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Chapter 18

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Rapunzel Z.16

Ohne seine Schwester, die ihn unterstützte und anleitete, war der törichte junge Mann Gothels überlegenen Willen gnadenlos ausgeliefert. Nur mit Gedanken und Blicken könnte sie ihn sich völlig unterwerfen. Fürs Erste war sie zufrieden damit, ihn zu ihrem bedingungslosen Liebhaber gemacht zu haben. Eine ganz sachte Berührung seiner tiefsten Instinkte durch ihren Geist sorgte dafür, dass er in nächster Zeit zu keinem körperlichen Höhepunkt kommen würde, was immer er auch anstellte. So konnte sie sicher sein, dass er sich weiterhin alleine auf das konzentrierte, was er gerade tat, und sich völlig verausgabte, während sie ihre Gedanken schweifen lassen konnte. So könnte sie feststellen, wohin sich Urtica wandte und ob sie eine Bedrohung würde.

Nur wenige Hexen beherrschten die Disziplin, ihren Geist von ihrem Körper zu lösen. Und definitiv keine war darin so versiert und kunstfertig wie Gothel. Mühelos versetzte sie sich in eine Art Trance. Noch nicht einmal, dass Nastur sie währenddessen auf die Seite drehte, um die Fesseln an ihren Armen zu lösen, während sein harter pochender Schwanz noch immer tief in ihr steckte, lenkte sie dabei ab.

Die Zauberin fühlte sich frei und schwerelos. Ich Geist flog von seinen irdischen Fesseln befreit zum Fenster. Sie wusste, dass eine dünne unsichtbare ätherische Nabelschnur ihr Bewusstsein mit ihrem zurückbleibenden stofflichen Körper verband und ihr erlaubte, in Gedankenschnelle wieder mit ihm zu verschmelzen, wenn es erforderlich werden sollte. Bis dahin gedachte sie aber, die gewonnene Freiheit zu nutzen, um den zweiten Teil ihres Plans umzusetzen.

Zunächst aber gönnte sie sich noch einen kurzen Blick zurück. Sie konnte sich selbst und Nastur im Bett beim Liebesspiel zusehen, als ob sie im Zimmer schweben würde. Der Anblick der beiden umschlungenen attraktiven Körper war so erregend, dass sie sich gestattete, ein klein wenig der Sinnesreize durch die Nabelschnur aufzunehmen. Ah! Die Empfindungen waren herrlich. Es war ihr, als ob sie gleichzeitig beobachtete und beobachtet wurde. Gleichermaßen Voyeurin und Exhibitionistin in einer Person.

Beinahe gewaltsam musste sie sich zusammenreißen, um nicht an Ort und Stelle ihrer eigenen Lust zu erliegen und zum Geliebten zurückzukehren.

In Windeseile flog sie aus dem Fenster und folgte der Richtung, in die ihr Ziel geflohen war. Problemlos konnte sie die Spur aufnehmen. Unbeschwert holte Gothel sie ein und gönnte sich einen Moment der Vorfreude, wie ein Jäger, der seine Beute über die Kimme anvisierte, sicher es mit einem Schuss zu erlegen.

Urtica war in einen lockeren Trab verfallen, den sie, trainiert und ausdauernd wie sie war, stundenlang würde durchhalten können. Sie rechnete allerdings nicht damit, tatsächlich so lange laufen zu müssen. Vermutlich hatte ihr Vater bereits Suchtrupps ausgesandt, als sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht heimgekehrt waren. Spätestens wenn sie die Straße, die den Wald durchschnitt, erreichte, müsste sie auf jemanden treffen, der ihr helfen oder zumindest ein Pferd ausleihen könnte.

Geschickt wich sie in ihrem Lauf tiefhängenden Ästen und hochstehenden Wurzeln aus. Sie war geradezu dankbar dafür, dass die Hindernisse sie zwangen, sich auf den Weg zu konzentrieren. Denn sonst fürchtete sie, dass ihre Gedanken zu den Ereignissen der vergangenen Nacht zurückschweifen könnten. Sie durfte und wollte sich aber jetzt nicht damit aufhalten, über die tiefgreifenden Erfahrungen und verstörenden Erkenntnisse nachzudenken. Dazu wäre immer noch genug Zeit, wenn Nastur in Sicherheit und Gothel hinter Schloss und Riegel war.

Plötzlich war ihr, als werde sie verfolgt. Das Gefühl der Bedrohung war so intensiv, dass sie innehielt und sich wachsam umsah. Aber da war nichts. Weder Mensch noch Raubtier konnte sie rings um sich entdecken.

Dann hatte sie den Eindruck, als ob etwas gegen ihre Schläfe drückte. Sie zuckte zusammen. Kopfschmerz flammte auf. Ein Schleier wie von feinsten Spinnweben zog über ihr Gesicht, ihr Körper verkrampfte sich kurzzeitig und ihr wurde schwarz vor Augen. Schwindel überkam sie und ihre Beine zitterten so stark, dass sie blind nach dem nächststehenden Baum tastete und sich an dessen festem Stamm entlang herabgleiten ließ, bis sie auf dem Hosenboden saß.

Nur langsam kehrten ihre Sinne zurück. Doch zu ihrem maßlosen Erstaunen sah, hörte, roch und spürte sie nicht den Wald um sich, sondern sie fand sich im Turm wieder, im Bett liegend und -- wie konnte dies sein? -- eng umschlungen mit ihrem Bruder. War dies ein Traum? Oder hatte sie andererseits nur geträumt, dass sie der **** der Zauberin entkommen, im Gegenzug diese gefangengenommen hatte und in den Wald gelaufen war, um Hilfe zu holen?

War dies gar nie geschehen? Wie kam sie dann zu ihrem Bruder ins Bett? Und wie hatte sie allen Anstand vergessen können, sich ihm hinzugeben?

Doch das Erleben dieser intimsten Zweisamkeit war viel zu intensiv, als dass es nicht real sein könnte. Oder? Wie konnte es so weit kommen? Eine unerwünschte Erinnerung drängte sich in ihr Bewusstsein: Das war doch genau ihr Plan gewesen, um ihren Bruder an sich zu binden und zu beschützen. Nur so konnte sie verhindern, dass er sich als König eine fremde Frau nahm und dann nicht mehr auf die Hilfe und Unterstützung seiner Schwester angewiesen war.

Urtica konnte sich all das, was sie in diesem Moment erlebte, nur damit erklären, dass sie den verbotenen Gedanken vom Abend zuvor in die Tat umgesetzt und ihren Bruder verführt hatte.

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