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Chapter 6 by kokosmilch kokosmilch

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Live und in 3D

Leopold Hartmann III. kniff erbost die Augen zusammen. Er war es ganz klar nicht gewohnt, dass man in seinem Haus nicht auf seine Wünsche einging. Doch auf einmal ging eine überraschende Wandlung vor sich. Er lächelte entspannt, lehnte sich mit einer unbeschreiblichen Selbstsicherheit zurück. Der erste Schock war offenbar verflogen, und nun zeigte er diesen typischen Gesichtsausdruck eines Mannes, der weiß, dass sein Geld ihm ihm alles kaufen kann.

„Da fällt mir ein...“, sagte er leichthin und strich sich die Seidendecke zurecht wie einen Königsmantel. „Ich habe für dieses… äh… Erlebnis bezahlt. Und zwar nicht wenig. Und da stand doch irgendwas von Smalltalk am Morgen, nicht wahr?“

Er tätschelte mit der freien Hand die Matratze neben sich. Einladend. Erwartungsvoll. Ganz so, als habe er ein verbrieftes Anrecht, dass ich mich neben ihn setzte.

Ich fror einen Augenblick ein. Mein inneres Publikum raunte dramatisch: Jetzt wird’s kritisch, Celestina! Der Schnösel will die Deluxe-Version. Live und in 3D.

„Ähm.“ Ich hob eine Braue, so hoch, dass selbst Maria Callas stolz gewesen wäre.

„Sie wünschen also morgendliche Konversation. Neben… Ihnen. Während Sie... ähem...“

Ich deutete mit einem kaum merklichen Kopfnicken auf das Textil-Bündel, mit dem er mur unzulänglich sein steigendes Interesse an meiner Gesellschaft verdeckte.

Er grinste siegessicher, so als hätte er gerade eine unschlagbare Geschäftsidee, die ihm massive Gewinne einbringen würde.

„Fräulein Morgenstern – ich wäre nicht zu meinem Wohlstand gekommen, wenn ich nicht aus jeder Investition das Maximum für mich herausgeholt hätte.“

Ich **** mir ein strahlendes Bühnenlächeln auf und dachte: Bravo, Celestina. Genau das ist der Moment, wo du den Abgang machen solltest. Jedenfalls gibt's kein da capo.

"Nun, Herr... äh... Hartmann, Sie sind ganz offensichtlich wach und damit hat Ihr singender Wecker seine Schuldigkeit getan. Mit Ihrer Erlaubnis empfehle ich mich."

"Bullshit!"

Ich zuckte bei dem lauten Ausbruch zusammen. Sein Schrei tat mir in den empfindlichen Ohren weh.

"Entweder setzen Sie sich sofort neben mich. Oder ich ziehe die Spende zurück. Dann können Sie selbst nach Afrika fahren und den Waisenkindern was vorsingen."

Mist. Was sollte ich tun? Ich trat zwei kleine Schritte näher und beugte mich leicht vor, als wollte ich gleich Platz nehmen. Dann legte ich den Kopf schief, blinzelte und säuselte:

„Aber, Herr Hartmann… Haben Sie schon einmal versucht, mit einer Sopranistin zu reden, während sie sitzt? Glauben Sie mir, im Stehen klingen wir viel besser. Das hat mit Körperspannung und Atemtechnik zu tun. Vor allem, wenn der Gesprächspartner so wenig angezogen ist.“

Seine Miene schwankte zwischen gekränkt und belustigt. Etwas hatte er vor.

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