What's next?
Schlüssel übergeben
Der Geruch von Formalin und Desinfektionsmittel hing schwer in der kühlen Luft des Präpariersaals. Um mich herum herrschte das geschäftige, sachliche Murmeln von Dutzenden Medizinstudenten. Weiße Kittel, Latexhandschuhe, das feine Klirren von Skalpellen und Pinzetten auf Edelstahlblechen. Es war eine sterile, rationale Welt, in der der menschliche Körper in Nervenbahnen, Gefäße und Muskelstränge zerlegt wurde.
Und mitten darin stand ich. Nach außen hin der fokussierte angehende Mediziner, der über dem Situs eines Torsos brütete und die Äste der Arteria mesenterica superior nachverfolgte.
Doch unter der dicken Schicht aus weißer Baumwolle und dunkelblauer Jeans war die Realität eine völlig andere.
Jede Gewichtsverlagerung auf dem harten Drehhocker trieb mir eine Welle dumpfen Schmerzes in den Rücken. Die zwanzig Striemen von Loonas Lederrute brannten feurig gegen den Denim-Stoff. Schlimmer noch war der Edelstahlzylinder: Bei jedem Vorbeugen drückte der starre Ring gnadenlos gegen mein gereiztes Schambein. Das Metall war längst von meiner Körperhitze angewärmt, pulsierte bei jedem Atemzug und erinnerte mich mit unerbittlicher Härte daran, dass mein eigener Körper nicht mir gehörte.
Um kurz nach zehn glitt meine Hand in die Kitteltasche. Meine Finger schlossen sich um das Smartphone.
Ein Schauer lief mir über den Nacken. Ich musste höllisch aufpassen. Wenn hier irgendjemand einen flüchtigen Blick auf mein Display erhaschte, war meine gesamte bürgerliche Existenz mit einem Schlag vernichtet.
Ich schirmte das Gerät mit dem Körper ab, drehte mich halb zur Wand und drückte vorsichtig die Seitentaste.
Das Display erwachte zum Leben.
Mir stockte der Atem. Mitten im grellen Neonlicht des Saals leuchtete mir in gestochen scharfer Auflösung das Bild von gestern Abend entgegen: Mein eigenes, schutzloses Gesäß, hochgestreckt, rot gestreift von Loonas Schlägen, mit der brennenden Stabkerze, die aufrecht zwischen meinen Backen thronte. Ein lächerliches, restlos gezähmtes Schaustück.
Darüber prangte eine neue Nachrichtenvorschau. Sie war von Loona, genau um 10:04 Uhr abgeschickt:
*„Schlüssel übergeben. Nadja und ich trinken nachher noch einen Kaffee. 15 Uhr bei mir. Sei pünktlich und zieh dich im Flur aus.“*
Die Worte brannten sich wie Säure in mein Bewusstsein. Sie hatten den Schlüssel. Nadja hatte ihn ihr vor wenigen Minuten auf dem Campus in die Hand gedrückt. Die beiden saßen zusammen, sprachen über mich, planten den Nachmittag – während ich hier im Kittel stand und den Musterschüler mimte.
„Hey, John.“
Die Stimme traf mich wie ein Peitschenhieb. Vor Schreck rutschte mir das Telefon fast aus den Fingern; panisch drückte ich das Display gegen meinen Oberschenkel, während mir das Blut aus dem Gesicht wich.
Ich drehte mich ruckartig um.
Vor mir stand Mira.
Ich hatte sie erst vor wenigen Wochen bei den Einführungstutorien kennengelernt – klug, ehrgeizig und mit einer direkten, unbefangenen Art, die mich jedes Mal verunsicherte. Sie trug ihren Kittel offen über einem eng anliegenden Rollkragenpullover, das dunkle Haar locker nach hinten gesteckt, den Blick neugierig auf mich gerichtet.
„Ganz schön schreckhaft heute“, stellte sie fest und musterte meine erstarrte Haltung mit schief gelegtem Kopf. Ihre Augen wanderten kurz an meiner steifen Haltung hinab zu meiner Hüfte, wo meine Hand noch immer krampfhaft das Telefon verdeckte. „Alles in Ordnung bei dir? Du wirkst so abwesend.“
Mein Herz hämmerte mit solcher Wucht gegen die Rippen, dass ich fürchtete, sie könne es hören. Der Zylinder unter dem Stoff spannte unbarmherzig gegen das gereizte Fleisch. In meinem Kopf explodierte das Adrenalin – die nackte Panik davor, dass eine völlig unbeteiligte, normale Kommilitonin auch nur den Hauch einer Ahnung von dem bekommen könnte, was sich hinter meiner bürgerlichen Fassade abspielte.
