What's next?
Dampfbad
Die Zimmertür des Apartments fiel mit einem satten Klicken ins Schloss.
Loona drehte den Riegel vor, wandte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen das dunkle Holz. Im gedämpften Licht der Wandlampen sah sie mich an – nicht mit jener schneidenden Kälte vom Restauranttisch, sondern mit einem forschenden, weicheren Blick, der mir bis auf den Grund ging.
„Komm her zu mir, John“, sagte sie leise.
Meine Knie fühlten sich an wie Blei. Der ungelöste Druck im Chirurgenstahl pulsierte bei jedem Schritt mit quälender Schärfe, und das Reiben der Halterlosen an den wunden Oberschenkeln brannte unbarmherzig. Als ich vor ihr stand, hob ich den Blick nicht. Ich rechnete mit dem nächsten Befehl, der nächsten Demütigung, die meine Sinne vollends überfordern würde.
Doch Loona griff nicht nach dem Choker.
Ihre Hände glitten langsam unter meine Achseln, fassten die Kanten meines Sakkos und schoben den schweren Wollstoff sanft von meinen Schultern. Sie nahm mir die Last ab, hängte das Sakko sorgsam über den stummen Diener neben der Garderobe und trat wieder dicht an mich heran.
„Atme erst einmal durch“, flüsterte sie. Ihre warmen, nackten Hände legten sich flach an meine Wangen.
Die unerwartete Berührung traf mich härter als jeder Schlag. Ein zittriger, tiefer Atemzug brach aus meiner Brust. Meine Hände tasteten unwillkürlich nach ihren Handgelenken, krallten sich jedoch nicht fest, sondern hielten sich an ihrer Wärme fest, als wäre sie mein einziger Anker in einem Raum, der sich um mich drehte.
„Du hast das großartig gemacht“, sagte sie mit einer Stimme, die so ruhig und vollkommen frei von Spott war, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Ihre Daumen strichen sanft über meine Wangenknochen, wischten den feinen Schweißfilm an meinen Schläfen fort. „Du hast vor Richard keinen einzigen Fehler gemacht. Du hast kerzengerade gesessen, hast ihn ertragen und mir vertraut, selbst als mein Absatz dich fast zerrissen hätte.“
„Loona… ich… ich dachte, ich halte es keine Sekunde länger aus“, stammelte ich heiser. Der Kloß in meiner Kehle drohte mich zu ersticken. „Es war… so eng. Alles hat geschrien.“
„Ich weiß, mein Kleiner. Ich weiß ganz genau, was du geleistet hast.“ Sie zog mein Gesicht behutsam an ihre Schulter.
Mein Kopf sank in ihre Halsbeuge. Der Duft ihres Parfüms, gemischt mit der kühlen Seide ihres Kleides, umhüllte mich vollkommen. Ein Schluchzen schüttelte meinen Oberkörper, während ihre Finger langsam und tröstend durch mein Haar glitten. Sie wiegte mich für einige Augenblicke in einer stillen Umarmung, nahm das Beben aus meinen Gliedern und gab mir den Halt, den ich unter der grausamen Maskerade am Tisch verloren hatte.
In diesem Moment war da keine Angst mehr – nur diese tiefe, unentrinnbare Geborgenheit in ihrer Führung. Dass dieselbe Frau, die mich vor einer Stunde unter dem Tischtuch mit eisiger Präzision gequält hatte, mich nun wie ein verletztes Kind an sich drückte, band mich fester an sie, als es jede Kette jemals gekonnt hätte.
„Schau mich an“, bat sie sanft.
Ich hob den Kopf. Ihre Augen musterten mich mit aufrichtiger Wärme, hinter der dennoch jene unverrückbare Klarheit lag, die keine Widerrede duldete.
„Der Druck bleibt da, John“, sagte sie leise und strich mit den Fingerspitzen über das kleine Vorhängeschloss an meiner Kehle. „Ich nehme ihn dir heute Nacht nicht. Aber nicht, weil ich dich bestrafen will, sondern weil du mir beweisen sollst, dass du meine Führung auch in der Dunkelheit tragen kannst. Am Sonntag bekommst du alles zurück. Das habe ich dir versprochen, und ich halte mein Wort.“
Ich nickte stumm, gefangen zwischen der brennenden Qual meines Körpers und der vollkommenen Ergebenheit gegenüber ihrem Willen. „Ich vertraue dir.“
„Ich weiß.“ Sie lächelte milde. „Komm, wir machen uns fertig für die Nacht. Du hilfst mir aus dem Kleid, wäschst dir das Gesicht und ziehst die Strümpfe aus, damit deine Haut atmen kann. Und dann schlafen wir.“
Ich folgte ihren Anweisungen mit mechanischer Erleichterung.
