What's next?
Bedingungslos
Das kühle Morgenlicht schnitt durch die Spalten der Jalousien und legte blasse Streifen über das Parkett der Küche.
Ich stand barfuß vor der Arbeitsplatte, vollkommen nackt bis auf den Edelstahlzylinder, der schwer und kalt an meiner Leiste hing. Das frische Silikon hielt das gereizte Gewebe nach Loonas Pflege schmerzfrei, doch bei jedem Schritt, bei jeder Drehung zur Kaffeemaschine erinnerte mich der stumme, massive Druck daran, wem mein Körper gehörte. Meine Kehle war trocken, mein Kopf schwer von den Bildern der Nacht – und von dem Wissen, dass mein Gehorsam mit Schlägen, Eis und Fesseln neu justiert worden war.
Das Summen der Kaffeemaschine verstummte. Ich goss den heißen, schwarzen Kaffee in zwei weiße Keramiktassen, stellte sie auf ein kleines Holztablett und trug es vorsichtig in das lichtdurchflutete Wohnzimmer.
Loona saß bereits am Esstisch.
Von der emotionalen Weichheit im Bett, von ihren schützenden Händen in meinem Nacken war auf den ersten Blick nichts mehr geblieben. Sie trug eine weiße, hochgeschlossene Seidenbluse, eine schmale Stoffhose und hatte die dunklen Haare straff nach hinten gebunden. Ihr Make-up saß makellos; sie tippte ruhig auf ihrem Laptop, das Smartphone lag griffbereit daneben. Die kühle, distanzierte Herrin der Wohnung war zurück – geschäftsmäßig, unnahbar, absolut fokussiert.
Ich trat an den Tisch, kniete mich gehorsam auf ein Knie und stellte das Tablett auf der Tischkante ab. Mein Blick blieb gesenkt, fixiert auf die Dielen vor ihren Pumps.
„Guten Morgen, Loona“, murmelte ich heiser.
Sie sah nicht sofort auf. Erst nach ein paar Sekunden glitt ihr Blick vom Bildschirm hinab zu mir. Ihre Augen wanderten langsam über meine nackte Brust, musterten die verblassenden Striemen an meinen Oberschenkeln und blieben schließlich an dem matten Stahl zwischen meinen Schenkeln hängen. Ein kühles, kaum merkliches Lächeln umspielte ihre Lippen.
„Guten Morgen, John“, sagte sie mit einer Stimme, die so sachlich klang, als spräche sie über einen geschäftlichen Terminplan. Sie nahm die Tasse, atmete den Dampf ein und trank einen winzigen Schluck. „Steh auf. Stell dich vor mich.“
Ich richtete mich auf, straffte den Rücken und legte die Hände hinter den Lenden zusammen. Meine Nacktheit fühlte sich in diesem hellen, nüchternen Morgenlicht unendlich viel schutzloser an als im Dämmerlicht der Nacht zuvor.
Loona griff nach ihrem Smartphone, tippte kurz darauf und legte es dann mit dem Display nach oben auf die Tischplatte.
„Nadja hat sich vor einer halben Stunde gemeldet“, sagte sie gelassen.
Mein Herz setzte einen harten, panischen Schlag aus. Das Blut schoss mir schlagartig in die Ohren.
„Sie… sie hat dir geschrieben?“, brachte ich mühsam hervor.
„Nein, mein Lieber. Sie hat *dir* geschrieben“, korrigierte Loona mich mit schneidender Ruhe und drehte das Telefon so, dass ich die Benachrichtigung auf dem Sperrbildschirm lesen konnte:
*Guten Morgen, mein Flucht-Künstler. Ich hoffe, dein Puls hat sich beruhigt. Kaffee heute Nachmittag? Und bring diesmal etwas mehr Zeit mit.*
Mir schnürte sich die Kehle zu. Nadja ließ nicht locker. Der Kuss, die Berührung, meine überstürzte Flucht – sie hakte nach. Genau wie Loona es gestern vorhergesagt hatte.
„Sie will wissen, wer du bist, John“, fuhr Loona fort, während sie sich zurücklehnte und die Fingerspitzen aneinanderlegte. „Und du wirst es ihr zeigen. Du wirst heute Nachmittag zu ihr gehen.“
„Loona…“, setzte ich an, doch ein eisiger Blick aus ihren Augen schnitt mir das Wort ab.
„Erinnerst du dich an meine Worte von gestern Nacht?“, fragte sie leise, und jeder Ton war wie geschliffenes Glas. „Du wehrst sie nicht mehr ab. Du zuckst nicht zurück. Wenn sie dich berühren will, lässt du es geschehen. Aber du machst es ihr nicht zu leicht. Du wirst es ihr unmöglich machen, an dem vorbeizusehen, was du bist.“
Sie stand auf, ging um den Tisch herum und blieb so nah vor mir stehen, dass ich den Duft ihres Parfüms wahrnehmen konnte. Ihre Hand glitt nach unten, fasste den kalten Zylinder und rüttelte ganz leicht daran – eine stumme Erinnerung an die Macht, die sie über mich hielt.
