What's next?
Der Geschmack von Messing
Das grelle Schrillen der Institutsuhr riss den Saal aus der Lethargie, doch für mich war es das Signal zum nächsten Spießrutenlauf.
Während die anderen hastig ihre Laptoptaschen packten, über Webers Fragen stöhnten und in Richtung Mensa drängten, stand ich wie festgewachsen an der Rückwand. Erst als die Masse sich durch die schweren Schwingtüren geschoben hatte, setzte ich mich in Bewegung.
Jeder Schritt durch den endlosen Flur war eine Farce: Die Beine steif gehalten, um den losen Bund der Jeans mit den Oberschenkeln einzuklemmen, den Pullover mit beiden Händen krampfhaft nach unten gezogen. Die ständige Furcht, ein Dozent oder Julian könnte hinter mir auftauchen und den offenen Spalt bemerken, trieb mir den kalten Schweiß auf die Stirn. Das stählerne Gewicht zwischen meinen Schenkeln schien mit jedem Meter schwerer zu werden; die Kanten des Rings brannten unnachgiebig gegen das gereizte Schambein.
Der Westflügel lag im Halbdunkel. Hier befanden sich nur alte Sammlungs- und Lagerräume, die kaum noch jemand betrat. Der Geruch von feuchtem Stein, Bohnerwachs und scharfem WC-Reiniger schlug mir entgegen, als ich die schwere Brandschutztür zu den Waschräumen aufdrückte.
Stille. Nur das monotone Tropfen eines Hahns am Becken.
Kabine drei. Die Tür war nur angelehnt.
Ich trat ein, zog die dünne Spanplatte hinter mir zu und drehte den Riegel vor. Im selben Atemzug sackte die Jeans ab, fiel schwer auf die Knie und gab den nassen Spitzenstoff frei. Die Kälte der gefliesten Zelle traf die überhitzte Haut wie Eis. Das Vorhängeschloss hing matt glänzend zwischen den Maschen; der Zylinder drückte sich unerbittlich gegen das eingesperrte Gewebe.
Draußen klackten Absätze auf dem Steinboden. Die Außentür war ins Schloss gefallen.
Ruhige, kalkulierte Schritte hielten direkt vor Kabine drei an. Zwei kurze, trockene Schläge trafen das Holz.
„Riegel auf, John“, flüsterte Emma durch den Spalt. Ihre Stimme klang nicht mehr gehetzt, sondern trug jene schneidende Kälte einer Vollstreckerin, die begriffen hatte, dass ihr eigenes Überleben von absoluter Härte abhing.
Mit tauben Fingern schob ich das Metall zurück.
Die Tür schwang auf. Emma trat herein, drückte mich mit der flachen Hand gegen die feuchten Fliesen und riegelte sofort wieder ab. In der Enge der Kabine war kaum Raum zum Atmen. Sie trug noch den schweren Mantel, doch ihre Züge waren vollkommen beherrscht.
Aus ihrer Manteltasche zog sie einen winzigen Schlüssel, der an einem schmalen Band baumelte.
Mein Atem stockte. Eine absurde, verzweifelte Welle von Hoffnung stieg in mir auf.
„Mach dir keine Hoffnungen“, schnitt sie mir jeden Gedanken ab. Sie blickte nicht herab, sondern packte mein Kinn und zwang meinen Kopf nach oben. „Loona hat klare Anweisungen gegeben. Der Käfig bleibt dran. Aber er sitzt ihr zu locker. Du sollst merken, wer die Regeln bestimmt.“
Sie ließ mein Kinn los, kniete sich vor mich und nahm das Schloss zwischen die Finger. Mit kühler Präzision setzte sie den Schlüssel an. Ein feines, sattes Klicken hallte von den Fliesen wider; der Bügel sprang auf.
Für einen Sekundenbruchteil fiel der Druck ab. Doch bevor ich auch nur aufatmen konnte, griff Emma nach den doppelten Sicherungsösen der Spange.
Sie justierte den Verschluss neu – riss die Scharniere mit einem harten, unbarmherzigen Zug in die engste Bohrung. Die Kanten des Rings schlossen sich gnadenlos um die Basis; das Metall grub sich tief in das Schambein und klemmte das Gewebe so brutal ein, dass mir die Luft mit einem scharfen Keuchen aus den Lungen riss.
„Emma… bitte… das schneidet mir alles ab…“, stieß ich hervor und griff unwillkürlich nach ihren Schultern.
Sie schlug meine Hände hart zur Seite. Ihre Augen funkelten vor giftiger Entschlossenheit.
„Halt still!“, zischte sie, setzte den Bügel in die neue Führung und drückte ihn mit beiden Daumen zu. Das Schloss schnappte mit einem dumpfen, endgültigen Ton ein. „Loona duldet keine Nachlässigkeit. Wenn ich weich werde, liege ich heute Abend wieder vor ihr im Staub. Und ich werde ganz sicher nicht noch einmal für dich bezahlen.“
Sie zog ihr Smartphone hervor, hielt die Linse knapp über den festsitzenden Verschluss und löste aus. Ein kurzes Aufblitzen erhellte die Kabine.