Hinter ihr stehend fasste ich den feinen Zipper ihres Satinkleids und zog ihn langsam hinab. Der Stoff glitt lautlos über ihre Schultern; sie trat mit einer fließenden Bewegung heraus und legte ihn sorgsam über die Lehne des Sessels. Im schlichten, schwarzen Unterkleid wandte sie sich mir zu, musterte mich kurz und nickte stumm in Richtung des marmornen Badezimmers.
Dort glitten endlich die halterlosen Strümpfe von meinen Beinen. Das Ablösen der Silikonränder brannte wie Feuer auf den gereizten Striemen, doch das Gefühl von kühler Luft auf der nackten Haut war die reinste Wohltat. Als ich mir mit kaltem Wasser das Gesicht wusch und in den Spiegel blickte, sah ich die Spuren der letzten Stunden: die perfekt geformten Brauen, die geröteten Wangen und das schwere Samtband, das wie ein stummer Zeuge meiner Auslieferung um meinen Hals lag. Der Käfig darunter blieb unverändert eng und unnachgiebig; die durch die Reizung aufgestaute Spannung pochte unaufhörlich weiter.
Als ich zurück in den Schlafraum trat, lag Loona bereits im großen Bett auf der Galerie. Das Licht war bis auf eine bernsteinfarbene Leselampe gedimmt.
„Unten, auf die rechte Seite“, sagte sie leise und zeigte auf den dicken Berberteppich neben der Bettkante, wo bereits eine schwere Wolldecke und ein flaches Kissen bereitlagen. „Kein Zappeln. Wenn du unruhig wirst, atmest du tief durch und erinnerst dich daran, wem du gehörst.“
Ich legte mich nieder. Der Boden war hart, doch die Decke wärmte mich schnell. Jeder Muskel in meinem Körper schmerzte von der stundenlangen Anspannung, und die brennende Enge im Schritt hielt mich noch lange wach, während draußen der Nachtwind leise durch die alten Wipfel der Havelseen strich. Über mir hörte ich den ruhigen, gleichmäßigen Atem von Loona. Ihr Versprechen stand wie ein Fels in der Dunkelheit: Sie hatte mir nicht wehgetan, als sie es gekonnt hätte, und sie würde ihr Wort halten. Mit diesem Gedanken glitt ich schließlich in einen traumlosen, unruhigen Schlaf.
Das schrille, leise Summen eines Handyweckers riss mich aus der Benommenheit.
Morgengrauen fiel durch die bodentiefen Fenster des Ostflügels. Auf der Galerie regte sich Loona.
„Acht Uhr, John“, ertönte ihre Stimme von oben, noch rau vom Schlaf, aber vollkommen wach in ihrer Präsenz. „Aufstehen. In sechzig Minuten erwartet Vanessa uns im Spa.“
Die Steifheit in meinen Gliedern war erdrückend. Als ich mich aufrichtete, meldete sich der Chirurgenstahl mit schneidender Deutlichkeit zurück; das Metall fühlte sich eiskalt gegen meine Haut an, und die ungelöste Stauung der vergangenen Nacht schoss sofort wieder als dumpfer, pulsierender Druck durch mein Becken.
Auf der Anrichte im Bad hatte Loona bereits die Garderobe für den Vormittag vorbereitet: kein bürgerlicher Anzug, sondern die schwere, weiße Frottéewäsche des Resorts. Ein knielanger Bademantel, weich und dick gewebt, dazu schlichte Hotelslipper.
„Der Mantel bleibt fest gegürtet“, wies sie mich an, als sie im seidenen Kimono ins Bad trat und ihre Haare zu einem straffen Knoten hochsteckte. „Darunter trägst du nichts außer dem Käfig. Keine Badehose, keine Unterwäsche. Der Gürtel wird doppelt geknotet. Sollte Richard im Saunabereich auftauchen, bist du einfach der fürsorgliche Sohn, der uns die Liegen reserviert und das Wasser reicht. Verstanden?“
„Ja, Loona“, erwiderte ich heiser.
