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Chapter 10
by
Hammersbald
Der Raum.
Interesse an Katharina und Lydia
Die Glühbirne an der Decke summte ein monotones, ohrenbetäubendes Lied, das einzige Geräusch in der kalten, staubigen Stille des alten Büros. Ferdinand Walters hing wie ein Schlachtopfer an seinem Träger, jeder Muskel in seinem Oberkörper schrie vor Anspannung, während sein Körpergewicht an seinen Schultern zerrte. Die Frau mit den roten Stiefeln stand unter ihm, eine perfekte, tödliche Skulptur aus Leder und Arroganz. Ihr Blick war eine Nadel, die seine Seele durchbohrte.
„Du bist ein guter Polizist, Herr Walters“, wiederholte sie, ihre Stimme ein leises, gefährliches Flüstern, das seine Haut kribbeln ließ. „Du bist ehrlich. Du bist pflichtbewusst. Du bist alles, was diese Stadt in ihren Verteidigern sucht. Und das macht dich so… ****.“
Sie machte einen Schritt zurück, ihre roten Stiefel leuchteten wie zwei Warnfeuer im Dämmerlicht. Sie ließ ihre Pistole in einem Holster an ihrem Oberschenkel verschwinden, eine Bewegung, die so fließend und selbstverständlich war, als würde sie einen Haargummi benutzen.
„Aber deine Ehrlichkeit ist auch deine Schwäche“, fuhr sie fort und begann, langsam im Kreis um ihn herumzugehen. Ihre Schritte waren lautlos auf dem staubigen Boden. „Du glaubst an Gerechtigkeit. Du glaubst an das System. Du glaubst, dass die Guten gewinnen und die Bösen bestraft werden. Eine süße, naive Vorstellung.“ Sie blieb hinter ihm, außerhalb seines Sichtfelds, und ihre Stimme schien direkt neben seinem Ohr zu sein. „Du jagst nach Beweisen, nach Fakten, nach einer logischen Kette, die dich zur Wahrheit führt. Aber was, wenn die Wahrheit keine Logik hat? Was, wenn die Wahrheit nur das ist, was die Mächtigsten von uns wollen?“
Ferdinand schwieg. Er spürte ihre Präsenz hinter sich wie eine physische Bedrohung. Er wusste, dass sie ihn nicht nur verhörte. Sie analysierte ihn. Sie zerlegte ihn in seine Bestandteile, um herauszufinden, wie er tickte.
„Du bist auch ein trauriger Mann, Ferdinand“, sagte sie, und die Verwendung seines Vornamens war ein intimer, unheimlicher ****. „Ich habe deine Akte gelesen. Deine Frau. Deine Tochter. Ein schrecklicher Unfall. Ein Verlust, der einen Mann brechen kann. Oder ihn härten lässt. Bei dir war es beides, oder? Du hast deinen **** in eine Rüstung aus Pflichtgefühl verwandelt. Du jagst Verbrechern nach, weil du nicht in der Lage bist, den wahren Schuldigen zu jagen: dem Schicksal.“
Sie kam wieder in sein Sichtfeld, ihr Gesicht war eine Maske aus professionellem Interesse und kalter Neugier. „Und dann gibt es noch sie. Katharina von Blaustein.“
Der Name traf ihn wie ein Schlag. Er zuckte unwillkürlich zusammen, eine Reaktion, die er nicht unterdrücken konnte. Ein triumphierendes Lächeln huschte über ihre Lippen.
„Ah, ja. Die Staatsanwältin“, sagte sie und ihre Stimme wurde weicher, fast schon neugierig. „Ich muss zugeben, ich bin fasziniert von ihr. Sie ist wie du. Ehrlich. Intelligent. Unbestechlich. Aber sie hat etwas, das du nicht hast. Sie hat eine Dunkelheit in ihr, die sie selbst noch nicht ganz verstanden hat. Eine Gier, die tiefer geht als nach Gerechtigkeit.“
Sie trat näher, ihr Gesicht nur noch wenige Zentimeter von seinem entfernt. Er konnte die winzigen Sommersprossen auf ihrer Nase sehen, die leichte Rötung auf ihren Wangen. Sie war unglaublich schön und unglaublich tödlich.
