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Chapter 2

Wofür entscheidet sich Scheibner?

Scheibner stellt ein

Während Meller im Urlaub war, fiel die Aufgabe, neue Mieterinnen für das Studentinnen-Haus auszuwählen, natürlich seinem Mitbesitzer Scheibner zu. Es war für diesen ein langer Arbeitstag gewesen und eigentlich war er zu müde, um noch etwas Anstrengendes anzugehen. Aber Silvia hatte ihm eine SMS geschrieben, dass mehrere junge Studentinnen sich dringend ein Vorstellungsgespräch wünschten. Also hatte er geantwortet, dass er ab 20 Uhr Termine machen könne und Silvia zusammen mit Ivan alles organisieren und vorbereiten sollte. Nun hatte er um halb acht den PC im Büro ausgeschaltet, war in seinen fetten Mercedes SUV gestiegen und rollte durch den abendlichen Verkehr.

Es war die übliche Zeit mehrere Wochen nach Semesterbeginn, zu der die Nachfrage nach Zimmern in Mellers und seinem Haus stark anstieg. Nach diesem Zeitraum waren diejenigen Mädchen, die zum Studienanfang nur eine Notunterkunft bekommen hatten, von den miesen Umständen dort so weichgekocht, dass sie beinahe alles tun würden, um in ein anständiges Haus ziehen zu können.

"Anständiges Haus, hähä!", lachte Scheibner still in sich hinein.

Dieser Typ Mieterin war ihm eigentlich der Liebste. Sie besaßen einen Rest von Anstand, weshalb es für sie eigentlich überhaupt nicht in Frage gekommen wäre, mit Sex für eine Wohnung zu bezahlen. Doch wenn sie diese Option erstmal in Erwägung gezogen, diese eine Schwelle erst einmal überschritten hatten, dieser erste Widerstand überwunden war, dann befanden sie sich auf einer schiefen Ebene, die sie unweigerlich immer tiefer rutschen ließ. Scheibner liebte es ganz besonders, diese jungen Dinger auf ihrem Weg der Erkenntnis zu begleiten, sie anzuleiten und Stück für Stück zu verderben, bis sie am Ende hemmungslose Schlampen waren, denen es sogar Spaß machte, Dinge zu tun, die sie sich davor nie auch nur hätten vorstellen können. Er grinste dreckig.

Bei diesen Gedanken schoss Scheibner das Blut in die Lenden, was wenig verwunderlich war, aber im dichten Stadtverkehr ein Risiko bedeutete. Zwar übernahm der Autopilot seines Oberklassefahrzeugs die meisten Fahrfunktionen, aber ein Mindestmaß an Konzentration sollte der Mensch schon noch aufbringen können. Also versuchte er, sich wieder zu beruhigen.

Der zweite Typ Studentin waren diejenigen, die zwar ein Zimmer in einer gemischten WG bekommen hatten, sich da aber nicht mehr wohl fühlten, weil es Streit um Sauberkeit oder Kochen gegeben hatte. Oder - was Scheibners Wahrnehmung nach häufiger der Fall war - weil die männlichen Studenten meinten, ihre Kommilitoninnen seien Freiwild für sie, nur weil sie Tür an Tür lebten. Pah, diese hormongesteuerten jungen Schwanzträger! Scheibner knurrte grimmig. Das waren die Schlimmsten.

Er konnte sehr gut verstehen, dass diejenigen Frauen, die so etwas mitgemacht hatten, das Wohnen in einer reinen Frauen-WG vorzogen. Und in ihrem Fall war es sogar ein komplettes Haus nur mit weiblichen Bewohnerinnen, noch besser. Dieser Typ Mieterin brachte meistens schon einiges an Erfahrung mit und war auch nicht so naiv oder manipulierbar. Auch wussten sie meistens sehr genau, was sie wollten und wo ihre persönlichen Grenzen lagen. Das wiederum war für Scheibner nicht ganz so interessant, andererseits aber auch nicht so anstrengend, weil er nicht auch noch ihre Erziehung übernehmen musste. Zudem waren diese Mädels auch recht schnell wieder weg, wenn sie etwas anderes gefunden hatten, wo sie wohnen konnten. So fand ein stetiger Wechsel statt, was für Meller und ihn wiederum Abwechslung bedeutete, was ja auch etwas Positives war.

Er gähnte. Eigentlich hatte er gar keine große Lust auf Vorstellungsgespräche. Er wusste ja zur Genüge, wohin diese unweigerlich führten. Selbst mit den blauen Pillen, von denen er immer einen ausreichenden Vorrat im Schreibtisch hatte, würde er heute nicht viele Gespräche durchstehen. Das wäre eher Anstrengung statt Vergnügen. Und wenn er im Haus war, kämen bestimmt auch ein paar Bestandsmieterinnen, um ihn daran zu erinnern, dass bei ihnen die Monatsmiete noch nicht abgerechnet war. Solange Meller urlaubte, musste er das alles allein erledigen. Er schnaubte resigniert.

Nein, diesen Stress wollte er sich ersparen! Er zog den Wagen nach rechts und stieg so heftig in die Eisen, dass sich die Warnblinkanlage aktivierte und eine Frauenstimme aus dem Cockpit in nervtötend beruhigendem Ton fragte, ob sie einen Notruf absetzen solle. Die Fahrdaten würden Hinweise auf einen Unfall zeigen. Wenn sich der Fahrer nicht binnen 30 Sekunden äußern würde, ginge sie davon aus, dass er handlungsunfähig war, und den Rettungsdienst alarmieren.

"Nein! Alles in Ordnung!", brüllte er in keine bestimmte Richtung. Keine Ahnung, wo das Mikrofon in dieser Karre verbaut war. Verdammte KI! Versuchte nicht nur, ihm immer mehr das Denken abzunehmen, sondern spähte ihn auch aus. Was ging es sein Auto an, warum er gebremst hatte oder ob er sich wohl fühlte?

Aufgebracht nestelte er sein privates Wegwerf-Handy aus der Innentasche seines Jacketts. Mit der Freisprechanlage war nur sein dienstliches Telefon verbunden. Das Gespräch, das er jetzt führen wollte, war aber persönlich. Da wollte er nicht riskieren, dass es von irgendeiner KI mitgehört, aufgezeichnet oder im schlimmsten Fall sogar irgendwohin weitergeleitet werden könnte. Er stieg aus und ging ein paar Schritte zu Fuß. Die kühle Abendluft, die ihm entgegenwehte, tat ihm gut. Dann aktivierte er das Display des Telefons und wählte eine gespeicherte Nummer.

Wen ruft Scheibner an?

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