What's next?
Rückführung
Der Herbstwind schlug mir mit voller Härte ins Gesicht, als ich aus dem U-Bahnschacht ins Freie trat. Mein Körper war ein einziges Spannungsfeld: Die getrockneten Wachsschichten zogen an den feinen Härchen auf meiner Brust, der getrocknete Wein klebte süßlich-herb auf meiner Haut, und jeder einzelne Schritt ließ das eiskalte Metall des Zylinders gegen die gereizte Leiste schlagen.
Ich war nicht mehr der Mann, der heute Vormittag die Wohnung verlassen hatte. Jeder Meter Pflasterstein brachte mich näher an den Punkt, an dem die Fäden dieses Tages zusammenlaufen mussten.
Das Mietshaus, in dem ich mit Loona wohnte, lag ruhig in der Seitenstraße. Die vertraute Altbaufassade wirkte wie ein stummes Monument. Mit tauben Fingern kramte ich den Hausschlüssel hervor, schloss die schwere Holztür auf und glitt in den schummrigen Hausflur.
Stufe für Stufe stieg ich empor. Kein Nachbar kreuzte meinen Weg, doch mein Puls hämmerte so laut in den Schläfen, dass es mir vorkam, als würde das gesamte Treppenhaus mein Keuchen hören.
Vor unserer Wohnungstür hielt ich an.
Ich brauchte nicht zu schließen. Die Tür war nicht fest im Schloss – sie stand einen millimeterbreiten Spalt offen. Ein schmaler, warmer Lichtstreifen fiel auf die Fußmatte. Sie hatte auf mich gewartet. Sie wusste auf die Minute genau, wann die U-Bahn ankam.
Mein Herz stolperte. Ich atmete zittrig aus, legte die flache Hand gegen das Holz und drückte die Tür langsam auf.
Der vertraute Duft unseres Zuhauses schlug mir entgegen: schweres Sandelholz, ein Hauch von Lederpolitur und die kühle Frische gelüfteter Räume. Es war vollkommen still, bis auf das leise, rhythmische Klacken von Absätzen, das aus dem Wohnzimmer drang.
„Schuhe aus, Jacke aus“, erklang Loonas Stimme.
Sie war nicht laut, nicht schneidend, sondern getragen von dieser tiefen, unangreifbaren Ruhe, die mir schon immer den Boden unter den Füßen weggezogen hatte.
„Und dann ziehst du die Hose aus und kommst auf Knien herein.“
Mein Körper gehorchte, noch ehe mein Verstand die Tragweite begreifen konnte. Ich streifte die Turnschuhe ab, legte die Jacke auf die Garderobenbank und griff nach dem Bund der grauen Jogginghose. Als der Stoff über meine Beine glitt, trat die nackte, ungeschminkte Realität zutage: Die gelben Wachsplaketten auf meiner Brust, die dunkelroten Rinnsale von Nadjas Lippen und der stählerne Käfig, der vollkommen gespannt und matt glänzend zwischen meinen Schenkeln stand. Ohne Unterwäsche, ohne jeden Schutz.
Ich sank auf die Knie. Das Parkett des Flurs war glatt und kühl. Mit gesenktem Kopf schob ich mich Schritt für Schritt vorwärts, um die Ecke, hinein in das sanft beleuchtete Wohnzimmer.
Loona stand am Fenster, ein Glas Weißwein in der Hand. Sie trug eine schlichte, schwarze Seidenbluse und eine feine Stoffhose. Sie drehte sich erst um, als ich die Mitte des Raumes erreicht hatte und bewegungslos auf den Fersen verharrte.
Ihr Blick war wie ein Skalpell.
Langsam, ohne ein Wort, glitten ihre dunklen Augen an mir hinab. Sie sah die getrockneten Weinschlieren auf meinem Schlüsselbein. Sie sah die dicken Wachstropfen um meine Brustwarzen. Und schließlich fixierte sie die gelbe Kruste, die Nadja direkt über das Schambein und den Silikonring gegossen hatte – eine buchstäbliche Versiegelung des Stahls auf meinem Fleisch.
Ein kaum merkliches, weiches Aufatmen ging durch ihre Gestalt. Der strenge Zug um ihre Mundwinkel glättete sich.
Sie stellte das Glas auf die Fensterbank, trat mit langsamen Schritten auf mich zu und ließ sich direkt vor mir auf die Knie sinken. Wir waren auf Augenhöhe.