Um Punkt zehn Minuten vor neun verließen wir das Apartment. Der Gang durch das Untergeschoss des Hotels führte direkt in den weitläufigen Wellnessbereich. Warme, feuchte Luft schlug uns entgegen, geschwängert vom Duft nach Eukalyptus, Zirbenholz und Chlorwasser. Durch riesige Panoramafenster blickte man auf die im Morgennebel liegende Havel.
An den reservierten Liegen im Ruhebereich, abgetrennt durch hohe Bambuswände vom eigentlichen Schwimmbecken, saß Vanessa bereits. Sie trug einen dunkelblauen Badeanzug unter einem offenen Kaschmirüberwurf und blätterte in einer Kunstzeitschrift. Ihr Blick hob sich, als unsere Schritte auf den feuchten Fliesen hallten.
„Pünktlich“, stellte sie fest und legte die Zeitschrift zur Seite. Ihre kühlen Augen wanderten an meiner Gestalt hinab, erfassten den stramm gezogenen Knoten des weißen Bademantels und den Samt-Choker, der knapp über dem Kragen hervorlugte. Ein feines Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. „Sehr schön. Richard zieht drüben im Sportbecken seine dreißig Bahnen. Das verschafft uns genau eine halbe Stunde ungestörte Zeit für die Vorbereitung.“
Vanessa deutete mit einer knappen Kopfbewegung auf die freien Fliesen zwischen den beiden Liegen.
„Knie dich hin, John“, befahl sie mit leiser, vollkommen ruhiger Stimme.
Ich gehorchte ohne Zögern. Die Kühle der glatten Steinfliesen schlug sofort durch den Stoff des Bademantels, als ich mich vor ihnen niederließ. Der Chirurgenstahl drückte sich schneidend in meine Dammfalte; die pochende Stauung der vergangenen Nacht war nach dem Aufstehen nicht gewichen, sondern brannte wie glühendes Metall in meinem Becken.
Loona ließ sich gelassen auf die Nachbarliege sinken, schlug die Beine übereinander und griff nach einer bereitgestellten Glaskaraffe mit aromatisiertem Wasser. Sie goss sich ein Glas ein, musterte mich über den Rand hinweg und wandte sich dann an Vanessa.
„Er hat die Nacht vollkommen diszipliniert auf dem Teppich verbracht“, berichtete sie mit einem beiläufigen Ton, als bespräche sie die Pflege eines Haustiers. „Kein Murren, keine Unruhe. Er hat verstanden, worauf es ankommt.“
Vanessa neigte leicht den Kopf. Ihr Blick glitt prüfend über meine Gestalt, verweilte an dem stramm verknoteten Frottéegürtel und wanderte schließlich zu meinem Hals, wo das schwarze Samtband mit dem kleinen Vorhängeschloss im dämpfigen Spa-Licht schimmerte.
„Ausgezeichnet“, sagte sie kühl. „Richard zieht drüben seine Bahnen. Er meinte vorhin beim Frühstück, er wolle vor dem Mittagessen noch schwitzen. Die Panoramasauna oben hat bereits neunzig Grad.“
Mein Herz setzte für einen Schlag aus. Als angehender Mediziner schoss mir sofort die blanke Panik durch die Adern: Chirurgenstahl bei neunzig Grad. Das Metall würde innerhalb weniger Minuten kochend heiß werden, sich in die Dammfalte brennen und die empfindliche Haut schlicht zerschmelzen.
Noch ehe ich auch nur ansetzen konnte, schaltete sich Loona mit ruhiger Selbstverständlichkeit ein.
„Keine finnische Sauna, Vanessa“, sagte sie gelassen und stellte ihr Wasserglas ab. Ihr Tonfall duldete keinen Widerspruch. „Richard mag die Hitze, aber für John ist das nichts. Wir schicken die beiden ins Dampfbad. Das Caldarium hat milde fünfundvierzig Grad, viel Nebel und hohe Luftfeuchtigkeit. Das schont den Kreislauf nach dem Lernstress – und ist für das, was er trägt, absolut verträglich.“
Ihr Blick glitt zu mir hinab, kühl kalkulierend, aber mit jener wachsamen Fürsorge, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie ihren Besitz hütete. Sie genoss es, mich bis an meine Grenzen zu treiben, doch sie war viel zu klug und methodisch, um ihr Eigentum durch stumpfe Nachlässigkeit dauerhaft zu beschädigen.
