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Chapter 3 by Hammersbald Hammersbald

Lydia Voss

Die Göttin und Anwältin

Der Verhörraum im Polizeipräsidium war Katharinas Territorium. Hier war sie die Herrscherin, hier bestimmte sie die Regeln. Die Wände waren in einem kalten, funkelnden Weiß gehalten, der metallische Tisch in der Mitte war blank geputzt, die einseitige Spiegelwand war ein stummer Beobachter, der nur ihr gehorchte. Sie saß already da, als die Tür sich öffnete, ihre Haltung aufrecht, ihr Blick auf die Akte vor ihr gerichtet. Sie hatte bewusst darauf bestanden, dieses Verhör persönlich zu führen. Sie wollte Elena Struck ansehen, die Frau, die nicht um ihren toten Mann trauerte. Sie wollte die Lüge in ihren Augen sehen.

Elena Struck betrat den Raum, gefolgt von einer Frau, deren Anwesenheit die Luft im Raum sofort veränderte. Es war, als würde ein Raubtier ein Gehege betreten, das man bisher für leer gehalten hatte. Die Frau war groß, vielleicht sogar größer als Katharina, und bewegte sich mit einer langsamen, sinnlichen Gelassenheit, die eine unmissverständliche Machtaussage war. Ihr Haar war ein pechschwarzer Vorhang, der ihr über die Schultern fiel und ihre blasse, makellose Haut umrahmte. Ihr Gesicht war das einer antiken Göttin – hohe Wangenknochen, ein voller Mund und dunkle, intellektuelle Augen, die alles durchdrangen und gleichzeitig ein Geheimnis zu verbergen schienen. Sie trug einen maßgeschneiderten, anthrazitfarbenen Anzug, der ihre schlanke, athletische Figur betonte, und darunter eine seidene Bluse, die sich bei jeder Bewegung leicht über ihre Brust spannte. Sie trug keinen Schmuck, sie brauchte keinen. Sie war Lydia Voss, und sie war die Verkörperung von kontrollierter, dominanter Kraft.

„Frau von Blaustein“, sagte Lydia Voss mit einer Stimme, die tiefer und wärmer war als Katharina es erwartet hatte. Die Stimme war wie dunkle Schokolade – reich, verführerisch und gefährlich. „Ich bin Lydia Voss, die Anwältin meiner Mandantin, Elena Struck. Ich nehme an, Sie haben keine Einwände, wenn ich am Verhör teilnehme.“ Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.

Katharina hob den Blick. Ihre Augen trafen die von Lydia Voss, und für den ersten Moment in ihrem Leben fühlte sie sich wie eine Schülerin, die von der Direktorin ertappt wurde. Die Selbstsicherheit der anderen Frau war so absolut, so unerschütterlich, dass Katharinas eigene Arroganz wie ein dünner Lack wirkte, der sofort zu springen drohte. „Natürlich nicht, Frau Voss“, erwiderte Katharina, ihre Stimme einen Ton zu scharf. „Je schneller wir hier sind, desto besser.“

Lydia lächelte ein kleines, wissendes Lächeln, das ihre Mundwinkel kaum bewegte. Sie zog den Stuhl für ihre Mandantin zurück, eine Geste, die höflich und besitzergreifend zugleich war, bevor sie sich selbst neben Elena setzte. Elena Struck wirkte neben ihrer Anwältin blass und zerbrechlich, eine Puppe in den Händen ihrer Puppenmacherin.

„Also, Frau Struck“, begann Katharina und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. „Sie haben erfahren, dass Ihr Mann ermordet wurde. Und Ihre Reaktion war… bemerkenswert ruhig.“

Elena öffnete den Mund, aber Lydia legte eine Hand auf ihren Arm. Die Berührung war leicht, aber sie hatte die Wirkung eines Kommandos. Elena verstummte sofort.

„Meine Mandantin befindet sich in einem Zustand des Schocks“, sagte Lydia ruhig. „Ihre Ruhe ist eine Schutzreaktion, eine völlig normale psychologische Reaktion auf ein **** traumatisches Ereignis. Ich würde vorschlagen, Sie sparen sich diese Art von amateurhafter Seelenanalyse, Frau Staatsanwältin.“

Katharina spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Sie wurde untergebuttert, hier, in ihrem eigenen Raum. „Ich versuche nur, die Fakten zu verstehen. Ihr Mann hatte eine Liste, Frau Struck. Eine sehr lange Liste mit Frauen. Hat das zu Konflikten geführt?“

„Arthur war ein Mann mit Appetiten“, antwortete Lydia, als wäre die Frage an sie gerichtet. „Meine Mandantin wusste davon. Sie hatten eine Arrangement. Eine offene Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt und klaren Regeln basierte. Ein Konzept, das vielleicht für manche Menschen schwer zu verstehen ist.“ Ihr Blick schweifte für einen Moment über Katharinas Körper, eine langsame, abschätzende Prüfung, die kühler und intimer war als jede Berührung. „Ein Konzept, das auf Ehrlichkeit basiert, nicht auf der Illusion von Besitz.“

Die subtile Attacke traf ihr Ziel. Katharina dachte an Markus, an seine Lügen. „Und Sie waren mit diesem Arrangement einverstanden, Frau Struck?“, presste sie hervor und ignorierte Lydia.

