What's next?
Heimweg
Sie zog mich hoch, doch bevor ich nach dem Stoff auf dem Parkett greifen konnte, schob sie meine Hände mit einer schroffen Bewegung beiseite.
„Nicht so hastig“, sagte sie leise. „Du hast dir noch gar nichts verdient.“
Ich stand nackt mitten im Raum, die Knie weich, der Körper von kalten Schauern überzogen. Das getrocknete Wachs spannte wie ein zersplitterter Schild über meiner Brust, am Bauch und tief unten an der Schamwurzel, wo der kühle Stahl des Zylinders unnachgiebig gegen das gereizte Fleisch drückte.
Nadja wandte mir den Rücken zu. Langsam, mit einer aufreizenden, fast trägen Eleganz, ging sie hinüber zum Schlafzimmer. Ich wagte nicht, mich zu rühren; mein Blick klebte an ihren geschmeidigen Bewegungen. Sie griff nach einem seidig schimmernden, schwarzen Spitzen-Bralette, das sie sich über die Brüste zog, und schlüpfte in einen schmalen, hoch sitzenden Slip, der ihre Hüften betonte. Darüber warf sie sich ein enges, smaragdgrünes Wickelkleid aus schwerem Samt, das sich wie eine zweite Haut an ihren Körper schmiegte. Sie band den Gürtel mit einer beiläufigen Schleife fest, schüttelte ihre blonden Haare auf und trat vor den Spiegel, um ihre Lippen mit einem dunklen, fast blutroten Stift nachzuziehen.
Sie sah atemberaubend aus. Eine unnahbare, makellose Frau, der man im Vorbeigehen auf der Straße den Kopf verdrehte – und die mich vor wenigen Minuten noch unter sich begraben, mit heißem Wachs gezeichnet und am Boden zerstört hatte.
Sie griff nach einem Paar feiner, kniehoher Lederstiefel, schlüpfte hinein und zog die Reißverschlüsse mit zwei scharfen, sirrenden Lauten hoch. Die spitzen Absätze klackten dumpf auf dem Parkett, als sie wieder vor mich trat.
„Auf die Knie, John“, befahl sie kalt. „Zum Abschied.“
Ich sank sofort hinab. Das Holz brannte unter meinen Knochen. Nadja streckte den rechten Fuß leicht nach vorn. Das schwarze Glattleder spiegelte das warme Licht der Deckenlampe.
„Beide“, verlangte sie, und ihre Augen verengten sich zu zwei schmalen, unbarmherzigen Schlitzen. „Den Staub von der Straße. Bedank dich dafür, dass ich dir gezeigt habe, was du wirklich bist.“
Ich beugte mich tief vor, stützte die Hände auf den Boden und presste meine Lippen auf die schmale Kappe ihres rechten Stiefels. Das Leder schmeckte nach Politur, feuchtem Asphalt und einer kühlen, erdrückenden Übermacht. Ich leckte über das weiche Material, spürte das feste Holz des Absatzes gegen mein Kinn und wechselte zum linken Fuß. Mein Atem beschlug das makellose Schwarz, während das Fleisch im Stahlrohr vor Schande und unbändiger Lust wild gegen die Kanten hämmerte.
„Brav“, flüsterte sie, trat einen Schritt zurück und bückte sich nach meinen Sachen.
Sie raffte meine Sachen zusammen, doch statt sie mir zu reichen, wandte sie sich mit geschmeidigen Schritten zur Wohnungstür. Der schwere Stoff ihres smaragdgrünen Samtkleides raschelte leise, die spitzen Absätze ihrer kniehohen Lederstiefel klackten hart auf den Dielen.
Mit einem Ruck zog sie die schwere Altbautür auf. Die kühle, leicht muffige Zugluft des Treppenhauses drang sofort herein, ein eisiger Hauch, der meine nackte, von Wachs und getrocknetem Wein verklebte Haut wie Nadelstiche traf.
