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Chapter 9 by Meister U Meister U

What's next?

Exponiert

Das einfallende Morgenlicht wurde zu einem grellweißen Lichtkegel, zerfetzte die letzten schützenden Wände der Hütte und traf sie mit der Wucht eines physischen Schlags. Sie schreckte hoch, ein kurzer, panischer Schrei entfuhr ihr, und sie riss die Hand schützend vor ihre geblendeten, tränengefüllten Augen. Das Licht brannte, unbarmherzig, entblößend.

Nein. Bitte, Nein.

Der Lichtkegel weitete sich, fraß die Holzwände auf. Die Hütte verschwamm, löste sich auf und hinterließ einen tiefschwarzen, unendlichen Raum. Sie war die Einzige, die im Rampenlicht stand. Starr vor Entsetzen kniff sie die Augen zusammen und schaffte es, über den Rand der gleißenden Helligkeit zu blicken.

Und sah die Gesichter.

Reihen um Reihen. Ein schwarzes, undefinierbares Meer von Silhouetten, aus dem hier und da ein Paar gieriger Augen, ein hinter einer Hand verstecktes, glänzendes Lächeln, ein gleichgültig angehobenes Opernglas hervortrat. Ein leises, erwartungsvolles Gemurmel, das Summen eines zufriedenen Insekten Schwarms, erfüllte die Stille, die nun keine war.

Das ist nicht real, betete sie in ihrem Kopf, ein Albtraum, eine Halluzination, eine psychotische Pause, das kann nicht…

Dann hörte sie seine Stimme. Sie kam von überall, aus den versteckten Lautsprechern des Theaters ihrer Demütigung.

"Meine Damen und Herren", sagte Tom, und in seiner Stimme lag das triumphierende Lächeln des Siegers, "das Stück ist aus.

Symbiosis – LENA. Das vollendete Werk "

Ein leises, höfliches, aber deutliches Raunen ging durch das unsichtbare Publikum. Es war das vernichtendste Geräusch, das sie je gehört hatte.

Lena erstarrte. Jeder Muskel in ihrem Körper war eisig steif vor absolutem Entsetzen und einer Scham, so tief und brennend, dass sie dachte, sie würde von innen heraus verbrennen. Sie war nackt. Nicht nur körperlich. Ihre Seele war entblößt, ihre intimsten Regungen, ihre verletzlichsten Laute, ihr ganzes Wesen war für dieses Publikum zur Schau gestellt worden. Eine Aufführung. Jedes Stöhnen, das er ihr entlockt hatte, jedes demütige Erzittern unter seinen meisterhaften Händen – alles war für sie gewesen. Für diese unbekannten im Publikum. Sie war die Hauptdarstellerin in einem Stück gewesen, dessen Skript sie erst jetzt, in dieser Sekunde, wirklich erkannte.

Die Erinnerung an ihre sexuelle Hingabe, an ihre ekstatische Preisgabe, brannte sich wie weißglühende Lötkolben in ihr Gedächtnis. Sie fühlte, wie eine scharlachrote Glut der Scham ihr Gesicht, ihren Hals, ihre Brüste, ihren gesamten Körper überzog. Sie wollte sich in den Boden graben, unsichtbar werden. Doch das gnadenlose Licht des Spots hielt sie fest, präsentierte sie wie ein seltenes, zappelndes Insekt, aufgespießt für die neugierigen Blicke der Zuschauer.

Dann begann der Applaus.

Zuerst vereinzelt, zögernd, dann anwachsend, sich aufschaukelnd zu einem tosenden, ohrenbetäubenden Beifall. Hunderte von Händen klatschten, jubelten ihr zu. Ihm zu. Dem Genie des Regisseurs, der diese Performance inszeniert hatte.

Sie kniff die Augen zusammen und sah jetzt Einzelheiten durch die Tränen. Ein älterer Herr im ersten Rang, der sich gerührt eine Träne aus dem Auge wischte. Eine elegante Frau, die ihr fast mitleidig, aber dennoch genussvoll zunickte.

In diesem Moment, als der Applaus seinen Höhepunkt erreichte und die Scham in ihr zu einem durchdringenden, alles erstickenden Kreischen wurde, ging das Licht aus.

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