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Chapter 48
by
kleinehexe
What's next?
Ihre Entscheidung
Das Angebot stand zwischen ihnen im Raum. Einfach nur still. Ohne Druck auf sie oder Nachfrage dazu. Und genau das machte es ihr schwer, es einfach beiseitezuschieben. Caroline spürte, wie sich ihre Finger noch fester um den Stift legten, ohne dass sie dies bewusst steuern konnte. Ihr Blick lag auf dem Notizblock vor ihr, doch sie sah die geschriebenen Worte schon längst nicht mehr.
Vertrag ... Kontrolle ... Vertrauen
Alles Begriffe, die jetzt nicht mehr irgendwo weit weg waren und plötzlich eine andere Bedeutung bekommen hatten. Langsam hob sie den Kopf. Bianca Winter saß ihr noch immer ruhig gegenüber, als hätte sie alle Zeit der Welt. Kein Anzeichen von Ungeduld, kein Drängen. Nur dieser wache, aufmerksame Blick, der sie nicht losließ. Sie sah, dass sie wartete. Auf eine Entscheidung. Ihre Entscheidung. Caroline spürte diese Erwartung von ihr unmissverständlich. Sie wusste, dass sie sie nicht ewig hinauszögern konnte.
„Das ist…“, begann sie, brach jedoch gleich wieder ab und überlegte. Sie lehnte sich ein Stück zurück und verschränkte die Arme locker vor der Brust, mehr um sich selbst einen Moment Abstand zu verschaffen als aus wirklicher Abwehr.
Soll ich? ... Soll ich nicht? ... Wäre das unprofessionell? ... Oder gar riskant? ... Wie wäre es, wenn ... ? ... Und wenn nicht?
In ihrem Kopf tanzten tausend Gedanken und zermarterten ihr das Hirn. Das wär dann keine normale Recherche mehr, sondern ein Schritt über eine Grenze. Ihre Grenze. Der Bruch eines Tabus, welches sie sich selbst auferlegt hatte. Ihr Blick wanderte kurz durch den Raum. Die Möbel, die Geräte an der Wand, die gedämpfte Atmosphäre. Vor wenigen Minuten noch fremd und beinahe abstrakt. Jetzt wirkten sie … greifbarer. Aber genau das war auch der Punkt dabei. Dann wäre es real.
Ihre Neugier quälte sie. Sie wollte verstehen, was hier wirklich passierte. Nicht nur das Niederschreiben von dem, was sie gelesen und gehört hatte. Langsam atmete sie aus. „Wenn ich das mache …“, setzte sie erneut an, diesmal ruhiger, „dann unter den gleichen Bedingungen wie Ihre Klienten?“
Biancas Blick veränderte sich nicht. Sie zeigte nicht den Hauch einer Regung in ihrem Gesicht. „Nein“, antwortete sie nur ruhig. „Unter Ihren!“ Sie macht eine kurze Pause, um diese Aussage wirken zu lassen. „Es wird aber nichts dabei passieren, dem Sie vorher nicht zugestimmt haben. Es kann natürlich nur eine Schnuppersitzung werden, in der Sie als Einführung die Grundlagen kennenlernen. Sehen Sie es daher als kleines Experiment mit etwas von allem. Andererseits, wer weiß, welche versteckten Neigungen bei Ihnen dabei ans Licht kommen werden. Ich sagte ja schon: „Typisch“ gibt es hier nicht.“
Ein kurzer Moment verstrich. Caroline spürte, wie sich etwas in ihr verschob. Der letzte Rest Zögern, der noch zwischen Neugier und Vernunft stand, begann in ihr zu bröckeln. Sie wusste, dass sie später darüber nachdenken würde. Vielleicht auch zweifeln, an ihrer Entscheidung. Aber jetzt war nicht der Zeitpunkt dafür. Wer weiß, ob sich jemals wieder so eine Gelegenheit bieten würde? Langsam nickte sie.
„Okay“, sagte sie schließlich. „Ich nehme Ihr Angebot an.“ Sie lächelte und fühlte sich befreit, als wäre mit ihrer Entscheidung eine Last von ihr abgefallen. Gleichzeitig verspürte sie wieder dieses Kribbeln im Bauch durch den Reiz des Ungewissen.