Elena zuckte zusammen, aber Lydia antwortete wieder für sie. „Meine Mandantin hat ihre eigene Autonomie und ihr eigenes Leben. Sie war nicht die besitzgierige Ehefrau, die Sie offensichtlich gerne sehen würden. Sie war seine Partnerin, nicht sein Eigentum.“

Die erotischen Spannungen im Raum wurden fast greifbar. Es war ein Duell zweier starker Frauen, ein Kampf der Macht, der nicht mit Fäusten, sondern mit Blicken und Worten ausgetragen wurde. Katharina fühlte sich nackt, als würde Lydia Voss durch ihre Kleidung hindurch ihre Unsichten, ihre verborgenen Ängste sehen können. Sie hatte noch nie eine Frau wie sie getroffen. Eine Frau, die nicht versuchte, männliche Macht zu imitieren, sondern ihre eigene, weibliche Dominanz ausstrahlte.

„Was ist mit Dr. Markus Thorne?“, fragte Katharina und warf den Namen wie einen Felsbrocken in das stille Becken der Konversation. „Er stand ebenfalls auf dieser Liste. Und er hatte geschäftliche Verbindungen zu Ihrem Mann.“

Diesmal war es Elena, die reagierte. Sie blickte auf, und in ihren Augen war ein Funke von etwas, das wie Hass aussah. „Markus Thorne“, sagte sie mit einer Stimme, die dünn und voller Galle war. „Er war schlimmer als Arthur. Arthur war ein Schwein, aber er war ehrlich darin. Markus… er ist eine Schlange. Er hat Arthur benutzt. Er hat ihn ausgesaugt.“

Lydia legte ihre Hand wieder auf Elenas Arm, diesmal beruhigend. „Meine Mandantin hat Dr. Thorne mehrfach in Anwesenheit ihres Mannes getroffen. Ihr Eindruck war, dass die Geschäftsbeziehung… angespannt war. Dr. Thorne hat versucht, Arthur in dubiose Investitionen zu drängen.“

Katharina starrte Elena an. Das war neu. Das war ein Riss in der perfekten Fassade von Markus Thorne. „Anspannt? Inwiefern?“

„Er wollte, dass Arthur in eine Firma investiert, die… nicht existierte“, flüsterte Elena. „Arthur hat ihn abgewiesen. Er hat ihn einen Wüstling und einen Betrüger genannt.“

Das Verhör war vorbei. Katharina wusste es. Sie hatte mehr Informationen bekommen, als sie erwartet hatte, aber sie hatte auch eine Schlacht verloren. Sie war nicht die Herrscherin in diesem Raum gewesen. Lydia Voss war es gewesen.

Als sie aufstanden, um zu gehen, hielt Lydia einen Moment inne. Ihre dunklen Augen fixierten Katharina. „Sie kämpfen sehr hart, Frau von Blaustein“, sagte sie leise, fast flüsternd. „Manchmal ist der härteste Kampf der gegen die Illusionen, die wir über uns selbst aufrechterhalten.“ Sie trat einen Schritt näher, so nah, dass Katharina ihren Duft riechen konnte – eine Mischung aus Sandelholz und etwas Blumigem, das exotisch und gefährlich war. „Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Und nicht jeder, der behauptet, auf Ihrer Seite zu stehen, ist es wirklich.“

Mit diesen Worten drehte sie sich um und führte ihre Mandantin aus dem Raum, leaving Katharina allein in der kalten Stille ihres Territoriums, das sich plötzlich fremd anfühlte. Ihre Hände zitterten leicht, als sie ihre Akte zuschlug. Lydia Voss hatte nicht nur das Verhör dominiert. Sie hatte einen Spiegel vor sie gehalten, und Katharina mochte nicht das, was sie darin Sah.

Beim Verlassen des Präsidium bemerkt Katharina das Ferdinand und Lydias Blicke sich treffen. Es sah so aus als würden sie sich kennen doch sie glaubte das nicht woher sollte ein Oberkommissar eine Staranwältin wie Lydia Voss kennen. Sie maß der Sache nicht all zu viel Bedeutung zu.

Das Büro

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