„Raus mit dir, John“, befahl sie leise, lehnte sich mit der Schulter lässig an den massiven Holzrahmen und verschränkte die Arme. „Hier drin ziehst du dich nicht mehr an.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Nadja… bitte, nicht hier draußen…“, stammelte ich, die Hände schützend vor das Becken gepresst, wo der kalte Stahlzylinder unbarmherzig hervorstand. „Da wohnen Leute… wenn jemand die Treppe runterkommt—„
„Dann sieht man eben, was für ein feuchtes, gehorsames kleines Häufchen Elend du bist“, schnitt sie mir das Wort ab. Ihr Blick war glasklar, grausam amüsiert. „Zwei Sekunden, oder ich schließe von innen ab und du wartest nackt im Flur auf Loona.“
Die Drohung trieb mich vorwärts. Am ganzen Leib zitternd schob ich mich an ihr vorbei durch den Türrahmen. Jeder Muskel schrie vor Anspannung, als meine nackten Fußsohlen den eiskalten Terrazzoboden des Hausflurs berührten. Es war dämmrig, fast dunkel; der Zeitschalter des Treppenhauslichts war längst abgelaufen.
Nadja blieb lässig im Rahmen stehen, perfekt ausgeleuchtet vom warmen Licht ihrer Wohnung hinter ihr. In ihrer Hand hielt sie mein graues T-Shirt.
„Fang“, hauchte sie und warf den Stoff mit einer beiläufigen Bewegung hinaus.
Das Shirt flatterte durch die Luft und landete zwei Meter weiter auf den staubigen Stufen, die in den nächsten Stock führten. Ich stürzte hastig vorwärts, stolperte auf allen vieren über die kalten Fliesen, griff nach dem Stoff und riss ihn mir über den Kopf. Meine Hände bebten so stark, dass ich kaum die Ärmel traf.
Als ich mich umdrehte, hielt sie meine Boxershorts hoch – und ließ sie mit einem spöttischen Lächeln direkt vor ihren eigenen Füßen auf den Boden fallen.
„Die brauchst du gar nicht erst ansehen“, raunte sie, stieß den Stoff mit der Stiefelspitze zur Seite und schüttelte die graue Jogginghose aus. „Deine Herrin will das volle Bild. Ohne Schutzschicht.“
Sie warf die Hose nicht zu mir. Sie ließ sie mit ausgestrecktem Arm einfach fallen – genau zwischen die Türschwelle und die Treppe.
Ich kroch auf Knien heran, hastig, getrieben von nackter Panik vor jedem kleinsten Geräusch im Haus. Ich schlüpfte mit den Füßen in die Hosenbeine, zog den Bund hastig nach oben. Das raue Innenfutter scheuerte wie Schmirgelpapier über die harten Wachskrusten auf meiner Brust und den Oberschenkeln, während der Zylinder sich durch den dünnen Stoff als unverkennbare, starre Kontur abzeichnete.
„Die Schuhe, John“, flüsterte sie und hielt die Turnschuhe an den Schnürsenkeln baumelnd über die Schwelle.
Ich griff danach, wollte mich gerade umdrehen, um sie überzustreifen, doch sie hob die Hand.
„Halt.“
Ihre Stimme duldete kein Zögern. Sie streckte das rechte Bein vor, schob den kniehohen Stiefel weit über die Türschwelle in den dunklen Hausflur hinaus. Das schwarze Glattleder glänzte im Scheinwerferkegel aus ihrer Wohnung, unnahbar, makellos und dominant.
„Ein letzter Gruß“, verlangte sie mit samtener Schärfe. „Auf die Knie. Putz ihn blank. Zeig mir noch einmal, wem du gerade gehört hast.“
Die Scham schnürte mir die Kehle zu, doch mein Körper reagierte sofort. Ich sank auf die Knie, mitten auf den schmutzigen Terrazzo des Hausflurs, die ungebundenen Schuhe neben mir. Ich beugte mich tief über ihren Fuß, presste die Lippen auf die schmale Kappe des Stiefels und fuhr mit der Zunge über das kühle Leder. Ich leckte über die Naht, spürte das harte Holz des Absatzes gegen mein Kinn und atmete den Geruch von Politur und Straße ein, während das Fleisch im Stahlrohr qualvoll gegen die Kanten pochte.