„Im Caldarium sieht man durch den dichten Dampf kaum die Hand vor Augen“, fuhr Loona fort und musterte mich mit einem feinen, berechnenden Lächeln. „Perfekt für dich, mein Kleiner. Du nimmst das große Leinentuch, schlingst es dir fest um die Hüfte und leistest deinem Vater dort zwanzig Minuten Gesellschaft. Niemand sieht etwas. Aber die feuchte Wärme wird die Durchblutung anregen. Dein Körper wird arbeiten, das Gewebe will sich ausdehnen – und stößt überall auf harten Stahl.“
Sie beugte sich ein Stück vor, fasste mit zwei kühlen Fingern unter mein Kinn und hob mein Gesicht leicht an.
„Du schwitzt schweigend neben deinem Vater, hörst ihm zu und erträgst das Pochen, John. Wenn Richard danach in den Außenpool will, bleibst du brav auf der Bank im Ruheraum und reichst ihm den Bademantel. Verstanden?“
„Ja, Loona“, brachte ich hervor. Die Erleichterung über das abgewendete Desaster mischte sich mit dem brennenden Bewusstsein, dass auch die feuchte Hitze des Dampfbads eine subtile, unentrinnbare Tortur werden würde.
„Gut.“ Vanessa reichte mir ein schweres, dunkelgraues Spa-Tuch. „Wickel es um. Und achte auf den Knoten. Richard müsste jede Minute aus dem Sportbecken kommen.“
Ich wickelte das schwere Leinentuch zweimal fest um die Hüfte, zog den oberen Rand straff nach innen und verknotete die Enden fest auf Taillenhöhe. Das Tuch fiel schwer bis über meine Knie. Darunter spannte der stählerne Käfig kalt und unnachgiebig gegen den nackten Oberschenkel; das M10-Gewinde zeichnete sich bei jedem Schritt als starrer Grat unter dem dicken Stoff ab. Den dicken Kragen des Bademantels schlug ich hoch, legte die schweren Frotteeseiten vorn weit übereinander und zurrte den Bindegürtel stramm fest, sodass das schwarze Samtband und das winzige Vorhängeschloss vollkommen im Stoff verborgen blieben.
Kaum hatte ich die Hände in die Manteltaschen geschoben, ertönte das vertraute Plätschern aus dem Durchgang zum Sportbecken.
Richard trat heraus, mit nassem, zurückgekämmtem Haar und einem um die Schultern gelegten Duschtuch. Seine Miene hellte sich sofort auf, als er unsere kleine Gruppe an den Liegen erblickte.
„Herrlich!“, rief er mit seiner vollen, sonoren Stimme und trocknete sich die Arme ab. „Zweiunddreißig Bahnen, das bringt den Kreislauf auf Touren. Guten Morgen, meine Damen! Guten Morgen, mein Junge!“
„Guten Morgen, Richard“, erwiderte Vanessa mit ihrem gewinnenden Lächeln. „Du siehst erholt aus. Wir haben uns gerade über das Wellnessprogramm ausgetauscht. Loona und ich genießen noch die Ruhe hier an den Liegen, bevor später unsere Termine anstehen. Aber für dich und John haben wir etwas viel Passenderes ausgesucht.“
Richard hob die Augenbrauen. „Ach? Ich dachte eigentlich an die Panoramasauna oben.“
„Die ist um diese Uhrzeit vollkommen überlaufen, Richard“, schaltete sich Loona mit heiterer Überzeugungskraft ein. „Und die trockene Hitze trocknet die Schleimhäute vor deiner Tagung in Genf nur unnötig aus. Geht lieber ins Caldarium drüben im Gewölbe. Milde Temperatur, reiner Eukalyptusdampf. Genau das Richtige, um die Bronchien frei zu bekommen und John nach den langen Lernnächten zu regenerieren.“
Mein Vater dachte einen Moment nach, nickte dann anerkennend. „Eukalyptus klingt vernünftig. Sehr mitgedacht, Loona. Kommst du mit, mein Junge? Zehn, fünfzehn Minuten Schwitzen schaden dir sicher nicht.“
„Sehr gerne, Vater“, brachte ich hervor. Meine Kehle war wie zugeschnürt.
Bevor wir losgingen, fing Loona meinen Blick auf. Ein winziges, vielsagendes Aufblitzen in ihren Augen erinnerte mich an ihre Worte: *Aushalten. Schweigen. Keine falschen Bewegungen.*
Wir ließen die Damen an den Liegen zurück und durchquerten den stillen Trakt in Richtung der Steingewölbe. Vor der schweren Glastür des Caldariums streifte Richard seinen Bademantel ab und hängte ihn an einen der Holzhaken. Ich tat es ihm mit klammen Fingern nach: Der weiße Frotteemantel fiel, und ich stand nur noch im fest gewickelten Leinentuch da. Das Samtband an meinem Hals lag nun völlig unbedeckt im dämmrigen Flurlicht.