„Ja… alles gut“, presste ich mühsam hervor und zwang meine Stimme zu einer festen, neutralen Tonlage. „Nur… eine Nachricht von zu Hause. Ich muss mich nur kurz wieder auf den Situs konzentrieren.“
Mira musterte mich noch einen Moment lang forschend, dann trat ein leichtes Schmunzeln auf ihre Lippen.
„Du siehst ziemlich verspannt aus, John“, meinte sie halblaut und deutete mit dem Griff ihrer anatomischen Pinzette vage in meine Richtung. „Zieh nicht so 'ne Miene, der Testat-Druck erwischt uns alle. Mach dir bloß nicht zu viel Stress.“
Sie wandte sich wieder ihrem Tisch zu, um mit ihrem Präparierbesteck weiterzuarbeiten, völlig ahnungslos, welcher Abgrund nur zwei Meter neben ihr stand.
Ich atmete zittrig aus, die Knie wie aus Gummi.
Ich steckte das Telefon ganz tief in die Hosentasche, wo es hart gegen den Stahlkäfig drückte. Die Uhr an der Wand des Saals zeigte viertel nach zehn.
Noch knapp fünf Stunden. Fünf endlose Stunden, in denen ich so tun musste, als wäre ich ein ganz normaler Student – während der Countdown zu dem Moment lief, in dem ich um Punkt 15 Uhr nackt vor Loona und Nadja auf die Knie sinken würde.
Die Stunden im Saal dehnten sich wie zähes Pech. Jedes Mal, wenn die anatomische Pinzette auf das Edelstahlblech klapperte, zuckte ein Nerv in meiner Leiste. Der Zylinder saß wie ein brennender Schraubstock zwischen den Oberschenkeln, und die zwanzig Striemen auf meinem Gesäß brannten mit jedem Hinsetzen heißer gegen den rauen Denim-Stoff. Als die Zeiger der Saaluhr endlich auf viertel vor drei sprangen, war mein Kittel im Nacken feucht vor Schweiß.
Ich packte mein Besteck mit zittrigen Händen ein, verabschiedete mich mit einem knappen, heiseren Nicken von Mira und hastete hinaus in den kühlen Herbstwind.
Jeder Schritt über den Asphalt war eine physische Erinnerung an meine Gefangenschaft. Die U-Bahnfahrt verging wie im Rausch; ich sah niemanden an, starrte nur auf den schmutzigen Boden zwischen meinen Schuhen und zählte die Stationen.
Punkt 14:58 Uhr stand ich vor unserer Wohnungstür. Mein Puls hämmerte bis in die Schläfen.
Ich schloss lautlos auf und glitt in den Flur. Durch den breiten Türspalt zum Wohnzimmer drang bereits gedämpftes Gelächter, untermalt von dem feinen Klirren zweier Porzellantassen. Der Duft von frischem Kaffee mischte sich mit Loonas vertrautem Sandelholz und jener schweren, süßlichen Vanillenote, die unauslöschlich zu Nadja gehörte.
Sie waren beide da.
Ich zögerte keine Sekunde. Loonas Befehl duldete keinen Aufschub: *„Zieh dich im Flur aus.“*
Mit feuchten Fingern nestelte ich an den Knöpfen meines Hemdes, riss es herunter und ließ es auf die Garderobenbank fallen. Dann öffnete ich den Gürtel, streifte die Jeans mitsamt den Socken ab und stand vollkommen nackt im dämmrigen Flur. Mein Fleisch im stählernen Gehäuse war vom stundenlangen Druck heiß, rot gestriemt und unerträglich überreizt. Die Kanten des Zylinders schnitten tief in die Haut.
Ich sank auf alle viere, das Parkett kühl unter meinen Knien, und schob mich langsam vorwärts durch den Türrahmen ins Wohnzimmer.
Auf dem Sofa saßen sie nebeneinander.
