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Chapter 13 by daimon daimon

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Simone ist "angefixt" (21. März)

Obwohl die Schlange vor den Toiletten zu dieser Jahreszeit noch wesentlich kürzer war als zur Hochsaison im Sommer, mussten die beiden Schwestern etwas warten. Sandra hatte sich bereits notdürftig abgewischt. Eigentlich waren keine weiteren kosmetischen Maßnahmen nötig, fand zumindest Simone.

Zu ihrer Überraschung kam Sandra offenbar zu einem ähnlichen Schluss, denn sie nahm sie am Arm und zog sie auf den gekiesten Weg, der weiter in den Park führte.

„Also, das war ja vielleicht ein Auftritt! Was war denn los? Hast du Schmerzen? Wurdest du verprügelt, vergewaltigt, hattest du vielleicht sogar Analverkehr?“

„Nnoch nicht,“ stotterte Simone, „Analverkehr, meine ich.“

Sandra blickte ihr tief in die Augen, da war wieder dieses Funkeln in ihren Augen.

„Aber du hättest gerne welchen und deshalb …

Sag, hast du etwas im Hintern stecken? Bist du verrückt, damit in der Gegend herumzulaufen? Es reicht doch, das Teil über Nacht drinnen zu lassen.“

Simone lief wieder einmal tiefrot an.

„Wie kommst du darauf? Woher …“

„Da brauchts keinen Meisterdetektiv. Du bist die ganze Zeit so verkrampft dagesessen. Im Auto hast du richtig gelitten. Die Möglichkeiten sind begrenzt. Ich kenne Tim, daher kann ich ausschließen, dass er dir den Hintern versohlt hat. Nicht einmal wenn du ihn darum bitten würdest, könnte er dir diesen Wunsch zu erfüllen. Von einer Vergewaltigung oder sonstigen Verletzung hättest du mir erzählt. Also, denkt sich dein großes Schwesterchen, möchte die kleine Simone auch ihre zweite Jungfernschaft verlieren.“

„Tim wollte, er hat …“

„Das, was du da treibst ist eigentlich ein Sado-Maso Spielchen. Das verlangen Doms von ihren Subs um sie zu demütigen. Mit einem Plug im Arsch einfach so durch die Gegend zu spazieren … Wars wenigstens geil?“

Es hatte keinen Sinn mehr, irgendetwas abzustreiten.

„Ja, es ist schon ziemlich geil. Aber das Sitzen …“

„Das kann ich mir vorstellen. Ich muss schon sagen, ich erkenne meine Schwester nicht wieder. Seit wann bist du so experimentierfreudig?“

„Ich weiß auch nicht …“

„Du findest nicht nur den Plug im Arsch geil, gibs zu. Die ganze Geschichte. Kramov, die Gefahr, meine Beichte, meine und Tims Vergangenheit, das alles erregt dich. Bist du vielleicht eine Schlampe?“

Simone war empört.

„Also wirklich, Sandra!“

„Ich meine das nicht als Schimpfwort. Bin ja selbts eine. Schlampe, meine ich.“

„Aber du hast doch aufgehört …“

„Mit der Prostitution. Ja. Aber eine Schlampe bin ich immer noch.“

„Wie meinst du das?“

„Ich meine, dass ich im Rahmen der herkömmlichen bürgerlichen Moral nicht glücklich werde. Ich habs versucht. Es genügt mir einfach nicht. Du musst wissen, dass niemand einige Jahre lang erfolgreich als Nobelnutte arbeiten kann, wenn sie sich nicht mit Leib und Seele einsetzt. Der Leib alleine reicht nicht. Die Kunden merken sofort, wenn man die Augen schließt und wartet, bis es vorbei ist. Dafür zahlt keiner 500 – 600 € pro Stunde.“

„Du meinst, du hurst immer noch herum, machst es jetzt aber gratis?“

Simone musste herzlich lachen.

„Ja, so könnte man das ausdrücken. Der wesentliche Unterschied ist aber, dass ich selbst bestimme, was ich mit wem mache oder mit mir machen lasse.

Aber, um auf unser Gespräch zurückzukommen. Ich habe langsam den Eindruck, dass wir wirklich verwandt sind, Schwesterchen. Du bist momentan dabei, deinen eigenen Körper und seine Bedürfnisse auszuloten. Das finde ich großartig! Das konnte ja nicht ewig so weitergehen.

Aber – bitte unterbrich mich jetzt nicht – du musst vorsichtig sein! Kramov ist im Vergleich zu anderen Herrschaften, die im Geschäft mit der käuflichen Liebe mitmischen, ein harmloser Waisenknabe.

Also, findest du die Vorstellung, deinen Körper zu verkaufen völlig abwegig oder vielleicht sogar ein bisschen erregend?“

„Simone, ich weiß nicht. Das kannst du mich doch jetzt wirklich nicht so einfach fragen …“

„Meine Liebe, du bist mir nicht an die Gurgel gegangen, das sagt mir eigentlich alles.

So, jetzt aber nichts wie zurück zu unseren Sachen, sonst glauben unsere Tischnachbarn noch, sie sind bei „Versteckte Kamera“."

Simone blieb kurz verdattert auf dem Waldweg stehen, ehe sie ihrer Schwester folgte. Hätte ihr jemand vor einigen Wochen vorhergesagt, dass sie jemals so ein Gespräch mit ihrer Schwester führen würde, hätte sie ihn für verrückt erklärt.

Weshalb war sie nicht so empört, wie das die alte Simone eigentlich von ihr erwartete? Sie war zwar von der großen Menge Bier, die sie bereits intus hatte, etwas beschwipst, das – darüber war sie sich schmerzlich bewusst – war aber keineswegs ein ausreichender Grund für ihr Verhalten.

