What's next?

Freiwild im Hörsaal

Der hölzerne Klappsitz schnitt mir unbarmherzig in die Oberschenkel, während das Gewicht meines Oberkörpers die Vorrichtung bei jedem Atemzug tiefer gegen mein Schambein keilte. Der schmale Spitzensteg war längst zu einer brennenden Schlinge geworden, die sich mit jeder kleinsten Regung straffte.

Direkt neben mir schlug Emma die Beine übereinander. Der feine Wollstoff ihrer Hose strich über meinen Oberschenkel, so nah, dass ich die Wärme ihres Körpers durch den starren Denim spüren konnte. Rechts von ihr tuschelten ihre beiden Freundinnen, während vorne der Dekan mit monotoner, hallender Stimme über die Prüfungsordnung des ersten Semesters referierte.

Mein Telefon summte stumm in der Tasche. Ein doppelter Impuls.

Mit tauben Fingern schob ich das Display unter der Kante des Pultes hervor. Mein Herz setzte einen Schlag aus.

**Loona:** *Emma passt heute auf dich auf, mein Lieber. Du folgst jedem ihrer Blicke und jedem ihrer Worte aufs Haar. Wenn sie mir nach der Vorlesung berichtet, dass du zickig warst, geht das Badezimmer-Foto mit deinem hübschen Höschen direkt an die WhatsApp-Gruppe eurer Erstsemester-Fachschaft.*

Mein Magen krampfte sich zusammen. Es gab keinen Ausweg, keinen Raum für Beschwerden, keine Zuflucht. Sie hielten die Leine gemeinsam in den Händen – Loona aus der Ferne, Emma direkt an meiner Seite.

Als hätte sie die Nachricht mitgelesen, wandte sich Emma langsam zu mir um. Auf ihren Lippen lag ein zuckersüßes, giftiges Lächeln. Sie lehnte sich so weit zu mir herüber, dass ihr teures Parfum mir die Luft abschnürte.

„Und?“, flüsterte sie kaum hörbar, während ihre Augen dunkel funkelten. „Bist du bereit, ein nützlicher Junge zu sein?“

Ehe ich antworten konnte, glitt ihre rechte Hand beiläufig über den Tisch, strich über ihr Notizbuch und stieß mit einer scheinbar ungeschickten Bewegung ihren schweren Designer-Kugelschreiber von der Tischplatte. Das Metall klickte laut, als es den Holzboden traf und zwischen den Sitzen nach hinten unter die Bank rollte.

„Ups“, hauchte Emma mit gespielter Bestürzung. Ihre Freundin neben ihr blickte kurz auf und kicherte leise. Emma sah mich mit eisiger Härte an, trat mir mit der Spitze ihres Lederschuhs gegen den Knöchel und sagte mit herablassender Stimme: „John, sei doch so lieb und heb ihn mir auf. Er liegt direkt hinter dir.“

Mein Blick irrte durch die Reihe. Hinter uns saßen drei Studentinnen, vollkommen aufmerksam, mit gezückten Stiften und Laptops. Im engen Gestühl gab es keinen Platz. Wenn ich mich bückte, würde der Zug der Hose den Bund schonungslos nach unten reißen.

„Emma, bitte… ich komme da nicht ran, ohne—“, flüsterte ich mit erstickter Stimme.

„Jetzt, John“, zischte sie, und ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Oder soll ich Loona kurz tippen, dass du faul bist?“

Die Erwähnung des Namens traf mich wie eine Peitsche.

Mit zitternden Gliedern rutschte ich nach vorn an die Kante des Klappsitzes. Das Schloss hebelte mit schneidender Wucht gegen meine gereizten Sehnen; ein unterdrücktes Keuchen erstarb in meiner Kehle. Ich beugte meinen Oberkörper tief hinab in den engen Zwischenraum zwischen den Stuhlreihen, tastete mit der Hand blind über das verstaubte Parkett hinter meinen Füßen.

Wie befürchtet passierte es sofort: Die starre Denim-Jeans blieb am harten Rand des Holzsitzes hängen und spannte sich über mein Gesäß. Der Bund glitt gnadenlos zwei, drei Zentimeter nach unten.

Die filigrane, schwarze Spitze trat vollkommen ungeschützt hervor – ein hauchdünnes, glänzendes Band, das sich unübersehbar über meine blasse Haut spannte, direkt über der harten Wölbung des stählernen Basisrings.

Hinter mir erstarb das leise Tippen einer Tastatur.

„Oh mein Gott…“, flüsterte eine der Studentinnen in der Reihe hinter uns, gefolgt von einem prustenden, ungläubigen Kichern. „Guck mal da unten… trägst du etwa Spitze?“

Ein zweites Gesicht beugte sich vor. Das Rascheln von Stoff, gefolgt von einem spöttischen Lachen, das wie Nadelstiche in meinen Nacken traf.