Loona saß aufrecht, die Beine elegant übereinandergeschlagen, eine weiße Kaffeetasse in der Hand, die Kühle einer Richterin in den dunklen Augen. Neben ihr lümmelte Nadja fast provokant entspannt im Polster, die Füße in dünnen, schwarzen Feinstrumpfhosen auf den Couchtisch gelegt, ein spöttisches, hungriges Lächeln auf den blutrot geschminkten Lippen. Zwischen den Tassen auf dem Glastisch lag, auf einem schmalen Seidenband drapiert, das kleine Messingstück. Der Schlüssel.
„Pünktlich auf die Minute“, stellte Loona mit leiser, schneidender Stimme fest. Sie nahm einen kleinen Schluck Kaffee, ohne den Blick von mir abzuwenden. „Komm näher, John. Mitten vor den Tisch. Auf die Knie, Oberkörper aufrecht, Arme hinter den Rücken verschränkt.“
Ich kroch bis an die Kante des Teppichs, richtete mich mühsam auf den Knien auf und kreuzte die Handgelenke hinter den Lenden. Mein Becken war völlig ungeschützt nach vorn geschoben. Das kalte Metall des Zylinders stand wie ein Mahnmal im warmen Nachmittagslicht.
Nadja beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf die Knie und musterte mich von Kopf bis Fuß. Ihr Blick blieb an den verbliebenen roten Druckstellen und den brennenden Striemen hängen, die sich dunkel von meiner blassen Haut abhoben.
„Sieh ihn dir an“, gluckste Nadja leise, ihre Stimme samtig und voller Spott. „Gestern noch das zitternde Häufchen Elend auf meinem Teppich, heute der disziplinierte Student – und jetzt kniet er wieder genau da, wo er hingehört. Er sieht aus, als würde er gleich explodieren.“
„Das wird er nicht“, erwiderte Loona trocken, wandte sich mir zu und fixierte meine Augen. „Sprich, John. Schau Nadja an. Du berichtest ihr jetzt Wort für Wort, wie dein Tag war. Was hast du gefühlt, als du in der U-Bahn standest? Was ging in deinem Kopf vor, als dich diese Frau angerempelt hat? Und was hast du gedacht, als du vorhin im Hörsaal dein Telefon entsperrt hast?“
Ein Kloß schnürte mir die Kehle zu. Die nackte Scham brannte heißer als alle Schläge des Vorabends. Ich musste Nadja in die meerblauen Augen blicken, die mich gestern am Boden gesehen, die mich unter sich begraben hatten.
„Ich…“, meine Stimme versagte kurz, brach in ein heiseres Flüstern aus. „Ich hatte Todesangst. Als die Frau mich in der Bahn berührt hat… dachte ich, sie merkt das Metall. Sie merkt, was ich bin.“
„Und?“, hakte Nadja süffisant nach. Sie zog eine Augenbraue hoch und strich sich langsam eine blonde Strähne hinter das Ohr. „Hast du dich geschämt?“
„Ja“, presste ich hervor, während der Puls in meinen Ohren dröhnte. „Aber… es war mehr als das. Ich wollte es. Ich wollte, dass sie es sieht. Ich… ich habe die Stiefel einer Frau im Abteil angestarrt und wollte mich vor allen Leuten auf den Boden werfen und das Leder ablecken.“
Ein helles, rauchiges Lachen entfuhr Nadja. „Gott, Loona, du hast recht gehabt. Er ist absolut krank danach. Ein richtiger kleiner Suchti.“
„Er hat keine Kontrolle mehr über sich“, sagte Loona kühl, stellte ihre Tasse ab und erhob sich langsam vom Sofa. „Und genau deshalb braucht er dieses Schloss. Nicht wahr, John?“
„Ja, Loona“, keuchte ich, unfähig, den Blick zu senken.
Loona trat vor mich, und im selben Moment rutschte auch Nadja von den Polstern auf die Knie und schob sich dicht an meine linke Seite. Plötzlich war ich eingekeilt zwischen ihnen. Der Geruch ihrer Parfüms schnürte mir den Atem ab.
Nadja hob die Hand, ihre langen, gepflegten Fingernägel strichen über meine Schläfe, glitten langsam an meinem Hals hinab und gruben sich sanft, fast neckend in meine Schulter.
„Er glüht regelrecht“, flüsterte Nadja dicht an meinem Ohr, ihr heißer Atem traf meine Wange. „Spür mal, wie sein Herz rast.“
Loona antwortete nicht mit Worten. Sie ging vor mir in die Hocke. Ihre kühlen, ruhigen Finger glitten über meine Oberschenkel, strichen an der Innenseite entlang und schlossen sich schließlich um das stählerne Gehäuse.