„Ich habe sie beobachtet, Ferdinand“, flüsterte sie. „Ich habe sie im Gerichtssaal gesehen, wie sie einen Verbrecher mit ihrer bloßen Präsenz zum Geständnis bringt. Ich habe sie in ihrem Büro gesehen, wie sie über Akten beugt, ihr Konzentration so total, dass die Welt um sie herum verschwindet. Und ich habe sie gesehen, wie sie sich ihrer eigenen Lust hingibt. Sie ist ein Meisterwerk. Ein perfektes Instrument, das nur darauf wartet, gespielt zu werden.“
Sie streckte eine Hand aus und strich mit einem Finger über seine Brust, eine leichte, fast zärtliche Berührung, die ihm einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte. „Und du, mein lieber Ferdinand, du stehst ihr im Weg. Du mit deiner veralteten Moral, deinem Glauben an das Gute. Du könntest sie ruinieren. Du könntest sie dazu bringen, sich für die falsche Seite zu entscheiden. Und das kann ich nicht zulassen.“
Sie zog ihre Hand zurück und trat wieder einen Schritt zurück. „Also werde ich dir eine Frage stellen, Ferdinand. Eine einzige Frage. Und deine Antwort wird entscheiden, ob du diesen Raum wieder verlässt. Oder ob du hier bleibst, bis du zu Staub zerfällst.“ Sie blickte ihn direkt an, ihre dunklen Augen funkelten im grellen Licht. „Was weißt du über Lydia Voss?“
Zur gleichen Zeit war das Polizeipräsidium am Alexanderplatz ein Ameisenhaufen aus Hektik und Verzweiflung. Katharina von Blaustein durchquerte die Flure, ihr Gesicht eine Maske aus kontrollierter Panik. Sie ignorierte die neugierigen Blicke ihrer Kollegen, die leisen Flüstere, die ihr folgten. Sie hatte nur ein Ziel. Sie musste Ferdinand Walters finden.
Sie stürmte in das Büro der Mordkommission, ein Raum, der nach Kaffee, Schweiß und alten Akten roch. Anton Schmidt saß an seinem Schreibtisch, eine Tasse in der Hand, sein Gesicht müde und besorgt.
„Wo ist er?“, fragte Katharina, ihre Stimme war scharf, ohne jede Höflichkeit.
Anton zuckte zusammen. Er setzte die Tasse ab und blickte sie an, seine Augen voller Sorge. „Frau von Blaustein. Ich habe Sie erwartet.“
„Wo ist Ferdinand, Anton?“, wiederholte sie, ihre Stimme jetzt ein leises, gefährliches Zischen. „Ich habe ihn seit gestern Abend nicht mehr erreicht. Sein Handy ist aus. Er ist nicht zu Hause. Was ist los?“
Anton seufzte und rieb sich die Augen. „Ich weiß es nicht, Katharina. Er war gestern Abend hier. Er hat die ganze Nacht gearbeitet. Er war… besessen. Er hat etwas gefunden, eine Spur. Er hat mir von einer Liste erzählt, von Arthur Struck. Er hat gesagt, er hätte die Lösung.“
„Eine Liste?“, fragte Katharina, ihr Verstand arbeitete auf Hochtouren. „Was für eine Liste?“
„Eine Liste seiner… sexuellen Eroberungen“, sagte Anton und schämte sich fast, die Worte auszusprechen. „Ferdinand dachte, da wäre eine Spur. Ein Name. Dr. Lena Weiss.“
Katharinas Herz machte einen Sprung. Lena Weiss. Die Pathologin. Die Frau, die auf Strucks Liste stand. Die Frau, die ihm Zugang zu etwas gegeben hatte.
„Er ist ihr gefolgt, oder?“, fragte sie, es war keine Frage, es war eine Feststellung.
Anton nickte langsam. „Ich habe ihn heute Morgen hier gefunden. Er war auf dem Boden eingeschlafen. Er war total erschöpft. Er hat mir gesagt, er würde sie beschatten. Er hat mir gesagt, er würde mich anrufen, wenn er etwas weiß. Aber er hat nie angerufen.“
Katharina spürte, wie die Kälte sie ergriff. Eine kalte, greifbare Angst, die sich wie ein Eisblock in ihrer Brust ausbreitete. Ferdinand war in Gefahr. Er war in Gefahr, weil er nach der Wahrheit gesucht hatte. Weil er sie beschützt hatte.
„Wir müssen ihn finden, Anton“, sagte sie, ihre Stimme war jetzt fest, entschlossen. „Wir müssen ihn finden, bevor es zu spät ist.“
Anton stand auf, sein Gesicht war eine Maske aus Entschlossenheit. „Ich weiß. Ich habe schon eine Fahndung eingeleitet. Sein Auto wurde vor dem Institut für Rechtsmedizin gefunden. Die Tür war offen. Die Schlüssel steckten drin.“
Katharina starrte ihn an, ihr Verstand raste. Das Institut für Rechtsmedizin. Der Ort, an dem alles begonnen hatte. Der Ort, an dem die Wahrheit begraben lag. Und Ferdinand war dort hineingegangen und war nicht wieder herausgekommen
Verhör aber anders
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Eisige Gier
Teil I
Eine junge arrogante und Selbstverliebte Staatsanwältin hat viele erotische Abenteuer und kommt einer Verschwörung auf die Spur.
Updated on May 5, 2026
by Hammersbald
Created on Jan 5, 2026
by Hammersbald
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