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Chapter 21
by
Daemony
What's next?
Lisi weiß etwas
Das Klopfen klang leise und zaghaft - zu zaghaft, als dass es Julius sein könnte.
Eva fragte sich, weshalb sich jemand die Mühe machte, anzuklopfen, wenn sie eingeschlossen war. Die Person musste doch gesehen haben, dass der Riegel außen vorgeschoben war. Wenn jemand diese einfache Regel des Anstands einhielt, dann sollte sie ebenso höflich reagieren, auch wenn sie eigentlich so aufgebracht war, dass sie alles und jeden verfluchen wollte.
Noch ehe sie antworten konnte, klopfte es ein zweites Mal.
"Eva?", ertönte zurückhaltend eine leise weibliche Stimme, "Bist du wach? Ich bin's, Lisi."
Verwundert nahm Eva dies zur Kenntnis. Was wollte Julius' Schwiegertochter von ihr? Sie hatten bislang kaum etwas miteinander zu tun gehabt. Aber zumindest war die junge Bäuerin keine Bedrohung. Möglicherweise könnte sie sogar irgendwann eine Freundin werden oder zumindest Hilfe und Unterstützung anbieten.
Eva unterdrückte das Zittern und den Ärger in ihrer Stimme und rief halblaut: "Ja. Einen kleinen Moment noch, ich ziehe mich gerade an."
Sie holte rasch das Unterkleid aus dem Rucksack und warf es sich über. Die dicken Wollsocken zog sie an die Füße, um die Kälte ein wenig zu vertreiben.
"Herein!"
Der hölzerne Riegel wurde zurückgeschoben und die Tür schwang auf. Lisi trat über die Schwelle. Ihre Hände hatte sie vor ihrer Schürze gefaltet. Ihr Gesicht war bleich, eine lose Strähne hatte sich unter dem Kopftuch hervorgestohlen, das sie über den Haaren trug. Der herrliche Duft frischen Brotes hing in ihren Kleidern und erfüllte im Nu die kleine Kammer. Doch der Gedanke an ein wärmendes Feuer, den sie mitbrachte, war nur eine Illusion.
Lisi fröstelte. "Es ist kalt hier drin", meinte sie.
"Ja, ich weiß. Was ist?" Evas Bemerkung klang galliger, als sie beabsichtigt hatte.
Lisi senkte den Kopf. Sie wirkte schuldbewusst und schaffte es nicht, Eva in die Augen zu sehen. Sie rang ihre Hände, ehe sie stockend sprach.
"Ich soll nachsehen, ob du fertig bist, und dich zu den Ältesten bringen."
Die junge Frau mutete beinahe wie ein Schatten an, wie sie da stand. Still, unbeweglich, fast körperlos. Nur ein stetiges Zittern deutete an, dass sie lebte.
"Ich ... es ... tut mir leid", brachte sie heraus.
"Danke. Aber das muss es nicht. Du kannst ja nichts dafür."
Lisis Kopf ruckte nach oben und für einen flüchtigen Augenblick sahen sich die beiden an. Wieder war Eva verblüfft, wie sehr sie ihrer Schwägerin Grete und ihrer Nichte Leni glich. Die Ähnlichkeit war zu groß, um Zufall zu sein.
"Lisi, darf ich dich etwas fragen?"
Der Kiefer der Bäuerin verkrampfte sich. Sie blinzelte, ihre Lider flatterten. War es Angst, die sich in ihrer Miene abzeichnete? Dann **** sie sich zu einem Lächeln.
"Ja, selbstverständlich."
Eva wählte ihre Worte mit Bedacht.
"Was geht in diesem Haus vor sich?"
"Ach - es ist alt. Und schief. Überall knarrt und knirscht es. Das Holz, weißt du?"
"Ich meine nicht das Gebäude", bohrte Eva nach. Und als keine Antwort kam, erklärte sie: "Ich will dich nicht in Schwierigkeiten bringen. Ich muss nur wissen, ob ich mir etwas einbilde. Ob ich anfange, verrückt zu werden."
"Du bist nicht verrückt."
Die Worte waren so leise, dass man sie fast nicht hörte.
Lisis Augen senkten sich wieder auf den Boden. Der kurze Moment, in dem Eva glaubte, sie könnte eine Verbindung mit ihr knüpfen, war verflogen.
"Lisi, bitte", Eva stand auf und machte einen Schritt auf die andere zu, "wenn du etwas weißt, musst du es mir sagen."
Aber Lisi war bereits zurückgewichen. Sie stand im Türrahmen, eine Hand lag auf dem Riegel.
"Mach dich fertig. Ich komme gleich wieder und hole dich ab."
"Ich habe kein sauberes Kleid", warf Eva ein, "Kannst du mir bitte etwas zum Anziehen besorgen?"
Lisi nickte, drehte sich um. Dann war sie weg. Die Tür der Kammer fiel zu, aber das schabende Geräusch des Verschlusses kam nicht. Der Ausgang war offen.
"Sie weiß etwas", sagte Eva zu sich selbst, "Sie weiß alles."
Noch konnte sie nicht darüber reden. Aber der Same war gepflanzt. Und ein Same, der aufging, konnte sogar Felsen zerbrechen.
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Eva
Ein Projekt im Genre „Dark Fantasy“
Eva, eine junge Frau aus einer Kleinstadt in der Nähe von Wien sucht einen Ort , um ihre belastende Vergangenheit zu überwinden, um Ruhe und Frieden zu finden. Sie weiß nicht, dass das winzige, isolierte Alpendorf unter dem Einfluss böser, übernatürlicher Mächte steht und sie Herausforderungen ausgesetzt werden wird, an denen sie wachsen oder zerbrechen kann.
Updated on Apr 14, 2025
by Daemony
Created on Mar 26, 2023
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