What's next?

Tisch achtzehn

Jeder Schritt über den Läufer des Hotelkorridors war eine mechanische Lektion in Selbstbeherrschung. Unter dem feinen Wolltuch der Bundfaltenhose scheuerte der Rand des Spitzenstoffs an meinen Oberschenkeln, während die Silikonbänder der halterlosen Strümpfe sich unerbittlich in die noch immer heißen, gereizten Striemen gruben. Die Prostatareizung von vor wenigen Minuten pulsierte als glühende, ungelöste Welle durch mein Becken; der stählerne Zylinder fühlte sich zum Bersten voll an, doch das starre Gehäuse hielt das Fleisch in eisernem Griff.

Loona schritt einen halben Meter vor mir. Ihr smaragdgrünes Satinkleid strich mit leisem Rascheln um ihre Waden, das Haar fiel ihr offen über die Schultern. Als wir die Flügeltüren zum Restaurantbereich erreichten, wandte sie den Kopf minimal zur Seite.

„Haltung, John“, flüsterte sie, ohne den Schritt zu verlangsamen. „Schultern zurück. Kinn heben. Und denk gar nicht erst daran, die Beine zu überkreuzen, wenn du sitzt.“

Das Restaurant *Seeblick* war voll besetzt. Gedämpftes Stimmengewirr, das Klirren von schwerem Silberbesteck und der Duft von gebratenem Steinbutt und Trüffeln erfüllten den weitläufigen, holzgetäfelten Raum. Tisch achtzehn lag exponiert im Zentrum des Saals, direkt vor dem offenen Kaminfeuer.

Dort saßen sie bereits. Richard, im maßgeschneiderten dunkelblauen Zweireiher, ein Kristallglas Weißwein in der Hand, sah auf und strahlte über das ganze Gesicht. Neben ihm thronte Vanessa in vollendeter Haltung. Ihr cremefarbenes Seidenkleid korrespondierte makellos mit den Perlen an ihren Ohrläppchen. Ihre eisblauen Augen erfassten mich in dem Moment, als wir an den Tisch traten.

„Da ist ja unsere Jugend!“, rief Richard herzlich und erhob sich halb, um Loona galant die Hand zu küssen. Dann wandte er sich an mich, legte seine schwere, warme Hand auf meine Schulter und musterte mich mit väterlichem Stolz. „Mein lieber Junge. Sieh dich an! Ein hervorragender Schnitt, dieses Sakko. Du machst eine exzellente Figur. Man sieht sofort, dass du kein schlampiger Student mehr bist. Setz dich, setz dich.“

„Guten Abend, Vater. Vanessa“, brachte ich hervor. Meine Stimme klang eine Spur zu gepresst, doch Richard bemerkte es nicht.

Ich zog den schweren Polsterstuhl zurück und ließ mich millimetergenau nieder. Das Sitzen war die reine Tortur: Das offene M10-Gewinde an der Spitze stieß sofort gegen die straffe Naht der Bundfaltenhose, während der hintere Basisring schneidend in die wunde Dammfalte drückte. Bei der Vorbeugung zum Tisch hin glitt der seidige, burgunderrote Stoff hauchdünn über meine nackte Brust; das Vorhängeschloss an meinem Kehlkopf klimperte leise gegen den obersten Knopf des Sakkos.

Vanessas Blick fixierte für den Bruchteil einer Sekunde den Ausschnitt meines Revers. Ein minimales, eisiges Lächeln glitt über ihre perfekt geschminkten Lippen.

