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Chapter 7 by Mercadus Mercadus

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Die Hantelbank

Niklas sagt nichts, als er die Tür zum Nebenraum öffnet.

Er tritt zur Seite und lässt den Raum sprechen.

Halbdunkel. Gedämpftes Licht von oben, kein Spot, eher ein gleichmäßiges, klinisches Leuchten, das Kanten weichzeichnet. Der Raum wirkt nicht wie ein Studio und nicht wie ein Gym, nicht wie im Hunk Ville. Etwas dazwischen. Zweckmäßig. Durchdacht. Still.

In der Ecke ein einfacher Holzstuhl, Lederriemen und ein Gürtel. Sonst nur schwarze Wände.

Jeremias bleibt einen Moment stehen. Nackter Oberkörper und die Jeans hängen schief auf den Hüften.

Die Bank fällt sofort ins Auge.

Nicht massiv, nicht protzig – präzise. Rückenpolster breiter als gewohnt, fast einladend, die Sitzfläche schmal, geteilt, wie aus funktionaler Notwendigkeit heraus entstanden. In der Mitte das offene Kissen, sachlich, ohne Erklärung. Kein Fehler, kein Gag. Absicht.

Daneben Gewichte, sauber sortiert. Hanteln mit Griffen, die benutzt wurden, nicht ausgestellt. Riemen. Gurte. Zubehör, das nicht jeder erkennt, aber jeder Profi respektiert.

Oben am Kopfteil die Vorrichtung. Eine Atemmaske? Schläuche. Technik, die mehr verspricht, als sie erklärt.

Regal an der Wand: Pumpflaschen, neutral beschriftet. Öl. Lotion. Eine große Dose Vaseline. Nicht versteckt. Nicht betont. Einfach da. Daneben Teile aus Silikon und ein gewaltiger Kegel aus Gummi, etwas Kleineres das aussieht wie ein Dildo, gebogen und verschiedene Schachteln.

Jeremias geht langsam näher. Der Raum zieht ihn rein.

Sein Blick scannt. Automatisch. Wie vor einem neuen Trainingsgerät, das man ernst nimmt.

„Besser als bei Martin“, sagt er schließlich. Kein Witz. Anerkennung. Irgendwie passen die ganzen Lederriemen nicht, zumindest ungewöhnlich deren Montage an dem Gestell der Hantelbank. 'Folterstuhl' fährt Jerre durch den Kopf, dann ist er schon wieder abgelenkt von einem anderen Feature. Hebel, Spannfedern aus Chrom. Kabel mit Saugnäpfen wie beim EKG.

Niklas lehnt noch immer im Türrahmen. Verschränkte Arme. Beobachterhaltung. „Ist auch nicht von der Stange.“

Jeremias fährt mit der Hand über das Polster. Testet die Dichte. Drückt. Lässt los. Setzt sich. Steht wieder auf. Seine Bewegungen sind ruhig, konzentriert. Keine Nervosität. Nur Neugier und Fachwissen.

„Winkel passt“, murmelt er. „Und die Länge… das hier ist variabel, oder?“

Niklas nickt. „Alles.“

„Siehst du sofort“, sagt Jeremias, mehr zu sich selbst. „Das ist ausgeklügelt. Raffiniert.“

Er legt sich schließlich drauf. Nicht theatralisch. Funktional. Schultern justieren sich von selbst. Rücken findet die richtige Position, als wäre die Bank auf ihn abgestimmt. Sein Arsch schwebt frei in der Luft, das Polster ausgespart an der Stelle. „wtf fühlt sich eigenartig an, wenn der Hintern hier durchhängt” Niklas grinst wissend „so kannst mehr von unten heraus drücken” Jerre setzt die Füße auf, eine Adduktion-Funktion, testet Spannung, dann wieder locker, zielgerichtet für Gesäß- und Innenoberschenkel-Muskulatur.

Er presst nach innen, ein, zweimal uuhh hart eingestellt. Adduktoren springen sofort an, brutal ziehen die Gewichte seine Schenkel wieder nach außen, ein stechender Zug in der Leiste. Die Muskulatur wird passiv überdehnt. „Boa Alter, wer war da vorher drauf.“ Dreht den Kopf und sieht Niklas grinsen.

„Wanja - der kommt regelmäßig. Du weißt ja selbst genau wie man das gezielt für Gesäßformung nutzt. Sein Arsch ist der Wahnsinn.“

Mit einem Zwinkern und einem zweideutigen Nicken lässt er keinen Zweifel daran, dass seine Gedanken gerade alles andere als harmlos sind. Sieht wie die Arschbacken in der Öffnung im Sitz auseinander gezogen werden.

Jeremias beginnt zu verstehen, prüft die Aufhängungen und Gewichte. Ein Profi erkennt sein Werkzeug. Und hier war Niklas offensichtlich Profi.

Der ganze Raum war nur für einen Zweck gemacht. Endorphine, Dopamin, Adrenalin hoch, das Gefühl von Stärke, Kontrolle, Euphorie. Ein Schritt weiter als in jedem Sportstudio möglich, mehr als Zuhause zu erreichen war. Extremer und gleichzeitig besser, Ausdauer und der Orgasmus.

Niklas beobachtet. Sein Blick folgt den kleinen Anpassungen, den Mikroentscheidungen des Körpers. Er versteht, was hier passiert, ohne eingreifen zu müssen.

„Sonderanfertigung“, sagt Jeremias schließlich und schaut zu ihm rüber. „Sowas kaufst du nicht.“

Niklas räuspert sich leise. „Wanja hat umgebaut. Gelernter Schlosser. Metallbauer.“

Die Erklärung kommt langsam, fast umständlich, als würde er sich selbst daran erinnern, warum alles genau so ist, wie es ist. Keine Geschichte, nur Fakten. Aber sie hängen schwer im Raum.

Jeremias nickt. Zufrieden.

Er richtet sich halb auf, greift nach einem der Griffe, testet Zug, Spannung, Kontrolle. Seine Unterarme spannen sich, dann lässt er los.

„Man merkt“, sagt er. „Hier denkt jemand mit.“

Dann bleibt er stehen. An der Seite auf einem kleinen Rollwagen steht ein Gehäuse, das an einen industriellen Kompressor oder ein Beatmungsgerät erinnert, halb von einem schwarzen Vorhang verdeckt.

Die Maschine wirkt kalt und unpersönlich.

Es gibt keine glitzernden Farben oder spielerischen Details. Die Ästhetik ist rein utilitaristisch: Edelstahl, Chrom, schwarzer Gummi und transparente Kunststoffe dominieren.

An der Vorderseite befinden sich analoge Manometer, deren Nadeln den Luftdruck anzeigen, sowie mehrere Kippschalter und Drehregler aus Metall oder robustem Kunststoff.

Von diesem Kasten führen zwei bis vier dicke, transparente Silikonschläuche weg.

Diese Schläuche schlängeln sich über den Boden und hängen an Halterungen.

Sie wirken medizinisch-steril, fast wie Infusionsschläuche, sind aber deutlich massiver. Verzweigen sie sich über Y-Stücke, was die Anlage wie ein komplexes hydraulisches System aussehen lässt.

Wer den Raum ohne Vorwissen betritt, könnte zuerst sehr spezialisierte Pumpe aus dem Heimwerkerbereich denken – bis man die anatomische Anpassung der Endstücke bei genauerer Betrachtung bemerkt.

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