Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Chapter 8
by
Meister U
What's next?
Erwachen
Lena erwachte im Lichtkegel eines Sonnenstrahls, der durchs Fenster fiel. Für einen flüchtigen, träumerischen Moment suchte ihr Körper nach seiner Wärme, nach dem Gewicht seiner Arme. Dann brach die Realität über sie herein wie Eiswasser.
Sie richtete sich auf. Die Hütte war still, zu still. Nur das gelegentliche Knacken der abkühlenden Scheite im Kamin.
„Tom?“, rief sie heiser. Die Leere schluckte ihre Stimme.
Keine Antwort.
Ihr Blick blieb an einem Zettel hängen, angelehnt an den Kerzenhalter. Seine Handschrift. Mit zitternden Fingern griff sie danach.
Lena, das Ende des Manuskripts liegt auf dem Schreibtisch. Es war mir eine Ehre, deine Geschichte zu schreiben. – Tom.
Die Worte sickerten wie Gift in sie hinein. Deine Geschichte.
Ein Schwindel erfasste sie. Sie raffte die Decke um ihren Körper, als könnte der Stoff sie schützen, und schleppte sich zum schweren Tisch in der Ecke. Dort lag er: ein Stapel handgeschriebener Seiten. Das unbekannte Ende.
Ihr Herz schlug wie ein gefangenes Tier, als sie zu lesen begann.
Und die Welt begann zu zerbrechen.
„Sie erwachte allein. Die Kälte der Stelle, an der er gelegen hatte, ließ eine erste, leise Ahnung von Unheil in ihr aufkeimen. Sie wickelte die Decke enger um ihre nackten Schultern, ein sinnloser Versuch, sich zu schützen vor einer Gefahr, die sie noch nicht benennen konnte. Ihr Blick fiel auf den Zettel. Ihre Hand zitterte, als sie ihn las.“
Lena starrte auf ihre eigene Hand. Sie zitterte, genau wie im Text. Jedes Detail, jede Regung – längst niedergeschrieben. Sie las weiter. Panik stieg in ihr auf, aber sie konnte nicht aufhören.
„Sie ging zum Schreibtisch, ihre Schritte schleiften über das Holz. Mit jedem Schritt wuchs die Erkenntnis, dass nichts, was in den letzten vierundzwanzig Stunden geschehen war, echt gewesen sein konnte. Es war eine Inszenierung. Ein perfektes Theaterstück. Und sie die Hauptdarstellerin, unwissend, aber willig.“
Ihr Atem stockte, flach und keuchend. Tränen brannten in ihren Augen. Wut und Scham mischten sich, aber sie **** sich weiterzulesen.
Der letzte Absatz.
„Lena legte die Seiten nieder. Schwindel griff nach ihr. Sie blickte sich im Raum um, sah ihn zum ersten Mal wirklich. Ihr Blick blieb an einer Fotografie hängen: eine Frau mit braunen Haaren, lachend, auf demselben Teppich vor demselben Kamin. Nackt. Daneben, auf dem Tisch, lag nicht nur ihr Manuskript, sondern ein ganzer Stapel. ‚Anja‘ stand auf einem, ‚Clara‘ auf einem anderen, ‚Maria‘, ‚Sofia‘ … alle in derselben präzisen Handschrift. Und dann verstand sie.“
Lena starrte auf die Fotos. Das Lachen der Fremden, eingefroren, erschien ihr plötzlich wie eine Warnung. Ihr Magen krampfte sich zusammen.
Ihre Finger krallten sich in die Manuskripte. Anja. Clara. Maria. Sofia. Jede Seite eine Geschichte. Jede eine Frau. Jede eine ...?
Sie fühlte sich gleichzeitig leer und besudelt. Alles, was sie für Ekstase gehalten hatte, schmeckte nun nach Täuschung. Nicht geliebt, nicht begehrt – nur benutzt. Ein weiteres Kapitel. Ein weiterer Name auf seinem Stapel.
Ihr verzweifelter Blick fiel zurück auf den Schreibtisch. Ganz oben, auf ihrem Manuskript, lag ein einziges, neues Blatt. Mit schwarzem Edding beschriftet.
Symbiosis – LENA. Das vollendete Werk.
Ein erstickter Schrei entrang sich ihrer Kehle. Mit einer wilden Bewegung fegte sie den gesamten Stapel vom Tisch. Seiten stoben auf, taumelten durch den Raum, fielen wie ein kalter Schneesturm aus zerfetzten Träumen und entwürdigter Intimität zu Boden.
Lena brach zusammen, ließ sich nackt und schutzlos auf die harten Dielen sinken. Die Kälte schoss in ihre Haut, in ihre Knochen – ein grausames Gegenstück zu der Hitze, die er in ihr entfacht hatte. Ein heiseres, zerreißendes Heulen brach aus ihr hervor, roh, tierisch, das Geräusch einer Seele, die in Stücke gerissen wurde.
Sie krallte ihre Finger in ihr Haar, riss daran, als könne sie die Erinnerung an seine Hände aus ihrem Kopf reißen. Seine Berührungen, die gestern noch wie eine Offenbarung gebrannt hatten, fühlten sich jetzt wie Brandmale an. Jede Spur seines Mundes, jedes Bild seiner Augen, die sie so analytisch verschlungen hatten, war plötzlich schmutzig, infiziert, ein Gift, das in ihr pulsierte.
Alles war Lüge.
Alles eine Inszenierung.
Nicht Ekstase, nicht Nähe.
Sie war nicht begehrt worden. Sie war benutzt worden.
Ihr Körper rebellierte gegen sie selbst. Ein Schauder jagte durch ihre Glieder, als sie daran dachte, wie sie gestöhnt hatte, wie sie sich ihm geöffnet hatte – und wie sehr er jede Reaktion vorhergesehen, ja, gelenkt hatte. Nichts war frei gewesen. Nicht ein Laut, nicht eine Bewegung. Ihre Lust war nur Teil seines Manuskripts gewesen, aufgeschrieben wie eine Regieanweisung, die sie willenlos erfüllt hatte.
Tränen brannten ihr in den Augen. Sie presste die Beine zusammen, als könne sie sich so verschließen, als könne sie den Nachhall seiner Inbesitznahme aus ihrem Körper drängen. Aber es half nichts.
What's next?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Fayes offizieller deutscher CHYOA Geschichtenwettbewerb 2025
Fayes Wettbewerb 2025 erstmals für deutsche Kurzgeschichten
Hier ist der echte offizielle CHYOA Geschichtenwettbewerb 2025 erstmals für deutsch schreibende Autoren
Updated on Dec 2, 2025
by Papas_Liebling
Created on Aug 30, 2025
by Papas_Liebling
- All Comments
- Chapter Comments