„Ernsthaft? Der Typ trägt Damentangas zur Uni?“, wisperte die andere mit unverhohlener Verachtung. „Wie peinlich ist das denn?“

Ich griff hastig nach dem Stift, meine Finger waren schweißnass. Das leise, verräterische Klicken einer Smartphone-Kamera schnitt durch das Tuscheln – unverkennbar, trocken, endgültig. Jemand hatte ein Foto von meinem entblößten Rücken gemacht.

Emma lehnte sich genüsslich zurück, schlug die Hand vor den Mund, als wolle sie ein Lachen unterdrücken, und warf den Mädchen hinter uns einen wissenden, herablassenden Blick zu.

„Lasst ihn doch, Mädels“, sagte sie mit honigsüßem, schneidendem Spott, laut genug, dass die halbe Reihe es mitbekam. „Unser braver John steht eben auf feine Stoffe. Er braucht das Anschmiegsame.“

Gellendes, ersticktes Gelächter brandete in der Reihe auf. Niemand half mir. Niemand empfand Mitleid oder wandte beschämt den Blick ab. Sie musterten mich wie ein bizarres Ausstellungsstück, ein Spielzeug, das man nach Belieben vorführen durfte.

Ich richtete mich mühsam auf, zog hastig an meiner Jacke, um die Blöße zu verdecken, und legte den Stift mit bebenden Fingern vor Emma ab. Mein Gesicht brannte vor vernichtender Scham. Und tief unter dem Stoff, gefangen in den starren Eisenstreben, pulsierte das Fleisch hilflos und brennend gegen das kalte Gitter – peinvoll, gedemütigt und von einer zutiefst verstörenden, perversen Erregung erfasst.

Das erstickte Kichern hinter meinem Rücken brannte wie ätzende Säure auf meiner Haut. Jeder einzelne Blick, der sich in meine Schultern bohrte, fühlte sich an wie ein greller Scheinwerfer, der mich vor dem gesamten Saal nackt zur Schau stellte. Ich zog mit krampfhaften Fingern den Saum meines Pullovers nach unten, doch die Geste war vollkommen lächerlich – die Mädchen hatten es gesehen, die Linse hatte es festgehalten, und mein Geheimnis war kein Geheimnis mehr, sondern billige Unterhaltung für Fremde.

Mein Blick irrte panisch zu Emma. Da war keine Spur mehr von dem zitternden, gebrochenen Mädchen, das vor Tagen noch wimmernd den Teppich in unserem Wohnzimmer mit Tränen benetzt hatte. Diese Emma hier war kalt, berechnend und unberechenbar. Eine eisige Angst kroch mir die Kehle hinauf, denn ich begriff mit brutaler Klarheit: Sie hatte absolut nichts mehr zu verlieren. Loona hatte sie bis auf die Knochen gedemütigt, und genau deshalb war Emma jetzt so gefährlich. Sie brauchte mich als Trittbrett, um nicht vollends im Morast ihrer eigenen Erniedrigung zu ersticken. Wenn sie mich zerstören musste, um sich vor ihren neuen Freundinnen wie eine Königin aufzuführen, würde sie es tun, ohne mit der Wimper zu zucken.

Gleichzeitig tobte in meinem Schädel ein ohnmächtiges, verzweifeltes Unverständnis gegenüber Loona. Warum tat sie das? Warum überließ sie mich ausgerechnet Emma, dieser bösartigen Wölfin, die mich schon in der Schule verachtet hatte? Ich hatte doch alles getan. Ich hatte den Slip angezogen, hatte die schrecklichen Stunden auf den Knien vor Vanessa ertragen, hatte vor wenigen Minuten noch das geforderte Beweisfoto von den Fliesen geschickt. Ich hatte gedacht, ihre Grausamkeit bliebe in den Wänden unseres Penthouses eingesperrt, ein krankes, intimes Band zwischen uns beiden. Doch Loona hatte mich nicht für sich behalten. Sie hatte mich hinausgeworfen, wie ein Stück Abfall, zum Fraß vorgeworfen für die Charité-Elite. Dieser Verrat schnitt tiefer als jede verbale Drohung.

Und das Furchtbarste, das absolut Vernichtendste an diesem Moment war mein eigener Körper.

Unter dem zarten, nassen Spitzenstoff begann das gefangene Fleisch unkontrolliert zu pochen. Es war eine Schande, die mir die Tränen in die Augen trieb: Mein Verstand schrie vor Panik, mein Stolz lag in Trümmern, das Lachen der Studentinnen hinter mir demütigte mich bis ins Mark – und doch schoss das Blut mit brutaler Gewalt in meine Leiste. Die perverse, dunkle Faszination, als hilfloses, weiblich verpacktes Spielzeug den Launen dieser beiden grausamen Frauen ausgeliefert zu sein, erregte mich auf eine Art, die mich vor mir selbst anekelte.