In genau diesem Moment passierte es.
Ein lautes, trockenes ***KLACK*** hallte durch das Treppenhaus.
Drei Stockwerke weiter oben hatte jemand auf den Lichtschalter gedrückt.
Grelles, unbarmherziges Neonlicht flammte im gesamten Treppenhaus auf, riss jeden Schatten fort und tauchte mich in gleißende Helligkeit. Von oben erklang das schwere Zuziehen einer Tür, gefolgt von eiligen, harten Schritten, die auf den Steinstufen nach unten hallten.
Eine Stimme rief: „Ja, ich komme schon!“
Ein panischer Stromschlag jagte durch meine Adern. Ich sprang auf wie von der Tarantel gestochen, riss die Augen auf und packte die Turnschuhe im Flug. Mein Herz raste mit dreihundert Schlägen gegen die Rippen, das Blut rauschte mir ohrenbetäubend in den Ohren.
Ein leises, dunkles, herrlich amüsiertes Lachen drang von der Tür herüber.
Nadja lehnte noch immer am Rahmen, die Hände in die Hüften gestützt, und beobachtete meine maßlose Panik mit funkelnden Augen. Ohne ein weiteres Wort zog sie die Tür langsam zu. Der Riegel schnappte mit einem satten Klicken ins Schloss.
Ich sah mich nicht mehr um.
Auf Socken, die Schuhe panisch an die Brust gepresst, stolperte ich die Treppenstufen hinab in Richtung Hof, während über mir die Schritte der Nachbarn immer näher kamen. Jeder Tritt ließ den Stahl unter der dünnen Jogginghose gegen mein gezeichnetes Fleisch schlagen – getrieben von der nackten Angst, entdeckt zu werden, und auf dem Weg zu dem einzigen Ort, an dem dieses Delirium enden konnte: Loonas Tür.
Draußen empfing mich der kühle Berliner Nachmittag. Der Wind peitschte durch die Straßen, doch mein Körper glühte von innen wie ein Hochofen.
Ich zog die Jacke enger um mich, die Hände tief in den Taschen vergraben, die Daumen krampfhaft gegen den Bund gedrückt, um den Stoff von meinem Becken fernzuhalten. Doch der Versuch war lächerlich. Jeder Passant, der mir auf dem Gehweg entgegenkam, schien mir direkt zwischen die Beine zu blicken. Eine junge Frau mit geschultertem Rucksack und langem Wollmantel ging an mir vorbei; als sich unsere Blicke für den Bruchteil einer Sekunde kreuzten, drehte sie leicht den Kopf. *Sie sieht es*, hämmerte es panisch durch meinen Schädel. *Sie weiß, was unter dieser Hose aus Metall und Fleisch besteht. Sie riecht das Wachs und den Wein.*
Und in genau diesem Moment, während der Schweiß mir kalt über die Schläfen rann, traf mich die Wahrheit mit der Wucht eines Vorschlaghammers: Ich hatte Todesangst – und ich liebte jede verdammte Sekunde davon.
Mein Herz schlug nicht nur aus Furcht so unbarmherzig gegen meine Rippen; es raste, weil dieser Rausch mein gesamtes Nervensystem flutete. Das Adrenalin schoss wie reines, ätzendes Gift durch meine Venen, schärfte jeden meiner Sinne bis zur Unerträglichkeit und ließ mich die Welt mit einer Klarheit wahrnehmen, die ich im normalen Leben nie gekannt hatte. Ich war süchtig. Vollkommen, hoffnungslos abhängig von diesem Abgrund, von dem Gefühl, nur einen Millimeter vor der totalen Vernichtung meiner bürgerlichen Existenz zu balancieren. Die Schande war der Treibstoff, der mich am Leben hielt.
Die Treppen hinab zum U-Bahnhof Schönhauser Allee fühlten sich an wie der Abstieg in ein Schafott. Der geflieste Schacht verstärkte jedes Geräusch, jedes Flüstern, jedes Klacken von Absätzen. Als der Zug einfuhr und die Türen zischend aufgleiteten, drängte mich die träge Masse der Pendler hinein.