Sie griff nicht hart zu. Mit beiden Händen umfasste sie sanft meine Wangen, strich mit den Daumen über meine Schläfen und zog meine Stirn behutsam an ihre Schulter.
„Ganz ruhig“, hauchte sie mir ins Haar. Ihre Stimme war plötzlich voller Wärme, fast mütterlich weich. „Du hast es geschafft, John. Du bist hier. Bei mir.“
Ein erstickter Laut brach aus meiner Brust. Die ganze aufgestaute Todesangst, die Demütigung im Treppenhaus, der Rausch in der U-Bahn – alles stürzte in sich zusammen. Ein heißes Schluchzen schüttelte meine Schultern, während ich mein Gesicht in den weichen Seidenstoff ihrer Bluse vergrub. Sie hielt mich einfach fest, wiegte mich leise, während ihre Hand beruhigend über meinen verspannten Nacken strich.
„Ich habe jede Sekunde gesehen“, flüsterte sie dicht an meinem Ohr. „Ich habe gesehen, wie sie dich getestet hat. Wie sie versucht hat, dich zu zerbrechen. Und du bist standhaft geblieben. Du hast an mich gedacht. Du hast dich gefügt, weil du wusstest, dass ich über allem stehe.“
Sie löste die Umarmung langsam, sah mir tief in die tränennassen Augen und wischte eine Träne von meiner Wange.
„Du warst unglaublich brav, mein Junge. Vollkommen gehorsam.“
Ein winziger Funke von Frieden breitete sich in meiner Brust aus. Sie verurteilte mich nicht. Sie nahm mich an – genau so, besudelt und erniedrigt, wie ich war.
Doch dann glitt ihre Hand von meiner Wange hinab. Ihre Finger fuhren über mein Brustbein, kratzten sachte über eine der harten Wachskanten und wanderten weiter nach unten, bis sie den eiskalten Zylinder umfassten. Ein zarter, aber unnachgiebiger Druck baute sich auf.
Ihr Blick veränderte sich wieder, das sanfte Auffangen wich der unerbittlichen Klarheit der Herrin.
„Aber die Lektion ist noch nicht vorbei“, murmelte sie, und ihre Stimme nahm jenen tiefen, samtigen Klang an, der mein Blut augenblicklich wieder entflammte. „Du hast dich von einer anderen Frau zeichnen lassen. Du hast ihr gedient. Das war mein Auftrag an dich – aber jetzt bist du wieder in meinem Haus.“
Sie stand langsam auf, ging hinüber zur Kommode und nahm die geflochtene Lederrute auf, die auf der schwarzen Holzplatte bereitlag. Das feine Leder zischte leise, als sie es durch die Luft gleiten ließ.
„Kriech herüber zum Sofa“, befahl sie mit ruhiger, unmissverständlicher Strenge und deutete mit der Spitze der Rute auf den Teppich. „Leg dich flach auf den Bauch. Und wage es nicht, auch nur ein einziges Stück dieses Wachses abzulösen. Jeder einzelne Tropfen bleibt genau dort, wo sie ihn hingesetzt hat, bis ich morgen nach unserer BWL-Vorlesung an der Uni den Schlüssel von ihr persönlich entgegennehme.“
Sie stellte sich über mich, während ich auf allen vieren zum Sofa glitt, und blickte kühl auf meinen nackten Rücken hinab.
„Und bevor du heute Nacht schläfst, John, brennen wir Nadjas Spuren aus deinem Gedächtnis. Ich werde dafür sorgen, dass dein Körper ganz genau weiß, wer deine wahre Besitzerin ist.“
„Nicht so flach, John“, schnitt Loonas Stimme durch die Stille, kühl und unmissverständlich. „Du liegst hier nicht, um dich auszuruhen.“
Sie trat einen Schritt vor, und die Spitze ihres zierlichen Schuhs schob sich fordernd unter meine Hüfte.
„Knie anziehen. Hintern hoch. Streck ihn mir entgegen. Kopf und Brust bleiben flach auf dem Teppich. Die Beine weit genug, dass ich sehe, was du den ganzen Nachmittag mit dir herumgetragen hast.“
Mein Körper gehorchte. Ich zog die nackten Knie über die rauen Wollfasern heran, drückte die Brust tief auf den Boden und schob das Becken steil in die Höhe. Die Pose war eine Bloßstellung ohne Theater: das Gesäß ungeschützt, die Beine leicht gespreizt, der Zylinder nach unten hängend, das getrocknete Wachs an der Schamwurzel bei jeder Bewegung scharf an der Haut.
