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Chapter 10 by mäuschen mäuschen

Wie geht es weiter?

Sie macht sich so einige Gedanken. Hatte ihr Ex womöglich Recht?

Gretchen betrachtete sich einige Zeit mit Wohlgefallen von mehreren Seiten im Spiegel. Ihr Körper war wirklich 1A, das hatte selbst dieser Hurenbock von Ex-Freund Ihr immer wieder bescheinigt. Aber ihre Werte hingegen seien aus dem vorletzten Jahrhundert und beim Sex sei sie total verkrampft und steif wie ein Brett. Darüber hinaus den bereits erwähnten Mangel an Abenteuerlust. Sie sei Langweilig, hätte Null Komma Null Spontanität. Solche und endlos weitere Dinge hatte Alex ihr tatsächlich vorgeworfen als Begründung für seine Untreue und Hinterhältigkeit. Natürlich per WhatsApp geschickt, statt den Mumm aufzubringen, ihr das persönlich zu sagen.

Alles haltlose Vorwürfe von diesem Penner, das sagte Gretchens altbackene Seite. Jene, welche durch durch eine erzkatholische Erziehung auf dem Dorf geformt worden war, bei der selbst Sex vor der Ehe eine Sünde war. Aber eine andere Seite nagte unterbewusst unentwegt an diesem Selbstverständnis. Die Seite, die mit offenen, wissbegierigen Augen und Ohren alles in sich aufsog, was um sie herum an der Universität und in der großen Stadt geschah.

Hochnäsig und abwertend blickte Gretchens eine Seite auf viele Dinge, die sich nicht gehörten, sich nicht geziemten. Aber insgeheim und ohne das es ihr bewusst war, blickte ihre verborgene andere Seite auf genau die gleichen Dinge, und zwar mit Neugier, Sehnsucht und Verlangen nach diesen sündhaften Erfahrungen, die sie selbst niemals erleben durfte.

Und so Stand Gretchen nun vorm Spiegel und fragte sich: Was war nur verkehrt mit Ihr? Wieso konnte sie keinen Mann dauerhaft von sich begeistern? Trotz ihres wunderschönen Körpers, den sie mit regelmäßigem Schwimmen und Kampfsporttraining mehr als nur in Form hielt? Hatte Ihr Ex-Freund mit seinen ganzen Vorwürfen womöglich wirklich Recht?

War sie wirklich langweilig, und wollte nie weggehen? So ein Quatsch! Sie ging mit ihren Freundinnen von der Uni doch immer super gerne zum feiern, weil es ihr so gefiel in Clubs zu tanzen. Also eigentlich war sie ja eher introvertiert, dass wusste Gretchen schon, und daher sollte das eigentlich gar nicht ihr Ding sein. Aber in der Dunkelheit und Anonymität der Stadt auf alles zu pfeifen, sich der Musik und dem Rhythmus hinzugeben, auf der vollen Tanzfläche sich eng aneinander zu schmiegen, die heißen Körper der anderen zu spüren. Das war alles so überhaupt nicht sie selbst, und doch? Es hatte immer so etwas befreiendes, berauschendes. Und auch einfach keine Konsequenzen. Da war niemand, der sie für nicht-damenhaftes Benehmen zurechtweisen könnte. Im Club war sie wie ausgetauscht, eine andere Person. Und darum hatte auch Alex gar nicht die Augen von ihr lassen können...

Nun gut, nunja… Also nüchtern betrachtet... war sie wirklich kein einziges mal mehr in einen Club gegangen, seitdem sie Alex kennengelernt hatte. Sie hatte inzwischen auch gar nichts passendes mehr anzuziehen. Also außer diesen High Heels jetzt.

Und mit den Freundinnen von der Uni hatte sie auch keinen Kontakt mehr… Sie sei sozial beschränkt? Tja, an dem Vorwurf war dann wohl auch ein kleines Fünkchen Wahrheit, das musste sie zugeben...

Okay, okay… Aber langweilig im Bett? Total verkrampft und steif wie ein Brett? Das war ja wohl ungeheuerlich! Gretchen war nicht auf den Kopf gefallen, kannte als Informatik Lehrerin auch die einschlägigen Porno Seiten im Internet, und hatte sich das ein oder andere, natürlich rein zu Forschungszwecken versteht sich, angeschaut. Aber musste die Frau von Heute wirklich zur perversen, bisexuellen Nymphomanin mutieren, um die Männerwelt zu befriedigen? Das konnte es doch auch nicht sein, oder?

