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Chapter 5 by kokosmilch kokosmilch

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Hartmann III., der Aufrechte

Die „aufrechte Statue von Hartmann III.“ stand sozusagen naturbelassen vor mir. Ich schnappte nach Luft, bedeckte die Augen mit meiner Hand und ... musste feststellen, dass ich das alles ziemlich witzig fand. Das war Stoff für eine ganz große Oper. Das Libretto war köstlich. Mein Kichern unterdrückte ich, um ihn nicht vorzeitig zu wecken.

Also gut, Celestina, dachte ich bei mir, wahre Kunst kennt keine Schamgrenze. Auf in den Kampf, Torera!

Ich schlug mein Notenblatt auf, verbeugte mich vor einem imaginären Publikum und legte los. Volle Stimme, klar und schmetternd. Verdis „La donna è mobile“ füllte das Schlafzimmer bis in die letzte Ritze.

Leopold Hartmann III. riss die Augen auf, fuhr erschrocken hoch, sprang aus dem Bett – und die Decke rutschte, nun ja, nicht in die Richtung, die ich mir als zarte Sängerin gewünscht hätte. Ich hatte plötzlich mehr von einem Publikum als gedacht.

„Was zum Teu…?“, brüllte er, geblendet von der eigenen Nachttischlampe, die er hastig anknipste. „Wer sind Sie? Und warum grölen Sie in meinem Schlafzimmer herum?“

Ich sang unbeirrt weiter, nun mit einem kecken Timbre in der Stimme, wie es sich für eine echt amüsierte Bühnenfrau gehörte. Schließlich war ich nicht umsonst hier. Es war für die **** in Afrika.

Schließlich nach dem letzten Takt: „Guten Morgen, Herr Hartmann. Ihr persönlicher singender Wecker meldet sich zum Dienst.“

Er starrte mich an, die Decke inzwischen notdürftig über die Lenden gezerrt, legte sich leidend eine Hand an die Stirn und murmelte: „Ich muss wirklich aufhören, bei solchen Auktionen mitzusteigern. Besonders wenn ich zu viel getrunken habe.“

„Ach, Herr Hartmann…“ Ich wiederholte einige Takte und legte einen besonders koketten Triller in die letzte Note. „Klingt das nicht wunderbar? All das hätten Sie verpasst, wenn Sie nicht ihre großzügige Spende für das Krankenhaus gemacht hätten.“

Er blinzelte, noch immer halb benommen, und klammerte die Seidendecke **** an sich, als hinge sein gesellschaftlicher Ruf daran. Was in gewissen Sinne auch richtig war. „Das ist… Sie sind doch nicht normal!“ Er schüttelte den Kopf.

Ich grinste. „Da haben Sie recht. Es ist bestimmt nicht normal, wenn Sie jetzt zum ersten Mal in ihrem Leben Verdi im Original gehört haben. Seien Sie dankbar. Das muss ja wie eine Offenbarung sein.“

Er schnaufte genervt, widersprach aber nicht mehr. Fahrig kämmte er sich mit den Fingern einer Hand durch die Haare, die wie ein explodierter Federball aussahen. „Bringen Sie mir einen Kaffee. Stark. Schwarz. Den brauche ich jetzt ganz dringend, nach dieser... nach dieser Oper!“

„Kaffee?“ Ich stemmte gespielt empört die Hände in die Hüften. „Ich bin eine am Konservatorium ausgebildete, international gefeierte Sopranistin, Herr Hartmann! Für einen Kaffee von mir müssten Sie mindestens nochmal doppelt so viel spenden. Aber“, ich zwinkerte ihm zu, „wenn Sie wollen, singe ich Ihnen noch eine Arie als Zugabe.“

Ich konnte sehen, dass ihm das nicht genügen würde.

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