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Auf dem Präsentierteller

Das kühle, weiche Jersey der grauen Jogginghose glitt über meine Oberschenkel und legte sich wie eine zweite Haut um meine Hüften.

Ohne den schützenden Halt von Unterwäsche gab es keinen Puffer, keine Barriere. Das massive Gewicht des Edelstahlgehäuses zog den dünnen Stoff erbarmungslos nach unten. Bei der kleinsten Bewegung schwang der Zylinder träge mit, und der starre, runde Abdruck des Rohrs sowie der eckige Umriss des Messingvorhängeschlosses zeichneten sich mit schonungsloser Härte unter dem hellgrauen Melange-Gewebe ab.

Ich trat mit stockendem Atem aus dem Schlafzimmer zurück ins Wohnzimmer.

Loona saß noch immer am Tisch, die Kaffeetasse in der Hand. Als sie mich sah, glitt ein dunkles, genüssliches Schimmern in ihre Augen.

„Geh ein paar Schritte“, befahl sie leise. „Hin zur Wand. Und wieder zurück.“

Ich gehorchte. Jeder Schritt war reine Folter. Der Zylinder stieß bei jedem Auftreten gegen die Innenseite meines Oberschenkels, der Stoff spannte sich darüber und bildete eine Silhouette, die jedem Blinden ins Auge stechen musste.

„Bleib stehen“, sagte sie, stand auf und trat langsam um mich herum. Sie ging in die Hocke, ihre kühlen Finger legten sich auf den dünnen Stoff direkt über dem Zylinder und fuhren die Kontur langsam nach. Ein scharfer Zischlaut entwich meinen Zähnen. „Es ist perfekt, John. Man sieht jede Kante. Jede Wölbung. Setz dich auf den Stuhl da drüben und spreiz die Beine.“

Ich ließ mich auf den Holzstuhl nieder und öffnete die Knie. Der dünne Jerseystoff spannte sich sofort straff über meinen Schritt. Der stählerne Schaft drückte sich so unverschämt deutlich gegen den Stoff, als läge er unbedeckt da.

Loona lächelte kühl. „Genau so. Denk daran, wem du gehörst. Du fährst jetzt los.“

Schon der Schritt aus dem Hausflur hinaus auf den Bürgersteig fühlte sich an wie ein Sprung ins offene Messer. Der Berliner Spätsommerwind fegte über die Straße und drückte den leichten Stoff der Hose unbarmherzig gegen meine Beine, zeichnete jede Kurve, jeden stählernen Grat gnadenlos nach.

Ich hastete hinab in den U-Bahnhof, den Blick starr auf die dreckigen Fliesen gerichtet, die Hände tief in den Taschen meines kurzen Parkas vergraben. Verzweifelt versuchte ich, den Saum nach vorne zu zerren, um wenigstens den Ansatz meiner Mitte abzuschirmen – doch jede Ausweichbewegung wirkte nur noch verkrampfter, auffälliger, verdächtiger.

Auf dem überfüllten Bahnsteig schien die Luft vor Hitze zu flirren. Ein paar Schritte vor mir standen drei junge Frauen, stilvoll gekleidet, mit Sonnenbrillen im Haar und Pappbechern in den Händen. Eine von ihnen, eine Brünette mit langem beigen Mantel, musterte mich flüchtig im Vorbeigehen. Ihr Blick glitt beiläufig an mir herab – und blieb für den Bruchteil einer Sekunde genau an meinem Schritt hängen.

In mir zog sich alles krampfhaft zusammen. Mein Magen sackte ab, als würde ich ins Bodenlose stürzen. Hatte sie die metallische Starre gesehen? Begriff sie, dass da kein weiches Fleisch lag, sondern ein Zylinder aus kaltem Chirurgenstahl?

Als die U-Bahn endlich mit ohrenbetäubendem Quietschen einfuhr, drängte ich mich durch die Schiebetüren. Es gab keine freien Sitzplätze mehr. Ich war gezwungen, mich an einer Haltestange in der Mitte des Gangs festzuklammern, ausgeliefert auf dem Präsentierteller. Mit jedem Ruck des Waggons schwang der Zylinder gegen mein Knie, und die Umrisse des Vorhängeschlosses zeichneten sich messerscharf durch den grauen Jersey ab.

Direkt auf den Klappsitzen neben mir kicherte eine Gruppe Teenager-Mädchen. Eine hielt ihr Smartphone hoch, die andere beugte sich vor, flüsterte etwas und brach in schallendes, gehässiges Lachen aus. Ihre Augen huschten für einen Lidschlag in meine Richtung.

*Sie sehen es.*

Der Gedanke hämmerte wie ein glühender Nagel durch meine Schläfen. Die Scham war so vollkommen, so vernichtend, dass ich am liebsten auf die Knie gesunken wäre, um im dreckigen Linoleumboden der U-Bahn zu versinken. Jede schöne, unnahbare Frau in diesem Waggon schien mich zu durchschauen, schien den perversen, abgerichteten Makel zu riechen, den ich unter diesem dünnen Fetzen Stoff spazieren trug.

Doch genau in diesem Moment des nackten Erstickens schoss das Gift wieder durch meine Venen: Der Terror fraß mich auf – und verwandelte sich in eine so finstere, siedend heiße Erregung, dass mir schwarz vor Augen wurde. Das eingekerkerte Fleisch im Zylinder bäumte sich gierig gegen die stählernen Streben auf, pochte schmerzhaft gegen das Schloss und suchte verzweifelt nach Raum. Ich war der absolute Schandfleck Berlins, ein wandelndes, weggesperrtes Geheimnis – und mein eigener Körper feierte diese nackte Demütigung mit jedem Pulsschlag.

Als der Zug an der Schönhauser Allee hielt, stolperte ich mit weichen Knien ins Freie. Die kühle Luft auf meinen brennenden Wangen brachte keine Linderung. Mein ganzer Körper stand unter Starkstrom.

Wenige Minuten später stand ich im stuckverzierten, hallenden Treppenhaus eines Altbaus in Prenzlauer Berg. Die Hand zitterte so heftig, dass ich die Messingklingel fast verfehlte.

*Ding-Dong.*

Das Geräusch verhallte. Hinter dem schweren Holz erklangen leichte Schritte, gefolgt vom Klacken des Schlosses. Die Tür schwang auf.

Nadja stand vor mir. Sie trug eine enge schwarze Leggings, die ihre langen Beine betonte, und einen weiten, cremefarbenen Strickpullover, der ihr locker über eine Schulter rutschte. Ihr blondes Haar war unordentlich zu einem Dutt hochgesteckt, ein paar Strähnen umspielten ihr Gesicht, und ihre meerblauen Augen blitzten auf.

„Hey, mein Fluchtkünstler“, sagte sie mit einem samtweichen Spott auf den Lippen.

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