Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)

Chapter 20 by Daemony Daemony

What's next?

Eva steht auf

Der Raum war wieder dunkel. Julius hatte die Kerze mitgenommen.

Ihr Körper schmerzte. Aber es war ihr Geist, der wirklich Qualen litt. Sie wusste nicht, was noch auf sie zukommen würde, was sie noch durchstehen müsste. Diese Berge waren noch nicht fertig mit ihr.

Noch lange, nachdem Julius fort war, blieb Eva still liegen. Seine schweren Schritte die steile Treppe hinab waren verklungen, doch seine Präsenz blieb im Raum zurück. Sie fühlte ihn in den tief herabhängenden Dachbalken, in den Ritzen der Bodendielen - und in den brennenden Striemen, die auf ihrer zarten Haut erblühten.

Die Stille war eine weitere Art von Misshandlung.

Eva drehte sich langsam um, die Glieder hölzern, das Gesicht in die raue Decke vergraben. Ihre Knie zog sie hoch an die Brust, kauerte sich zusammen wie ein kleines Kind, aber das bot der Erwachsenen keinen Trost. Ihr Körper fühlte sich fremd an – ein Ding, das nach dem Messen weggeworfen wurde, weil es als mangelhaft befunden wurde.

Julius hatte sie angefasst. Wie ein Mann, der sie besitzen wollte. Aber nicht aus Lust. Er war kühl und berechnend vorgegangen, wie ein Bauer, der sein Vieh begutachtete, um zu entscheiden, welche Tiere für die Zucht geeignet waren und welche er besser schlachten sollte.

Die Scham war plötzlich wieder da, scharf und eisig, wie kaltes Wasser, in das sie eintauchte.

Eva drehte sich auf den Rücken und starrte an die schräge Decke. Sie hatte kein Licht in der Kammer, die Kerze war noch immer kalt. Trotzdem kam von irgendwoher flackernder Schein. Das Licht drang unter der Tür und durch die Risse im verdrehten Holz herein. War da draußen jemand und lauschte?

Sie presste ihre Hände auf ihren Bauch, als wollte sie sich zusammenhalten. Dass Julius sie geschlagen hatte – das konnte sie ertragen. **** war etwas, das sie verstand, etwas, das sie kannte und schon oft überstanden hatte. Aber diese Berührung, diese Prüfung ... und dieser ruhige Moment danach, als er es wusste und doch nichts sagte – das beunruhigte sie mehr, als sie sich selbst erklären konnte. Was bedeutete es? Hing davon ihre Zukunft ab? Ihr Leben?

Das Gesicht ihres Onkels tauchte vor ihrem inneren Auge auf. Der Geruch von Tabak, der ihn immer umgab. Das Keuchen seines Atems, wenn er sich im Dunkeln über sie beugte. Die geflüsterten Versprechen, was er ihr schenken würde, wenn sie stillhielt und niemandem etwas sagte. Die in Süßigkeiten versteckten Drohungen, falls sie ihn doch verraten sollte. Ihre Fäuste ballten sich. Ein trockenes Schluchzen entrang sich ihrer Brust.

Sie waren gleich, diese zwei Männer. Nicht in dem, was sie taten – aber in ihrer Persönlichkeit. In der Art, wie sie alles um sich herum vereinnahmten. In der Art, wie sie die Menschen um sich herum als ihr Eigentum betrachteten.

Eva straffte sich. Sie hatte dieses Haus in der Stadt überlebt. Sie war daraus entkommen. Sie könnte es wieder schaffen. Sie würde sich befreien. Von Julius, von dem Dorf, von den Bergen.

Sie musste es nur wollen.

Und doch lag sie hier. Einsam. Nackt. Beschämt.

Eine Träne stahl sich aus ihrem Augenwinkel und lief träge an ihrer Schläfe hinab.

Sie riss sich zusammen. Sie musste handeln. Liegen bleiben und sich bemitleiden waren kein Ausweg. Sie schwang die Beine über die Bettkante und stand auf.

Julius hatte gesagt, sie sollte sich anziehen. Doch ihr Kleid war schmutzig und zerrissen. Sie hatte Ersatzwäsche in ihrem Rucksack, ein dünnes, leinenes Unterkleid, wollene Strümpfe und natürlich Unterwäsche. Doch für ein zweites Kleid hatte der Platz in ihrem kleinen Rucksack nicht ausgereicht. Ein Minimum an Verpflegung. Sie wollte schnell und leicht unterwegs sein, um die schmalen, steilen Bergpfade zu meistern. Für alles Weitere hatte sie auf die sprichwörtliche Gastfreundschaft und notfalls die Mildtätigkeit der Bergbewohner gebaut.

Und dann fiel ihr ein, was sie noch in ihren Rucksack gesteckt hatte. Ganz unten, eingewickelt in ein Taschentuch. Das Messer. Es war nicht groß, aber scharf.

What's next?

Want to support CHYOA?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)