Im Gedränge geschah es: Eine junge, dunkelhaarige Frau in engen Jeans und knapper Lederjacke stolperte beim Einsteigen leicht über die Kante und rempelte mich mit der Schulter an.
„Oh, 'tschuldigung!“, rief sie hastig, blickte kurz auf, und ihr Arm streifte unabsichtlich meine Hüfte.
Mein gesamter Körper erstarrte zur Salzsäule. Die kurze Berührung war wie ein Stromschlag von zehntausend Volt. Das Wachs auf meiner Haut spannte bis zum Zerspringen, die Kälte des Stahls schnitt tief in mein Fleisch, und vor meinen Augen flirrte es schwarz. Sie drängte sich an mir vorbei zu einem der freien Plätze, völlig ahnungslos – und doch war ich mir sicher, dass sie das unnachgiebige, metallische Hindernis an meiner Seite gespürt haben musste.
Anstatt mich wegzudrehen, anstatt Schutz zu suchen, schrie jede Faser in mir nach mehr. Der Kick war so intensiv, dass mir fast der Atem wegblieb. Mein Verstand bettelte darum, sie möge sich umdrehen, mich anstarren und laut aussprechen, was für eine widerwärtige Kreatur da neben ihr in der Bahn stand. Ich wollte die Entblößung. Ich brauchte sie wie Luft zum Atmen.
Ich klammerte mich mit feuchten, zitternden Fingern an die Haltestange. Gegenüber von mir saß eine andere Frau. Sie las in einem Buch, die Beine elegant übereinandergeschlagen, der Blick kühl und distanziert. An ihren Füßen trug sie wunderschöne, wadenhohe Lederstiefel, deren zierliche Absätze im Takt des ratternden Waggons leicht wippten. Das Leder war tiefschwarz, speckig glänzend und makellos poliert.
Ich konnte den Blick nicht abwenden. Meine Augen klebten an der feinen Rundung des Stiefelleders, während die Räder über die Schienen donnerten und das Neonlicht der Stationen durch die Scheiben zuckte. Der Rausch riss die letzten Reste meines Stolzes in Stücke. Vor meinem geistigen Auge zerriss die Realität vollends: Ich sah mich mitten in diesem fahrenden Zug auf die Knie sinken. Mitten vor all diesen fremden Menschen, zwischen Einkaufstaschen und Kinderwagen. Ich stellte mir vor, wie ich mich vor ihr auf den schmutzigen Riffelblechboden warf, die Hände brav hinter den Rücken legte und meine Lippen an diese wippenden Stiefelspitzen presste, um sie sauber zu lecken, während der Zylinder unter der grauen Hose für alle Welt sichtbar pulsierte.
Ich wollte vor ihr kriechen, so wie ich vor Nadja gekrochen war. Ich wollte vor jeder Frau in diesem Abteil am Boden liegen und ihnen demonstrieren, wie wertlos, wie vollkommen gezähmt ich war.
Die Demütigung dieser Fantasie war so maßlos, so erdrückend, dass das gefangene Fleisch im Käfig erneut anschwoll und die stählernen Streben fast zum Zerbersten spannte. Der Silikonring schnitt gnadenlos ein, verweigerte jede Ausdehnung und wandelte die pure Lust in pochenden Schmerz um – eine Qual, die mich fast um den Verstand brachte.
Die U-Bahn bremste kreischend ab. Druckluft zischte, die Türen öffneten sich.
Ich stolperte hinaus auf den Bahnsteig, die Knie weich wie Wachs, die Hände krampfhaft in den Jackentaschen vergraben. Getrieben von nackter Scham, zitternd vor unstillbarer Sucht und völlig überreizt, nahm ich die Stufen nach oben – auf dem unausweichlichen Weg zu Loona, die bereits darauf wartete, ihr gezeichnetes, willenloses Kunstwerk in Empfang zu nehmen.
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