Bianca Winter hielt ihren Blickkontakt noch einen Moment, als würde sie prüfen, ob hinter dieser Entscheidung wirkliche Überzeugung lag. Dann nickte sie einmal langsam.
„Gut.“ Mehr sagte sie zunächst nicht. Kein Lächeln, keine sichtbare Reaktion. Und doch lag in diesem einen Wort etwas Endgültiges, das sich jetzt nicht mehr zurücknehmen ließ. „Dann fangen wir an“, sagte sie schließlich, stand auf und ging ein paar Schritte in den Raum hinein. Ihre Bewegungen waren ruhig und dennoch hatte Caroline plötzlich das Gefühl, dass sich gerade etwas veränderte. Die Atmosphäre im Raum schien sich zu verschieben. Ohne selbst aufzustehen, folgte Caroline ihr mit ihrem Blick, und angespannt wartete sie darauf, was jetzt passieren würde.
„Auch ich habe mich auf den Termin vorbereitet. Natürlich nur für den Fall, dass Du Dich dafür entscheiden würdest.“ Mit diesen Worten zeigte sie auf einen Karton, welcher einsam in der hintersten Ecke des Raumes stand.
Caroline spürte, wie sich bei diesen Worten ihre Stirn leicht in Falten legte. „Vorbereitet?“ „Für den Fall, dass Du …“ Diese Worte hatten sie unerwartet getroffen und ein leiser Zweifel schlich sich in ihre Gedanken. Sie wusste nicht, ob sie sich überrumpelt fühlen sollte. Es schien plötzlich so, als wäre all dies von ihr im Voraus geplant gewesen.
Und „Du“? Natürlich war dies nur eine Kleinigkeit, eine scheinbar beiläufige Veränderung. Dennoch fühlte sich die ganze Art, wie sie jetzt mit ihr sprach, komplett anders an. Sie überlegte, ob es bereits ein Teil des Spiels wäre, welches von ihr unbemerkt bereits begonnen hatte. Insgeheim fragte sie sich, ob sie selbst weiterhin beim Sie bleiben sollte.
Bianca sah sie ruhig an, als wäre nichts gewesen. „In dem Karton findest Du etwas zum Anziehen. Das ist alles, was Du für die Sitzung brauchst. Ich erwarte, dass Du ausschließlich diese Sachen am Körper trägst, wenn ich Dich nachher abhole." Ihr Blick bei diesen Worten ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie dies genauso meinte, wie sie es sagte.
„Außerdem liegen auf dem Karton ein paar Anweisungen für Dich und ein Blankovertrag mit einem Fragebogen. Neben ein paar Gesundheitsfragen kannst Du dort auch die Dinge ausschließen, welche für Dich nicht infrage kommen. Und natürlich musst Du zwingend ein Savewort angeben, welches zum sofortigen Spielabbruch führt. Das ist Standard."
Caroline spürte, wie sich ihr Magen leicht zusammenzog. Anweisungen. Das Wort blieb irgendwie hängen.
Bianca trat einen Schritt zur Seite und machte ihr den Weg frei. „Behalte die Zeit im Blick. Du hast genau dreißig Minuten!“
Wieder war dieses „Du“ in ihrem Satz zwischen ihren direkten und fordernden Worten, welche keinen Zweifel und Diskussionsspielraum zuließen. In langsamen Schritten ging sie zur Tür und ließ sie allein. Caroline erhob sich langsam. Fast automatisch. Ihre Schritte zur Zimmerecke wirkten schwerer als vorhin. Der Karton mit den Papieren darauf sah unscheinbar und verloren aus. Fast zu banal für das, was es enthielt.
Jetzt war sie allein im Raum. Allein mit dem Karton und ihrer Entscheidung. Aber auch dem leisen Gefühl, dass sie gerade etwas begonnen hatte, dessen Ausgang sie noch nicht abschätzen konnte.
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Created on Aug 3, 2023
by kleinehexe
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