verbarg.
Vicky war selbst lange genug Teil des Haushalts der Baronin gewesen, um zu wissen, wo die Interessen des Personals lagen und wie sie diese, an den Oberen vorbei, umzusetzen versuchten. In der Regel ging es dabei nur um Kleinigkeiten, die die Chefitäten ohnehin nicht kümmerten, solange alles rund lief.
Als Sieglinde am spät abends das Schlösschen durch den Dienstboteneingang betrat, stand auf einmal Vicky vor ihr. Vicky trug ein dünnes Cape aus weißem durchscheinendem Stoff mit nichts darunter und leichten Sandalen, weil sie im Anschluss James überraschen wollte. Sieglinde steckte in einem weiten Umhang mit Kapuze.
Vicky umrundete die überraschte Sieglinde einmal und fragte ganz scheinheilig:
„Woher kommst du - so spät in der Nacht?“ Vicky erkannte diesen Geruch.
„Ich war nur spazieren, Vögtin.“
„Das war aber ein sehr befriedigender Spaziergang?“
Sieglinde erstarrte, sie konnte und wollte nichts sagen, aber Vicky zog sie gutmütig lächelnd an der Hand in den Salon und meinte dabei lapidar:
„Ich will nur die Wahrheit wissen, vor mir musst du nichts verbergen.“
Sieglinde blieb vor einem gepolsterten Sessel stehen, immer noch nach einem Ausweg suchend. Vicky schenkte zwei Gläser Rotwein ein und trat vor die zitternde Sieglinde.
Ein paar Augenblicke sahen sie sich in die Augen, dann trat Vicky blitzschnell nach vorne und küsste sie. Sieglinde war zu keiner Reaktion mehr fähig, aber Vicky wollte sie auch nicht quälen, sie ließ von ihr ab und begann lächelnd:
„Ich kann das Sperma schmecken!“ und nach einer kleinen Pause:
„Ich habe nicht vor, jemanden zu bestrafen, der Rahja huldigt. Ich will nur die Wahrheit erfahren, ohne großes Aufsehen!“ Im Gang waren Schritte zu hören und beide wussten, dass es Tamira war, die gerade heimkam.
“Ober soll ich Tamira befragen?”
Sieglinde schüttelte den Kopf.
Vicky drückte Sieglinde in den Sessel und ein Rotweinglas in die Hand, während Tamiras Schritte leiser wurden.
Vicky ließ ihr Zeit, erst nach einer Minute prostete sie ihr zu und als sie beide einen Schluck des Weines genossen hatten, begann Sieglinde zu erzählen. Vicky erfuhr auf diesem Wege, dass sich hinter dem Bauernhof eine Mauer befand, welche die Felder von den Weingärten trennte. Diese ‘Mauer‘ war teils gemauert, teils Hecke, aber der hierfür wichtigste Abschnitt bestand aus einer Bretterwand mit einigen Öffnungen. Glimmerwein war zu klein für ein Bordell und um die Lust beider Geschlechter anonym zu befriedigen, hatten sich diese Rahja-Löcher etabliert, welche an bestimmten Tagen gut besucht wurden. Die beiden Seiten der Bretterwand waren für Männlein wie Weiblein getrennt zu erreichen. Das führte auch dazu, dass so manches Paar hier auf verschiedenen Seiten der Mauer seinen Spaß hatte, ohne den eigenen Partner auf der anderen Seite zu vermuten.
Erst nachdem Vicky Sieglinde versicherte, dass sie damit nicht nur kein Problem hätte, sondern sie sogar darum bat, sie einmal begleiten zu dürfen (, auch wenn das noch viel Vorarbeit mit James bedurfte, weil hintergehen wollte sie ihn keinesfalls), entspannte sich Sieglinde.
Ein Glas Rotwein später hatte Vicky Sieglinde grob ihre Geschichte erzählt und ihr klar gemacht, dass sie sich als nichts Besseres sah als ihre Dienerschaft. Damit war für Sieglinde auch der letzte Grund weggefallen, Geheimnisse vor Vicky und James zu haben und sie erzählte die traurige Geschichte von Tamira und ihrem verstorbenen Mann. Tamira wurde im Schloss angestellt, obwohl dies pro forma nur ledigen kinderlosen Frauen erlaubt war. Aus Solidarität hatte das Personal diesen Umstand erfolgreich vor den letzten Herrschaften verheimlicht, indem man ihre Kinder (Calista und Kasimir) als Kinder ihrer Schwägerin Yvonne ausgegeben hatte. Natürlich war Vicky nichts lieber, als diese Posse sofort zu beenden und die Kinder wieder im Schloss bei ihrer Mutter wohnen und leben zu lassen. Außerdem hatte sie Schlimmeres befürchtet und sie entließ Sieglinde in ihre Nachtruhe.
Sieglinde dachte noch lange nach, ehe sie einschlief und fortan betrachtete sie Vicky und James mit anderen Augen mit anderen Augen.
Aber auch Vickys Gedanken rasten, als sie sich auf den Weg zu James machte.
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