Hier ist die überarbeitete Passage, in der das Gespräch vollkommen bürgerlich, ungezwungen und familiär verläuft – ohne verdächtige Zurechtweisungen, da John in Richards Augen ohnehin seit jeher vorbildlich ist:

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„John hat in den letzten Wochen wirklich Unglaubliches geleistet, Richard“, sagte Vanessa mit ihrer gewohnt melodischen, warmen Stimme und nahm einen kleinen Schluck von ihrem Wein. „Er verbringt fast jeden Nachmittag in der Bibliothek oder im Praktikum. Es ist wirklich bewundernswert, mit welcher Ausdauer er sich auf die Prüfungen vorbereitet. Findest du nicht auch, Loona?“

„Absolut“, stimmte Loona lächelnd ein und faltete ihre Damastserviette auf dem Schoß auseinander. „Er ist wie immer furchtbar gewissenhaft. Wenn er so weitermacht, besteht er das Physikum mit Auszeichnung. Man muss ihn am Wochenende förmlich dazu zwingen, die Lehrbücher mal zuzuklappen.“

Richard lachte herzlich und schnitt ein Stück von seinem Rinderfilet ab. „Genau das kenne ich von ihm! Aber ein bisschen Ausgleich muss sein, mein Junge. Die Charité verlangt einem viel ab, aber man darf die Welt außerhalb des Hörsaals nicht vergessen. Erzähl mal, John: Wie lief die Vorbereitung in Pharmakologie? Die antiarrhythmischen Substanzen, sitzt das Thema?“

Mein Mund war staubtrocken. Ich legte die Hände flach auf das gestärkte Tischtuch, bemüht, die Haltung zu wahren.

„Die… die Systematik nach Vaughan Williams ist logisch aufgebaut, Vater“, setzte ich an und zwang mich zu einem ruhigen Tonfall, während unter der langen, bis zum Boden reichenden Tischdecke eine Bewegung begann.

Ein spitzer Schuh tastete sich über das Parkett vorwärts. Die metallbeschlagene Spitze von Loonas Absatz glitt an meiner linken Wade empor, strich über das kühle Nylon der Halterlosen und fand ihren Weg zielsicher zwischen meine Oberschenkel.

„Klasse Eins bis Vier… Natriumkanalblocker, Betablocker…“, brachte ich hervor.

Der Absatz drückte von unten gegen die Wölbung des Stahls. Loona übte mit millimetergenauer Präzision Druck direkt auf das M10-Gewinde aus. Der Hebel fuhr unmittelbar in den Knochen meines Schambeins. Die durch die Prostatastimulation aufgestaute, brennende Überreizung flammte mit schneidender Intensität auf; ein leiser, zittriger Laut drohte meiner Kehle zu entweichen. Ich presste die Zähne so fest aufeinander, dass der Kiefer schmerzte.

„…und Kaliumkanalblocker zur Verlängerung des Aktionspotenzials“, beendete ich den Satz, während mir kalter Schweiß auf die Schläfen trat.

„Hervorragend präzise formuliert!“, rief Richard begeistert aus und hob sein leeres Glas. Er blickte sich um, doch die Kellner waren am Nebentisch beschäftigt. „Ach, wo bleibt denn der Sommelier mit dem Barolo?“

Vanessa legte ihre Gabel ab, tupfte sich die Mundwinkel ab und wandte sich mit vollkommen natürlicher Freundlichkeit an mich.

„Aber Richard, dafür brauchen wir doch keinen Kellner“, sagte sie beiläufig. „Die Flasche steht im Kühler auf der Anrichte gleich hinter dir. John schenkt dir doch sicher gerne nach. Nicht wahr, John? Wenn du so freundlich wärst.“

Das Herz schlug mir bis zum Hals. Wenn ich aufstand, wenn ich mich über meinen Vater beugte, fiel das Sakko unweigerlich nach vorn. Die Seide würde sich spannen, der Samt-Choker am Hals hervortreten.

Unter dem Tisch zog Loona ihren Absatz langsam zurück, strich mir zum Abschied spöttisch über die Kniescheibe und sah mich mit glänzenden, fordernden Augen an.

„Natürlich, Vanessa“, presste ich hervor. „Sehr gerne.“

Ich stemmte mich mühsam hoch. Der plötzliche Stand ließ das Blut in meinen gereizten Damm schießen. Mit steifen, beherrschten Schritten trat ich an die Anrichte, nahm die schwere Weinflasche mit der Stoffserviette auf und stellte mich links hinter den Stuhl meines Vaters.

