What's next?
Der nächste Abend
Yurii stand hinter dem Vorhang im dunklen Wohnzimmer und schob ihn mit zwei Fingern gerade so weit auseinander, dass er durch den schmalen Spalt die Auffahrt und den Vorplatz sehen konnte.
Draußen war die Sonne bereits untergegangen. Alles wirkt friedlich. Vielleicht zu friedlich und dadurch verdächtig?
Hinter ihm knarrte ein Sessel, als George sich bewegte.
"Noch immer nichts?"
Yurii schüttelte den Kopf.
"Bist du sicher, dass sie kommen?"
"Die Tochter hat vor einer guten Stunde getextet, dass sie unterwegs seien. Vielleicht brauchen sie länger als gedacht."
George trat neben ihn. Für einen Mann seiner Gewichtsklasse bewegte er sich erstaunlich leise. Über Yuriis Kopf hinweg warf er einen Blick durch den Vorhang.
"Wenn sie nicht kommen ..."
Der große Schwarze ließ den halbfertigen Satz im Raum hängen.
Yurii unterdrückte ein Nicken. Er wusste, dass George recht hatte. Eigentlich hätten sie längst verschwinden sollen. Mit jeder Stunde stieg das Risiko, entdeckt zu werden. Einen ganzen Tag zu warten, war sträflich leichtsinnig.
Der Einbruch hatte schon genug gebracht. Schmuck. Elektronik. Und – natürlich – die Frau.
Er grinste.
Es hatte eine Weile gedauert, bis die MILF aufgetaut war. Aber dann war sie abgegangen, wie eine Rakete. Bei dem Gedanken spürte er, wie sich sein Schwanz in der Hose schon wieder regte. Allein dafür hatte sich der Bruch gelohnt.
Eigentlich hätten sie die Villa längst hinter sich lassen, die Beute versilbern und untertauchen sollen.
Eigentlich ...
Aber dann hatte er die Fotos von der Tochter gesehen.
Julia.
Und deren Freundin Miu.
Ab diesem Moment hatte sein Schwanz das Denken übernommen.
Yurii griff sich in den Schritt und rückte seine Hose zurecht, die deutlich zu eng geworden war.
"Sie kommen sicher bald."
George schnaubte.
Es machte Yurii wütend, wenn sein Kumpan vernünftiger war als er. Eigentlich war er der Kopf, machte Pläne, traf Entscheidungen.
Auch dieses Mal hatte er entschieden, dass sie blieben. Nur war dieser Plan nicht wirklich von seinem Kopf ausgedacht worden.
Er schloss die Fäuste.
Da sah er die Scheinwerfer.
Na also.
Ein Wagen bog in die Auffahrt ein.
Yurii und George duckten sich weg. Lichtkegel glitten über die Fassade und erloschen. Der Motor verstummte.
Die Fahrertür öffnete sich. Eine junge Frau stieg aus. Lange blonde Haare. Schlanke Figur mit Kurven genau an den richtigen Stellen.
Julia.
George wagte einen Blick hinaus. "Scheiße", murmelte er. Es klang anerkennend.
Yurii grinste in sich hinein.
Ich hab doch gesagt, dass es sich lohnt, zu warten.
Dann öffnete sich die Beifahrertür. Eine zweite junge Frau stieg aus. Schwarze Haare, Mandelaugen, zierlich.
Miu.
Julia sagte etwas zu ihr. Durch die geschlossenen Fenster konnte Yurii es nicht verstehen, aber vermutlich war es etwas Banales wie "Willkommen bei mir Zuhause" oder "Du wirst meine Mutter mögen".
Sie nahmen Taschen aus dem Kofferraum und gingen aufs Haus zu.
"Sollen wir sie an der Tür abfangen?", raunte George.
"Nein. Noch nicht. Wir warten, bis sie drin sind. Geh du hinten raus und schneide ihnen den Weg ab, wenn sie abhauen wollen."
Vor der Haustür blieben die zwei Frauen stehen.
Yurii duckte sich.
Mist. Wahrscheinlich wundern sie sich, dass ihnen niemand aufmacht. Das hätte ich voraussehen sollen.
Erleichtert hörte er das Geräusch eines Schlüssels im Schloss. Licht wurde angeknipst.
"Hallo, Mama!"
Yurii richtete sich wieder auf. Er wischte sich die plötzlich feuchten Hände an seinem gemusterten Hemd ab.
Dann trat er in den Flur.
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