Ein scharfer, heiserer Laut entfuhr mir. Der Kontrast zwischen Nadjas weicher Wärme an meinem Nacken und Loonas unbarmherzigem Griff an meinem Siegel riss jede verbliebene Sicherung in meinem Gehirn nieder.
„Ganz ruhig“, befahl Loona, während ihre Finger mit mörderischer Präzision an die offenen Schlitze des Zylinders glitten, dorthin, wo das Fleisch geschwollen und dunkelrot gegen die Streben presste. Sie übte nur den Bruchteil eines Drucks aus, eine winzige, rhythmische Bewegung gegen das gefangene, überreizte Gewebe. „Du bewegst dich nicht. Und du wagst es nicht zu kommen.“
„Loona… bitte…“, stammelte ich in nackter Verzweiflung, während meine Hüfte unwillkürlich zuckte. Das Fleisch im Zylinder war durch die Stunden der Enge und den massiven Druck so übersensibel, dass die bloße Berührung ihrer Fingerspitzen wie glühende Nadeln durch mein Nervensystem schoss. „Ich… ich kann nicht… es geht nicht mehr…“
„Halt es“, zischte sie leise, ihre Augen bohrten sich erbarmungslos in meine. „Zwing deinen Körper, mir zu gehorchen.“
Doch es gab kein Halten mehr. Die Kombination aus Nadjas spöttischem Atem an meinem Hals, Loonas kühlen Fingern am Stahl und der grenzenlosen, vernichtenden Demütigung dieser Beichte brachte das Fass zum Überlaufen.
Mein Körper kollabierte innerlich.
„Nein… nein!“, keuchte ich, riss den Kopf in den Nacken, während meine Bauchmuskeln krampfhaft zusammenzuckten.
Ein dumpfer, fast lautloser Ruck ging durch meine Lenden. Das Fleisch im Zylinder bäumte sich mit aller Gewalt auf, suchte verzweifelt nach Raum, um sich auszudehnen – und wurde von den massiven Stahlringen sofort zermalmt. Die Ejakulation brach durch, doch es gab keine Erlösung, keine reinigende Welle der Befreiung. Es war ein verstümmelter, ruinierter Orgasmus: Ein kurzer, brennender Schmerz, der durch die Harnröhre riss, gefolgt von einem unvollständigen, tauben Pochen, während die Flüssigkeit heiß und klebrig gegen die Innenwand des Zylinders spritzte und langsam an den Streben herablief.
Ich sank nach vorn, zitternd wie Espenlaub, die Stirn auf den kühlen Teppich gepresst, nach Luft ringend.
Vollkommene Stille legte sich über den Raum.
Dann erklang Nadjas leises, amüsiertes Kichern. „War das etwa schon alles? Nicht mal eine Minute hat er ausgehalten. Wie erbärmlich.“
Das Wort setzte sich in mir fest, noch bevor jemand mich berührte. Erbärmlich. Nicht weil sie es sagte, sondern weil ich es in dem Moment selbst glaubte: der ruinierte Stoß im Stahl, die Hitze, die keine Erlösung gewesen war, nur ein Auslaufen vor zwei Frauen, die Kaffee tranken. Die Scham kam nicht als Gedanke. Sie kam als Hitze im Gesicht, als Enge in der Kehle, als der Wunsch, im Teppich zu verschwinden und der gleichzeitige, schlimmere Wunsch, dass sie weiter zusahen.
Loona zog ihre Hand nicht zurück, um sie wegzuwischen. Sie hielt die feuchten Finger im Nachmittagslicht, betrachtete die klebrigen Fäden zwischen Daumen und Zeigefinger und sah dann zu Nadja.
„Komm her“, sagte sie ruhig. „Er hat das gemacht. Er räumt es auch auf.“
Nadja lachte leise, rutschte näher und strich mit zwei Fingern über den unteren Rand des Zylinders, dort, wo es warm und nass zwischen den Streben hervorquoll. Jede Berührung an dem Metall war wie ein Finger auf einer Wunde. Ich wusste, was an ihren Händen klebte. Ich wusste, dass ich es gleich schmecken würde. Der Ekel und die Erregung lagen so nah beieinander, dass ich sie nicht mehr trennen konnte.