Hinter mir erklang das leise, trockene Zischen der geflochtenen Lederrute.
„Du zählst jeden einzelnen laut und deutlich“, sagte Loona, und ihre Schritte umkreisten mich langsam. „Laut genug, dass ich es höre. Klar genug, dass du selbst mitzählst. Wenn du eine Zahl verschluckst oder wegrutschst, fangen wir wieder bei eins an. Es werden zwanzig. Verstanden?“
„Ja, Loona“, presste ich heiser gegen den Teppich. „Zwanzig. Ich zähle.“
*Patsch.*
Der erste Hieb schnitt quer über die linke Pobacke. Ein brennendes, weißes Feuer explodierte im Gewebe. Die Muskeln spannten sich, doch die Furcht vor einem Neustart riss den Mund auf.
„Eins. Danke, Loona.“
„Brav“, sagte sie nur.
*Patsch.*
Rechts, symmetrisch, auf gleicher Höhe. Der dumpfe Schlag hallte, dann die Hitze.
„Zwei. Danke, Loona.“
Bei ihr war es kein chaotischer Rausch wie bei Nadja. Es war ein Gesetz. Eine Rückführung.
*Patsch.*
Tiefer, in die Falte zwischen Gesäß und Oberschenkel.
„Drei. Danke, Loona.“
„Sie hat dich getestet“, sprach sie weiter, während die Rute über die glühende Haut strich. „Sie wollte sehen, wie weit du gehst. Du hast standgehalten, weil du wusstest, wer am Ende auf dich wartet. Das ändert nichts daran, dass du heute Nacht wieder bei mir lernst, wie man zählt.“
*Patsch.*
„Vier. Danke, Loona.“
Die nächsten Hiebe setzten sich in gleichmäßigem Abstand. Fünf. Sechs. Sieben. Acht. Jeder mit Zahl und Dank, die Stimme nach dem siebten schon brüchiger. Nach dem zehnten hielt sie inne, nicht aus Schonung, sondern um die Rute tiefer wandern zu lassen – unter das Gesäß, zwischen die gespreizten Schenkel, genau dorthin, wo der Käfig das Empfindliche nicht ganz verbarg.
„Die nächsten treffen nicht nur den Hintern“, sagte sie ruhig. „Du bleibst trotzdem oben. Du zählst trotzdem.“
*Patsch.*
Der Schlag saß tiefer, der Lederriemen küsste die Hoden unter dem Stahl, ein dumpfer, übler Schmerz, der mir die Luft wegnahm.
„Elf“, keuchte ich. „Danke, Loona.“
Zwölf und dreizehn folgten auf das Gesäß. Vierzehn wieder tiefer, knapp am Silikonring, ein Laut, den ich gerade noch in eine Zahl zwängte. Fünfzehn auf beide Wangen. Sechzehn noch einmal zwischen die Beine, kürzer, genauer. Siebzehn, achtzehn auf das schon brennende Fleisch. Neunzehn tief. Zwanzig fest und mittig.
„Zwanzig. Danke, Loona.“
Die Rute sank. Ich blieb in der Haltung, das Becken zitternd, der Teppich nass unter der Stirn.
„Bleib so“, sagte sie. „Du hast den ganzen Nachmittag Wachs auf der Haut getragen, als gehörte es zu dir. Dann darfst du jetzt auch zeigen, wofür man es sonst benutzt.“
Sie ging zum Beistelltisch. Das leise Kratzen einer Streichholzschachtel. Der Geruch von Schwefel, dann Wachs. Als sie zurückkam, hielt sie eine schlanke Stabkerze in der Hand, den Docht noch unberührt, das untere Ende warm von ihren Fingern.
„Becken noch ein Stück höher. Und entspann dich, soweit du kannst. Ich stecke sie dir nicht, um dich zu zerstören. Ich stecke sie dir, weil du offenbar stehst auf das, was sie dir auf die Haut geträufelt hat – und weil ein Körper, der so dient, auch etwas halten kann.“
Das Wachs am Ansatz war kühl und glatt. Der Druck kam langsam, bestimmt, bis die Kerze saß und aufrecht aus mir ragte, ein lächerliches, heiliges Bild: nackt, versiegelt, der Hintern rot gestreift, eine Kerze als Halterung. Loona zündete den Docht. Das kleine Licht flackerte über den Teppich, über den Stahl, über meine Schulterblätter.