Aber ja, okay, "Licht aus" und "Blümchen Sex" war wohl wirklich nicht, was den heutigen Erwartungen entspricht… wahrscheinlich hätte man sich irgendwo in der Mitte treffen müssen…

Verdammt, hatte Alex womöglich mit allem Recht? Das konnte doch nicht sein! Wieso war das alles so kompliziert? Das Leben als Frau sollte doch sorgenfrei und einfach sein, hatte sie gelernt. Der Mann geht arbeiten und kümmert sich ums Geld. Die Frau bleibt zu Haus, ist dem Mann eine gute Ehefrau, kümmert sich um **** und den Haushalt.

Aber so war es heute nicht mehr. Die Frau von heute sollte auch emanzipiert sein und arbeiten. Zugleich gebildet sein, aber auch sportlich und auf ihr äußeres achten. Am besten aussehen wie ein Model, mit Sexappeal. Dabei verrucht und verwegen wie eine Nutte im Bett, aber zugleich züchtig und eine Jungfrau, die sich für die Hochzeitsnacht aufbewahrt.

Ach Fuck. Gretchen tat doch ihr bestes, perfekt zu sein und all diese total widersprüchlichen Erwartungen zu erfüllen! Aber das ging überhaupt nicht! Das war unmöglich! Und vor allen Dingen total unlogisch! Gretchen könnte schreien. Aber was sollten dann die Nachbarn denken?

Verdammt, wenn sie doch nur jemanden hätte, mit denen Sie über diese Themen reden könnte. Jemanden, der ihr bei diesen und anderen Problemen helfen könnte...

Ihre Mutter würde ihr etwas Husten, von ihrem Leben in Sünde und dem Höllenfeuer das sie erwartet…

Ihre ehemals beste Freundin Natalie hatte immer ein offenes Ohr gehabt… aber nun ja… so viel Stolz hatte Gretchen ja wohl noch, dass sie nicht die Frau anrief, die ihr den Freund ausgespannt hatte...

Sie war wirklich vollkommen allein und auf sich gestellt.

Tja, und dann lag noch die Visitenkarte von dieser Tamara, Erotikunternehmerin, auf dem Schreibtisch. Direkt neben den offenen Rechnungen. Das Auto musste in die Werkstatt. Und die Miete für die Wohnung… die war super geschnitten, schön groß, besonders die Küche, lag zentral… und war eigentlich viel zu teuer für sie alleine, nachdem ihr Freund abgehauen war. Aber finde heutzutage erstmal was bezahlebares neues...

Aber wie sollte ausgerechnet diese Tamara - beziehungsweise Tammy für ihre Freundinnen - ihr bei diesen Dingen helfen?

Das war ja wohl eine totale Schnapsidee, oder? Wobei, rein logisch betrachtet…

Also eine Freundin könnte Gretchen wirklich gut brauchen.

Und von wem könnte sie besser lernen, wie man heutzutage die Männer glücklich macht, als von einer echten Expertin in diesen Dingen?

Und auch in finanziell machte Tamara offensichtlich einiges richtig… während Gretchen mit Mühe und Not derzeit über die Runden kam, hatte die Unternehmerin offensichtlich keinerlei Sorgen, ganz im Gegenteil.

Und auch sonst lebte sie scheinbar sorgenfrei. Keine Fesseln von Anstand und Moral, die sie zurück hielten… wie sie ihre Kurven im hautengen Lackoutfit willig zur Schau stellte, mit ihrem offenherzigen Dekolleté unverblümten Einblick auf ihre üppige Oberweite gewährte. Wieso war da Gretchen so neidisch drauf? Sie blickte erneut in den Spiegel. Sie könnte so ein Outfit problemlos selber tragen. Und auch ihre Brüste… Gretchen, befühlte ihren eigenen Busen durch den Stoff der Bluse und ihres BHs… ja ihre eigenen Brüste waren ebenso üppig, und an denen war auf jeden Fall alles echt, wahrscheinlich im Gegensatz zu Tammy. Also nicht, dass die von Tammy deswegen irgendwie schlechter wären. Die hatten auch echt verführerisch ausgesehen. Wie die sich wohl anfühlen? Ach… verdammte Naht! Wieso dachte sie jetzt über so etwas nach? War sie jetzt auch noch sexuell verwirrt? Eins war auf jeden Fall klar. Gretchen hatte überhaupt keinen Grund neidisch zu sein! Sie brauchte bestimmt einfach nur etwas mehr Selbstbewusstsein. Und jemanden, der ihr half, aus ihrer Haut zu kommen. Ihr positiv zuspricht und Selbstvertrauen gibt. Eine echte Freundin eben…

Verdammt. Jetzt überlegte sie wirklich, sich mit einer “Erotikunternehmerin” anzufreunden?

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