Loona packte mich im Nacken und zog meinen Kopf hoch. Dem Blick auszuweichen war nicht mehr möglich. Ich sah ihre Augen, sah Nadjas Mundwinkel, sah die Tassen auf dem Tisch und den Schlüssel, der niemand mir gab.
„Mund auf. Zunge raus. Du leckst zuerst meine Finger, dann ihre. Danach bleibt der Mund offen. Du schluckst erst, wenn ich es sage.“
Ich gehorchte, weil Gehorsam das Einzige war, das noch stand, als der Stolz schon weg war. Ihre Finger schoben sich über meine Zunge, bitter, salzig, unverkennbar ich, vermischt mit dem Geruch des Metalls. In mir stieg es heiß hoch: nicht nur Scham über den Geschmack, sondern Scham darüber, dass ich die Lippen schloss und leckte, statt den Kopf wegzudrehen. Dass ein Teil von mir dankbar war, überhaupt noch eine Aufgabe zu haben.
„Weiter“, murmelte Loona. „Sie hat dich auch angefasst.“
Nadjas Finger folgten, weniger geduldig, tiefer. Ich schmeckte sie und mich und das Schloss und dachte an den Hörsaal, an Mira, an den weißen Kittel – und daran, dass derselbe Mund vor einer Stunde noch über Anatomie gesprochen hatte. Die Erniedrigung war so vollständig, dass sie fast ruhig wurde. Ein dumpfes, brennendes Wissen: Das bin ich jetzt. Das sehen sie. Das lasse ich zu.
Als beide Hände sauber waren, ließ Loona meinen Nacken nicht los. Sie beugte sich so nah, dass ich nur noch ihre Augen sah.
„Offen bleiben.“
Sie sammelte Speichel und spuckte mir direkt in den Mund, warm, genau, ohne Eile. Ein zweiter Schwall traf Wange und Kinn und lief langsam zur Lippe. Etwas in mir wollte sich schütteln, wollte den Mund zu machen. Ich tat es nicht. Die Scham kochte hinter den Augen, heiß und nass, und darunter lag diese andere, dunklere Schicht, die ich vor mir selbst nicht mehr leugnen konnte: dass mich genau dieses Offenhalten härter im Stahl pochen ließ als der Orgasmus, der keiner gewesen war.
Nadja beugte sich von der anderen Seite heran, lachte leise und tat dasselbe: zuerst auf die Zunge, dann über Stirn und Wange, bis es sich mit dem mischte, was schon auf meiner Haut lag. Ihr Lachen schnitt tiefer als die Feuchtigkeit. Ich war ihr Amusement. Ich war der Nachmittagskaffee. Ich war das, worüber man den Kopf schüttelt und trotzdem nicht aufhört.
„Schluck“, sagte Loona. „Alles, was im Mund ist. Das andere lässt du sitzen. Du wischst dir nichts ab.“
Ich schluckte. Der Geschmack blieb. Auf dem Gesicht blieb es feucht und kalt, und ich spürte jeden Zentimeter davon wie eine Markierung, die nicht für mich gedacht war, sondern für sie – damit sie sahen, was aus dem Mann geworden war, der pünktlich um 14:58 die Tür aufgeschlossen hatte.
Loona wischte sich die Finger an meiner Unterlippe ab und trat einen Schritt zurück. Nadja strich mir mit dem Daumen über die nasse Wange, nicht um mich zu säubern, sondern um es zu verteilen. Ich hätte weinen können. Stattdessen zitterte ich nur und hielt den Blick, weil Wegsehen eine Würde gewesen wäre, die mir in diesem Raum nicht mehr zustand.
„Genau das habe ich erwartet“, sagte Loona mit schneidender Ruhe und blickte hinüber zum Beistelltisch, wo der Schlüssel unberührt auf dem Seidenband lag. „Nicht der Hauch von Disziplin. Du bist in deiner eigenen Schwäche ertrunken, John.“
Sie ließ mich auf den Knien, den Mund leer, das Gesicht nass. Die Scham saß jetzt nicht mehr nur im Gesicht. Sie saß im ganzen Körper, schwer und warm, und irgendwo darunter, gegen den Stahl, pochte immer noch dasselbe elende Ja.
„Das Schloss bleibt zu. Für heute, für heute Nacht – und vielleicht auch für das ganze Wochenende. Du bleibst in dieser Suppe sitzen, bis du gelernt hast, was es bedeutet, meine Erlaubnis abzuwarten.“
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