Sie holte mein Handy vom Couchtisch, entsperrte es mit meinem Gesicht, weil sie das konnte, und trat seitlich.
„Nicht bewegen. Atme flach, sonst tropft es dir über die Schenkel, bevor ich fertig bin.“
Der Auslöser klickte einmal, zweimal. Sie prüfte das Bild, nickte kaum merklich und tippte.
„Das geht an Nadja“, sagte sie, während sie sprach, schon bei den Einstellungen. „Damit sie sieht, dass ihr Kunstwerk angekommen ist und dass ich es nicht einfach abwasche. Und das hier…“ Ein zweites Tippen. „…bleibt bei dir. Hintergrundbild. Wenn du morgen in der Anatomie das Telefon aufklappst, siehst du zuerst das, was du heute Abend gewesen bist. Nicht den Stundenplan.“
Sie löschte die Flamme zwischen zwei Fingern, zog die Kerze langsam heraus und legte sie beiseite. Erst dann strich ihre Hand über die brennenden Striemen, kühl, prüfend.
„Aufstehen, John“, sagte Loona mit ruhiger, unnachgiebiger Stimme und legte die Rute zur Seite. „Ab ins Bad. Warm abduschen. Wasch das Wachs und den Wein von deiner Haut, damit du morgen in der Vorlesung nicht danach riechst. Die Striemen bleiben unberührt. Das Schloss fasst du nicht an.“
Ich nickte stumm, stemmte mich mühsam vom Teppich hoch und schleppte mich mit zitternden Beinen ins Badezimmer.
Ich drehte das warme Wasser auf, ließ die Badezimmertür jedoch einen Spaltbreit offen. Das Rauschen der Brause füllte den Raum, doch mein Gehör war geschärft wie das eines Tieres. Durch den Türspalt sah ich, wie Loona nach meinem Smartphone griff. Mit geübter Hand entsperrte sie das Gerät, wählte das Foto der brennenden Kerze auf meinem gestreckten, rot gestreiften Hintern aus und legte es als Sperr- und Hintergrundbild fest. Ein stummer, unübersehbarer Anker für den kommenden Tag.
Gleichzeitig öffnete sie ihren Chat mit Nadja.
Sie tippte eine kurze Zeile:
„Er ist versiegelt angekommen. Lektion sitzt.“
Dazu schickte sie das Foto. Kaum eine halbe Minute später vibrierte Loonas Telefon. Keine Textnachricht, sondern eine Sprachmemo. Loona schaltete nicht auf stumm, sondern drückte direkt auf Lautsprecher.
Ich hielt den Duschkopf an, das warme Wasser lief lautlos an meinen Beinen herab, während ich regungslos am Spalt lauschte.
Ein helles, dreckiges Lachen schallte aus den Lautsprechern in den Flur – Nadjas unverwechselbare, rauchige Stimme, untermalt vom leisen Klirren eines Weinglases:
„Oh Gott, Loona…“ Sie lachte wieder auf, ein heiseres, amüsiertes Glucksen. „Das Bild ist absolut herrlich! Ich fasse es nicht, dass du ihm tatsächlich eine Kerze reingesteckt hast. Wie verdammt heiß ist das bitte?“
Eine kurze Pause entstand, in der sie hörbar einen Schluck Wein nahm.
„Du hättest sein Gesicht sehen müssen, als ich ihn nackt in den Flur gejagt habe. Er stand völlig neben sich vor Panik, ein einziges zitterndes Häufchen Elend. Aber dass du ihn jetzt so hinlegst… verdammt, du weißt echt, wie man ihn anpackt. Ich habe den Schlüssel hier bei mir auf dem Nachttisch liegen. Morgen um zehn im Audimax gebe ich ihn dir zurück. Bis dahin gehört er ganz dir allein.“
Das feine Knacken beendete die Aufnahme.
In mir zog sich alles zusammen. Die Scham brannte heißer als das Duschwasser auf meiner gereizten Haut, doch gleichzeitig jagte mir Nadjas offene Belustigung über meine Erniedrigung eine neue, perverse Welle von Hitze durch die Lenden. Die beiden Frauen sprachen über mich wie über ein amüsantes Ausstellungsstück, das man nach Belieben herumreichte.