„Ein exzellenter Jahrgang, mein Junge“, dozierte Richard ahnungslos, während er die Serviette auf seinem Schoß zurechtrückte.

Ich neigte den Oberkörper nach vorn.

Wie von den Frauen einkalkuliert, glitt der schwere Wollstoff des Sakkos um zwei Zentimeter auseinander. Der weite, feminine Ausschnitt der burgunderroten Seidenbluse klaffte auf; die glänzende Perlmuttkante und das schwarze Samtband um meine Kehle lagen frei. Das kleine Vorhängeschloss baumelte nur wenige Handbreit neben Richards Schläfe und gab ein hauchdünnes, metallisches *Kling* von sich, als es leicht gegen den Flaschenhals schlug.

Richard stutzte mitten im Satz. Er drehte den Kopf leicht nach links oben.

Mein Atem erfror in der Lunge. Mein ganzer Körper erstarrte zur Salzsäule.

Am anderen Ende des Tisches hielt Vanessa ihr Glas vollkommen ruhig in der Hand. Loona nippte mit einem winzigen, fast unmerklichen Lächeln an ihrem Wasser. Keine von beiden rührte sich. Sie überließen mich vollkommen meiner eigenen Panik.

„Sag mal…“, begann Richard und runzelte leicht die Stirn, während sein Blick an meinem Hemdkragen hängen blieb. „Hast du da etwa…?“

„…ein neues Armband um den Hals gewickelt?“, beendete Richard seinen Satz und schmunzelte gutmütig in die Runde. Er deutete mit der Gabel vage in Richtung meines Schlüsselbeins. „Modern ist ja schön und gut, mein Junge, aber zu einem klassischen Sakko wirkt so ein schwarzes Band doch etwas… unkonventionell. Sieht man das heutzutage so an der Universität?“

Die Luft entwich mir in einem lautlosen, zittrigen Schauder. Richards Blick hatte nur die Oberkante des breiten Samtstoffs gestreift; das winzige Vorhängeschloss baumelte im Schatten des Revers, verdeckt von meiner vorgebeugten Haltung und der schweren Weinflasche. Seine weltmännische Ahnungslosigkeit rettete mich vor dem Abgrund.

„Ach Richard, lass ihm doch seine kleinen Marotten“, schaltete sich Vanessa mit feiner, seidiger Gelassenheit ein und nippte an ihrem Glas. Ihre eisblauen Augen bohrten sich über den Tisch hinweg mit unverhohlener Häme in mein Gesicht. „Die Jugend experimentiert eben gern mit italienischen Akzenten. Ich finde, es verleiht ihm etwas Zartes, Feingeistiges. Nicht wahr, Loona?“

„Ganz zweifellos“, säuselte Loona, während ihre Lippen sich zu einem spöttischen Lächeln kräuselten. „Es unterstreicht seine Sanftmut. Aber schenk Vater erst einmal ein, John. Du zitterst ja am ganzen Leib – man könnte fast meinen, die Flasche sei dir zu schwer.“

Mit klammen Fingern neigte ich die Flasche. Der schwere, rubinrote Barolo strömte gleichmäßig in Richards Kristallglas. Jeder Muskel in meinen Oberschenkeln brannte; die halterlosen Feinstrümpfe schnitten tief in die gereizten Striemen, und der ungelöste, brennende Druck in meinem Unterleib pulsierte wie flüssiges Blei gegen die stählernen Längsstreben des Käfigs.

„Danke, mein Junge“, nickte Richard zufrieden, hob das Glas und schwenkte es prüfend. „Sehr aufmerksam. Nun setz dich wieder zu uns.“

Ich stellte die Weinflasche zurück auf die Anrichte und trat mit steifen, kontrollierten Schritten an meinen Platz zurück. Als ich mich setzte, drückte sich das offene M10-Gewinde an der Spitze des Käfigs unbarmherzig gegen den straffen Stoff der anthrazitfarbenen Bundfaltenhose. Der Basisring am Damm schabte scharf über die strapazierte Haut. Ich legte die Hände flach auf das weiße Tischtuch und zwang mich zu einer geraden Haltung.