Emma stand langsam auf, strich ihren Mantel glatt und musterte mich kühl von oben herab.
Der Schlüssel baumelte noch an ihren Fingern. Sie ließ ihn vor meinem Mund hin und her pendeln, nah genug, dass ich das Metall riechen konnte – warm von ihrer Hand, bitter nach Messing, und darunter der Gedanke, dass genau dieses winzige Stück über Enge und Hoffnung entschied.
„Mach den Mund auf“, flüsterte Emma. „Die Zunge raus. Nicht weil du es willst. Weil Loona nachher sehen soll, dass du auch hier unten noch begreifst, wem das gehörst.“
Ich gehorchte. Sie legte den Schlüssel auf meine Zunge und drückte ihn fest, bis der Geschmack von Metall und ihrer Haut meinen Mund füllte. Draußen tropfte der Hahn. Irgendwo im anderen Trakt schlug eine Tür. In der Kabine existierte nur dieser eine, demütigende Punkt zwischen uns.
„Du hältst ihn dort“, sagte sie leise, schon mit dem Telefon in der anderen Hand. „Du schluckst nicht, du redest drumherum. Du dankst mir dafür, dass ich ihn enger gemacht habe – laut genug, dass sie es auf der Aufnahme versteht. Wenn du jetzt zögerst, schicke ich ihr nur das Foto vom Schloss und lasse sie entscheiden, was heute Abend mit uns beiden passiert.“
Das Display leuchtete zwischen uns auf. Die Linse nahm mein Gesicht, den Schlüssel, den unbeweglichen Stahl darunter.
„Danke“, brachte ich hervor, die Worte nass und zerdrückt gegen das Messing. „Danke, dass du das Schloss enger gesetzt hast. Danke, dass du keine Gnade hattest.“
Emma lächelte nicht freundlich. Ihr Absatz schob sich zwischen meine Knie, der Lack kalt gegen die Innenseite meines Schenkels, und trat mit genauer, berechneter Härte gegen den Zylinder. Der Schmerz war dumpf und tief und jagte mir die Luft aus der Kehle.
„Ich bin Loona Sklave.“ Die Scham brannte heißer als der Ring. Die Worte kamen nass gegen den Schlüssel, zu laut für die dünne Spanplatte, zu wahr für den Rest des Instituts. „Ihr Hund. Weniger wert als du. Weniger wert als jede Frau, die diesen Schlüssel anfasst.
Sie zog den Schlüssel langsam zwischen meinen Lippen hervor, wischte ihn beiläufig an meiner Unterlippe ab und ließ ihn wieder in der Manteltasche verschwinden. Dann raffte sie den Wollmantel und den Rock, nicht hastig, sondern so, dass ich Zeit hatte zu verstehen, was sie mir zumutete. Der champagnerfarbene Stoff ihrer Unterwäsche war noch warm von ihrem Körper. Zwei Finger hakten den Bund zur Seite.
„Du hast gestern in ihrem Salon gesehen, wo mein Platz ist“, sagte Emma, die Stimme knapp über einem Flüstern, die Finger schon in meinem Haar. „Jetzt siehst du, dass ich trotzdem über dir stehe. Mund her. Bevor irgendwer hier reinkommt und wir beide erledigt sind.“
Ich sank tiefer gegen die Fliesen, die Jeans noch um die Knie, der Käfig unsichtbar für den Flur und trotzdem das Einzige, was in der Kabine zählte. Emma zog mein Gesicht zwischen ihre Schenkel. Der Geruch war berauschend, intim, unverkennbar sie – und darunter die Erinnerung an die Gerte, an das Parkett, an Loonas Fuß auf ihrem Rücken. Ich leckte, weil sie es verlangte, flach und gehorsam, während der Stahl bei jeder Bewegung tiefer schnitt und draußen Schritte den Westflügel verfehlten.
Emma atmete scharf, presste sich einen Herzschlag länger gegen meinen Mund, als wolle sie sich selbst beweisen, dass sie das durfte, und stieß mich dann zurück an die Wand. Der Stoff fiel. Sie strich den Rock glatt, als sei in dieser Zelle nichts geschehen, und machte ein zweites Foto: mein nasses Kinn, der enger gezogene Käfig, die kniende Haltung.
„Zieh die Hose hoch. Der Reißverschluss bleibt genau so weit offen wie befohlen. Und merk dir eins: Wenn Loona heute Abend fragt, ob ich nachlässig war, sagst du ihr die Wahrheit – dass ich gründlicher war als verlangt.“
Sie schob den Riegel zurück, öffnete die Tür einen Spalt und warf mir einen letzten, unerbittlichen Blick zu.
„Zehn Minuten Abstand. Dann kommst du raus.“
Die Tür fiel ins Schloss, und das Klacken ihrer Absätze verklang im Gang.
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