Der stählerne Ring und die starren Zylinderstreben gaben keinen Millimeter nach. Der versuchte Schwellkörper rammte mit unnachgiebiger Härte gegen das kalte Gitter, bis der Schmerz fast unerträglich pulsierte. Eingekeilt zwischen dem Schambein und dem Metall brannte die Erregung wie pures Feuer, erstickt und eingesperrt, unfähig zu wachsen, unfähig zu entkommen.

Ich saß da wie versteinert, die Knie krampfhaft zusammengepresst, den Schweiß auf der Stirn, während Emma neben mir lächelte und meine eigene feuchte, gequälte Lust mein dunkelstes Urteil besiegelte.

Die restlichen vierzig Minuten der Vorlesung dehnten sich zu einer zähflüssigen Ewigkeit. Hinter mir ebbte das Getuschel nicht ab; jedes Mal, wenn ein Stift raschelte oder ein verhaltenes Kichern aufkam, brannte mein Nacken, als stünde er in Flammen. Ich wagte es nicht, mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Jeder Atemzug ließ den stählernen Ring gegen die ohnehin gereizte Haut meines Beckens scheuern, während das feuchte, brennende Pochen unter der schwarzen Spitze mich bei lebendigem Leib verzehrte.

Emma saß neben mir wie eine Königin. Sie tippte mit ihren langen, gepflegten Nägeln vollkommen ungerührt Notizen in ihr Tablet, schlug gelegentlich die Beine andersherum übereinander und ignorierte mich vollkommen. Es war genau diese beiläufige Gleichgültigkeit, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Sie hatte mich vorgeführt, ihren Freundinnen einen Brocken hingeworfen, und sich dann abgewendet, als sei ich nicht mehr wert als der Bodenbelag unter ihren Stiefeln.

Als der Dozent vorne schließlich seine Unterlagen zusammenschlug und der Lärm hunderter aufklappender Sitze durch den Raum hallte, wollte ich nur noch fliehen. Ich wollte in die nächste Kabine rennen, die Tür verriegeln und den Kopf gegen die kühlen Kacheln pressen.

Ich griff nach meinem Rucksack, doch bevor ich aufstehen konnte, lag Emmas Hand wie eine eiserne Klammer auf meinem Unterarm.

„Langsam, John“, flüsterte sie mit samtener Härte. Sie sah mich nicht einmal an, während sie ihren teuren Mantel überstreifte. „Glaubst du im Ernst, du darfst jetzt einfach nach Hause schleichen?“

„Emma, bitte… ich muss weg“, stieß ich mit belegter Stimme hervor.

„Du gehst nirgendwohin“, schnitt sie mir das Wort ab. Ein schiefes, grausames Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich zu mir drehte. „Hast du die Nachricht vorhin nicht verstanden? Ich habe heute die Verantwortung für dich. Und wir haben nachher noch einiges vor.“

Hinter uns traten die beiden Mädchen aus der Reihe, die meine Blöße gesehen hatten. Sie warfen mir Blicke zu, in denen kein Funke Respekt mehr existierte – nur noch unverhohlene, amüsierte Häme. Die Brünette musterte mich von Kopf bis Fuß, blieb demonstrativ an meiner Gürtellinie hängen und lächelte vielsagend zu Emma herüber.

„Kommt dein zarter Begleiter etwa mit zur Einführung, Emma?“, fragte sie laut genug, dass sich noch zwei andere Studenten umwandten.

„Aber natürlich“, trällerte Emma und hakte sich mit gespielter Vertrautheit bei mir ein, während ihre Fingernägel sich schmerzhaft durch meinen Ärmel bohrten. „John braucht doch Gesellschaft. Nicht, dass er sich am ersten Tag einsam fühlt.“

In meiner Tasche vibrierte das Smartphone erneut. Ein langer, unbarmherziger Impuls.

Ich schob mit zitternder Hand das Display hervor, während Emma mich bereits gnadenlos in Richtung des überfüllten Flurs schob.

Loona: "Du bleibst an Emmas Seite, John. Ihr geht jetzt zusammen zu der Altbau-Wohnung der Fachschaft. Und damit du gar nicht erst auf dumme Gedanken kommst: Dein Handy landet an der Tür in der Box. Du brauchst es heute Abend nicht mehr. Emma berichtet mir morgen früh im Detail, wie gelehrig du warst. Wag es nicht zu scheiße zu bauen."

Der Boden schien unter meinen Füßen nachzugeben. Kein Telefon. Keine Verbindung nach draußen. Keine Möglichkeit, Loona zu versichern, dass ich spurte – nur die absolute, wehrlose Auslieferung an Emma und diesen Kreis aus Fremden, die mein dunkelstes Geheimnis bereits kannten.

Emma spürte das Vibrieren an meiner Seite. Sie warf einen kurzen, triumphierenden Blick auf mein Leichenblass gewordenes Gesicht, neigte den Kopf zu meinem Ohr und hauchte:

„Na siehst du? Alles geregelt. Und jetzt lächle, John. Wir wollen unseren neuen Freundinnen doch eine unvergessliche Nacht bereiten.“

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