„Nacken verspannt?“, fragte Richard beiläufig, während er auf die Klinke drückte. Er hatte den schwarzen Stoff am Hals registriert, hielt ihn jedoch für ein therapeutisches Kinesiologie-Band.
„Ja… vom vielen Mikroskopieren im Seziersaal“, log ich mit gepresster Stimme.
„Kenne ich nur zu gut. Wärme wird helfen. Komm rein.“
Die schwere Tür glitt auf, und eine Welle aus dichtem, warmem Nebel und beißendem Eukalyptus schlug uns entgegen. Drinnen herrschte gedämpftes, blaugrünes Licht; der Dampf war so dick, dass die Konturen der gefliesten Steinbänke nach zwei Metern verschwammen.
Wir setzten uns nebeneinander auf die glatten, warmen Fliesen.
Schon nach zwei Minuten begann die feuchte Hitze ihre unausweichliche Wirkung zu entfalten. Feine Wassertropfen kondensierten auf meiner Haut und rannen über die Brust und den Rücken herab. Der Chirurgenstahl nahm die Temperatur der Umgebung langsam, aber stetig an. Er wurde nicht glühend heiß wie in einer Trockensauna, doch die milde, feuchte Wärme drang tief in das Gewebe ein.
Das Blut schoss durch meine Gefäße. Der durch die vorangegangene Stimulation aufgestaute, brennende Druck im Inneren meldete sich mit erbarmungsloser Wucht zurück: Mein Körper versuchte auf die Wärme und die gesteigerte Durchblutung mit einer Schwellung zu reagieren, doch die starren Längsstreben gaben keinen Millimeter nach. Der Druck im Inneren des Gehäuses stieg ins Unerträgliche; der Basisring fraß sich schneidend in die wunde Dammhaut, während das offene M10-Gewinde an der Spitze gegen das nasse Leinentuch drückte.
Neben mir atmete Richard tief und entspannt aus.
„Ah… wunderbar. Die Luft tut unglaublich gut. Wie steht es eigentlich um deinen Seminarleiter in Pathologie, John? Dr. Schultheiß? Ist der alte Herr immer noch so pedantisch bei den Schnittpräparaten?“
Mein Unterleib pulsierte wie eine offene Wunde. Jeder Atemzug war ein Kampf, die Zähne nicht hörbar aufeinanderzupressen.
„Ja, Vater“, brachte ich mühsam hervor, während meine Finger sich krampfhaft in die Kante der Steinbank gruben. „Er… er achtet sehr genau auf die Färbetechnik.“
„Sehr gut so. Nur Genauigkeit macht einen echten Mediziner aus.“ Richard lehnte sich zurück, die Augen im Nebel geschlossen, völlig blind für die zerreißende Tortur, die sich nur wenige Zentimeter neben ihm auf derselben Bank abspielte.
Der heiße Eukalyptusnebel schien die Sekunden ins Unendliche zu dehnen. Schweiß und Kondenswasser vermischten sich, rannen mir über die Schläfen und tropften von meinem Kinn auf das schwere Leinentuch.
Das feuchte Tuch sog sich voll, wurde schwerer und klebte unbarmherzig an meinen Oberschenkeln. Darunter erzeugte die gleichmäßige Wärme von fünfundvierzig Grad genau den Effekt, den Loona eiskalt einkalkuliert hatte: Der Chirurgenstahl war handwarm geworden, und mein Körper, angefeuert von der gesteigerten Blutzirkulation und der gestrigen Stimulation, kämpfte verzweifelt gegen seine Fesseln an. Jeder Herzschlag hämmerte als pochender Schmerz gegen die Längsstreben. Es war kein stechender Schnitt wie bei der Kälte, sondern ein dumpfes, zermürbendes Reißen, das mir den Verstand vernebelte.
„Manchmal beneide ich dich fast um diese Jahre, John“, murmelte Richard mit sonorer, entspannter Stimme in den Nebel hinein. Er hatte die Arme auf der oberen Fliesenstufe ausgestreckt und schien die feuchte Wärme in vollen Zügen zu genießen. „Das Grundstudium ist hart, keine Frage. Aber dieser Moment, wenn die Zusammenhänge plötzlich greifbar werden – wenn Physiologie, Biochemie und Anatomie wie Zahnräder ineinandergreifen… das vergisst man sein Leben lang nicht.“
„Ja… die Zusammenhänge“, wiederholte ich mechanisch. Meine Stimme klang brüchig, gedämpft vom Rauschen der Dampfdüsen.
