What's next?
Neue Uni, alte Freunde
Die kühlen, gefliesten Korridore des Charité-Altbaus rochen nach Bohnerwachs, Desinfektionsmittel und feuchtem Herbstregen. Überall drängten sich Erstsemester – aufgeregte Stimmen, raschelnde Notizblöcke, das Klappern von Schuhen auf dem Terrazzoboden. Ich hastete an ihnen vorbei, mit steifen, ungelenken Schritten, den Blick starr nach unten gerichtet.
Jeder Schritt trieb das Vorhängeschloss tiefer gegen mein Schambein. Der schmale Steg des schwarzen Spitzenslips schnitt unerbittlich in mein Gesäß, während der feine Spitzenbund auf Hüfthöhe unbarmherzig scheuerte. Die starre Denim-Jeans drückte den Zylinder bei jeder Bewegung gegen den gereizten Nervenstrang. Es war eine Qual, die mit jedem Meter zunahm.
Ich bog hastig in den abgelegenen Sanitärtrakt im Untergeschoss ein, stieß die schwere Schwingtür auf und verriegelte mich in der hintersten Kabine.
Das Schloss rastete ein. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die weiße Trennwand, schloss die Augen und versuchte, das Zittern meiner Knie zu kontrollieren.
In meiner Hosentasche summte das Smartphone. Nicht bloß eine Nachricht – ein langes, unnachgiebiges Vibrieren.
Ich zog das Gerät hervor. Auf dem Display lief ein digitaler Timer ab: *02:47… 02:46…*
Darunter die knappe Anweisung von Loona:
**Loona:** *Erstsemester-Begrüßung im Hörsaal Ost in zehn Minuten. Beweisfoto vor dem Spiegel. Hosenbund runter bis zum Schloss, Spitze deutlich sichtbar, inklusive Charité-Wandfliesen im Hintergrund. Drei Minuten, John. Wenn der Timer abläuft, schicke ich Nadja ein nettes Bild von unserem Einkauf.*
Ein eiskalter Schwall Panik erfasste mich. Mein Atem ging stoßweise. Durch die dünne Kabinentür drangen gedämpfte Stimmen herein – Schritte hallten über die Fliesen, die Wasserhähne wurden aufgedreht.
„…hast du gesehen, wer Anatomie I hält? Der Kerl soll in den Testaten gnadenlos sein“, sagte eine sonore, junge Männerstimme draußen vor den Spiegeln.
„Egal, Hauptsache wir überstehen den Präp-Kurs“, lachte ein anderer, das Geräusch von Papiertüchern folgte. „Freitag ist doch erst mal die Mediziner-Party im Club. Kommst du mit?“
„Klar, Pflichttermin.“
Draußen sprachen zwei Gleichaltrige über ihre Zukunft, über Sezierkurse, Prüfungen, Freiheit und ein neues Leben. Die Welt, für die ich jahrelang gebüffelt, für die ich den Numerus clausus erkämpft hatte, lag greifbar nah direkt vor dieser dünnen Holztür. Doch ich gehörte nicht dazu. Ich war kein künftiger Arzt, kein freier Student auf dem Weg ins Leben. Ich war ein angeleintes Werkzeug in Frauenunterwäsche, ferngesteuert über ein Display.
*01:15… 01:14…*
Die Ziffern liefen unbarmherzig rückwärts.
Mit feuchten, zitternden Fingern öffnete ich den Gürtel, knöpfte die feste Jeans auf und schob den Denimstoff samt Reißverschluss mühsam ein paar Zentimeter nach unten. Die filigrane schwarze Spitze spannte sich glänzend über meine Hüftknochen, und darunter trat der matte, stumme Stahl des Käfigs hervor. Das winzige Schloss baumelte kalt gegen das gereizte Gewebe.
Ich hob das Smartphone, hielt es so, dass die charakteristischen, gelblichen Altbaufliesen der Charité im Bildausschnitt lagen, und drückte auf den Auslöser.
Das klickende Auslösergeräusch hallte im engen Raum wider – ein winziger Laut, der mir wie ein Paukenschlag vorkam. Hastig zog ich die Hose wieder hoch, schloss den Bund und tippte mit taubem Daumen auf *Senden*.
*00:18… Abgesendet.*
Draußen fiel die Schwingtür mit einem satten Schlag ins Schloss; die Schritte der beiden Studenten verhallten im Flur.
Mein Display leuchtete sofort wieder auf.
**Loona:** *Brav. Geh jetzt in den Hörsaal. Setz dich ganz nach vorn, damit du gut zuhören kannst. Und wag es nicht, dich auf dem Holzstuhl hin- und herzuwälzen, wenn es drückt.*
Ich steckte das Telefon weg, stützte die Stirn gegen das kühle Holz der Kabinentür und biss mir auf die Lippe, bis ich Blut schmeckte. Das kalte Eisen drückte gegen mein Schambein, die Spitze brannte auf der Haut, und im Treppenhaus läutete der Gong zur ersten Vorlesung meines Studiums.
Das Bild von damals brannte sich wieder schlagartig vor mein inneres Auge: Emma, zusammengebrochen auf dem Teppich unseres Wohnzimmers, die zitternden Lippen auf Loonas bestrumpftem Fuß. Das stolze, arrogante Mädchen aus bestem Hause, das mich jahrelang von oben herab behandelt hatte, war an jenem Nachmittag von Loona mit chirurgischer Präzision demontiert worden.