Als ich aus dem Bad trat, dampfend, die Haut sauber, aber die roten Striemen auf meinem Gesäß pochend und der kalte Stahl fest um mein Fleisch geschlossen, wartete Loona in der Küche. Auf der Anrichte standen zwei Teller mit warmen Nudeln. Sie ließ mich am Tisch sitzen, schob mir einen Teller hin und beobachtete ruhig, wie ich mit noch immer zitternden Händen aß. Es war eine stumme, funktionale Fürsorge, die mein rasendes Nervensystem langsam wieder erdete.
Danach ging sie voraus ins Schlafzimmer.
Als ich das Zimmer betrat, lag sie bereits unter der Decke, angelehnt an das Kopfteil, das Licht auf dem Nachttisch gedimmt.
„Komm her“, sagte sie leise und schlug die Decke zurück.
Ich glitt vorsichtig zu ihr, bedacht darauf, mit den brennenden Striemen nicht am Laken zu scheuern. Die Kühle des Bettes wich sofort der tiefen, vertrauten Wärme ihres Körpers. Ich rutschte nah an sie heran, vergrub mein Gesicht an ihrem Hals und atmete ihren Duft ein.
Loona legte einen Arm fest um meinen Nacken, zog mich an sich und vergrub ihre Finger in meinem noch feuchten Haar.
„Du hast das gut gemacht heute“, murmelte sie gegen meine Stirn. Ihre Hand glitt langsam über meine Schulter, tastete über meinen Bauch und legte sich schwer und besitzend auf das kalte Metall des Zylinders. Sie hielt ihn einfach fest, spendete ihm ihre eigene Körperwärme und erinnerte mein Fleisch stumm daran, wer die Fäden hielt.
Dann führte sie meine Hand langsam an ihren eigenen Körper.
„Verwöhn mich, John“, flüsterte sie dicht an meinen Lippen. „Ganz ruhig. Nimm dir Zeit.“
Meine Finger glitten über ihre weiche Haut, vorsichtig, voller Andacht und Dankbarkeit dafür, dass sie mich nach dem Sturm wieder in ihren Hafen gelassen hatte. Während mein eigener Körper fest verschlossen und unberührt blieb, konzentrierte sich jeder meiner Sinne vollkommen auf sie – auf ihre leisen Atemzüge, das sanfte Zittern ihrer Schenkel und das wohlige Seufzen, das ihr entwich, als sie sich ganz an mich schmiegte.
Als sie schließlich ihren Kopf an meine Brust legte und mich fest umarmte, war der Rausch der Straße verflogen. Die Kerzen, das Wachs, Nadjas Stiefel – all das war zu einer fernen Erinnerung geworden, versiegelt unter dem Schloss an meinem Schambein.
In ihren Armen überkam mich ein Gefühl vollkommener, fast schmerzhafter Geborgenheit. Die ständige, nagende Unruhe der letzten Tage – das Zittern vor dem nächsten Kontrollverlust, die Angst vor den Blicken der Welt und das finstere Echo von Emmas Demütigungen – fiel mit einem Mal von mir ab wie eine tonnenschwere Last. Hier, in diesem Bett, an ihrer Seite, gab es keine Ungewissheit mehr. Ich musste mich nicht verstellen, musste keinen Stolz vortäuschen und keine Fassade aufrechterhalten.
Loona kannte jeden meiner Abgründe, jede Schwäche, jedes quälende Verlangen, und sie verurteilte mich nicht dafür. Sie nahm es, formte es nach ihren Regeln und gab mir damit genau den Halt, den ich allein niemals gefunden hätte. Der kalte Chirurgenstahl zwischen meinen Beinen, der mein Fleisch unbarmherzig gefangen hielt, fühlte sich in diesem Moment nicht mehr wie eine Strafe an, sondern wie ein festes Versprechen: Ich war ihr Besitz, und genau darum war ich sicher.
Ihre Wärme strömte durch meine müden Knochen, ihr gleichmäßiger Atem strich sanft über meinen Schlüsselbeinknochen, und ihre Finger lagen noch immer schützend auf meinem Bauch. Es war die reinste Form von Frieden, die mein zerrüttetes Nervensystem je gekannt hatte – eine Geborgenheit, die paradoxerweise erst durch meine vollkommene Unterwerfung möglich geworden war.
Mit ihrem leisen Herzschlag am Ohr und dem dumpfen Pochen der Striemen, die mich an ihre Gegenwart erinnerten, glitt ich endlich hinab in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
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