„Keine feste Jeans heute“, bestimmte sie kalt. „Kein dicker Denim, der dein kleines Geheimnis verbirgt. Du wirst eine lockere, graue Jogginghose anziehen. Aus dünnem Jersey-Stoff. Ohne Unterwäsche.“
Ein eisiger Schauer riss durch meinen gesamten Körper.
*Ohne Unterwäsche. Unter dünnem Stoff.*
„Loona, bitte…“, keuchte ich, während die Scham wie eine heiße Welle über mein Gesicht schwappte. „Man… man sieht die Kontur. Bei jedem Schritt. Das Gehäuse zeichnet sich sofort ab…“
„Exakt“, flüsterte sie dicht an meinem Ohr, ihre Hand strich langsam über meinen Bauch hinab, während ihre Fingernägel leise über das Metall kratzten. „Jeder Schritt, jede Bewegung wird diesen Zylinder gegen den dünnen Stoff drücken. Sie wird es sehen, John. Und du wirst dasitzen, wirst sie ansehen und wissen, dass sie die Silhouette deines Käfigs mit jedem Wimpernschlag vor Augen hat.“
Mein Atem ging stoßweise. Panik und eine finstere, brennende Erregung stießen in meiner Brust aufeinander wie zwei entgleisende Züge. Die Vorstellung, so vor Nadja zu treten – so unübersehbar markiert und ausgeliefert –, schnürte mir schier die Luft ab.
Da glitt Loonas Hand von meinem Bauch nach oben. Ihre Finger legten sich sanft, fast zärtlich an meine Wange. Ihr Daumen strich über meine Lippen, und der strenge, unbarmherzige Ausdruck in ihren Zügen weichteiner tiefen, ruhigen Festigkeit.
„Schau mich an, John“, verlangte sie leise.
Ich hob den Blick und sah direkt in ihre meergrünen Augen.
„Vertraust du mir?“, fragte sie.
Das Wort stand schwer und nackt zwischen uns im hellen Sonnenlicht.
„Ich…“, setzte ich an, meine Stimme zitterte.
„Vertraust du mir?“, wiederholte sie, diesmal mit einem festen Druck ihrer Hand an meinem Kiefer, der mich unmissverständlich an ihre Brust aus der Nacht zuvor erinnerte. „Wenn sie es herausfindet… wenn sie nachsieht, wenn sie den Reißverschluss aufzieht oder ihre Hand unter den Bund schiebt… dann offenbarst du dich ihr. Du versteckst nichts mehr. Du stehst vor ihr genau so, wie du bist: versiegelt, wehrlos, in meinem Besitz.“
Mein Herz raste, als wolle es meinen Brustkorb sprengen.
„Aber du hast keine Angst dabei, John“, hauchte sie, und ein Hauch von mütterlicher, unerschütterlicher Entschlossenheit lag auf ihren Zügen. „Weil du weißt, wer hinter dir steht. Ich kümmere mich um alles. Ich halte die Fäden in der Hand. Nichts, was Nadja tun wird, geschieht außerhalb meiner Kontrolle. Es passiert dir nichts. Du musst mir nur blind vertrauen. Kannst du das?“
Ich stand nackt vor ihr, der Stahl zwischen meinen Schenkeln zog nach unten, mein ganzer Körper vibrierte vor Nervosität, blanker Furcht und einem abartigen, elektrisierenden Nervenkitzel. Jede Faser meines Verstandes schrie Alarm vor der bevorstehenden Schande.
Und doch… genau in diesem Moment spürte ich es mit einer Klarheit, die mich bis ins Mark erschütterte:
Ich tat es. Ich vertraute ihr vollkommen.
Ich war nervös bis zum Erbrechen, mein Puls hämmerte in den Schläfen – doch der Gedanke, mich fallenzulassen, mich Nadja schutzlos zu offenbaren, während Loona meine Schutzmauer bildete, war die intensivste, berauschendste Gewissheit meines Lebens.
„Ich vertraue dir“, flüsterte ich heiser, und meine Knie gaben leicht nach, während ich mich tiefer in ihre Hand schmiegte. „Ich vertraue dir bedingungslos.“
Loonas Lächeln kehrte zurück – nicht spöttisch, sondern mit dem satten, vollkommenen Stolz einer Meisterin, die ihr Werk vollendet sieht. Sie klopfte mir zweimal sanft auf die Wange, ehe sie die Hand sinken ließ und wieder einen Schritt zurücktrat.
„Braver Junge“, sagte sie, wandte sich um und griff nach ihrem Kaffee. „Schreib ihr zurück. 15 Uhr. Und dann geh ins Schlafzimmer und zieh die Hose an.“
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