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Balsam

Chapter 55 by Levantin Levantin

Das Dokument war fertig. Auf dem Schreibtisch lag der frisch gedruckte Stapel mit Emmas Geografie-Ausarbeitung – ordentlich gegliedert, getippt, in einer sauberen Klarsichthülle. Drei Stunden hatte ich daran gesessen, während der Harzkäfig bei jeder Bewegung auf dem Bürostuhl scheuerte.

Es war kurz vor Mitternacht, als mein Handy auf der Tischplatte vibrierte. Eine kurze Nachricht von Loona:

Komm rüber. Badezimmer.

Mein Magen zog sich zusammen. Ich stand auf, strich mir fahrig über das Gesicht und ging den abgedunkelten Flur entlang.

Das Hauptbadezimmer lag in grellem, sterilem Halogenlicht. Loona lehnte am Doppelwaschtisch, das Smartphone in der Hand, bereits im seidigen Schlafanzug. Die breite Spiegelfront hinter ihr warf jeden Winkel des Raumes gnadenlos zurück.

„Tür anlehnen“, sagte sie, ohne aufzusehen. Dann steckte sie das Handy weg und verschränkte die Arme vor der Brust. „Zieh dich aus. Komplett untenrum.“

Ich schluckte trocken. Das grelle Licht brannte in den Augen. Mit zitternden Fingern öffnete ich den Knopf meiner grauen Jogginghose, schob sie zusammen mit den Boxershorts nach unten und trat heraus.

Im riesigen Spiegel war alles zu sehen: meine blasse Haut, die Anspannung in meinen Schultern und das starre, milchig-weiße Plastikgehäuse, das meinen Schwanz und die Hoden umschloss. Die Haut rund um den Führungsring war gerötet, an der Unterseite zeichnete sich eine dunkle Druckstelle ab.

„Tritt näher an den Spiegel heran“, befahl sie ruhig. „Hände hinter den Rücken. Gerader Stand.“

Ich tat zwei Schritte nach vorn und blieb direkt vor ihr stehen. Loona beugte sich leicht vor, musterte den Bereich mit dem kühlen, distanzierten Blick einer Ärztin. Doch in ihren dunklen Augen lag jenes unnachgiebige Funkeln, das verriet, wie sehr sie diesen Moment genoss.

„Wie ich es mir gedacht habe“, murmelte sie leise. Ihre Finger, noch kühl von der Nachtluft, legten sich ohne Vorwarnung um den unteren Rand des Rings. Ich zuckte zusammen, ein scharfer Schmerz schoss durch das gereizte Gewebe.

„Ruhig bleiben“, wies sie mich mit sanfter, aber unmissverständlicher Härte zurecht. Mit geübten Griffen drehte sie das Gehäuse minimal nach links, dann nach rechts, tastete den Spalt zwischen Haut und Kunststoff ab. „Du hast dich heute ganz schön angestrengt, Kleiner. Dein Körper wollte offenbar den ganzen Tag gegen das Harz ankämpfen.“

Ihre Fingerspitzen glitten über die Schwellung an der Basis. Die Berührung war gleichzeitig Qual und eine perverse, quälende Erlösung. Mein Atem ging flach. Im Spiegel konnte ich sehen, wie ihre Hand mein Gefängnis umschloss, während ich völlig entblößt und bewegungsunfähig vor ihr stand.

„War es Emma?“, fragte sie beiläufig, während sie den kleinen Verschlussbolzen auf festen Sitz überprüfte. „Oder war es das Gefühl, ihr das Frühstück zu kaufen wie ein kleiner, gehorsamer Hund?“

„Ich… ich weiß nicht…“, brachte ich mühsam hervor.

Loona hob den Kopf, sah mich im Spiegel direkt an und lächelte kühl. „Lüg mich nicht an, John. Dein Puls auf der Uhr war den ganzen Nachmittag über erhöht. Du bist den ganzen Tag mit einer halben Erektion gegen diese Wände gerannt. Und genau so sieht es hier unten jetzt auch aus.“

Sie griff in den Spiegelschrank, holte eine Tube medizinische Wundsalbe hervor und drückte einen Klecks auf ihre Fingerkuppen.