Um den schneidenden Druck am Damm zu lindern, verlagerte ich mein Gewicht um einen Zentimeter nach vorn. Ein fataler Fehler: Das offene M10-Gewinde an der Spitze stieß sofort hart gegen die feuchte Leinwand des Tuchs, und der Basisring bohrte sich tiefer in das gereizte Gewebe. Ein leises, ersticktes Keuchen entkam meiner Kehle.
Richard wandte träge den Kopf zur Seite. Im dichten, grünlichen Dunst waren seine Züge nur schemenhaft zu erkennen.
„Alles in Ordnung, mein Junge? Ist dir die Luft zu schwer? Wir können jederzeit rausgehen.“
„Nein… alles gut, Vater“, log ich hastig und zwang mich, die Hände flach auf die nassglatten Fliesen der Bank zu pressen, bis die Knöchel weiß hervortraten. „Nur… die Hitze treibt den Puls hoch. Die Bronchien arbeiten.“
„Ein gutes Zeichen“, nickte mein Vater zufrieden und schloss die Augen wieder. „Der Körper scheidet Gifte aus. Noch fünf Minuten, dann reicht es für den ersten Durchgang. Danach eine kalte Schwalldusche, und wir trinken oben im Wintergarten einen frischen Ingwertee mit den Damen.“
Fünf Minuten. Dreihundert endlose Sekunden.
Ich konzentrierte mich auf das rhythmische Zischen der Dampfdüsen an der Rückwand. Das Samtband an meiner Kehle war vollgesogen und lag wie ein nasses Seil um meinen Hals, das Vorhängeschloss klebte kühl an meiner Haut. Und doch, mitten in dieser schweigenden Qual neben meinem ahnungslosen Vater, spürte ich wieder jenes dunkle, unentrinnbare Band zu Loona: Sie hatte mich vor den neunzig Grad der finnischen Sauna bewahrt, hatte Richard souverän umgelenkt und mir diesen Schutzraum gegeben – und mich gleichzeitig in eine Situation manövriert, in der mein gesamtes Dasein vollkommen von ihrem Wohlwollen abhing.
Als Richard sich schließlich mit einem tiefen Seufzen erhob und nach der Glastür tastete, war es die reine Erlösung.
„Komm, John. Das war hervorragend für heute.“
Mit zittrigen Knien stand ich auf. Meine Beine fühlten sich wie Gummi an. Das nasse Leinentuch spannte über der Härte des Stahls, doch im Halbdunkel des Gewölbes blieb alles verborgen. Ich schlüpfte draußen sofort in den Frotteebademantel, schlug die Seiten weit übereinander, band den Gürtel doppelt fest und schloss die Augen, als die kühle Luft des Korridors meine brennende Stirn traf.
Auf dem Weg zurück zu den Liegen warteten sie bereits.
Vanessa und Loona saßen auf ihren Liegen, frisch und gepflegt im weichen Licht des Ruhebereichs, zwei hohe Gläser Wasser mit Gurkenscheiben vor sich. Vanessa las mit eleganter Gelassenheit in ihrer Zeitschrift, während Loonas Blick sofort zu mir herüberglitt.
Ihre Augen suchten meine, scannten die Rötung in meinem Gesicht, die Erschöpfung in meinen Zügen und das minimale Zittern in meinen Knien. Ihre Mundwinkel hoben sich zu einem kaum merklichen, triumphierenden Lächeln.
„Na, wie war das Dampfbad?“, fragte Vanessa mit wohlklingender, beiläufiger Stimme, als Richard an ihre Liege trat und ihr sanft über die Schulter strich.
„Ausgezeichnet, Liebling“, antwortete Richard begeistert. „Genau die richtige Entscheidung. John hat sich wacker geschlagen, auch wenn ihm die Hitze ordentlich zugesetzt hat. Er sieht aus, als könnte er eine Stunde Ruhepause vertragen.“
„Das dachten wir uns schon“, erwiderte Loona sanft und sah mich mit jener samtigen Fürsorge an, die mich jedes Mal aufs Neue erschaudern ließ. Sie deutete auf die freie Liege schräg hinter sich. „Leg dich ein wenig hin, John. Trink etwas Wasser. Du hast vorbildlich durchgehalten.“
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