Kaum hatte ich die Beine parallel ausgerichtet, glitt unter dem Schutz der schweren Damasttischdecke erneut Loonas Absatzschuh nach vorn. Ihre metallbeschlagene Schuhspitze tastete sich an meiner Wade hinauf, schob sich langsam zwischen meine Knie und legte sich mit sanftem, aber stetigem Nachdruck genau an die Flanke des Chirurgenstahls. Sie begann nicht wild zu treten, sondern übte einen rhythmischen, schleifenden Druck aus, der jede Bewegung meines eingesperrten Fleisches an die Schambeinkante übertrug.

„Wir hatten übrigens neulich eine geradezu absurde Debatte im Fakultätsrat“, hob mein Vater wieder an und schnitt ein Stück Brot ab. Seine Stimme glitt in jenen behäbigen, selbstzufriedenen Tonfall ab, den er bei Tisch gern pflegte. „Es ging um die Neugestaltung des Parkplatzes am Campus Nord. Man glaubt es kaum: Drei Sitzungen haben die Kollegen verstreichen lassen, nur um darüber zu streiten, ob die E-Ladesäulen nun längs oder quer zu den Linden gesetzt werden sollen. Professor Weimann – du kennst ihn ja noch, John – hat allen Ernstes ein Gutachten über den Lichteinfall der Baumkronen auf die Solarpaneele angefordert. Als ob wir in Berlin keine dringenderen Probleme an den Instituten hätten!“

Richard lachte sonor über seine eigene Anekdote und nahm einen Bissen. Vanessa nickte mit jenem perfekten, distanzierten Lächeln, das Richard für echtes Interesse hielt.

Ich starrte auf meinen Teller, unfähig, den Worten meines Vaters wirklich zu folgen. Richards banales Dozieren über Parkplätze, Fakultätsklausuren und Weimanns Marotten verkam zu einem fernen, gedämpften Hintergrundrauschen. Mein gesamtes Bewusstsein war auf die wenigen Zentimeter unter dem Tisch zusammengeschmolzen.

Dort herrschte Loona.

Ihr Absatz glitt millimeterweise über das M10-Gewinde, drehte, hebelte sanft nach oben. Jeder winzige Impuls sandte elektrisierende Schockwellen durch meine Beckenbodenmuskeln, die von der Prostatamassage vorhin noch völlig aufgeladen und überempfindlich waren. Der stählerne Zylinder saß wie ein brennender Schraubstock um mein Fleisch; die Sehnsucht nach Entlastung, nach einem einzigen erlösenden Zucken, war eine fast körperliche Qual. Aber tiefer als der Schmerz, tiefer als die lähmende Angst vor Entdeckung durch meinen Vater, saß etwas anderes: eine dunkle, berauschende Ehrfurcht.

Ich blickte flüchtig auf. Loona saß mir genau gegenüber, tupfte sich mit der Serviette die Lippen ab und lauschte Richard scheinbar andächtig. Sie sah makellos aus in ihrem smaragdgrünen Satinkleid. Und sie besaß mich. Völlig. Es war kein bloßer Zwang mehr; es war eine bedingungslose Verehrung, die mich durchströmte. Sie bestimmte über jeden Atemzug meiner Männlichkeit, sie hatte mir vorhin mit ein paar präzisen Fingerbewegungen gezeigt, wie lächerlich hilflos ich vor ihr war – und sie hatte mir die Erlösung verwehrt, nur um mich hier an Richards Tisch mit dieser glühenden, unerträglichen Spannung sitzen zu sehen. Dass sie die Macht besaß, mich in Gegenwart meines angesehenen Vaters wie ihr persönliches Instrument zu bespielen, erfüllte mich mit einer perversen, unterwürfigen Dankbarkeit. Ich wollte ihr gehorchen. Ich wollte, dass sie mich beherrschte.