„Nicht bewegen.“

Mit kreisenden, erstaunlich behutsamen Bewegungen begann sie, die gereizten Stellen rund um den Ring einzumassieren. Das kühle Gel brannte für einen kurzen Augenblick, bevor eine tiefe, fast betäubende Erleichterung einsetzte. Ihre Hände waren geübt und ruhig. Jeder Handgriff zeigte mir meine absolute Ohnmacht, doch gleichzeitig lag in dieser Pflege etwas, das mich den ganzen Tag über gefehlt hatte: ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

„Das Schloss hält“, stellte sie leise fest, wischte sich die Hände an einem Handtuch ab und musterte ihr Werk noch einmal im Licht. „Keine Risse. Morgen sitzt alles genauso stramm.“

Sie drehte sich um und schaltete die grellen Deckenstrahler aus. Plötzlich lag das Badezimmer nur noch im matten, warmen Schein der kleinen Leuchte über dem Spiegelschrank. Die Härte in der Luft schien mit einem Schlag zu verfliegen.

„Zieh die Hose wieder hoch“, sagte sie mit einer Stimme, die jegliche Schärfe verloren hatte.

Ich tat es hastig, froh über die weiche Baumwolle auf der gekühlten Haut. Als ich aufschaute, war Loona nicht gegangen. Sie lehnte am Waschbecken und sah mich mit weichen, nachdenklichen Augen an.

„Komm her“, flüsterte sie und öffnete leicht die Arme.

Ich zögerte eine Sekunde, überrumpelt von dem plötzlichen Wechsel, und trat dann zögernd auf sie zu. Bevor ich nachdenken konnte, schlang sie ihre Arme um meinen Nacken und zog mich fest an sich.

Der Duft nach Vanille und milder Seife hüllte mich vollkommen ein. Mein Kopf sank automatisch an ihre Schulter, und die Last der letzten Stunden – die Demütigung auf dem Schulhof, das Geld, das brennende Harz – fiel mit einem Mal von mir ab wie schweres Blei. Ihre Hände glitten langsam durch meine Haare, kraulten sanft meine Kopfhaut und fuhren beruhigend über meinen verspannten Rücken.

„Ganz ruhig, John“, hauchte sie mir ins Ohr, während ihre Wärme durch meinen Pullover drang. „Atme durch. Ich habe gesehen, wie brav du heute warst. Du hast alles genau so gemacht, wie ich es von dir verlangt habe.“

Ich schloss die Augen und klammerte mich unwillkürlich an ihren seidenen Rücken. Ein tiefes, zittriges Ausatmen entwich meiner Brust. Für diese wenigen Sekunden fühlte ich mich nicht wie ein gedemütigtes Werkzeug oder ein kleiner Dienstbote. Ich fühlte mich beschützt. Gewollt. Geborgen in den Armen der einzigen Person, die mir überhaupt noch Halt in diesem Chaos gab.

Sie drückte mir einen langen, zärtlichen Kuss an die Schläfe, hielt mich noch für ein paar Schläge meines pochenden Herzens fest und löste sich dann langsam, um mir mit beiden Händen sanft die Wangen zu halten. Auf ihren Lippen lag ein echtes, liebevolles Lächeln.

„Du machst das gut, Kleiner. Ich passe auf dich auf, erinnerst du dich? Solange du bei mir bleibst, passiert dir nichts.“

Sie strich mir noch einmal mit dem Daumen über die Lippe, ließ mich dann los und schaltete das letzte Licht aus.

„Und jetzt ab ins Bett mit dir. Schlaf gut.“

Ich ging im Dunkeln zurück in mein Zimmer, kroch unter die Bettdecke und spürte die Nachwirkungen ihrer Umarmung noch auf meiner Haut. Das Harz drückte immer noch gegen mein Becken, doch die quälende Verzweiflung war einer tiefen, ergebenen Ruhe gewichen. Solange sie mich so im Arm hielt, war mir jeder Preis recht.

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