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Chapter 34 by kleinehexe kleinehexe

What's next?

Der Weg zurück kann lang sein

Mit jedem Meter, den sie sich von dem Ort entfernte, wuchs das Gefühl, wieder atmen zu können. Sie spürte, wie mit jedem weiteren Schritt ihre Anspannung nachließ und die Gedanken in ihrem Kopf klarer wurden. Es war, als hätte sie etwas hinter sich gelassen und gleichzeitig das Erlebte als Erfahrung mitgenommen. Einsam lief sie auf dem schmalen Gehweg neben der Straße durch die Stille der Nacht zurück in die Stadt. Aber es war keine stille Stille, in der sie sich durch die Dunkelheit bewegte. Das monotone Knirschen von Kieseln und Sand unter ihren Sneakern auf dem maroden Pflaster begleitete sie. Es wurde nur gelegentlich durch das Motorengeräusch einzelner Fahrzeuge unterbrochen, die ihr begegneten.

Wissend, dass diese Straße als einzige hinein und heraus zur alten Industriebrache führte, war auch klar, wohin die Fahrer wollten. Sie wusste, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben würde. Mindestens 1 Stunde würde sie brauchen und ein Großteil davon hier außerhalb der Stadt. Aber es war nicht die Dunkelheit, die ihr Unbehagen bereitete. Das Mondlicht kompensierte die spärlichen Lichtkegel der wenigen noch funktionierenden, windschiefen Laternen, welche wie schlafende Wächter am Straßenrand wirkten. Es war das ungute Gefühl, wenn sich Fahrzeuge ihr von hinten näherten. Immer wieder war da diese Wahrnehmung eines leiser werdenden Motors, obwohl er näher kam. Nahmen die Fahrer das Gas zurück, um langsamer zu werden? Aus den Augenwinkeln heraus glaubte sie, die Blicke zu sehen, die sie betrachteten.

Da war es wieder. Aber diesmal war es ein jaulender Motor. Die hohe Drehzahl duellierte sich mit dem Wummern der Bässe in der Ferne. Aber er kam schnell näher und sie sah ihn, als er an ihr vorbeizog. Ein Kleinwagen, tiefergelegt, zu laut für diese Uhrzeit, mit jungen Männern darin. Sie verstand nicht, was einer von ihnen ihr mit völlig überdrehter Stimme durch das offene Seitenfenster zurief. So schnell wie er gekommen war, verschwand er auch wieder in der Dunkelheit. Sie atmete durch. Lass sie fahren. Es war nur Lärm. Nur das dumme Machogehabe von ein paar Halbstarken.

Sie war wieder allein in der Stille dieser friedlichen Nacht. Allein mit ihren Gedanken, die sie immer noch versuchte zu ordnen in ihrem Kopf. Sie hörte ihn kaum, aber sie sah den Lichtkegel seiner Scheinwerfer, welchen er vor sich herschob. Er musste schon dicht hinter ihr sein. Sein Klang war irgendwie anders. Kein modernes Summen und kein überzüchteter Auspuff, eher ein müdes Brummen. Instinktiv dreht sie den Kopf, um zu sehen, wer ihr da folgte. Ein VW-Bus, alt und heruntergekommen, mit stumpfem Lack und aus einer Zeit, genau wie ihr Golf. Langsam schob er sich neben sie und passte sich ohne Eile ihrem Tempo an.

Sie drehte beim Weiterlaufen den Kopf leicht zur Seite und blickte in das bereits geöffnete Seitenfenster. Zwei Männer, vermutlich in den Dreißigern, der eine mit Bart, der andere mit Basecap. Ihre Gesichter wirkten fast schon weich im kargen Licht des Wageninneren.

„Brauchst Du ’ne Mitfahrgelegenheit? Wir können Dich mitnehmen“, sprach der am Steuer sie lächelnd an. Sie wusste nicht, was es war, was sie alarmierte. Die zu sehr betonte Freundlichkeit in seiner Stimme? Huschte da gerade ein Grinsen über seine Lippen? Irgendwas war falsch und unecht an dieser kalkulierten Fassade. Einfach zu interessiert an ihr, an diesem Ort, zu dieser Zeit.

„Danke, aber ich komme schon allein klar“, gab sie ihnen mit einem aufgesetzten Lächeln zurück und versuchte dabei, so selbstbewusst wie möglich zu wirken. Auch schon ohne ihr Wissen, von wo die beiden gerade herkamen, wäre sie niemals eingestiegen.

„Willst Du etwa den ganzen Weg zurücklaufen? Du weißt schon, dass ein Unwetter gemeldet ist“, fragte jetzt der Beifahrer. Sie blickte wieder zur Seite in das dickliche Gesicht unter seinem Basecap und sah die Erwartungen in seinen Augen.

„Macht Euch mal um mich keine Sorgen. „Ich werde es schon nach Hause schaffen“, wiegelte sie ihn ab und lief einfach weiter.

„Hey, Du hast doch keine Angst vor uns?“ Wir bringen Dich, wohin Du willst“, säuselte er weiter. Sie wusste, dass er nicht aufgeben und sich abwimmeln lassen würde. Auch hatte sie in den letzten Minuten gespürt, wie tatsächlich ein frischer Wind aufgekommen war. Trotzdem war jetzt einzusteigen keine wirkliche Option. Die Aussicht darauf, sich von den beiden anschließend in der Karre noch durchnehmen zu lassen, hätte das Fass neuer Erfahrungen in dieser Nacht endgültig zum Überlaufen gebracht.

„Habt Ihr nichts gefunden? War nichts dabei für Euch?“, fragte sie fast schon lästernd. Sie war einfach stehen geblieben und hatte die Flucht nach vorn angetreten, wobei sie dabei auf die Straße zurückblickte, von wo sie gekommen waren.

„Wie denn, wenn Du jetzt schon Feierabend machst. Vielleicht haben wir ja auch Dich gesucht?“

Schlagartig fiel die Fassade und offenbarte ihre Absichten. Lässig grinsend, aber unheimlich frontal, zeigten sie ihr, was sie in ihr sahen. Nur eine Hure, die für ein paar Euro jeder haben konnte. Sie fühlte sich plötzlich unwohl und überlegte, wie sie aus der Situation wieder herauskommen konnte. Hatte sie einen Fehler gemacht? Vielleicht war es nicht besonders clever gewesen, die beiden zu provozieren. Nicht jetzt, nicht hier in ihrer Position. Was, wenn die beiden ein Nein von ihr nicht akzeptierten und sich einfach nehmen würden, wonach ihnen der Sinn stand?

Plötzlich fiel ihr der nervöse Blick des Fahrers in den Rückspiegel auf. Instinktiv sah auch sie nach hinten und trat einen Schritt von dem Bus zurück. Sie blickte in die Scheinwerfer, welche aus der Ferne auf sie zurollten.

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