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Chapter 21 by Daemony Daemony

What's next?

Ins Gefängnis

Man stieß sie grob auf die Rückbank eines Polizeiautos. Der Wagen jagte los und raste durch den dichten Straßenverkehr. Die Sirene war ausgeschaltet, aber die Blaulichter rotierten und warfen hektische Blitze auf alle reflektierenden Oberflächen. Heike wurde auf dem Rücksitz bei jeder Richtungsänderung herumgeschleudert, eingeklemmt zwischen den beiden Beamten, deren Hände besitzergreifend auf ihren Oberschenkeln lagen. Sie sagten kein Wort und ihre Mienen waren hinter den Sonnenbrillen nicht lesbar. Doch Heike war sich sicher, dass die zwei die Fahrt sehr genossen.

Der ungewohnte schwarze Umhang kratzte. Sie schwitzte und spürte, wie Tropfen an ihrem Hals herabliefen und sich zwischen ihren Brüsten sammelten. Der Stoff schien immer schwerer zu werden und sie nach unten zu drücken. Das Gewicht trug zu der wachsenden Angst bei, die ihr immer mehr die Luft abschnürte. Durch das getönte Fenster erhaschte sie flüchtige Blicke auf die geschäftige Stadt – eine Welt, die eben so weit entfernt von der kahlen Zelle zu sein schien, die sie gerade verlassen hatte, wie von dem luxuriösen Apartment, in dem sie heute Morgen aufgewacht war.

Als sie auf der Polizeiwache ankamen, wurde sie unzeremoniell herausgezerrt. Die Polizisten bewegten sich mit eingeübter Effizienz, ihr Griff war fest, aber nicht grausam. Heike kam sich eher wie eine Ware vor, die verstaut werden sollte, als wie eine Gefangene. Man eskortierte sie durch ein Labyrinth aus schwach beleuchteten Gängen, die Luft wurde immer stickiger, je weiter sie gingen. Das Tageslicht blieb zurück, als sie eine Treppe hinabstiegen.

Im Keller roch es nach Schweiß, feuchtem Beton und rostigem Metall. Leuchtstoffröhren flackerten über ihnen und warfen nervöse Schatten, die über die Wände tanzten. Endlich blieben sie vor einer massiv wirkenden Stahltür stehen. Einer der Beamten klopfte zweimal, bevor sie von der anderen Seite aufgeschlossen und aufgestoßen wurde.

Direkt hinter dem Durchgang stand ein billiger Schreibtisch aus zerkratztem Blech, auf dem sich Formulare mit arabischer Schrift stapelten. Der übergewichtige Wärter, der geöffnet hatte, schlurfte wieder an seinen Platz dahinter und ließ sich auf dem Stuhl nieder, der bedrohlich ächzte.

Der größere Teil des Raumes war durch ein deckenhohes Gitter abgetrennt und bildete eine Gemeinschaftszelle, deren Wände von Feuchtigkeit und weiß-Gott-was befleckt waren. Es herrschte ein leises Gemurmel erfüllt, das von den zahlreichen Frauen stammte, die darin eingepfercht waren. Nach einem unwirschen Bellen des Wärters ebbte es etwas ab, verstummte aber nicht. Nach einem schnellen, für Heike unverständlichen Austausch zwischen ihren Begleitern und dem Herrn über dieses unterirdische Reich wurde die Zellentür quietschend geöffnet und die neueste Insassin hindurch geschubst. Mit einem endgültig klingenden Scheppern fiel der Ausgang hinter ihr ins Schloss.

Die Zelle war mit Frauen überfüllt. Sie saßen dicht gedrängt auf Sitzbänken, die an den Wänden entlang angebracht waren, oder auf dem Boden. Die meisten von ihnen Einheimische, deren Augen eine Mischung aus Resignation und Trotz zeigten. Mehr als die Augen konnte man von den Gefangenen kaum erkennen, da alle den verhüllenden Niqab trugen. Viele Blicke richteten sich auf Heike, als sie hineingestoßen wurde, einige mit Neugier, andere mit kaum verhohlener Verachtung.

Nur eine Frau stach heraus – offenbar eine Ausländerin wie Heike, was man aus der blassen Haut schließen konnte, die um die grün schimmernden Augen sichtbar war. Eine unbotmäßige Locke kastanienbraunen Haares hatte sich unter der Verhüllung hervor gestohlen. Nicht nur ihr Äußeres kennzeichnete sie als Außenseiterin. Sie saß alleine, abseits von den anderen auf einer rissigen Bank; niemand wollte neben ihr Platz nehmen oder traute sich, ihr Nahe zu kommen. Die Körperhaltung der Einzelgängerin war angespannt, ihre Augen suchten beständig den Raum ab wie ein Raubtier, das Bedrohungen abschätzt. Als ihr Blick auf Heike fiel, kniff sie ihre Augen leicht zusammen, als würde sie versuchen zu entscheiden, ob die Neue Freund oder Feind war.

Heike stand verunsichert neben der zugefallenen Tür und versuchte, das Chaos um sie herum zu verstehen. Sie zögerte, wusste nicht, wohin sie gehen oder was sie tun sollte. Die Einheimischen begannen, untereinander zu flüstern, ihre Stimmen waren zu leise, als dass man einzelne Worte verstehen könnte. Heike fing nur den Tonfall auf – einige klangen verächtlich, andere mitleidig.

Schließlich durchbrach die Europäerin Heikes Apathie. Ihre Stimme war nur ein leises Flüstern, aber doch so drängend und scharf, dass jedes Wort klar ankam. „Neu hier, was?“

Heike nickte, ihre Kehle war zu trocken, um zu antworten.

„Ein kleiner Rat“, sagte die Frau, deren Akzent eine seltsame Mischung aus osteuropäisch und etwas anderem war, das Heike noch nicht zuordnen konnte. „Schließe hier nicht zu schnell Freundschaften. Aber mach dir auf keinen Fall Feinde.“ Sie lehnte sich zurück und ihre Augen funkelten so hell, dass Heike förmlich das unter dem Schleier verborgene Grinsen erkennen konnte. „Dieser Ort verzeiht keine Fehler. Und nur selten bekommt man eine zweite Chance.“

Damit klopfte sie einladend mit der flachen Hand auf den freien Platz auf der Bank neben sich.

Heike schluckte, navigierte durch die Menge und ließ sich auf der angebotenen Stelle niedersinken. Das Gewicht ihrer Lage lastete auf ihren Schultern wie Blei. In welche Hölle sie auch gerade eingetreten war, es war klar, dass sie mehr als Lügen brauchen würde, um hier wieder herauszukommen. "Ich heiße Heike", stellte sie sich ihrer Zellengenossin vor und streckte eine Hand zur Begrüßung aus.

Die Fremde legte ihren Kopf schief und sah Heike aufmerksam in die Augen, als wolle sie entscheiden, ob sie eine Antwort wert wäre. Schließlich schlug sie ein. "Milena."

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