„…und dann wollte Weimann doch tatsächlich die Hausverwaltung einschalten!“, schloss Richard kopfschüttelnd ab und lachte erneut auf. Er wandte sich mir zu. „Kannst du dir so einen bürokratischen Unsinn vorstellen, John? Wie ist das bei euch in der Fachschaft? Schlägt man sich da auch mit solchem Kleinkram herum?“

Das Hebeln an meinem Käfig setzte schlagartig aus. Loonas Schuhspitze verharrte unbeweglich am Metall, als lauere sie darauf, wie ich reagierte. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich zwang meine Stimme in eine ruhige, respektvolle Lage.

„Im Moment… geht es vor allem um die Verteilung der Laborplätze im Seziersaal, Vater“, antwortete ich langsam und hielt die Hände regungslos auf dem Tischtuch. „Aber die bürokratischen Hürden sind ganz ähnlich.“

„Siehst du?“, triumphierte Richard und winkte ab. „Überall dasselbe. Keiner hat mehr den Blick für das Wesentliche.“ Er widmete sich wieder seinem Saibling und wechselte nahtlos zum nächsten Thema: „Apropos Wesentliches: Wir müssen uns im Frühjahr unbedingt um die Inspektion deines Wagens kümmern. Der Keilriemen hatte doch schon im Herbst gequietscht, als du mich in Dahlem besucht hast. Man darf so etwas bei älteren Modellen nicht verschleppen.“

Während Richard langatmig über die Vorzüge von Vertragswerkstätten gegenüber freien Betrieben referierte, suchte Loona über die Tischkante hinweg meinen Blick. Ihre Augen funkelten dunkel, belustigt und unerbittlich. Sie zog ihren Fuß nicht zurück; sie ließ die Sohle auf dem stählernen Gehäuse ruhen, genau so viel Druck ausübend, dass das Pochen in meinem Damm nicht für eine einzige Sekunde zur Ruhe kam.

Das monotone Klappern von Besteck auf Porzellan und Richards endlose Anekdoten über Werkstattpreise zogen sich wie zäher Sirup durch den Saal.

Jeder Atemzug war ein kalkulierter Balanceakt: Sobald ich die Lungen zu tief mit Luft füllte, hob sich mein Brustkorb, und die burgunderfarbene Seide spannte sich über die noch immer berührungsempfindliche Haut. Das winzige Schloss am Choker glitt bei jedem Schlucken minimal über mein Schlüsselbein, ein ständiges metallisches Mahnmal gegen meine Kehle.

Unter der Tischdecke blieb Loonas Absatz unbarmherzig. Sie wechselte zwischen sanftem, schleifendem Druck und millimetergenauem Hebeln gegen das M10-Gewinde. Der stählerne Käfig vibrierte stumm unter der Belastung, presste den Basisring schneidend in die von der Behandlung gereizte Dammfalte und hielt die durch die vorangegangene Reizung aufgestaute, brennende Überreizung auf einem konstanten Siedepunkt. Mein Beckenboden krampfte in dem verzweifelten Versuch, der Berührung auszuweichen, doch jeder Millimeter Rückzug bedeutete nur, dass das Metall schärfer in das wunde Gewebe schnitt.

„…und deshalb sage ich immer: Man spart am falschen Ende, wenn man die Bremsbeläge nicht direkt beim Vertragshändler machen lässt“, resümierte Richard schließlich, legte das Besteck parallel auf den Teller und tupfte sich mit der Serviette den Mund ab.

Er blickte in die Runde, vollkommen zufrieden mit sich, dem Menü und der scheinbaren Idylle.