Und jetzt stand dieselbe Emma hier.
Mitten im vollbesetzten Foyer des Charité-Hörsaaltrakts. Sie trug einen makellos sitzenden Kaschmirmantel über einer edlen Seidenbluse, die blonden Haare fielen in weichen, perfekten Wellen über ihre Schultern. Sie sah unberührbar aus, atemberaubend schön – und trug wieder jene unnahbare, elitäre Aura zur Schau, die sie schon in der Schule wie eine Rüstung getragen hatte. Doch diesmal wusste ich, was unter dieser glänzenden Fassade lauerte: ein Netz aus Erpressung und absoluter Unterwerfung, dessen Fäden noch immer in Loonas Händen lagen.
Sie stand in einer Gruppe von drei anderen Medizinstudentinnen, allesamt herausgeputzt, vertieft in angeregte Unterhaltungen über Professoren, Wohnungen in Mitte und Vorbereitungskurse. Emma lachte über die Bemerkung einer Freundin, drehte sich beiläufig um – und ihr Blick traf meinen.
Für den Bruchteil einer Sekunde erlosch das Lächeln auf ihren Lippen. Ihre Augen weiteten sich minimal, ein fast unmerklicher Schatten von Anspannung huschte über ihre Züge. Ich konnte sie beim besten Willen nicht einschätzen: War sie noch immer die gedemütigte Marionette, die stumm parierte? Verachtete sie mich umso mehr dafür, dass ich Zeuge ihres tiefsten Falls gewesen war? Oder wusste sie vielleicht sogar, dass Loona mich auf ganz andere, weitaus intimere Weise an der Leine hielt?
Ehe ich den Blick abwenden oder mich in der Menge verlieren konnte, hob Emma die Hand.
„John!“, rief sie mit klarer, melodischer Stimme über das Stimmengewirr hinweg. Ihre Begleiterinnen verstummten mitten im Satz und wandten sich neugierig in meine Richtung.
Emma löste sich aus der Runde, machte ein paar Schritte auf mich zu und musterte mich mit einem Blick, der schwer zu deuten war – eine Mischung aus kalkulierter Vertrautheit, leisem Spott und einer unterschwelligen Vorsicht.
„Dass du es wirklich hierher geschafft hast“, sagte sie mit einem Lächeln, das für die Umstehenden wie herzliche Wiedersehensfreude wirken musste, in dem aber ein scharfer Unterton mitschwang. Sie musterte meine steife Haltung, glitt mit den Augen kurz an meiner Jeans herab und sah mir dann fest ins Gesicht. „Komm schon, steh da nicht so verloren herum. Ich habe in der dritten Reihe Plätze für uns freigehalten. Setz dich zu uns – meine Freundinnen wollen unbedingt wissen, wer der clevere Kopf ist, von dem ich ihnen erzählt habe.“
Jeder Schritt in ihre Richtung war eine physische und psychische Zerreißprobe.
Unter meiner starren Jeans schnitt der schmale Steg des schwarzen Spitzenslips unbarmherzig in mein Fleisch. Der kalte Edelstahlkäfig drückte bei jeder kleinsten Bewegung hart gegen mein Schambein; das winzige Vorhängeschloss baumelte schwer und unnachgiebig auf meinen gereizten Nerven. Zu wissen, dass dieses makellose, bildschöne Mädchen mich ansah, während ich in hauchdünner Damenunterwäsche vor ihr stand, ließ eine brennende Schamwelle durch meine Adern schießen – und entfachte gleichzeitig eine perverse, giftige Hitze in meinem gefangenen Becken. Die bloße Erinnerung daran, wie sie vor Loona gekniet hatte, vermischte sich mit der Demütigung meines eigenen Zustands zu einem berauschenden, gefährlichen Chaos.
„Ich… ich weiß nicht, ob das passt, Emma“, brachte ich mit heiserer Stimme hervor und versuchte, die Hände unauffällig in die Taschen zu schieben, um das leichte Klirren des Metalls unter dem Stoff zu dämpfen.
„Unsinn“, erwiderte sie trocken, trat noch einen Schritt näher und griff nach meinem Unterarm.
Ihre Finger schlossen sich fest um meinen Ärmel. Die Berührung war fordernd, fast herrisch – ganz die alte Emma, die gewohnt war, ihren Willen durchzusetzen. Doch als sie mir für einen Atemzug ganz nah kam, senkte sie die Stimme so weit, dass keine ihrer Freundinnen es hören konnte.
„Stell dich nicht so an, John“, flüsterte sie mit einem schneidenden Zug um die Mundwinkel, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Du kommst jetzt mit rein und setzt dich neben mich. Wir wollen doch beide nicht, dass deine liebe Halbschwester erfährt, dass wir uns am ersten Tag aus dem Weg gehen… oder?“
Ein kalter Schauer jagte mir über das Kreuz. Sie wusste es. Sie wusste ganz genau, dass wir beide Figuren auf demselben Schachbrett waren – und sie begann bereits, die Regeln zu ihren Gunsten zu biegen.
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