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Chapter 44 by Bitbuster Bitbuster

Monatliche Injektion

Verplappert und mißverstanden

Für heute stand die monatliche Injektion auf dem Tagesplan. Daher ist Patrick nicht zuerst ins Labor gegangen, sondern hatte als ersten Punkt für heute die Krankenstation auf dem Programm.

Gut gelaunt betrat er die KS und schaute sich wie immer zuerst einmal um.
Da es noch kurz vor 08:00 Bordzeit war, herrschte gerade die etwas unruhige Ablösungsphase.
Die einen bereiteten sich auf ihren Dienstschluss vor, die anderen informierten sich, was in der Nachtschicht so passiert war.
Geduldig stellte sich Patrick an die Seite, um nicht im Weg zu stehen, wenn die ersten gleich gehen würden.
Die LMO hatte sich mit ihrem Stellvertreter über den Tagesablauf auf der KS unterhalten und drehte ihre übliche Morgenrunde. Dabei entdeckte sie auch Patrick.

„Guten Morgen, kann ich Dir irgendwie helfen?“
„Hallo, guten Morgen. Ich bin zur monatlichen Spritze hier, aber eilt nicht“

Melinda lächelte kurz und meinte dann: „Na komm, das übernehme ich eben schnell“
Patrick folgte ihr in einen der Behandlungsräume.

Auf dem Weg dorthin ging Susan, die er durch Koshiko kurz im Kasino kennengelernt hatte, an den Beiden vorbei. Sie grüßte die Beiden und zwinkerte Patrick dabei zu. Das entging Melinda natürlich nicht.

„Du scheinst Dich inzwischen gut eingelebt zu haben?!“ sagte sie zu Patrick, als sie im Behandlungszimmer waren und sich die Tür geschlossen hatte.

Patrick war nicht ganz klar, ob das eher eine Frage, oder eine Feststellung war.

„Hm“ brummelte er daher nur als Antwort.
„Nicht mehr verwirrt und orientierungslos. Das ist sehr gut.“

„Wieso verwirrt und orientierungslos?“ fragte er nach und Melinda merkte, daß sie damit etwas aus seiner Akte angesprochen hatte, was ihm offensichtlich unbekannt war.

Etwas zögerlich sagte sie daher: „Nun, die ersten Tage hier an Bord waren doch sicherlich nicht einfach. Also, für mich in Deiner Situation, die ich mir nicht wirklich vorstellen kann, wäre das mit Sicherheit stressig.“ Nebenbei hatte sie das Spray für Patrick vorbereitet und deutete auf seinen Hals, daß er ihn etwas freimachen solle.

„Jaa“ antwortete er gedehnt „natürlich war das ungewohnt, außergewöhnlich. Aber wieso verwirrt und orientierungslos?“ „Ich stelle nur medizinische Diagnosen“ versuchte sie die Situation zu retten.

„Also kommt die Aussage von der 'tollen' Beraterin“ grummelte er nun ziemlich verärgert und zog sich ruckartig den Kragen zur Seite.

Melinda verabreichte schnell und routiniert das Medikament und versuchte noch einmal, die Sache zu übergehen.

„So, das war es dann auch schon wieder“
„Keine Antwort ist auch eine Antwort“ meinte er ärgerlich und merkte, daß er sich gerade der falschen Person gegenüber unfreundlich verhielt.
„Entschuldigung, war nicht so gemeint“
„Schon gut, es ist noch immer eine Extremsituation. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst“
„Dann kann ich gehen?“
„Klar, es sei denn, Du benötigst sonst noch etwas?“
„Nein, danke“

Patrick verließ so schnell wie möglich die Krankenstation und wäre fast mit einer Krankenschwester zusammengestoßen.

Melinda ging mit einem Kopfschütteln in ihr Büro. Sie überlegte kurz, ob sie Alvia, die CNS, vorwarnen sollte. Entschied sich dann aber, die Dinge ihren Lauf zu lassen.

Von der Krankenstation waren es nur wenige Schritte zum Büro der Beraterin, welches auf demselben Deck wie die Krankenstation lag.