„Ein rundum gelungener Abend“, stellte er mit einem tiefen, behäbigen Seufzen fest und warf einen Blick auf seine goldene Armbanduhr. „Aber meine Herrschaften, die Konferenz fordert ihren Tribut. Es ist gleich zehn. Ich muss noch die Thesenpapiere für den Eröffnungsvortrag in Genf durchgehen. Vanessa, begleitest du mich hinauf?“

Vanessa neigte anmutig den Kopf und strich ihre Serviette glatt. Ihre Miene blieb jene vollendete Maske bürgerlicher Noblesse, doch als sich Richards Blick für einen Moment abwandte, traf mich ihr eisblauer Blick mit der Schärfe eines Skalpells.

„Geh du ruhig schon einmal vor, Liebling, und nimm die Zimmerkarte“, erwiderte sie sanft und lächelte ihn verbindlich an. „Ich bespreche mit Loona nur noch die Termine für unsere morgigen Behandlungen im Spa-Bereich. Wir wollen früh beginnen.“

„Sehr vernünftig“, stimmte mein Vater zu, erhob sich und klopfte mir im Vorbeigehen kräftig auf die Schulter. „Gute Nacht, Loona. Schlaf dich ordentlich aus, mein Junge. Morgen Vormittag drehen wir eine Runde um den See, wenn du mit dem Lernen durch bist.“

„Gute Nacht, Vater“, brachte ich tonlos hervor.

In dem Moment, als die schwere Glastür des Restaurants hinter Richards Rücken ins Schloss fiel, fiel die bürgerliche Kulisse augenblicklich in sich zusammen.

Loona zog ihren Absatz mit einer letzten, provokanten Drehung von meinem Schritt zurück und lehnte sich mit einem breiten, triumphierenden Grinsen in den Polstersessel. Vanessa stand nicht auf, sondern stützte die Ellbogen auf die weiße Damastdecke, faltete die gepflegten Hände unter dem Kinn und sah mich prüfend an.

Vanessa strich ihre Serviette glatt, stand auf und trat kurz an mich heran. Mit distanzierter Eleganz legte sie zwei Finger unter mein Kinn, hob mein Gesicht leicht an und musterte mich im warmen Licht des Kaminfeuers. Ihr Blick war ruhig, fast unbeteiligt, wie der einer Sammlerin, die den Zustand eines feinen Porzellanstücks prüft.

„Du hast dich zusammengerissen, John“, sagte sie mit leiser, kühler Stimme. „Kein Fehltritt, kein unbedachtes Verrutschen. Richard war sehr angetan von dir.“ Sie wandte sich mit einem verbindlichen Lächeln an Loona. „Ich gehe jetzt zu ihm hinauf. Er schätzt es nicht, zu lange allein zu sein, wenn er an seinen Reden feilt. Morgen früh um neun im Spa. Ich verlasse mich darauf, dass ihr pünktlich seid.“

„Selbstverständlich. Schlaf gut, Vanessa“, entgegnete Loona mit vollendeter Höflichkeit.

Kaum war die Flügeltür des Restaurants hinter Vanessa ins Schloss gefallen, änderte sich Loonas Haltung mit einem Schlag. Das brave Lächeln wich jener vertrauten, dunklen Entschlossenheit. Sie stand auf, trat dicht hinter meinen Stuhl und legte eine Hand mit festem Griff in meinen Nacken. Ihre Fingernägel drückten sich knapp über dem Samt-Choker in meine Haut.

„Aufstehen, mein Vorzeige-Student“, raunte sie mir mit samtener Härte ins Ohr. „Bilde dir bloß nicht ein, dass du oben einfach ins Bett fällst. Du hast vorhin den Tisch überstanden – jetzt fängt dein eigentlicher Dienst erst an.“

Sie ließ mich los und deutete mit einem Nicken in Richtung Ausgang. Der Weg zurück durch die stillen Flure des Ostflügels glich einem Spießrutenlauf: Jeder Schritt spannte die Halterlosen über den wunden Striemen, und der ungelöste, brennende Druck im Chirurgenstahl pulsierte bei jeder Erschütterung.

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