Während sie hinter Sandra her zurück zu ihrem Tisch ging, grübelte sie weiter darüber nach, ob sie es wirklich geil fand, ihren Körper fremden Männern anzubieten. Sie schaffte es zwar, diese bohrende Frage aus ihrem Verstand zu verdrängen, das deutliche Ziehen im Unterleib ließ sich allerdings nicht so leicht unterdrücken. Ausgerechnet jetzt erinnerte sie sich ganz deutlich an ein anderes nicht unwichtiges Detail des Gespräches.

Hatte ihre Schwester wirklich von 500-600 € Stundenlohn gesprochen?

Inzwischen war auch sie beim Tisch angekommen, wo ihre Schwester bereits stand. Sie hatte die beiden Bierkrüge in der Hand, ihren Mantel übergeworfen, und war bereit zum Aufbruch. Sie verabschiedeten sich kurz von dem jungen Pärchen, das offenbar erleichtert war, dass die beiden doch noch zurückgekommen waren, lösten das Pfand für die Bierkrüge ein und machten sich auf den Weg.

Als sie im Wagen saßen, nahm Sandra das Gespräch wieder auf.

„Simone, du darfst dir nichts vormachen. Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere. Es ist anstrengend, manchmal ekelhaft, kostet viel Überwindung. Sicher, du verdienst mehr Geld als du als Frau in irgendeinem anderen Job verdienen kannst. Aber dieses Geld, das kannst du mir glauben, wird dir nicht geschenkt. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass du eine gewisse natürliche Veranlagung, man könnte sagen, Begabung als Schlampe hast. Wenn du die ganze Sache nicht wenigstens ein ganz klein wenig geil findest, hältst du keine Woche durch.“

„Du hast von unglaublich viel Geld gesprochen.“

„Und schon schaut ihr die Gier aus den Augen. So viel Geld verdienst du nicht sofort. Selbst die sexuell begabtesten Frauen brauchen Ausbildung und eine gewisse Anlaufzeit.“

„Wie lange würde diese „Ausbildung“ denn dauern?“

„Das kann ich dir schwer beantworten. Viel hängt von dir und deinen Partnern ab. Für welche Agentur du arbeitest und welchen Kundenstock die haben.“

„Hmm. Wie lange hat es denn bei dir gedauert?“

„Das war ein Sonderfall, schließlich hat mich meine Freundin Juliette praktisch ins kalte Wasser geworfen. Und dann hat Mohamed einen Narren an mir gefressen. Er hat mich praktisch alleine ganz langsam und spielerisch eingeritten. Die Inszenierung mit Tim war typisch für ihn. Später stand ich unter seinem persönlichen Schutz und war nur den betuchtesten und besten Kunden vorbehalten. Unter denen gab es zwar auch ziemliche Schweine, aber zumindest bin ich finanziell nie zu kurz gekommen.“

„Du sprichst sehr positiv von deinem … Zuhälter. Das war er doch eigentlich, oder?“

„Ja. Wie du sicher weißt, haben viele Mädchen ein sehr intimes Verhältnis zu ihrem Zuhälter.“

„Aber da geht es doch um Hörigkeit, um Täuschung und ****.“

„Das ist eine sehr verkürzte Sicht der Dinge. Sicher, in vielen Fällen trifft das zu. Aber – jetzt mal ehrlich – wirke ich auf dich wie eine hörige, von irgendeinem Mann abhängige Frau?“

„Nein, natürlich nicht. Aber trotzdem hat er dich ausgenutzt.“

„Sicher. Aber er hat es nie übertrieben mit seinem Anteil. Ich kann diese Diskussion eigentlich ganz einfach beenden.

Ich wollte dir das eigentlich nicht erzählen, aber ich habe immer noch ein Verhältnis mit ihm. Ganz gratis und freiwillig.“

„Im Ernst? Aber er ist doch viel älter als du!“

Sandras Antwort bestand lediglich aus einem etwas gelangweilten Blick.

„Du wirst doch nicht glauben, dass er mein einziger Sexualpartner ist. Er ist verheiratet und leitet eine große Organisation, hätte gar nicht die Zeit für eine so anspruchsvolle Geliebte wie mich. Wir treffen uns nicht sehr oft. Aber wenn wir uns treffen, dann …“

Verträumt blickte sie aus dem getönten Seitenfenster des Wagens.

Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte sie das Gespräch fort:

„Simone, ich weiß nicht, ob ich jetzt das Richtige mache, aber, da nicht zu übersehen ist, dass du Lunte gerochen hast, möchte ich dir einen Vorschlag machen:

Die Freundin, die ich heute Abend treffe, das ist Juliette, du weißt schon, meine Schulfreundin, die mich damals ins Milieu gebracht hat. Sie leitet eine Escort Agentur, die ihre Mädchen in ganz Deutschland anbietet. Ihre Basis ist hier in München.

Wenn du möchtest, nehme ich dich heute mit. Du kannst sie alles fragen, was du wissen möchtest und dir selbst ein Bild machen. Sie ist sehr in Ordnung, ich vertraue ihr. Sie ist lose mit der Organisation von Tims Vater verbunden aber weitgehend selbständig.

Also, wie sieht es aus? Kommst du mit?“

„Ja! Natürlich!“

Mit dieser schnellen Antwort überraschte sie sich selbst, nicht aber ihre Schwester, die mit amüsiert-nachdenklichem Gesichtsausdruck wieder aus dem Fenster schaute.

„Gut, dann kommst du jetzt am besten mit in mein Hotel. Ich werde sehen, ob wir für dich etwas Passendes zum Anziehen finden.“

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