Ein grünes Licht neben der Türklingel signalisierte, daß sie gerade keinen Besuch hatte.
Er drückte auf die Klingel und war gespannt, was passieren würde. Konnte sie seine Gedanken auch durch die Tür lesen und würde sie in dem Fall gar nicht erst öffnen?

Als sich die Tür öffnete, rauschte er in das Büro der Beraterin und funkelte sie wütend an.

„Hallo, wie kann ich Dir helfen?“ fragte sie übertrieben freundlich.
„Raten Sie doch mal, Sie können doch sonst auch die Gedanken ungefragt lesen“

Sie durchforschte kurz Patricks Gedanken und spürte den enormen Hass, aber auch echte Enttäuschung ihr gegenüber.

„Du hast das falsch verstanden“ versuchte sie Patrick zu beruhigen.
„Was kann man an ‚verwirrt und orientierungslos‘ falsch verstehen. Ich bin kein alter Tattergreis, der nicht weiß, was er macht, oder wo er sich befindet“
„Du bist also der Meinung, als Du hier an Bord warst, war es für Dich nicht verwirrend?“
„Es war vielleicht irritierend, weil ich hier nichts kannte und alles neu war, aber ich war nicht verwirrt. Ich wußte, daß ich **** worden bin, ich wußte, daß ich nicht mehr auf der Erde war.“
„Verstehe, Du unterscheidest nicht zwischen dem Zustand geistiger Verwirrtheit, also als Beispiel ein verwirrter alter Mann und verwirrt im Sinne von verstört, desorientiert, fassungslos?“
„Desorientiert ist doch orientierungslos“
„Orientierungslos ist jemand, dem die Orientierung fehlt, also zum Beispiel: wie komme ich zum Bahnhof? Das ist nicht immer negativ. In einer fremden Stadt ist so gut wie jeder orientierungslos, der noch nie dort war.“

„Ja klar, daß es jetzt so ausgedrückt wird“ meinte Patrick, noch immer wütend.

„Anders herum, wenn Du in so einer Situation nicht verwirrt gewesen wärest, dann hätte man sich Gedanken machen müssen, wie das sein kann. Und woher solltest Du wissen, wo sich was im Schiff befindet, wenn Du noch nie zuvor an Bord warst? Das ist also alles positiv und so habe ich das auch in meinen Bericht geschrieben. Wenn es anders wäre, dann hättest Du regelmäßig Termine mit mir oder einem meiner Mitarbeitenden. Und Du hast auch recht schnell für ganz viele Bereiche die Freigabe erhalten.“

Patrick überlegte: „Hm, das stimmt schon, aber trotzdem mag ich sie nicht“

„Das ist auch in Ordnung. Man muß nicht jeden mögen und mit jedem befreundet sein. Ich habe da durchaus Verständnis dafür. Da ist so eine komische Tante, die Gedanken lesen kann. Nun, für mich ist es normal, aber ich kann mir auch gut vorstellen, oder ich versuche es zumindest, wie es wäre, wenn ich es nicht könnte und dann so eine Person gegenüber hätte. Ich zum Beispiel fühle mich in der Gegenwart von Vulkaniern unwohl. Alles immer logisch, diszipliniert, kaum mal etwas unternehmen, was alle anderen als Spaß verstehen. Das ist für mich eigenartig.“

Die sagte dieses Beispiel mit den Vulkaniern, da sie in seinen Gedanken gelesen hatte, daß er bisher ganz gut mit dieser Art Spezies zurechtkam.

„Ich gehe dann mal wieder“ meinte er knapp und stand auf.
„Jederzeit gerne wieder, ich freue mich wirklich, wenn ich Mißverständnisse klären kann und wenn wir wohl auch keine Freunde mehr werden, ich versuche auch für Dich als Beraterin immer da zu sein.“
„Ja, danke“ sagte Patrick eher aus Höflichkeit, als daß es ernst gemeint war.

Nachdem er die Beraterin verlassen hatte, nahm er den Turbolift zu 'seinem' Wissenschaftslabor.

Sophia war in ihrem Büro und er hörte aus dem Vorbereitungsraum die typischen Geräusche, wenn Gestein in kleinere Stücke geschnitten wurde.

Patrick entschied sich, erst in Sophias Büro zu gehen, bevor er sich dann umziehen wollte.

In Sophias Büro

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