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Sieglinde und Lola

Chapter 78 by Geilspecht99 Geilspecht99

Unterdessen hatte Sieglinde mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. Die Dame hatte sich als Lola Tommersdottier vorgestellt und bat darum mit dem Herrn zu sprechen. Daran wäre nichts Besonderes gewesen, es war zu erwarten, dass ein neuer Lehnsherr Neugierige und Abenteurer anlockte, es könnte allerdings auch sein, dass James diese Dame anstellen wollte. Lola stand in voller Rüstung, den Helm hielt sie im Arm und schwer bewaffnet vor ihr. Sie war 1,85 Schritt groß und ohne das freundliche Gesicht, das sie anlächelte, hätte es Sieglinde mit der Angst zu tun bekommen. Sie ließ sie im Warteraum Platz nehmen und ihr Wasser bringen. Nachdem Sieglinde weder Vicky noch James im Haus finden konnte und auch keine Pferde fehlten, trat sie auf die Veranda, konnte aber niemanden erspähen. Sie rief einmal nach James, da stand wie aus dem Nichts die rothaarige Kriegerin neben ihr.

“Ihr wisst nicht, wo sie sind?“, stellte Lola fest.
“Sie sind nicht im Haus”, antwortete Sieglinde ganz automatisch, ehe sie umschaltete.
“Was geht sie das überhaupt an und was machen sie hier?”
“Vor Tagen bat mich James, spätestens morgen Mittag hier zu sein, er hat Arbeit für mich. Ich soll auf Vicky aufpassen, meinte er. Wie lange sind sie schon weg?”
Sieglinde überlegte, sie hatte gehört, dass Vicky übermorgen nochmals zu den el Dracos fahren würde und James nach Vinsalt, somit war Lolas Geschichte glaubwürdig, besonders durch ihr Auftreten.
“Vor 15 Minuten haben wir abserviert, dann hat sie niemand mehr gesehen.”
“Ist Euch heute Abend sonst irgendwas Besonderes aufgefallen?”
“Vicky war sehr unauffällig gekleidet, und sie trug keinen Schmuck, nur Blumen im Haar. Das ist eigentlich nicht ihr Stil.”
“Und die Schuhe?”
“Vicky trug nur ihre leichten Ledersandalen und James war barfuß.”
“Sehr verdächtig. Wir werden sie suchen müssen.”
“Aber..”, weiter kam Sieglinde nicht.

“Aber was? Euer Lehnsherr ist verschwunden und der einzige Bewaffnete im Umkreis von zehn Meilen bin ich. Da mir niemand entgegenkam, müssen sie von der Veranda nach Norden durch den Park sein, also los jetzt!” Lola zog ihr Bastardschwert und übernahm die Führung. Sieglinde trottete ihr hinterher, in ihr regierte die Angst, vor dem was geschehen sein könnte, vor Lola und am meisten davor, einen bösen Fehler begangen zu haben.

“Dass sie sich in den Park zurückgezogen haben, um allein zu sein, wäre das auch möglich?” fragte Lola.
“Wir wüssten es”, schmetterte Sieglinde, die sich wieder gefangen hatte, diese Möglichkeit ab.
“Wie das?”
“Die Vögtin scheint eine Vorliebe dafür zu haben, andere mithören zu lassen. Zumindest macht sie das jeden Morgen und auch jede Nacht”, sie konnte das Lachen nicht ganz zurückhalten. Möglicherweise wäre es an der Zeit die Herrschaften besser über die ungewöhnliche Akustik des herrschaftlichen Bereiches zu informieren.
“Das bedeutet leider aber auch, dass wir vom Schlimmsten ausgehen müssen.“
Sieglinde verging das Lachen wieder.

Ein paar Minuten später forderte Lola Sieglinde nochmals auf, nach den Herrschaften zu rufen.

“James, Vicky? Seid ihr hier irgendwo?”

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